Irland: Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gelangen an die Öffentlichkeit

In Irland sind nun Vorwürfe des sexuellen Kindesmissbrauchs an die Öffentlichkeit gelangt. Barry J. Whyte berichtet in der The Business Post über diesen und andere Fälle.

Im Sommer 2016 wurden in einer irischen Versammlung der Zeugen Jehovas die Ältesten über einen mutmaßlichen Fall des Kindesmissbrauchs informiert. Die Ältesten haben sich laut Artikel an ihre internen Richtlinien gehalten und sich an die Rechtsabteilung der Watch Tower Bible and Tract Society in Großbritannien gewandt. Die Ältesten wurden daraufhin angewiesen, ihre eigenen internen Untersuchungen in dieser Angelegenheit durchzuführen.

Es soll zu einer Meinungsverschiedenheit unter den Ältesten gekommen sein, ob sie den Vorfall an die Behörden übergeben sollten. Besonders deshalb, weil der Täter die Straftat zugegeben hat.

Einer der Ältesten hat sich daraufhin an die Polizei gewandt und diese über den Missbrauch informiert. The Sunday Business Post hat im August 2016 berichtet, dass die Watch Tower dem Täter Einschränkungen innerhalb der Gemeinde auferlegt hat um die Kinder zu schützen und vom Täter getrennt zu halten. Wie White berichtet, hat die Watch Tower auch Disziplinarmaßnahmen für die Ältesten gefordert, die die Angelegenheit an die Behörden weitergegeben haben. Eine Quelle der Business Post hat berichtet, dass zwei Älteste in Zusammenhang mit diesem Fall von ihrem Amt enthoben worden sind. Die Begründung für die Amtsenthebung war: „mangelnde Gesundheit“ und „Illoyalität“.

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Die Business Post hat mit einer Frau aus Irland gesprochen, die sich ebenfalls an die Polizei gewandt hat, da ihrer Aussage nach eines ihrer Kinder sexuell missbraucht worden sei. Die Untersuchungen haben ergeben, dass ihr Kind die Ältesten bereits darauf aufmerksam gemacht haben soll. Die Mutter wurde darüber nicht informiert, so heißt es. Sie erfuhr – so der Artikel – erst später davon.

Die Frau erklärte gegenüber der Business Post„Die Organisation hat sich nicht darum gekümmert was meinem Kind widerfahren ist: Ihre einzige Sorge war, dass ‚Jehovas Organisation nichts zur Last gelegt werde‘. Sobald sie merkten, dass ich nicht still hielt, sorgten sie dafür, dass niemand innerhalb der Gemeinde mit mir Kontakt hatte.“

The Business Post ist auch bekannt, dass Älteste in anderen irischen Gemeinden angewiesen wurden, Aufzeichnungen über Vorwürfe des Kindesmissbrauchs zu vernichten. Diese Anweisungen wurden in den letzten Monaten per E-Mail und Telefon übermittelt.

Irland: Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gelangen an die Öffentlichkeit

Die Teilnehmer versammelten sich bei der Veranstaltung „Bringing Abuse to Light“ in London. Copyright: David Fierson for Reveal

Die Organisation Center for Investigative Reporting (CIR)  hat im April 2017 eine Konferenz einberufen, um auf das wachsende Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern bei Zeugen Jehovas aufmerksam zu machen.

Eingeladen waren US-Anwalt Irwin Zalkin, der mehrere Fälle gegen die Watchtower Society in New York geleitet hat sowie der Boston Globe-Reporter, der Teil des Spotlight-Teams war, und die jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchsfälle der katholischen Kirche in den USA aufdeckte. Ebenfalls anwesend war Professor Geoffrey Shannon, Irlands Sonderberichterstatter für Kinderschutz, der einen Vortrag über die Parallelen zwischen den Zeugen Jehovas und der katholischen Kirche hielt.

Shannon sagte der Sunday Business Post, dass er während seines Vortrags dem Publikum erklärte, wie bei Zeugen Jehovas und der katholischen Kirche „die  Geheimhaltung, das Vermeiden von Skandalen, der Schutz des Namens der Kirche und die Vermögenswerte der Kirche Vorrang vor dem Schutz gefährdeter Kinder hatten„.

Shannon wies auch darauf hin, dass die Probleme, die in Irland erkannt wurden, Teil einer weltweit zunehmenden Überprüfung der Organisation wären, insbesondere hinsichtlich der Art und Weise, wie die Organisation Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs behandelt.

Shannon sagte, er begrüße die Änderung der irischen Gesetze und die Einführung der Meldepflicht – aber dies sei nur ein Anfang.

Neben England, Spanien, Portugal und einigen anderen Ländern erreicht dieses Thema damit immer mehr EU-Staaten. Man kann nur hoffen, dass auch Deutschland umfassender auf die Gefahren für Kinder in dieser Gemeinschaft eingeht.

Quelle: oliverwolschke