Jehovas Zeugen – Ich war 16 Jahre bei den Zeugen Jehovas, jetzt habe ich eine Botschaft

Margit Ricarda Rolf war Mitglied bei den Zeugen Jehovas. In den 80er Jahren trat sie zusammen mit der Familie ein, 2001 gelang ihr der Ausstieg. Seit 2004 unterstützt sie Menschen, die ebenfalls bei der Sekte aussteigen wollen.

Was viele herunterspielen, wenn es um Sekten geht: Bei Gruppen wie den Zeugen Jehovas werden Kinderseelen zerstört. Das weiß ich nicht nur, weil ich mich um junge Aussteiger gekümmert habe, sondern auch, weil ich es selbst bei meinen eigenen Kindern erlebt habe.

Mit 34 Jahren habe ich mich auf Gespräche mit der Sekte eingelassen: Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie mich überzeugt hatten und wir – also mein Mann und ich wurden als Zeugen Jehovas getauft und nahmen unsere beiden Kindern mit in die Versammlung.

Wir haben während dieser Zeit noch zwei weitere Kinder bekommen. Wir dachten, dass es etwas Gutes sei, eine große Familie zu sein. Schließlich würden wir alle ins Paradies kommen, da wir auserwählt sind.

Erst der “Text des Tages”, dann die erste Mahlzeit

Nur für unsere Kinder war es kein Paradies. Es war schrecklich. Schon die Atmosphäre bei den Zeugen ist kinderfeindlich.

Ich erinnere mich an die schönen Sommertage, die meine Kinder drinnen verbracht haben. Sie mussten den Wachtturm vorstudieren, während andere Kinder draußen gespielt haben.

Auf den langwierigen Versammlungen mussten sie still sitzen und durften sich kaum bewegen. Kinder sollen vom Mutterleib an lernen, was in der Bibel steht.

Die Zeugen Jehovas haben unseren gesamten Alltag bestimmt.

Das hat schon nach dem Aufstehen begonnen. Meine Kinder mussten morgens als Erstes mit mir den Text des Tages besprechen, bevor sie überhaupt etwas essen durften.

Wegen der Zeugen Jehovas haben auch meine drei älteren Kinder kein Gymnasium besucht, Bildung ist nämlich bei der Sekte verpönt. Meine Kinder werfen mir das noch heute vor.

Aber es war für uns kaum möglich, sie frei zu erziehen:Glaubensschwestern oder Älteste haben sie während unseres Predigtdienstes ausgehorcht.

Sie wollten wissen, ob wir auch alle Vorschriften einhalten: “Spricht eure Mutter mit euch auch den Text des Tages durch?”; “Was unternehmt ihr so zusammen?”

Keine Sekunde länger wollte ich in dieser Sekte bleiben

Der erste Bruch kam, als meine älteste Tochter mit 17 Jahren ausgestiegen ist. Wir durften dann eigentlich keinen Kontakt mehr zu ihr haben, haben uns aber nicht daran gehalten.

Einige Zeit später bekam auch mein Sohn Probleme mit den Ältesten – das war für unsere Familie sehr belastend, wir wollten uns nicht gegen unsere Kinder entscheiden. Irgendwann hat es meinem Mann jedoch gereicht: Er hat beschlossen, nicht mehr zu den Versammlungen zu gehen.

Er war auch der Meinung, dass unsere jüngsten Kinder nicht mehr mitkommen müssen, wenn sie nicht wollen. Sie wollten nicht.

Ich war dann allein bei den Versammlungen und wurde ausgegrenzt. Ich wurde ignoriert, fallen gelassen. Das war sehr hart für mich. Denn es ist wirklich schwer, aus dieser Abhängigkeit, diesen Überzeugungen, die man hat, wieder herauszukommen.

Bis ich mich eines Tages bei einer Versammlung, in der uns in grellen Farben der Weltuntergang ausgemalt wurde, gefragt habe: Was mache ich hier noch? Das ist doch pure Angstmacherei!

Währenddessen hat mein Mann im Internet eine Seite von Aussteigern gefunden. Ich war sofort neugierig und habe Kontakt aufgenommen. Danach habe ich mich sehr kritisch mit den Zeugen Jehovas auseinandergesetzt.

Mir wurde klar, dass die Übersetzungen der Bibel bei den Zeugen oft falsch dargestellt wurden, um die Mitglieder klein zu halten und beispielsweise als Hausierer zu missbrauchen.

Keine Sekunde länger wollte ich fortan in dieser Sekte bleiben.

Die Zeugen Jehovas beschneiden das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung

Später habe ich mich dabei engagiert, Aussteigern zu helfen. Viele junge Menschen wollen raus, wenn sie in die Pubertät kommen.

Oft gibt es ein Elternteil, das nicht dazugehört und zu dem der Kontakt abgebrochen wurde. Was ich besonders schlimm finde: Schon da werden Kinder traumatisiert.

Bei den Zeugen Jehovas hören sie dann, dass der Vater oder die Mutter, die nicht Teil der Sekte sind, dem Satan gehören würden.

Wenn Kinder noch klein sind, glauben sie das – sie haben dann wahnsinnige Angst um ihre Eltern. Sie bekommen Panikattacken und nässen sich ein. So werden Seelen zerstört. Insbesondere die von Kindern.

Was ich durch meine Hilfe für Aussteiger und durch meine eigene Erfahrung mitbekommen habe: Kinder werden psychisch misshandelt, gegängelt und geprügelt.

Eine Sekte wie die Zeugen Jehovas beschneidet das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung.

Aber Kinder können sich nicht wehren. Deshalb brauchen sie eure Hilfe – wir müssen unbedingt die Kinderrechte stärken.

Wer aus einer Sekte aussteigen möchte und Hilfe braucht, kann sich gerne über meinen Blog an mich wenden.

Das Gespräch wurde von Lisa Mayerhofer aufgezeichnet.

Quelle: Focus | Margit Ricarda Rolf

Jehovas Zeugen – 23 Jahre bei den Zeugen Jehovas: Ich habe viele Höllen durchlebt

Seine ganze Kindheit und Jugend gehörte der jetzt 41-jährige Mann aus St.Gallen den Zeugen Jehovas an. Mit 23 Jahren brach er radikal. Fast zwei Jahrzehnte später sagt er: «Erst jetzt lebe ich ein selbstbestimmtes Leben.» Protokoll eines Ausbruchs aus den Fängen einer Sekte.

Die Kindheit: Missionieren von Haus zu Haus

«Ein kleiner Bub war ich, siebenjährig und zog an meinen schulfreien Nachmittagen mit einem Erwachsenen von Haus zu Haus. Wir klingelten an den Türen, sprachen mit den Menschen über den nahenden Weltuntergang Harmagedon und das anschließende ewige Leben im Paradies, für alle, die sich der Lehre der Zeugen Jehovas unterwerfen. Ich habe diese Predigtdienste gehasst. Besonders den Straßendienst wo man mit dem Wachtturm – der Broschüre der Zeugen – an einer Straßenecke steht. Jedes Mal, wenn ein Klassenkamerad vorbeigegangen ist, habe ich mich geschämt. Bis zu zwölf Stunden im Monat war ich damals unterwegs im Namen der Zeugen Jehovas, um verlorene Seelen zu retten. Es war schlimm, dieses Hausieren, doch was wir erzählt haben, das habe ich mit tiefer Überzeugung geglaubt.

Die Familie: Den Kontakt zur Mutter verwehrt

Mein Vater und meine Stiefmutter lebten mit mir und meinem Zwillingsbruder und meinem älteren Bruder in Wuppertal, Deutschland. Der Kontakt zu meiner leiblichen Mutter wurde mir verwehrt. Sie verschwand aus meinem Leben, als ich etwa fünf war. Bis heute habe ich kaum Kontakt zu ihr. Ich weiss, dass sie mit den Zeugen Jehovas gebrochen hatte und in Alkoholismus und Arbeitslosigkeit abrutschte. Wirklichen Kontakt zu anderen Menschen ausserhalb der Zeugen Jehovas hatte ich nicht.

Ich besuchte zwar die öffentliche Schule, doch es war uns nicht erlaubt, engere Kontakte zu pflegen; keine Geburtstagsfeiern, keine Partys, keine Disco und keine Beziehungen mit Mädchen, denn Sex vor der Ehe ist tabu. Schliesslich konnte man den Nichtzeugen, den Weltmenschen, wie wir sie nannten, nicht trauen. Es waren in unseren Augen allesamt Menschen, die in Harmagedon vernichtet werden würden. Nur uns Zeugen war das ewige Leben sicher. Nur für dieses lebten wir.

Die Predigtdienstschule: Selber denken nicht erwünscht

In der Predigtdienstschule – der Gottesdienst der Zeugen am Freitag und am Sonntag – lernte ich, kaum konnte ich schreiben, kleine Fünfminuten-Vorträge über ein biblisches Thema zu halten. Das gehörte genauso dazu, wie das wöchentliche Treffen mit Buchstudium in einer Privatwohnung. Dort arbeiteten wir Bücher durch mit Fragestellungen zum biblischen Leben. Die Antworten waren allesamt schon feinsäuberlich notiert. Selber denken und hinterfragen war ausdrücklich nicht erwünscht.

Das schwarze Schaf: In einem Kellerzimmer

Der ältere Bruder war eine Enttäuschung für meine Eltern. Er hat sich von den Zeugen abgewendet, trank Alkohol und hörte Heavy Metal-Musik. Schon früh führte er ein abgesondertes Leben ohne Kontakt zur Familie in einem Zimmer im Keller. Dieses Zimmer war für uns tabu. Unser Bruder auch. Ich hatte keinen Kontakt zu ihm. Manchmal, wenn niemand zu Hause war, schlich ich mich in das Zimmer im Keller und sah mich um. Unser ältester Bruder war viel bei unserer Großmutter. Sie hat viel geweint und hatte keine Chance, zu meinem dogmatischen Vater durchzudringen. Mein ältester Bruder bewegte sich zeitweise in der rechtsradikalen Szene.

Die Lehre: Beruf spielt keine Rolle

Nach der Schule begann ich eine Lehre als Chemikant. Ich habe diesen Beruf gehasst. Aber ich war überzeugt, dass das Ende nahe ist, und es gar keine Rolle spielt, was für einen Beruf ich lerne.

Die Ehe: Nur gestritten, ohne Liebe

Das nächste Kapitel, das nie hätte sein dürfen: Mit 21 Jahren habe ich geheiratet. Wir waren nicht reif dafür. Wir sind uns körperlich näher gekommen, das war strikt verboten vor der Ehe. Ich glaubte, dass Gott alles sieht, sogar meine Gedanken lesen kann. Wir mussten es beichten und – heirateten. Zur gleichen Zeit, als ich Heiratspläne hegte, verliebte sich mein Zwillingsbruder in ein Mädchen ausserhalb der Zeugen und wurde ausgeschlossen aus der engen Gemeinschaft. Er war mein wichtigster Mensch für mich und ich durfte ihn nicht an meine Hochzeitsfeier einladen. Ausgestiegene Zeugen sind das Schlimmste für die Versammlung, denn sie haben sich bewusst von der einzigen Wahrheit abgewendet. In ihren Augen sind sie noch schlimmer als Mörder oder Vergewaltiger. Mein Hochzeitstag war die Hölle, mein schlimmster Tag. Auch die Ehe geriet zur Katastrophe. Wir haben nur gestritten, waren nicht reif genug, haben uns nicht geliebt. Die Verbindung hielt zwei Jahre.

Der Bruch: Schuldig und verdammt

Mein Zwillingsbruder, der mittlerweile fern von den Zeugen Jehovas im deutschen Passau lebte, suchte in dieser Zeit immer wieder den Kontakt zu mir, bis ich ihn dann besuchte. Zusammen mit ihm ging ich erstmals im Alter von 23 Jahren an eine Gothic-Party und verliebte mich unsterblich in ein Mädchen. Sie war der Grund, weshalb ich mit den Zeugen Jehovas, mit meinem ganzen alten Leben brach. Ich kündigte meine Stelle, liess mich scheiden, brach den Kontakt zu meinem Elternhaus komplett ab. Es war nicht die Überzeugung, dass die Zeugen falsch lagen mit ihrer Weltanschauung. Im Gegenteil, ich habe mich schuldig und verdammt gefühlt. Ich war mir sicher, dass ich jetzt verloren bin. Ich konnte mich nicht mehr ansehen, war der Überzeugung, dass Gott mich hasst, malte mein Gesicht weiss, die Lippen schwarz an, trank mich jeden Abend mit Absinth und Whiskey weg und wurde Satanist – wenn Gott mich hasst, muss mich der Teufel lieben.

Gleichzeitig hatte ich einen riesigen Freiheitsdrang und beschäftigte mich exzessiv mit Magie, Okkultismus und Satanismus. Ich wollte alles wissen und dieses riesige schwarze Loch in mir irgendwie füllen. Die Beziehung zur neuen Liebe, eine Frau mit Borderline-Syndrom, hielt dreieinhalb Jahre. Und dann lernte ich Carl Friedrich Frey – genannt Akron – in St.Gallen kennen. Er ist der Grund, weshalb ich hier in St.Gallen lebe. 17 Jahre lang hatte ich ein Schüler-Lehrer-Verhältnis zu ihm. Er hat mir geholfen, für mich selber zu denken und zu hinterfragen, er half mir, mein altes Weltbild in einem langen Prozess zu zerstören und an meine eigene Freiheit zu glauben. Es war eine Schlüsselbegegnung in meinem Leben. Nach seinem Tod im letzten Jahr hat er mir sein Amulett, das er ständig trug, vererbt.

Das neue Leben: Endlich fähig, zu genießen

Die Beziehung zu meiner nächsten Freundin dauerte dann zehn Jahre. In dieser Zeit fing ich an zu gamen, ich lebte komplett in einer künstlichen Welt durch diese Spiele. Zudem beschäftigte ich mich ständig mit dem Tod. Bei den Zeugen herrscht die Überzeugung, dass nach Harmagedon das Leben erst richtig beginnt. Das jetzige Leben ist nur die Vorbereitung auf das ewige Leben im Paradies. Mit 30 Jahren fing ich nochmals eine Lehre als Mediamatiker an. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und würde sagen, dass ich seit zwei, drei Monaten bereit bin, das Leben endlich zu genießen, fähig bin, Neues auszuprobieren und endlich beziehungsfähig bin. Auch mein Zwillingsbruder hat nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Rehabilitationsklinik den richtigen Weg gefunden. Er hat das Abitur nachgeholt und studiert jetzt Philosophie, möchte doktorieren. Ich habe viele der Höllen erlebt, in denen Menschen stecken können. Ich kann mich deshalb sehr gut in Menschen hineinfühlen. Wahrscheinlich wird es in meinem Leben immer depressive Phasen geben, doch ich gebe diesen nicht mehr nach.»

InfoSekta: Am meisten Anfragen zu Jehovas Zeugen 

2400 Personen suchten im Jahr 2017 Hilfe bei der Fachstelle für Sektenfragen. Wie es im neusten Bericht von InfoSekta heißt, erhält die Fachstelle seit Jahren am meisten Anfragen zu den Zeugen Jehovas, zunehmend auch von verunsicherten Noch-Mitgliedern, Aussteigern und Ausgeschlossenen. Ein großes Thema ist der sexuelle Missbrauch von Kindern im geschlossenen System der Zeugen Jehovas. In mehreren Ländern laufen Gerichtsverfahren wegen sexueller Übergriffe gegen Mitglieder der christlich-fundamentalistischen Gemeinschaft. Ratlosigkeit angesichts der Verblendung der Betroffenen, Angst vor dem Auseinanderbrechen der Familie, schleichende Entfremdung bis hin zum Kontaktabbruch und Angst um das Wohl der Kinder, die unter sektenhaftem Einfluss stehen, sind die häufigsten Gründe für eine Anfrage bei InfoSekta. Infosekta ist eine konfessionell unabhängige Beratungsstelle für Fragen rund um sektenhafte Gruppen und verwandte Themen. Die Fachstelle besteht seit 1991. (chs)www.infosekta.ch

Quelle: luzernerzeitung.ch | Christa Kamm-Sager

Jehovas Zeugen – Die Wachtturm-Gesellschaft in der Krise? Im Bethel wächst die Frustration

Viele befassen sich schon lange mit der Frage, wie lange noch die WTG angesichts der Ereignisse der letzten Jahre überleben kann.

Vor zwei Jahren implementierte die WTG ein 5-Jahres-Kostensenkungsprogramm, in dem alle Zweigbüros aufgefordert wurden, die Kosten um mindestens 10% zu reduzieren, wobei das bevorzugte Ziel auf 25% erhöht wurde.

Im Frühjahr 2015 bat Stephen Lett um Spenden, nachdem er erklärt hatte, dass die WTG mehr Geld ausgibt als einnimmt. Sechs Monate später kündigten WTG-Funktionäre in einem privaten Seminar an, dass Letts Aufruf zu zusätzlichen 30 Millionen Dollar Spenden führte, aber das würde ihre finanziellen Probleme nicht aufwiegen und sie würden mit den Entlassungen und Kürzungen fortfahren.

Wie ihr wisst, waren die Kürzungen erheblich. Abgesehen von den Entlassungen im Bethel wurden alle nicht essentiellen Projekte der Zweigbüros entweder gestrichen oder auf Eis gelegt. Der WTG bat die Zweigbüros, so viel Ausrüstung wie möglich zu verkaufen, einschließlich schwerer Ausrüstung, Drucker usw. Alle Gelder waren dafür vorgesehen, Warwick fertig zu stellen und dann ihre Kräne und Fahrzeuge im Wert von Millionen von Dollar und andere hochpreisige Werkzeuge, bis auf 5-Schraubenzieher; zu verkaufen.

In der Zwischenzeit erwarb die WTG vier Scanner im Wert von 8.000 US-Dollar und scannte alle in Brooklyn befindlichen Dokumente, wobei nur die Dokumente aufbewahrt wurden, die sie laut Gesetz aufbewahren müssen.

Die WTG gab der Stadt New York Zehntausende pro Jahr, nur um seine Tunnel- und Luftbrückenräume zwischen den Gebäuden zu erhalten. Dies war keine Steuer, es wurde eine Gebühr bezahlt, weil New York den Untergrund und den Luftraum besitzt. Der Umzug nach Warwick hat diese kostspieligen Zahlungen überflüssig gemacht.

Zweigbüros auf der ganzen Welt haben Mühe, mit ihren eigenen Buchhaltungsvorschriften Schritt zu halten. In Südafrika kämpfen über 1400 Versammlungen damit, ihre von der Regierung vorgeschriebenen Steuererklärungen zu erstellen. Die meisten Versammlungen haben 2-4 Jahre keine Steuererklärungen eingereicht, in erster Linie, weil lokale Älteste nicht verstehen, wie man sie erstellt, und ehrlich gesagt sind sie nicht an den steuerlichen Aspekten ihrer Religion interessiert. Diese Ältesten werden neu geschult und wurden vom Zweigbüro als „ungehorsam“ bezeichnet.

Die WTG hat diese Maßnahmen als Vereinfachung dargestellt und Dutzende von denen, die ihre Vollzeitarbeit verloren haben, dazu gedrängt, zu berichten, wie glücklich sie wären, ihre neue Dienstaufgabe zu akzeptieren. Im Klartext – sie sind auf sich gestellt. Keine Gesundheitsversorgung, keine Arbeit, keine Ausbildung. Ihnen wird gesagt, dass sie einfach gehen und Pionierdienst leisten sollen.

In Namibia hat die Regierung die Bitte der WTG abgelehnt, ihnen den Arbeitgeberstatus abzuerkennen, da dies die WTG zwingt, allen Vollzeitdienern – wie den Betheliten – Sozialversicherungsleistungen zu zahlen. Dies ist auch in anderen Ländern passiert. Der WTG muss diese Leistungen bezahlen. Dies wirft die Frage auf, ob jemals anderen vollzeitbeschäftigten Zeugen Jehovas rund um den Globus, Sozialleistungen gezahlt werden, die sie ebenfalls verdient hätten.

Die WTG sieht, wie ihre Vermögenswerte in Russland verschwinden, während sie in den USA und anderswo für Kindesmissbrauchshandlungen und andere Rechtsfälle zahlt. Die WTG hat die Verantwortung für alle Königreichssäle weltweit übernommen, aber viele Versammlungen sind verzweifelt und warten auf Renovierungen, die über das hinausgehen, was sie sich leisten können.

Gegenwärtig gibt es in Südafrika Meinungsverschiedenheiten wegen des festen Pro-Kopf-Betrags, der für jeden Verkündiger angerechnet wird, der an einem Kreiskongress teilnimmt. Viele Älteste haben dies lautstark in Frage gestellt und haben den Geldbetrag benannt, der jedem Kreis als Rechnung belastet wurde. Dies kommt bei vielen Ältesten nicht gut an, insbesondere bei denen in weniger wohlhabenden Gebieten. Die WTG hat ein Team von Ältesten entsandt, um ihr Denken und ihre Buchhaltungsprozeduren zu korrigieren.

Die WTG führt nun ein neues Akten-Verwaltungs-Programm ein, zusammen mit einem Verfahren zur Vernichtung von Dokumenten, das sicherstellen soll, dass keine Dokumente existieren, die die WTG mit irgendeiner rechtlichen Verantwortung oder Auswirkung verbinden würde. Der Aufseher des Akten-Verwaltung-Programms berichtet von einem Fall, bei der eine handgeschriebene Notiz der WTG über 200.000 Dollar kostete – einfach, weil ein ZJ-Ältester im Hauptbüro ehrlich war und ein schriftliches Dokument vorlegte, das die WTG mit einem großen Rechtsstreit mit einem früheren Lieferanten verband. Die WTG hat deutlich gemacht, dass diese Aufzeichnungen gemäß ihrem neuen Aktenverwaltungs- und Vernichtungsverfahren vernichtet werden müssen.

Ab 2018 wird die WTG ein Programm implementieren, bei dem jedem einzelnen Zeugen Jehovas eine Datenbanknummer zugewiesen wird und seine Informationen in der globalen WTG-Datenbank gespeichert werden. Derzeit sind in den USA nur 40% der Verkündiger in ihrer WTG-Datenbank registriert. Alle Zeugen Jehovas werden eine Nummer erhalten und verfolgbar werden, wenn wir diesen Eingriff in die Privatsphäre in den USA und auf der ganzen Welt nicht verhindern können.

Die WTG ist sehr verärgert und besorgt über alle undichten Stellen, die aus ihrer Zentrale kommen. Sie verwenden jetzt Office 365 und betten Daten in PDF-Dateien ein, um zu ermitteln, woher die Lecks kommen. Im südlichen Bezirk von New York haben sie gerichtliche Vorladungen an verschiedene Internet-Provider in den USA, zusammen mit Google, Inc. verschickt, in einem Versuch, die Quelle der Lecks ausfindig zu machen und die Personen zu identifizieren, die an der Verbreitung ihrer Literatur und Videos beteiligt sind. Die WTG fordert für sich selbst Redefreiheit, versucht sie aber denjenigen zu verweigern, die ihr öffentlich zugängliches Material teilen, das übrigens nicht aus finanziellen Gründen verteilt wird.

Die WTG versucht weiterhin, diese Lecks zu stopfen, wie beim sprichwörtlichen Damm in Holland, aber ihnen gehen die Hände – und Anwälte – aus, um diese Lecks zu schließen. Wir haben weit mehr, als ihnen bewusst ist, und sie können nichts tun, um den Informationsfluss außerhalb der Weltzentrale zu stoppen.

Das Cart-Witnessing (Zeitschrifternständer)-Programm fängt endlich an, nach hinten loszugehen. Zeugen werden angesprochen und hartnäckige Fragen zu Kindesmissbrauch, Meidung und anderen Dingen gestellt. Wenn du auf einem öffentlichen Platz stehst und eine Religion vertrittst, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Öffentlichkeit die Punkte verbindet und die Trolleys (Zeitschriftenständer) Stück für Stück auf den Schrottplatz gebracht werden.

In Kanada, den USA, Irland, Australien, den Niederlanden und vielen anderen Ländern nehmen die Regierung und die Medien Kenntnis von dem öffentlichen Aufschrei nach Gerechtigkeit – Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer und gegenüber Opfern von auferlegten und angeordneten Meidungen. Der Oberste Gerichtshof Kanadas wird dieses Jahr in einem Fall entscheiden, der Meidung und Diskriminierung beinhaltet, und wenn die WTG diesen Fall verliert, werden die Auswirkungen weltweit spürbar sein.

Ja, Geld ist ein Problem für die WTG. Dennoch haben Mitglieder der leitenden Körperschaft wie Samuel Herd öffentlich erklärt, wie schön ihre neue Umgebung im Bethel ist – wie sie die Vögel zwitschern hören, wenn sie das ruhige Hinterland von New York beobachten.

Unterdessen wurden die Zeugen Jehovas in Russland wegen der Einhaltung der Richtlinien der leitenden Körperschaft inhaftiert. Junge koreanische Zeugen schmachten ohne Grund im Gefängnis. Zeugen Jehovas in Eritrea verkommen in Gefängniszellen – einige seit Jahrzehnten, während die Koalition aus übergewichtigen, geschäftsführenden Mitgliedern der Leitenden Körperschaft Tränen für die Männer und Frauen vortäuschen, die in Wirklichkeit ihre Sklaven sind.

Wie die Opfer des Stockholmer Syndroms unterstützen Jehovas Zeugen weiterhin die einzige Organisation, von der sie glauben, dass sie die Antworten hat, identifizieren sich mit ihren Entführern und verehren sie – Männer, die wenig Sympathie für die Opfer von Kindesmisshandlung, Meidung oder für solche, die durch ihre Lehre über das Blut zu Tode gekommen sind.

Geoffrey Jackson, Mitglied der leitenden Körperschaft erklärte 2015 vor der Royal Commission in Australien lieblos, dass er nicht einmal die Details der Opfer gelesen habe, die vor der Kommission ausgesagt hatten. Er konzentrierte sich auf seine Verteidigung, wie ein Narzisst, der glaubt, dass sie das Zentrum des Universums sind, unfähig, sich in echte Menschen mit echten Problemen einzufühlen.

Tony Morris erklärte mehrfach, dass er über die europäischen Hosen für Männer, die von den Homosexuellen, die er so leidenschaftlich hasst, entworfen wurden, erbost ist – und machte mit dieser Tirade weiter, indem er Fotos neben einander stellte, die zeigen wie richtige Hosen im Vergleich zu “engen Hosen” aussehen. In einem neuen privaten Video nur für Bethel-Mitglieder wurde dieser Krieg gegen fragwürdige Hosen, Socken und Strumpfhosen bekräftigt, wobei die WTG dafür sogar Dinge heranzog, die selbst Jesus verblüffen würden, wenn er heute die Erde zu durchwandeln hätte.

Die Klagen häufen sich, die Geldstrafen werden verschärft, das öffentliche Bewusstsein für den gefährlichen und kontrollierenden Einfluss der Wachtturm-Gesellschaft auf die Anhänger wird im Jahr 2018 zu einem Spektakel werden. Wenn mehrere Dokumentationen gefilmt, Proteste organisiert und Klagen eingereicht werden, können Jehovas Zeugen wählen sich anzuschnallen um den Unfall zu überstehen – oder sie können diesen Gurt lösen und sich aus dem Fahrzeug befreien, das gerade Feuer fängt.

Wie lange wird das alles dauern? Das ist schwer zu sagen. Aber man möchte folgendes dazu sagen – jeder von uns kann dazu beitragen, dass, was wir wissen, mit der Öffentlichkeit zu teilen. Findet Webseiten, von denen ihr glaubt, dass sie ehrlich und akkurat sind – und macht sie bekannt. Findet Bücher, die ehrlich und aufrichtig sind – und weist darauf hin. Erzähle deine Geschichte. Zeige dein Mitgefühl für diejenigen, die noch gefangen sind.

Es gibt Millionen, gefangen in einem geistigen Gefängnis, aber wir können ihnen helfen. Machen wir es möglich.

Quelle: watchtowerdocuments.com | Barbara Anderson

*Barbara Anderson war Angehörige der Zeugen Jehovas von 1954 bis 1997. Sie war in der Wachtturm-Weltzentrale in Brooklyn, New York, von 1982 bis 1992 tätig. Sie stellte unter anderem auch umfangreiche Nachforschungen betreffs sexuellen Missbrauchs von Kindern in dieser Religion an, wodurch sie zu einem offenen Kritiker der Zeugen Jehovas-Richtlinien betreffs sexuellen Missbrauchs wurde, was zu Interviews in führenden Fernseh- und Rundfunkkanälen führte.

Jehovas Zeugen - Die Wachtturm-Gesellschaft in der Krise? Im Bethel wächst die Frustration

An die leitende Körperschaft

Wahrheiten jetzt! ist dankbar dafür, dass die Wachtturm-Gesellschaft der Website so viel Aufmerksamkeit gibt. Die Themen auf dieser Website müssen die Wachtturm-Gesellschaft so sehr stören, dass sie alles daran setzen den Betreiber in Gerichtsprozesse zu ziehen um ihm hohe Geldstrafen (bis zu 250.000€) oder ersatzweise 6 Monate Haft anzudrohen. Liebe leitende Körperschaft, D. H. Splane, A. Morris III., D. M. Sanderson, G. W. Jackson, M. S. Lett. S. F. Herd, G. Lösch und G. H. Pierce:

Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, nur die Lüge braucht Gesetzesschutz!

Erwartet Gott und Jesus das von euch? Hätte Jesus so gehandelt? Ihr sagt von euch selbst das ihr vom "Geist geleitet" seid. Ihr sagt selbst das ihr geistgesalbte Christen seid. Ihr sagt selbst das die Bibel über allem steht. Warum macht ihr euch dann selbst, durch Gerichtsprozesse lächerlich? Warum versucht ihr erneut zu richten? Warum wollt ihr nicht in die Fußstapfen Jesu treten, der so mild gesinnt war?

"Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?" (Johannes 18:10, 11)

Da ihr euch offensichtlich auf dem Weg der Finsternis befindet, wünscht euch Wahrheiten jetzt! sehr baldig, Jesus anzuerkennen und ihm nachzufolgen, um dem Willen des Vaters zu tun!