Jehovas Zeugen – Datenbank mit über 10.000 pädophilen Straftätern

Ein erstaunlicher Bericht im Atlantik hat die angebliche Existenz einer jahrzehntealten Datenbank beschuldigter Pädophiler bei den Zeugen Jehovas, einer Sekte des Christentums mit mehr als 1,2 Millionen Mitgliedern in den Vereinigten Staaten, offenbart. Die Datenbank, die Berichten zufolge seit Jahrzehnten geführt wird, enthält bis zu Zehntausende Namen und Adressen von beschuldigten Kinderschändern innerhalb der Organisation sowie detaillierte Berichte über die spezifischen Vorwürfe gegen sie.

Die Hauptzentrale der Zeugen Jehovas forderte Gemeinden auf, durch Briefe die genaue Zahl und Informationen offenzulegen sowie die Anweisungen an alle Gemeindevorsteher, einen Bericht über alle bekannten Pädophile zu schreiben und ihn in einem verschlossenen blauen Umschlag an das Wachtturm-Hauptquartier zurückzuschicken, ohne dass man es jemandem, einschließlich den Behörden, mitteilte. Die Briefe wurden Berichten zufolge in einer Microsoft SharePoint-Datenbank, darin enthalten allen bekannten Pädophilen innerhalb der religiösen Organisation, zusammengestellt. („Unsere Richtlinien zum Schutz von Kindern halten sich an das Gesetz, einschließlich der Anforderungen an Älteste, den mutmaßlichen Kindesmissbrauch an Behörden zu melden“, sagte das Wachtturm-Amt für öffentliche Information gegenüber The Atlantic. Wir haben uns nach weiteren Information erkundigt und werden sie aktualisieren, wenn uns weitere Berichte vorliegen.)

Laut Angaben des Atlantiks wurde die Existenz der Datenbank 2012 veröffentlicht, als ein Mann namens Jose Lopez anklagte, indem er behauptete, ein erwachsenes Kirchenmitglied namens Gonzalo Campos habe ihn mit sieben Jahren belästigt. Als er seinen Missbrauch bei seiner Mutter meldete, erzählte sie es sofort der Kirche, die es der Polizei nicht gemeldet hatte, sondern sogar Campos später zum Kirchenältester ernannte. (Campos gab später zu, dass er Lopez und einige andere Jungen belästigt hatte.)

Als der Anwalt von Lopez, Irwin Zalkin, forderte, dass die Kirche alle Dokumente über Campos und andere angeklagte Kinderschänder innerhalb der Organisation herausgeben solle, gab die Kirche an, es fehlte an solchen Unterlagen. Nachdem ein leitender Beamter der Wachtturm-Organisation das Vorhandensein der Microsoft SharePoint-Datenbank bezeugt hatte, weigerte sich die Kirche weiterhin, die Dokumente zu übergeben. (Lopez erhielt 13,5 Millionen US-Dollar, ein Urteil, gegen den die Kirche Berufung einlegte; später entschied er sich für einen nicht offengelegten Betrag.) Im Jahr 2016 vertrat Zalkin einen weiteren Kläger, der Campos des Missbrauchs beschuldigt, und bat die Kirche erneut, die Datenbank offenzulegen. Wieder lehnte die Kirche dies ab und veranlasste einen Richter, zu entscheiden, dass sie für jeden Tag, der verging, ohne dass die Kirche die Dokumente darlegte, eine Geldstrafe von 4.000 Dollar zahlen musste. Letztendlich bezahlte der Wachtturm insgesamt 2 Millionen Dollar, bevor man den Prozess außergerichtlich regelte.

Die angebliche Kindesmisshandlung und sexuellen Übergriffe in der Gemeinde wurde im vergangenen Jahr erstmals in den nationalen Nachrichten publiziert, als 69 Seiten gestohlener Kirchendokumente von der Website FaithLeaks veröffentlicht wurden. Die Dokumente zeigen, wie zwei Frauen Kirchenältesten berichteten, dass ihr Vater sie als Kinder sexuell missbraucht hatte; obwohl die Ältesten die Behauptungen für glaubwürdig hielten, meldeten sie den Pädophilen nicht bei der Polizei. Stattdessen entmachten sie ihn (im Wesentlichen einen Schritt der Exkommunikation) und setzten ihn ein Jahr später wieder in die Kirche ein.

Bis heute hat die Wachtturm-Organisation in den Vereinigten Staaten keine strafrechtlichen Ermittlungen eingeleitet. Im Jahr 2016 gründete Australien eine königliche Kommission, die die Misshandlung von sexuellem Missbrauch durch die Kirche untersuchte. Darin wurde festgestellt, dass es nicht gelungen ist, mehr als 1.000 Beschuldigte wegen des sexuellen Kindesmissbrauchs innerhalb der Kirche in über fast 60 Jahre zu melden.

Quelle: rollingstone.com | Ej Dickson

Jehovas Zeugen – Geheimhaltung und Vernichtung von Unterlagen

Kindesmissbrauch: Es wird seitens der Wachtturm-Organisation eine Geheimhaltung auch bei Straftaten und kriminalpolizeiliche Untersuchungen gefordert:

„Aufseher erhalten oft vertrauliche Informationen. Sie müssen sorgfältig darauf achten nie Unbefugten vertrauliche Informationen mitzuteilen.

… Verletzt ein Ältester die Verschwiegenheitspflicht, könnte dies für ihn und die Organisation rechtliche Folgen haben. Älteste könnten zum Beispiel ihr Zeugnisverweigerungsrecht verlieren. Dieses Recht bewahrt einen Ältesten unter bestimmten Umständen davor, mitteilen zu müssen, was er vertraulich mit einem Versammlungsangehörigen, dem Zweigbüro oder einem Anwalt besprochen hat.

Niemand sollte irgendjemandem vertrauliche Informationen weitergeben, es sei denn, die theokratische Verfahrensweise sieht es so vor oder es gibt dazu eine Anweisung vom Zweigbüro. (Personen, die vertrauliche Informationen erhalten möchten, können unter anderem Kriminalbeamte, Anwälte, Polizisten, Strafverfolgungsbeamte, Regierungs- oder Behördenvertreter, … Das bezieht sich sowohl auf schriftliche Unterlagen als auch auf Wissen von Ältesten, das nicht schriftlich niedergelegt wurde.“ (Zitat aus Ältestenbrief zu rechtlichen Angelegenheiten 4/9/2012-X Ge)

 

Vernichtung von Unterlagen und Aufzeichnungen

„Dieser Brief ersetzt die Briefe an alle Ältestenschaften vom 24. Mai 2000 (Luxemburg, in Englisch, Französisch und Spanisch), 24. August 2000 (Luxemburg, in Deutsch und Italienisch), 24. September 2000 (Luxemburg, in Portugiesisch) sowie vom 1. November 2005 (Deutschland, Luxemburg und Österreich). Sie sollten aus der Versammlungsdauerablage der Briefe zu Verfahrensweisen herausgenommen und vernichtet werden. Niemand behält Originale oder Kopien dieser Briefe.“ (Zitat aus Ältestenbrief zu rechtlichen Angelegenheiten 4/9/2012-X Ge)

„Mit diesem Brief werden die Anweisungen in den Briefen an alle Ältestenschaften über Kindesmissbrauch vom 20. September 1995 (Schweiz: 1. August 1995), 7. November 1997 (Luxemburg: 15.Dezember 1997; Österreich: 8.August 1997; Schweiz: 14. März 1997), 20. Juli 1998 (Luxemburg: 20. Oktober 1998), 5. Juni 2006 (Luxemburg: 1. August 2006) und 24. Mai 2010 (Schweiz: 20. November 2010) aktualisiert. Sie sollten aus der Versammlungsdauerablage der Briefe zu Verfahrensweisen entfernt und vernichtet werden. Niemand sollte Originale oder Kopien dieser Briefe behalten.“ (Ältestenbrief zu Kindesmissbrauch 10/1/2012-X Ge)

„Es freut uns euch mitzuteilen, dass es ein neues Buch „Hütet die Herde Gottes“ … Es ersetzt das bisherige „Hütet“-Buch (ks10). Es enthält außer den Informationen im „Hütet“-Buch (ks10) weitgehend alle wesentlichen Anweisungen der bisherigen Briefe an alle Ältestenschaften weltweit. Die meisten zweigspezifischen Anweisungen findet ihr in der Ergänzung zu „Hütet die Herde Gottes“. Der Index der Briefe für Ältestenschaften (S-22) und die darin gelisteten Briefe werden gelöscht. Alle gedruckten oder elektronischen Kopien sollten vernichtet werden.“ (Ältestenbrief zur Freigabe des neuen Ältestenbuchs 2019 S-147-19.02-X Ge)

Alle persönlichen Notizen werden dann vernichtet.“ (Ältestenbuch sfl-X 2019 Kap. 22, Punkt 21)

 

Ältester bestätigt die Vernichtung von Unterlagen unter Eid

 

Dokumenten-Verantwortlicher fordert zur Unterlagenvernichtung auf

In einem organisations-internen Vortrag anläßlich eines Seminars für Älteste fordert der Verantwortliche für die Aufzeichnungspraxis in der Organisation der Zeugen Jehovas zur Vernichtung von Unterlagen auf. Dabei gehe es vorrangig um die Behandlung von Beschwerden im Zusammenhang von Vorwürfen wegen Kindesmissbrauch, wegen derer die Gesellschaft unter Beschuss geraten sei. (Deutsche Übersetzung eines Artikels in philly.com vom 9. Juli 2018)

Quelle: JW Opfer Hilfe e.V.

Jehovas Zeugen – Kindesmissbrauch in Neuseeland

Zeugen Jehovas: In dieser Dokumentation kommen mehrere betroffene Frauen zu Wort, die als Kind missbraucht wurden. Sie schildern, wie es in ihrem Fall zu den Verbrechen kam und wie Jehovas Zeugen als Institution – vertreten durch die Ältesten – damit umgegangen sind. In fast allen Fällen mussten die Kinder vor den Ältesten und dem Täter die sexuellen Handlungen beschreiben und es wurde auch geprüft, ob es ihnen Spaß gemacht hat.

Stritt der Täter den Missbrauch ab, wurde nichts weiter unternommen. Gab der Täter den Missbrauch zu, wurde er zwar vielleicht ausgeschlossen, aber nach einiger Zeit wieder aufgenommen.

In keinem der Fälle wurde die Polizei eingeschaltet und die Versammlung, in der der Täter lebte, informiert, so dass Eltern gewarnt waren.

Das Zweigbüro der Zeugen Jehovas weißt jede Verantwortung zurück und tut so, als ob sie damit nichts zu tun hätten, obwohl bei allen Missbrauchsmeldungen die Rechtsabteilung informiert werden musste.

Jehovas Zeugen – Wenn Kindesmissbrauch vertuscht wird

Zeugen Jehovas sind weltweit angeklagt, dass sie Tausende von pädophile Straftätern durch die interne „Zwei-Zeugen-Regelung“ schützen. Dem einzelnen Zeugen Jehovas wird immer wieder versichert, dass die Organisation die Kinder schütze, und dies alles nur die „Angriffe Satans“ seien durch seine Helfer, den sogenannten „Abtrünnigen“. Entspricht dies der gesamten Wahrheit? Sehen Sie selbst, wie falsch die Aussagen der leitenden Körperschaft sind, verbunden mit der wirklichen Realität und den aufgedeckten Missetaten.

Jehovas Zeugen: Kindesmissbrauch – Stille Zeugen

Der Philadelphia Inquirer ist eine der großen Tageszeitungen für den Bundesstaat Pennsylvania, mit einer Auflage von fast 1 Million Exemplaren. In der Ausgabe vom 29. April 2018, erschien mit der Titelseite, eine vierseitige Berichterstattung über den mit Jehovas Zeugen verbundenen Kindesmissbrauch:

Silent Witnesses (Stille Zeugen)

Eine Sekunde war alles was es brauchte. Eine Sekunde, mehr brauchte er nicht.

Das kleine Mädchen war 4 Jahre alt, pausbackig mit Sommersprossen und trug ihr schönstes Kleid. Zappelnd saß sie neben ihrem Vater im Königreichssaal der Jehovas Zeugen, in Red Lion, York County – ein sicherer, vertrauenswürdiger Ort für Familien, die fast ihre gesamte Freizeit mit predigen und beten verbrachten. Momentan war Martin Haugh damit beschäftigt, die Aufgaben an seine Brüder zu verteilen, damit diese in den Haus-zu-Haus-Dienst gehen könnten. Als er sich nach seiner Tochter umsah, war diese verschwunden. In Martin kam Panik auf, der Albtraum aller Eltern.

Er durchsuchte das einstöckige Backsteingebäude, rief laut den Namen seiner Tochter. Die aufkommende Angst, lähmte seine Atmung. Sie war nicht in den Toiletten und auch nicht in der Lobby. Er durchsuchte die Garderobe, wo er sie fand. Aber, sie war nicht alleine. Martins Tochter saß auf dem Schoss eines Teenagers, der sie von der Gruppe weggelockt hatte und sie missbrauchte. «Er wollte mir eine besondere Umarmung geben», erzählte das kleine Mädchen ihrem Vater.

Die englische Sprache kann den Horror der Gefühlswelt einer solchen Entdeckung nicht angemessen ausdrücken, den Eltern empfinden, wenn sie entdecken, dass ihre unschuldige, kleine Tochter missbraucht wurde. Als Martin und seine Frau Jennifer den Ältesten der Versammlung über den Missbrauch berichteten, wurden sie mit gedämpfter Besorgnis empfangen. Und dann kamen die Drohungen.

«Uns wurde mehr als nur einmal gesagt, wenn wir anderen Eltern von dem Vorfall berichten, müssten wir mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen.», sagte Hugh, 41 Jahre alt, in einem kürzlich durchgeführten Interview. Wir hörten nie «Wendet euch an die Polizei» oder «Ihr solltet über eine Therapie für euer kleines Mädchen nachdenken», ergänzt seine Frau. «Auf einmal sprach keiner unserer Brüder mehr mit uns.».

Familie Haugh waren tief in das Geflecht der Zeugen Jehovas verstrickt. Martin war Zeuge in 5. Generation – aber dieses, war es das erste Mal, dass er mit der Mauer des Schweigens in Berührung kam, die die Führer seiner Religionsorganisation aufgebaut haben, um Beschuldigungen über sexuellen Missbrauch und möglichen gesetzlich juristischen Sanktionen zu entgehen.

Interne Dokumente zeigen, die seit Jahrzehnten aufgebaute Geheimhaltungspolitik, durch die Führung der Wachtturm Bibel und Traktat Gesellschaft von New York. «Die Notwendigkeit für Älteste solche Angelegenheiten streng vertraulich zu behandeln, wurde wiederholt betont» ist in einem Memo aus 1989 zu lesen, in dem Älteste instruiert wurden, jede Zusammenarbeit mit der Polizei strikt abzulehnen, wenn diese mit einem Durchsuchungsbefehl im Königreichssaal auftauchen würde.

Ein anderes Memo, von 1997, fokussierte sich speziell auf Kindesmissbrauch. Älteste, das Äquivalent eines Pfarrers, wurden aufgefordert, die Ältestenschaft der neuen Gemeinde über die Vorwürfe zu unterrichten, falls ein Pädophiler von einer in eine andere Gemeinde wechselt. Die Gemeindemitglieder außerhalb der Ältestenschaft, sollten allerdings nicht über die Vorwürfe unterrichtet werden.

Dank einer immer grösser werdenden Anzahl von Klagen vor Gericht, Untersuchungen durch die Strafverfolgungsbehörden und Whistle-Blowern, kamen diese Monster mehr ins Scheinwerferlicht. Ein U.S. Gerichtshof aus Kalifornien, verurteilte die Organisation der Zeugen Jehovas zu einer Geldstrafe von mehr als 2 Millionen U.S. $, weil diese sich weigerten, eine Liste mit Namen von bekannten Pädophilen, den Behörden zu übergeben. In Kanada wird aktuell eine 66 Millionen $ grosse Sammelklage angestrebt und die Royal Commission of Australia, konnte mehr als 1’000 Täter in den Reihen der Mitglieder, der Zeugen Jehovas in Australien, identifizieren.

Immer wieder verweigern die Offiziellen der WTG Interviews zum Thema und entschlossen sich, eine Erklärung mit folgendem Wortlaut abzugeben: «Jehovas Zeugen verabscheuen Kindesmissbrauch, ein Verbrechen, dass leider in allen Gesellschaftsschichten vorkommt. Die Sicherheit unserer Kinder, steht für uns an erster Stelle.». Die Missbrauchsanschuldigungen sind nur ein kleines Stück eines komplizierten Großen-und-Ganzen, dessen Ursprung in den internen Prozessen der Organisation liegt, die aus bescheidenen Anfängen in Pittsburgh, zu einer weltweit agierenden Organisation, mit 8 Millionen Mitgliedern heranwuchs. Allein in Philadelphia gibt es dutzende von Versammlungen und in New York haben sie ein milliardenschweres Immobilien-Imperium aufgebaut und an ein Unternehmen verkauft, das früher von Präsident Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, geführt wurde.

Ich sprach mit 14 ehemaligen Zeugen, im Alter von 19 bis 77 Jahren, über ihre Erfahrungen und was sie veranlasste diese Organisation zu verlassen. Einen Prozess, den sie als «Aufwachen» bezeichnen. Einige sind überlebende sexuellen Missbrauchs, andere können aus erster Hand berichten, wie hohe Funktionäre Beweise für Verbrechen vernichteten. Einige zerbrachen unter der Last, dass ehemalige Freunde und Familienmitglieder jeden Kontakt mit ihnen ablehnen – ein dogmatischer Lehrpunkt in der Glaubensausübung der Zeugen Jehovas. Mit einem solchen Verhalten würde sich ein Zeuge Jehovas retten, wenn Harmageddon kommt.

Der Preis den Zeugen Jehovas bezahlen, wenn sie über diese Dinge sprechen, ist sehr hoch. Zeugen werden intensiv dazu angehalten, jeglichen Kontakt, zu jeder Person abzubrechen, die sich nicht an die Regeln und Vorschriften hält, die von der «Leitenden Körperschaft» gelehrt werden. Eine emotionale Strafe, die als Ausschluss bezeichnet wird. Die Familie Haugh kennt diese Strafe sehr gut. Jennifer sagte: «Meine Schwiegereltern haben eine Totenfeier abgehalten» (? wtl. “held a wake”), als sie die Religion 2016 verliessen. «So, als ob wir tot wären».

Versprechen und Tücke

In einer unsicheren Welt, sehnen sich die Menschen nach Sicherheit. Wie heute, war das auch schon in den 1870’er Jahren, als ein charismatischer junger Mann von Allegheny County, Charles Taze Russel, die Bibel zu studieren begann und Mitglied einer Gruppe wurde, die sich Bibelforscher nannte.

Die USA hatten gerade den Bürgerkrieg hinter sich gelassen und grosse Teile des Landes wurden Mithilfe der ersten motorisierten Maschinen, der zweiten industriellen Revolution, wieder aufgebaut. Russel, der Inhaber mehrerer Bekleidungsläden war und kurzzeitig in Philadelphia lebte, bevorzugte die Lehren der Christen des ersten Jahrhunderts nach Christus, und glaubte daran, dass die Menschheit gerade in «die letzten Tage» eingetreten war. Er errechnete das Jahr 1914, als den Startzeitpunkt, für dieses Ende.

Gläubige und deren Familien jedoch, wären vor diesem Ende sicher und würden gerettet. Durch diese erleichternde Botschaft, gelang es ihnen, viele Konvertiten zu gewinnen. Darunter, 1890, auch die Eltern des früheren U.S. Präsidenten Eisenhower. (Eisenhower wurde Presbyterianer, nachdem er zum Präsident gewählt wurde). Als Russel 1916 starb, zersplitterte die Gruppe in verschiedene Teile. Aber einige blieben beim designierten Nachfolger, Joseph F. Rutherford und nahmen 1931 den Namen «Zeugen Jehovas» an. Rutherford erklärte erneut, dass das Ende sehr nahe wäre. Eine geschickte Taktik, die der Führung noch mehr Macht über die gab, die sich die Botschaft zu Herzen nahmen.

Mit der Angst der Menschen zu arbeiten, ist ein machtvolles Werkzeug in der Hand religiöser Führer. Rutherford führte neue Gebote ein. Den Zeugen wurde verboten, an Geburtstagen, Weihnachten und anderen religiös angehauchten Feiertagsanlässen teilzunehmen. Es war ihnen nicht erlaubt den Militärdienst zu absolvieren und sie durften von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch mehr machen. Das Transfundieren von Blut, auch in absolut medizinischen Notfällen, wurde untersagt.

Aber diese neuen Regeln, wurden im Missionierungswerk der freundlichen, gut gekleideten, von Haus-zu-Haus an Türen klopfenden Menschen, natürlich nicht in den Vordergrund gestellt. Babara Anderson war ein Teenager aus Long Island, als sie 1954 mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren begann. «Ich war ein neugieriges Kind und wollte Antworten auf die Frage: warum sind wir hier?» sagte Barbara, heute 77 Jahre alt, aus Tennessee. «Sie beantworteten alle meine Fragen».

Diese innere Ruhe – glauben, zu wissen, da draussen gibt es einen Plan für mich im grossen und unvorhersehbaren Universum – hilft vielen Zeugen beim Durchhalten, mit diesem herausfordernden Lebensstil. Kindern ist es nicht erlaubt, Mitglied in einem Sportverein zu werden oder mit anderen Kindern, ausserhalb der Zeugen Jehovas, zu spielen. Von Erwachsenen wird erwartet, jeden Monat mindestens 10 Stunden im Dienst von Haus-zu-Haus zu verbringen. Von einer weiterführenden oder gar universitären Ausbildung, wird ausdrücklich abgeraten. Besonders im Fall von Frauen.

Dennoch kommen aus den Reihen der Zeugen zahlreiche Promis. So waren viele Menschen aus Minnesota überrascht, als der Popstar Prince an ihre Türen klopfte, nachdem er im Jahr 2000 «bekehrt» wurde. Tennis Superstars Venus und Serena Williams, der Schauspieler Donald Glover und die Musikerin Patti Smith wuchsen in den Reihen der Zeugen auf. Michael Jackson verlies in den späten 80’ern die Zeugen, nachdem sich einige in den Führungsetagen der Zeugen Jehovas, über die leichenfressenden Untoten des Videos zu dem Song «Thriller», echauffierten.

Alleine in Pennsylvania gibt es mehr als 120’000 Zeugen und mindestens 7’775 praktizieren ihren Glauben in Philadelphia, gemäss einer Pew Studie aus dem Jahr 2014. Viele der Königreichssäle findet man im Norden und Westen von Philadelphia, die hauptsächlich von schwarzen Mitgliedern besucht werden. Über die gesamte USA hinweg, teilen sich die Mitglieder folgendermassen auf: 36% weisse, 27% schwarze und 32% latinostämmige.

In den Medien werden sie häufig als etwas verschroben dargestellt, als Menschen aus einem anderen Jahrhundert. Mehr als ein dutzend Geschichten wurden gedruckt, über die Menschen, die Sportstadien mit der Hand schrubben – das Temple University’s Liacouras Center eingeschlossen – bevor sie es für ihre Anbetungszwecke gebrauchen. «Insgesamt sind es nette und aufrichtige Menschen», berichtet Barbara Anderson über ihre ehemaligen Glaubensbrüder und -schwestern.

Aber sie hatte auch einen seltenen und vor allem tiefen Einblick in die Vorgehensweise, der von ihnen genannten «Leitenden Körperschaft» – eine Gruppe von 8 Männern die von sich behaupten, direkt von Gott instruiert und sein irdisches Sprachorgan zu sein. Barbara Andersons Mann war ein angesehener Funktionär und Ältester, in der weltweiten Zentralverwaltung in Brooklyn.

Barbara selbst war die einzige Frau, in der von Männern dominierten Hierarchie, und arbeitete im Schreibkomitee, für das von den Zeugen herausgegebene Magazin, «Erwachet!».

Im Jahr 1991 enthielt die Veröffentlichung einen interessanten Artikel über das Überleben sexuellen Missbrauchs, der viele ehemals missbrauchte Mitglieder veranlasste, sich schriftlich an die Zentralverwaltung zu wenden. Sie erklärten von Ältesten, anderen Mitgliedern, Familie oder Freunden missbraucht worden zu sein. «Es war schrecklich», sagte Barbara, die persönliche viele der Opfer anrief.

Im Anschluss fand sie heraus, die «Leitende Körperschaft» hatte bereits Protokolle eingeführt, wie mit Fällen von sexuellem Missbrauch zu verfahren sei. Die Ältesten wurden angewiesen, sich in einem solchen Fall an das Rechtskomitee der Zentralverwaltung zu wenden und die Informationen, in einem speziell dafür vorgesehenen blauen Briefumschlag, nach Brooklyn zu senden. Von den Opfern wurde verlangt, die Anschuldigungen in Anwesenheit des Täters vorzubringen und durch mindestens 2 Zeugen bestätigen zu lassen. Disziplinarische Massnahmen wurden ausschliesslich intern vorgenommen.

«Durch ihre Vorgehensweisen, haben sie, ohne es zu wollen, einen Schutz für pädophile Täter aufgebaut», berichtete Barbara Anderson.

John Reeder sah, wie sich diese Vorschriften auswirkten. Als ein Ältester in der Versammlung von Bradley Beach in Jersey Shore, nahm um das Jahr 2’000 an einer Besprechung teil, bei der es darum ging, dass ein Gemeindemitglied die Brüste der 12-jährigen Tochter, einer seiner Freunde, gestreichelt hatte.

«Wir beauftragten den Täter, ‘Du musst das mit dem Vater des Mädchens klären’», erzählt Herr Reeder, 59 Jahre, anlässlich eines kürzlich durchgeführten Interviews. «Wir befolgten die Regeln und Vorschriften der Rechtsabteilung. Ich glaube nicht, dass wir jemals mit dem Vater des Mädchens gesprochen haben».

Doch es kam zu Problemen: Alle Kleriker in New Jersey sind gesetzlich verpflichtet, Fälle von Kindesmissbrauch zu melden. Herr Reeder erzählt, wie die Rechtsabteilung ihm erklärte, wie er anonym die Behörden informieren sollte. «Sie rieten uns, jemand in eine fremde Stadt zu senden und den Anruf von einer öffentlichen Telefonzelle aus zu machen. Das betrachteten sie als die Erfüllung der rechtlichen Vorschriften. Ich sagte: «Das ist doch lächerlich! Sollen wir auch noch einen Trenchcoat tragen?».

In 2004 kam für Herrn Reeder der Punkt, an dem er es nicht mehr weiter ertragen konnte. Andere Älteste seiner Versammlung wollten die Tochter von Herrn Reeder aus der Gemeinde ausschliessen, weil diese sich nicht an die Regeln gehalten habe. Man versuchte sogar ihn dazu zu zwingen, jeden Kontakt mit seiner eigenen Tochter abzubrechen. Diese Erfahrung, so berichtet er, hat seine Tochter traumatisiert.

Zwischenzeitlich beschloss Barbara Anderson an die Öffentlichkeit zu gehen und trat sogar in der NBC Sendung ‘Dateline’ auf und berichtete über die Zusammenhänge rund um den Kindesmissbrauch. Sie und ihr Ehemann wurden aus der Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verbannt. «Ich hatte wirklich genug», so Barbara. «Ich dachte: ‘Was für Leute sind das? Wie könnt ihr Gottes Organisation sein?’».

Der Schaden ist angerichtet

Als das Licht des iPads anging, erschien Sarah Brooks im FaceTime Fenster. Es war ein regnerischer Februar und die 30-järige sass in ihrer Einfahrt in York und versuchte sich selbst die Misshandlungen während ihrer Jugend zu erklären. Alles begann im Jahr 2004, als sie 14 Jahre alt war. 2 Zeugen, die ihr sehr nahe standen – Joshua Caldwell, ein Familien Freund und Jnnifer McVey, ihre 10 Jahre ältere Stiefschwester, begannen Sarah mit Wein und Bier abzufüllen. Ein Jahr später gingen sie weiter.

Sarah arbeitete zusammen mit Caldwell und räumte Häuser auf, um sie winterfest zu machen. McVey war als eine Art Aufpasserin dabei. «Während der Arbeit, in diesen verlassenen Häusern, begann er schliesslich mich zu missbrauchen», berichtet Sarah.

Über 2 Jahre missbrauchten die beiden 20-jährigen, Sarah. «Ich verstand nicht was da passierte». Schliesslich hatte sie den Mut, alles ihrem Vater zu erzählen. «Er rief die Ältesten unserer Versammlung, die aber mit einem der Täter verwandt waren. Sie kamen zu uns und befragten mich. Anschliessend wurde ich auf mein Zimmer geschickt». Von da an wurde die Sache für sie schlimmer. Die Ältesten ihrer Versammlung hielten eine öffentliche Ansprache im Königreichssal, vor der gesamten Gemeinde, dass Sarah eine Zurechtweisung nötig gehabt hätte, aber Reue gezeigt hätte.

«Das bedeutet, dass ich etwas verkehrt gemacht habe, aber meinen Fehler bereuen würde», so Sarah. «Ausserdem bedeutet es, dass ich schlechter Umgang bin und die Brüder mich meiden würden». Sarah wurde für die anderen Menschen in ihrer Gemeinde wie ein wandelnder Geist. Sogar von ihren besten Freunden wurde sie ignoriert. «Ich hatte überhaupt kein soziales Leben mehr. Niemand war auf meiner Seite». Sie versuchte mit der Situation zurecht zu kommen, indem sie sich mit 3 Jobs beschäftigte. Aber auch damit ging der Schmerz nicht weg. Ihre Angst führte schliesslich zu einer Essstörung.

Irgendwann entschloss sie sich und informierte die Polizei über den Missbrauch. Dort sagte man ihr allerdings, nichts für sie tun zu können. Weitere 8 Jahre später wandte sie sich an eine andere Behörde und fand endlich Gehör. Ihre beiden Peiniger wurden 2013 festgenommen und wegen Missbrauch schutzbedürftiger verurteilt.

«Das war das beste Gefühl der Welt», erzählt Sarah, während ihr die Tränen übers Gesicht laufen. «Das machte die 2 Jahre der Hölle auf Erden wieder wett». Bis heute leidet sie dennoch unter dieser Erfahrung. Jeder rote Ford Pickup erinnert sie an den Missbrauch. Bestimmte Gesten, lösen Erinnerungen aus. «Ich muss dann immer daran denken, was er mit meinen Beinen gemacht hat»

Ihre Eltern waren entsetzt über ihre Entscheidung, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und distanzierten sich ebenfalls von ihr. Aber sie fand Trost bei einer anderen ehemaligen Zeugin. Wie Martin und Jennifer Haugh, zog auch sie Stärke daraus, zu erfahren, dass es anderen ähnlich ergangen war, wie ihr. Dass auch andere, diesen schrecklichen Missbrauch ertragen und überstanden hatten.

Viele Opfer verbinden sich über Social Media’s. Mehr als 20’000 Mitglieder hat ein Reddit-Forum, welches sich ausschliesslich an Ex-Zeugen wendet. Auch auf YouTube findet man viele Videos ehemaliger Zeugen und die absurden Erfahrungen, die diese durchleben mussten. Die Tochter der Haughs ist mittlerweile 16 Jahre alt. Die beiden Eltern hoffen, dass sie ihren Weg gefunden hat, mit dieser Erfahrung zurecht zu kommen. Der Täter wurde mittlerweile rechtskräftig verurteilt.

Für die Haughs waren Erfahrungen dieser Art einfach undenkbar, als sie noch aktive Mitglieder waren. Martin erinnert sich daran, wie einige Älteste ihm sagten, er könnte die Polizei durchaus kontaktieren, aber warnten ihn allerdings: «Das würde Schande und Schmach auf den Namen Jehovas bringen». Von Seiten der Gemeinde erhielt der Täter eine disziplinarische Massnahme: für 8 Monate, war es ihm nicht erlaubt, am Haus-zu-Haus-Dienst teilnehmen zu dürfen. Wahrscheinlich sind die Haughs nicht die einzigen Mitglieder der örtlichen Gemeinde, die sich mit dem Missbrauch von Kindern beschäftigen müssen. «Wir wissen von mindestens 8 weiteren Kinderschändern, vor Ort», sagte Jennifer Haugh.

Einige Frauen berichten, durch ihren Ehemann vergewaltigt worden zu sein. «Dir wird beigebracht, als Frau hast Du keine Macht und niemand tritt für Deine Rechte ein». Die Tatsache, dass diese Probleme so häufig vorkommen und in aller Munde sind, wirft die Frage auf: Warum sprechen nicht mehr Menschen darüber? Die Antwort könnte darin liegen, was für die Betroffenen auf dem Spiel steht! Zeugen haben nur wenig Kontakt mit Menschen ausserhalb ihrer Religionsgemeinschaft. Und das Risiko auf sich zu nehmen, aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, ist für viele nicht tragbar. (Im Februar beging eine Frau Selbstmord, nachdem sie ihren Mann und ihre beiden Söhne tötete. Sie waren Ex-Zeugen Jehovas und der Ausschluss wurde als ein mögliches Motiv herangezogen).

«Ich habe das Gefühl, viele Jahre in Folie eingewickelt gelebt zu haben. Dir ist nicht erlaubt über deine Probleme zu sprechen», berichtet Martin Haugh. Die Zeugen erwarten, die einzigen Menschen zu sein, die gerettet werden, wenn Gott das Ende über die Erde bringt. Die Möglichkeit kein Teil der Organisation mehr zu sein und deshalb in Harmageddon zu sterben, ist für sie ein triftiger Grund, jegliche Rebellion gegen die Vorschriften zu vermeiden. Sogar in einer Situation, bei der es um Leben und Tod geht, wie im Falle von Terri Seels-Davila.

Die 39-jährige, in Philadelphia geborene, war sogar einmal für die Zeugen auf Missionsreise in Nicaragua. Terri ging in Philadelphia ins Krankenhaus, um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen. Nach einigen Stunden sank ihr Blutdruck soweit, dass sie als Notfall eingestuft wurde. Die Ärzte fanden schwere innere Blutungen. Wiederholt bat sie ihre Familie, doch einer Bluttransfusion zuzustimmen. Laut den Akten des Gerichts, waren ihre Eltern und ihr Ehemann, ebenfalls Zeugen Jehovas und verweigerten jede lebensrettende Bluttransfusion. Sollte sie sterben, wäre es Gottes Wille, sagten die Angehörigen den Ärzten. Einige Tage später starb sie.

Ausweichmanöver

Stephanie Fessler verklagte die Watchtower Bible and Tract Society, 2013 vor Gericht. Die Geschehnisse ihrer Jugend ist ein weiterer Beweis, wie perfide das offizielle Vorgehen der Zeugen ist um Aufmerksamkeit wegen Kindesmissbrauch zu vermeiden. Eine 50-jährige Frau, namens Terry Monheim, begann Stephanie im Jahr 2003 zu missbrauchen, als diese erst 13 Jahre alt war. Monheim war die Mutter einer Freundin und hatte damit leicht Zugang zu dem Mädchen.

Der gerichtlichen Klage folgend, ging der Missbrauch von Küssen, bis hin zur Penetration, in bis zu 40 Fällen. Als Stephanies Eltern herausfanden was mit ihrer Tochter geschieht, alarmierten sie die Ältesten in Spring Grove, York County. Auch hier gab es wieder Probleme, obwohl der Fall vollkommen klar war. Das Gesetz des US Staates Pennsylvania, verlangt für Kindesmissbrauch, eine Anzeige bei der Polizei. Aber anstatt ihrer Verpflichtung nachzukommen, hielten die Ältesten alles geheim und intern. Und wie Sarah Brooks, wurde auch Stephanie Fessler, öffentlich und vor anderen Zeugen Jehovas zurechtgewiesen und verleumdet.

Jahre später entschloss sich Stephanie dazu, ihren Fall vor Gericht zu bringen. Monheim wurde festgenommen und inhaftiert. Aber die Untersuchungsbeamten erhielten keine Kooperation durch die Ältesten der lokalen Gemeinde und der Führung der Zeugen Jehovas. Die Polizistin Lisa Layden, von der zuständigen Polizeibehörde, ging bewaffnet und mit Durchsuchungsbefehl zum Königreichssaal und verlangte die Herausgabe aller Unterlagen, über Monheim und Kindesmissbrauch. Dabei erfuhr sie den Widerstand, der lokalen Verantwortlichen, wie es in dem Memo der Watchtower Bible and Tract Society, von 1989, gefordert wurde.

«Sie händigten mir keine Unterlagen aus», sagte die Polizistin. Ihr wurde mitgeteilt, die diese befänden sich gegenwärtig im Hauptbüro der Zeugen Jehovas, in Brooklyn. Sie verliess den Königreichssaal mit der Aufforderung, sie zu informieren, wenn die benötigten Unterlagen wieder verfügbar wären.

«Der Anwalt der Zeugen Jehovas schrieb, dass ich kein Recht hätte, die Unterlagen einzufordern oder zu erhalten», so die Polizistin. «Ich ermittle nun seit 22 Jahren in Fällen von Missbrauch. Manchmal rücken die Organisationen keine Unterlagen heraus. Aber hier dachte ich mir: ‘Warum sollten die Zeugen so handeln?’.

Ihre Bemühungen waren jedoch nicht nutzlos. Die Täterin wurde schuldig gesprochen und verbüsst gegenwärtig ihre Strafe. Die Vertreter der Watchtower Bible und Tract Society verweigern jede Bitte, über den Fall Stephanie Fessler oder jeden anderen, in diesem Bericht erwähnten, zu sprechen. *Die Versammlungsältesten erfüllen alle gesetzlichen Vorschriften, in Fällen von Kindesmissbrauch», ist in der Mail eines offiziellen Sprechers der Organisation zu lesen. In seiner Nachricht sind einige Links zu finden, die auf Artikel verweisen, die Zeugen Jehovas zum Thema Kindesmissbrauch publiziert haben.

Der Rechtsanwalt Jeffrey Fritz, der die Zeugen im Fall von Stephanie Fessler verklagte, machte sich über die Rückmeldungen aus der Weltzentrale der Zeugen Jehovas, zum Fall Stephanie Fessler, lustig: «Ihnen geht ihre Reputation über die Sicherheit von Kindern. Sie zitieren sich selbst, immer und immer wieder, und das auf der ganzen Erde».

Die Organisation der Zeugen Jehovas einigte sich mit Stephanie Fessler aussergerichtlich, jedoch mit der Auflage, für Fessler und ihren Rechtsanwalt, über den Inhalt der Einigung absolutes Stillschweigen zu bewahren. Der Anwalt vertritt nun Sarah Brook und plant diese Klage, im Laufe des Jahres 2018 einzureichen.

Auf dem Weg

Die Klagen kommen jedem bekannt vor, der sich mit dem Skandal rund um die Anschuldigungen Geistlicher der katholischen Kirche beschäftigt hat, die um das Jahr 2’000 herum erhoben wurden. Die Tragweite der Anschuldigungen werden ständig bagatellisiert und die religiösen Führer tun alles in ihrer Macht stehende, damit die Öffentlichkeit nichts über das Ausmass erfährt, das unter der Oberfläche brodelt. Einen kleinen Einblick erhält man nur bei Verhandlungen vor Gericht oder durch geleakte, geheime Dokumente.

2012, reichte ein Mann namens Jose Lopez, aus San Diego, eine Klage gegen die Watchtower Bible and Tract Society ein. Er beklagte, durch den ehemaligen Ältesten, Gonzalo Campos, in den 80’ern und 90’ ern, wiederholt missbraucht worden zu sein.

Der Anwalt von Herrn Lopez verlangte, von der Organisation der Zeugen, eine Liste von Tätern, die von den Beklagten seit 1997 geführt wurde. Als die WTG die Aushändigung ablehnte, veranlasste der Richter eine Strafe von täglich 4’000.—US$, bis zur Herausgabe der Liste. Trotz der Strafe, wurden die geforderten Dokumente nie herausgegeben und der Fall, im März 2018, aussergerichtlich beigelegt.

«Wir haben es mit einer stark patriarchalen Struktur zu tun, die sehr gut von oben nach unten durchorganisiert ist, um mit allen Massnahmen zu verhindern, dass die Öffentlichkeit jedwedes Fehlverhalten erkennen kann», äusserte sich Marci Hamilton, die Gründerin von CHILD USA, einer nonprofit Organisation zur Beendigung von Kindesmissbrauch.

«Ihre ganze Hingabe dient der Erhaltung ihrer Macht, der Erhaltung ihres guten Images und die Mitglieder, so isoliert wie möglich, vom Rest der Menschheit abzugrenzen. Deshalb ist der prozentuale Anteil von Fällen von  Kindesmissbrauch viel höher, als im Rest der Kultur» gemäss Marci Hamilton von CHILD USA.

Die Regierung von Gross-Britannien diskutiert aktuell eine formelle Ermittlung gegen Zeugen Jehovas zu starten, als Reaktion auf die kürzlich publizierten Anschuldigungen zum Thema Kindesmissbrauch. 2017 hat der oberste Gerichtshof von Russland, die Organisation der Zeugen Jehovas, für extremistisch erklärt und verboten. Dies wurde vom U.S. State Department stark kritisiert.

Die Tatsache, dass der Gesetzgeber der USA, keine Untersuchungen der Praktiken von Zeugen Jehovas eingeleitet hat, ist keine Überraschung. «Es gibt ein grosses Problem: religiösen Führern wird zu viel Ehrerbietung geschenkt, selbst wenn diese die Ehre eindeutig nicht verdienen», beklagt Hamilton. Der zu zahlende Preis, Klagen aussergerichtlich beizulegen, fängt an zu steigen. Aber die Kriegskasse der Zeugen scheint gut ausgestattet zu sein, um auch weiterhin so zu verfahren. Die Kosten für die Errichtung und die Erhaltung der Königreichssäle, zahlen die Mitglieder und nicht die besitzende Organisation. Älteste und andere Diener werden für die geleistete Arbeit nicht entschädigt.

Dann gibt es noch das gewaltige Kissen der Sicherheit durch ihren Immobilienbesitz. Die Zeugen besassen alleine in New York 30 Gebäude. Zwischen 2013 und 2016, verkauften sie 3 ihrer grössten Immobilienbesitztümer, darunter die langjährige Weltzentrale, an Kushner Cos. LLC und ein Konsortium anderer Investoren, für mehr als 1 Milliarde US$.

Es ist nicht klar, ob Kushner, der damalige CEO oder ein anderes Geschäftsleitungsmitglied der Investoren sich bewusst waren, welche Anschuldigungen gegen die Zeugen im Raum standen, als sie diesen hohen Preis bezahlten. Ein Sprecher der Kushner Cos. lehnte eine Stellungnahme ab, mit der Begründung, dass keine Verbindung zwischen Kushner und der WTG erkennbar wären.

In einem von Zeugen Jehovas produzierten Video, tritt Kushner sogar auf. Dieses Video ist seit 2017 auf YouTube zu finden. «Ich würde behaupten, dass alle Personen mit denen ich verhandelt habe, sehr integer sind», erzählt Kushner dem Interviewer. «Den Zeugen bedeutet ein Handschlag noch etwas. Es ist deutlich einfacher mit einer Organisation zu arbeiten, wenn man ihnen Vertrauen schenken kann». Die Zeugen verlegten ihre Weltzentrale auf ein ca. 1.6 Millionen Quadratmeter grosses Grundstück, in Tuxedo Park, ausserhalb von New York.

Im Februar 2018 fuhr ich zu diesem riesigen Besitz. Weitläufige, hochmoderne Büros, hunderte von Apartments und ein moderner Verkehrsverteiler, liegen an einer ruhigen, kurvigen Strasse. Dutzende ordentlich gekleideter Besucher unternahmen eine Besichtigungstour, die durch die Geschichte der Religion, zurück zu Chalres Taze Russel und seinen frühen Jahren in Pittsburg, führt.

Mitarbeiter grüssen mit einem sehr breiten Lächeln und erklären mit viel Geduld, wie man die Headsets benutzt, um den Audiokommentar zur Ausstellung hören zu können. Alte Bibeln, eine originale Erstausgabe des ersten Wachtturms und andere Ausstellungsstücke werden mit grosser Erzählkunst vorgestellt.

Viel Platz wird einer Ausstellung eingeräumt, die sich mit dem Widerstand beschäftigt, welchem die Zeugen ausgesetzt waren, als sie begannen ihre Botschaft in die Welt hinaus zu tragen. Aber nichts deutet auf die kontroversen Angelegenheiten dieser Organisation hin – die ausgebliebenen wiederholten Weltuntergangsvoraussagen, die Grausamkeit des Ausschlusses von Mitgliedern und die wachsende Häufigkeit der Anschuldigungen über Kindesmissbrauch.

Dann entdeckte ich etwas: sonnengold leuchtend, gerade auf Augenhöhe, hängt ein Schild an der Wand, mit der Aufschrift: Jehova kümmert sich um Kinder.

«Die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas hat in den letzten Jahren, Kindern immer mehr Beachtung zukommen lassen», steht auf einer Ecke des Schildes. «Die tiefe Sorge für das Wohlergehen dieser wertvollen Geschenke in unserer Mitte, wird gezeigt durch die Quantität und Qualität der Hilfe, die zur Verfügung gestellt wird».

Kinder schleichen durch die Ausstellung und begeistert flüstern sie ihren Eltern Fragen zu. Es war ein bittersüsser Moment: die Unschuld dieser Kleinsten, kollidiert mit der unausgesprochenen Erinnerung, dass die Organisation der Zeugen Jehovas, wie viele andere Religionen, es versäumt haben, die Schutzbedürftigsten, vor den Wölfen zu bewahren.

Ganz in der Nähe finde ich zwei lebensgrosse, kindliche Kunststofffiguren, mit Bibeln in ihren kleinen Plastikhänden. Und davor ein Schild, mit den Worten: Bitte nicht berühren.

Quelle: philly.com

Jehovas Zeugen – Wir wollen nicht mit „Reclaimed Voices“ als Opferorganisation für Kindesmissbrauch sprechen

Die nationale Verwaltung der Zeugen Jehovas weigert sich, mit der Stiftung „Reclaimed Voices“ über die Herangehensweise an sexuellen Missbrauch innerhalb der religiösen Gemeinschaft zu sprechen.

Reclaimed Voices wurde von Ex-Zeugen Jehovas mit dem Ziel gegründet, sexuellen Missbrauch innerhalb dieser Kirchengemeinschaft aufzudecken. Einer der Gründer ist Frank Huiting aus Groningen.

‚Unter Bedingungen‘

Huiting wurde in seiner Jugend Opfer sexuellen Missbrauchs. Letztes Jahr erzählte er RTV Noord zum ersten Mal offen davon . Als Ergebnis dieses Interviews gab die nationale Regierung der Zeugen Jehovas an, dass sie unter bestimmten Bedingungen in einen Dialog mit „Reclaimed Voices“ eintreten wolle.

„Erfahrene Älteste“

Da eine konkrete Einladung zu einem Gespräch nicht gegeben war, forderte Reclaimed Voices letzten Monat in einem offenen Brief eine Antwort der Kirchengemeinde. Es kam diese Woche durch einen Brief:

„Wir haben Ihr Schreiben vom 19. April 2018 in gutem Zustand erhalten. Wir werden mit Ihrer Stiftung keinen inhaltlichen Dialog führen. Einzelne Opfer von Kindesmisshandlung können sich jedoch frei an uns wenden, wenn sie mit erfahrenen Ältesten sprechen möchten. Sie hören gerne auf die Anliegen der Opfer und sorgen für Seelsorge.“

Wenig Empathie

Laut Huiting zeigt diese Reaktion, dass „Jehovas Zeugen immer noch nicht erkennen, dass es ein strukturelles Problem zu geben scheint“.

Huiting: „Der Vorschlag an einzelne Missbrauchsopfer, mit erfahrenen Ältesten zu sprechen, zeugt aus unserer Sicht von wenig Empathie für die Opfer, die angeben, dass sie sich von dieser Organisation, deren Älteste Repräsentanten sind, benachteiligt fühlen.“

Großes Feuer

„Sie sehen nicht, wie ernst das Problem mit ihnen ist, wenn es um sexuellen Missbrauch von Kindern geht. Es sieht so aus, als hätten sie intern ein großes Feuer, aber mit dem Rücken dahin und zeigen an, dass nichts falsch ist.

Fast dreihundert Berichte

Reclaimed Voices behauptet nun, von den Zeugen Jehovas in den Niederlanden fast 300 Berichte über sexuellen Missbrauch erhalten zu haben. Die Stiftung hofft auf ein Eingreifen der Regierung, jetzt, da der Kirchenvorstand selbst nicht nach Hause geht.

Huiting: „Wir bleiben in Gesprächen mit dem Justizministerium und werden weiterhin auf einer unabhängigen Untersuchung bestehen.“

Zeugen Jehovas Reaktion

Gefragt nach einer verspäteten nationalen Verwaltung der Zeugen Jehovas in Emmen:

Wir haben der Reclaimed Voices Foundation mitgeteilt, dass wir keinen Gesprächspartner in ihr sehen, weil wir den direkten Kontakt mit einzelnen Opfern von Kindesmisshandlung bevorzugen. Sie können sich gerne direkt an uns wenden, wenn sie mit erfahrenen Ältesten sprechen möchten. Sie hören gerne auf die Anliegen der Opfer und versorgen sie mit Seelsorge.“

Quelle: rtvnoord.nl

Jehovas Zeugen – wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch unter Druck

Jehovas Zeugen - wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch unter DruckDEN HAAG – Die Betroffenheit der Niederländer ist groß. Nach einigen ersten Berichten über sexuelle Gewalt gegen Kinder bei den Zeugen Jehovas gründete Raymond Hintjes im November 2017 die Hilfsorganisation Reclaimed Voices (übersetzt etwa: wiedergewonnene Stimmen). Ihre Aufgabe: Opfer vom Missbrauch in den Reihen der Religionsgemeinschaft sollen ermutigt werden, auszusteigen und sich zu melden. Vor wenigen Tagen zog er Bilanz: Innerhalb nicht einmal eines halben Jahres berichteten 276 Männer und Frauen von Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen, die teilweise schon Jahre zurückliegen.

„Missbrauch bei den Zeugen Jehovas ist ein weltweites Problem“, sagte Hintjes jetzt. Er wundere sich, warum das Thema in Deutschland noch nicht aufgegriffen worden sei. Tatsächlich häufen sich seit einiger Zeit die schweren Vorwürfe gegen die Gemeinschaft, die in Deutschland juristisch um ihre Anerkennung als Kirche kämpft.

Schwer an die Opfer ranzukommen

Matthias Neff, Ansprechpartner im Bischöflichen Generalvikariat der Diözese Trier für Religions-, Weltanschauungs- und Sektenfragen, sagt, warum es schwer ist, an Opfer heranzukommen: „Die Zeugen sind eine Organisation, die man als geschlossenes und autoritäres Regime bezeichnen könnte. Sie sind dafür bekannt, dass sie sich abschotten.“ Außeneinsichten bleiben daher kaum möglich. Hinzu kommt, dass viele Opfer sexuellen Kindesmissbrauchs bestätigten, sie seien erheblichem Druck ausgesetzt gewesen, sich nicht gegenüber Behörden oder der Polizei zu outen. Zwar gibt es auch in Deutschland eine Anlaufstelle, den Verein JW Hilfe e.V. (http://jw.help/), der betroffenen Aussteigern psychologische Hilfe und rechtliche Unterstützung in Aussicht stellt. Dennoch spielt das Thema noch keine derart tragende Rolle wie in anderen Ländern.

In Großbritannien befasste sich die IICSA (Independent Inquiry Into Child Sex Abuse, Unabhängige Untersuchung über sexuellen Kindesmissbrauch) ebenfalls mit den Vorgängen hinter den Türen der Wachtturm-Gesellschaft und listete viele Fälle auf. Die Zeitung „Guardian“ richtete eine Seite im Internet ein, wo sich binnen kürzester Zeit mehr als 100 Personen meldeten. Ein Betroffener beschrieb die religiöse Gruppe als „Paradies für Pädophile“. Opfer hätten aber auch Angst, Vorwürfe zu erheben, dann aus der Gemeinde geworfen und von ihren Familien getrennt zu werden, sagen Experten.

Dass in Deutschland noch einiges im Dunkeln liegen könnte, belegt der Eintrag einer deutschen Internet-Nutzerin, die die Berichte im Netz mit dem Satz kommentierte: „Mein Vater, ein Zeuge Jehovas, hat meine Schwester und mich befummelt. Und das hat schon gereicht, um mich fürs Leben zu schädigen.“

Inzwischen berichten Zeitungen aus Finnland und Norwegen, den USA und Österreich von ähnlichen Vorfällen. Der niederländische Justizminister Sander Dekker von der rechtskonservativen Regierungspartei VVD hat die Zeugen in seinem Land zu einer Stellungnahme aufgefordert. Diese steht allerdings seit Monaten aus.

Nun erwägt Dekker schärfere Schritte. Und er hofft, dass die Nachbarländer auch aktiver werden und die abgeschottete Gruppe durchleuchten.

Quelle: rundschau-online
Bild: Nürnberger Nachrichten | 08.04.2018

Jehovas Zeugen – Abgeordnete fordern Maßnahmen gegen die Missbrauchsvorwürfe der Zeugen Jehovas

Mehr als 100 Personen berichteten dem Guardian von sexuellen Kindesmissbrauchsansprüchen und anderen Misshandlungen.

Parlamentsmitglieder fordern Regierungsmaßnahmen, nachdem mehr als 100 Menschen den Guardian wegen Kindesmissbrauchs und anderer Misshandlungen in den Gemeinden der Zeugen Jehovas in Großbritannien kontaktiert haben.

„Ich bin sehr besorgt, aber nicht überrascht von den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs innerhalb der Zeugen Jehovas. Wann immer es eine geschlossene Gesellschaft mit einem inhärenten Machtungleichgewicht gibt, ist das Potenzial für Missbrauch da“, sagte die Labour-Abgeordnete Sarah Champion.

Sie sagte, sie werde das Thema im Parlament zur Sprache bringen und fordern, dass die Regierung Maßnahmen ergreift, um sicherzustellen, dass alle Kinder in Sicherheit sind.

Alex Chalk, der konservative Abgeordnete für Cheltenham, sagte, er plane, das Thema im Parlament anzusprechen, und sagte, dass dies nicht nur ein historisches Problem sei, sondern ein fortlaufendes Anliegen der Kindersicherheit sei.

„Meine instinktiven Gedanken sind, dass die bloße Anzahl und Ernsthaftigkeit der bevorstehenden Vorwürfe sich auf … Wenn sogar die Hälfte der Anschuldigungen wahr ist, dann ist es klar, dass eine tief verwurzelte Kultur der Vertuschung und fehlerhaften internen Untersuchungen weiterhin besteht an diesem Tag“ , sagte Chalk.

Eine Guardian-Untersuchung hörte von 41 Personen, die behaupteten, sie seien Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch und behaupteten eine Kultur der Vertuschungen und Lügen mit älteren Mitgliedern der Organisation, die als Älteste bekannt sind und die Opfer davon abhalten, mit der Polizei zu sprechen.

Weitere 48 Personen sagten, sie hätten andere Formen des Missbrauchs erlebt, darunter körperliche Gewalt, als sie Kinder waren, und 35 behaupteten, sie hätten Zeugen oder hörten von anderen, die Opfer von Kinderpflege und -missbrauch waren.

Dem Guardian wurde mitgeteilt, dass den Mitgliedern der Gemeinschaft beigebracht wurde, die Interaktion mit externen Autoritäten zu vermeiden. Es wurde auch behauptet, dass nach den von der Gruppe festgelegten Regeln für den ernstzunehmenden sexuellen Missbrauch von Kindern mindestens zwei Zeugen anwesend sein müssen. Wenn dies passiert oder ein Täter Missbrauch gesteht, wird ein Rechtsausschuss einberufen und der Fall untersucht.

Eine Anwältin, die einige der mutmaßlichen Opfer vertritt, sagte, sie glaube, es gäbe Tausende von Beschwerdeführern in Großbritannien, und die Leute, die den Guardian kontaktiert hätten, seien „nur die Spitze des Eisbergs“.

Kathleen Hallisey, leitende Anwältin im Missbrauchsteam von Bolt Burdon Kemp, sagte im Namen von 15 mutmaßlichen Opfern: „Angesichts der Zahl der Zeugen Jehovas im Vereinigten Königreich und des Wissens über die Verbreitung von Missbrauch in der Organisation dort sind wahrscheinlich Hunderte und wahrscheinlich Tausende weitere Opfer. Das ist wirklich nur die Spitze des Eisbergs.“

Champion sagte, sie sei besorgt, dass die Opfer ihren Missbrauch den Ältesten melden müssten, ohne sich selbst zu kontrollieren.

Sie äußerte auch ihre Besorgnis darüber, dass Missbrauchsansprüche nur vor einem Untersuchungsausschuss erhoben werden könnten, wenn zwei Zeugen vorlägen. „Missbrauch geschieht in den Schatten, also ist es lächerlich, nach einem zweiten Zeugen zu fragen, und verhindert effektiv die Berichterstattung“, sagte Champion.

Mehrere weitere mutmaßliche Opfer meldeten sich, nachdem die ursprünglichen Ansprüche veröffentlicht worden waren. Eine Frau, die anonym sprach, sagte: „Ich bin ein ehemaliger Zeuge Jehovas und kenne persönlich zwei Mädchen, die in ihren Versammlungen missbraucht und zum Schweigen gebracht wurden.“

Eine andere Frau, die ebenfalls anonym sprach, sagte, sie habe versucht, sich selbst zu töten, als sie 14 Jahre alt war, nachdem sie von ihrem Vater misshandelt worden war. „Ich habe einen alten Artikel in der Zeitschrift“ Awake(Erwachet!) „über Missbrauch in der Gemeindebibliothek gefunden und ihn dem Ältesten offen gelassen. Ich hatte den gleichen Artikel für meinen Vater auf einer Stufe verlassen, in der Hoffnung, er würde es lesen und aufhören. Als es herausgefunden wurde, wurde auch ich angewiesen, nichts zu sagen und zu vertuschen. In meinem Fall wurden die Beweise auch von den Ältesten zerstört“, sagte sie.

Sie sagte, es wurde ihr gesagt, dass sie niemals mit jemandem darüber sprechen solle, was passierte und dass sie keine Beratung erhalten habe. „Ich habe die Ältesten privat gefragt, ob ich mit der Familie eines Freundes leben könnte … und sie sagten, ich müsse meinen Vater fragen, ob er der Haushaltsvorstand sei.“

Die Operation Hydrant, eine Untersuchung der britischen Polizei zu Vorwürfen über sexuellen Kindesmissbrauch in jüngerer Zeit, hat 45 potentielle Opfer von Kindesmisshandlung in einer Zeugen Jehovas Situation behandelt. Er sagte, Vorwürfe könnten von einer dritten Partei erhoben werden, die entweder ein potenzielles Opfer identifiziert oder nicht identifiziert.

Als die Wohltätigkeitskommission über die Ergebnisse des Guardian informiert wurde, sagte sie, dass ihre Untersuchung in der Wachtturm-Bibel- und Traktatgesellschaft Großbritanniens, dem Leitungsgremium der Zeugen Jehovas in Großbritannien, fortgesetzt werde. Es hieß, dass jeder, der von Bedenken betroffen sei, sich melden solle.

In einer Erklärung sagten die Zeugen Jehovas, Kinderschutz sei von größter Wichtigkeit. Sie sagten, dass ein Opfer und seine Familie das Recht hätten, der Polizei Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs zu melden, und dass das Prinzip der ausreichenden Beweise eine Vorschrift des Schrifttums sei, die nichts mit der Meldung eines Verbrechens an die Behörden zu tun habe.

  • Im Vereinigten Königreich können die Samariter unter 116 123 kontaktiert werden. In den USA ist die Nationale Selbstmordpräventions-Lebenslinie unter der Nummer 1-800-273-8255 zu erreichen. In Australien ist der Krisenunterstützungsdienst Lifeline unter 13 11 14 zu sprechen. Weitere internationale Selbsthilfegruppen finden Sie unter www.befrienders.org.

Quelle: theguardian.com

Jehovas Zeugen – Kindesmissbrauchs-Kommission attestiert massives Versagen

Die australische Komission für die Aufarbeitung von institutionellem Fehlverhalten im Umgang mit Kindesmissbrauch stellt fest: Neben der katholischen Kirche haben vor allem auch Zeugen Jehovas massiv versagt und grob fahrlässig gehandelt. Die wichtigsten Punkte aus dem Abschlussbericht.

Von September 2013 bis März 2017 hat die Australian Royal Commission into Institutional Responses to Child Sexual Abuse untersucht, inwiefern man Institutionen Versagen im Umgang mit Kindesmissbrauch nachweisen könnte.

6.875 Überlebende von Kindesmissbrauch wurden befragt. 4.029 fielen einem Täter in einer religiösen Organisation zum Opfer.

Weil man aufgrund dieser Masse nicht allen Fällen detailliert nachgehen konnte, untersuchte die Kommission insgesamt 57 Fallstudien näher, die danach ausgesucht wurden, in welchen Organisationen und Gruppen auffällig viele Berichte über Missbrauch vorlagen, sowie nach Verfügbarkeit von Zeugen, Dokumenten und hinsichtlich der Frage, ob systemisches Versagen vorlag.

Allein 2.489 der befragten Überlebenden von Kindesmissbrauch entfielen dabei auf die Katholische Kirche – knapp 62 Prozent aller Fälle.

Aus den Reihen der Zeugen Jehovas kamen 70 Opfer zu Wort.

Um diese Zahlen einzuordnen: Die 70 Zeugen Jehovas-Befragten machen 0,1 Prozent der Zeugen Jehovas in Australien aus – wohingegen der Prozentsatz in der katholischen Kirche bei 0,045 Prozent liegt.

Bei Jehovas Zeugen ist demnach im Durchschnitt der Missbrauch von Kindern über das Doppelte höher als bei der kath. Kirche!

Das gesamte Ausmaß des Versagens bei den Zeugen Jehovas in Australien wird im Abschlussbericht aber noch deutlicher:

  • Das Durchschnittsalter der Opfer von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas lag bei 8,4 Jahren
  • 80 Prozent der Opfer waren weiblich
  • 83 Prozent wurden von einer volljährigen Person missbraucht (die große Mehrheit der Täter waren männlich)
  • Interne Dokumente der Zeugen Jehovas dokumentierten Missbrauchsfälle von 1.800 Kindern und über 1.000 mutmaßliche Täter
  • Die Kommission konnte den Zeugen Jehovas nachweisen, dass sie in 1.006 Fällen Kindesmissbrauch vertuscht hatten
  • Bis 1998 mussten Personen, die Kindesmissbrauch bei den Offiziellen der Zeugen Jehovas anzeigten ihre Aussage in Anwesenheit des mutmaßlichen Täters machen
  • Die biblische Zwei-Zeugen-Regel wurde angewandt: Ermittlungen (auch interne) wurden nur aufgenommen, wenn es zwei Zeugen für den Vorfall gab. Heißt: Bestritt der mutmaßliche Täter das Vergehen, wurde der Vorfall nicht weiter verfolgt
  • Gab es einen Verdacht, leiteten Versammlungs-Älteste (ohne Einbezug der Behörden) die Ermittlung — allesamt Männer ohne “nennenswerte Ausbildung (“relevant Training”)
  • “Wir [die Kommission] fanden keinen einzigen Hinweis darauf, dass die Organisation der Zeugen Jehovas im Falle eines Verdachts auf Kindesmissbrauch Behörden informiert haben.”
  • Die Zeugen Jehovas handelten laut Bericht fahrlässig im Umgang mit Tätern: Teilweise wurden sie wieder in die Gemeinde aufgenommen, in der die Tat begangen worden war
  • Befragte Opfer sagten aus, dass sie bei internen Untersuchungen des Missbrauchs das Gefühl hatten, es gehe vor allem um ihre eigene Glaubwürdigkeit und weniger um den Täter

Die Kommission empfiehlt in ihrem Bericht, dass Zeugen Jehovas  – um solch einem Versagen vorzubeugen –  zukünftig auch Frauen an internen Untersuchungen beteiligen.

Sie empfiehlt auch, dass Opfer von Kindesmissbrauch zukünftig nicht mehr mit einem Kontaktverbot belegt werden sollen.

Die Kommission erwähnt anerkennend, dass die australischen Zeugen Jehovas mittlerweile die Vorgabe machen, Behörden im Falle eines Verdachts zu informieren – ein guter Anfang, wenn auch viel zu spät, und zu wenig.

Deshalb lässt die Royal Commission auch kein gutes Haar am Umgang der Zeugen Jehovas mit Kindesmissbrauch.

Sie schreibt:

“Solange diese Praktiken [erwähnt werden unter anderem: die Zwei-Zeugen-Regelung; die Tatsache, dass nur Männer Dienstämter innehaben dürfen; Ermahnungen, bei der Täter in der Gemeinde bleiben dürfen; Kontaktverbote für Opfer] auf Verdachts- und Vorfälle von Kindesmissbrauch angewandt werden, bleiben die Zeugen Jehovas eine Organisation, die Kinder nicht schützt und nicht ausreichend mit Kindesmissbrauch umgeht.”

Ein vernichtendes Urteil. Und eins, das nicht nur in Australien, sondern weltweit von Belang sein dürfte: Erst kürzlich bestätigte die Glaubensführung der Zeugen Jehovas für ihre Mitglieder weltweit, auch zukünftig nicht von der Zwei-Zeugen-Regelung absehen zu wollen.

Der Abschlussbericht der Kommission kann hier eingesehen werden.

Quelle: Medium

Siehe auch: Jehovas Zeugen: Kindesmissbrauch – Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

von |Dezember 15th, 2017|2017|0 Kommentare

Kindesmissbrauch – Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Kindesmissbrauch – Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Die Royal Commission in Australien untersucht seit 2013, wie australische Institutionen (Schulen, Kirchen, Sportvereine, Regierungseinrichtungen) mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch umgehen. Zum Wohl von Kindern deckt die Kommission auf, wo Systeme darin versagen, Kinder zu schützen, und gibt Empfehlungen, wie Gesetze, Verhaltensregeln und Praktiken verbessert werden müssen. Auch die Wachtturm-Organisation kann sich vor der Verantwortung zum Schutz der Kinder nicht freisprechen.

Jeder interessierte Zeuge Jehovas hat das Recht auf eine sachliche Darstellung der Fakten, um auf Bemerkungen und Vorwürfe adäquat reagieren zu können. Jeder Gläubige hat das Recht zu erfahren, wie seine Kirche, Organisation oder Sekte auf Kindesmissbrauch reagiert, und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Sie sei hier gegeben.

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Vom 27.07.-14.08.2015 fand die öffentliche Anhörung von Jehovas Zeugen statt. Es wurden angehört:

  • zwei weibliche Missbrauchsüberlebende,
  • die damals verantwortlichen Ältesten und Aufseher,
  • der Rechtsanwalt des Zweigbüros Australien sowie
  • Geoffrey Jackson, Mitglied der Leitenden Körperschaft,
  • per Videoübertragung aus Toowoomba.

Die Mitschriften aller 8 Befragungstage sind hier abrufbar.

Die Aussage von Geoffrey Jackson (14.08.2015), Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, gibt es als PDF zum downloaden:

Die Kernaussagen von Geoffrey Jackson, zum Kindesmissbrauch unter Zeugen Jehovas
… zur Zwei-Zeugen-Regelung:

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionMr. Stewart, Anklagevertreter:

Nun zu einem anderen Aspekt, mit dem wir uns beschäftigt haben, nämlich die Frage der Zwei-Zeugen-Regel. Ihnen wird bekannt sein, dass, wenn es kein Geständnis gibt, dann zwei Zeugen des ernsthaften Fehlverhaltens benötigt werden, damit genügend Beweise vorliegen, um ein Rechtskommittee einzuberufen. Gibt es dafür eine biblische Grundlage?

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionMr. Jackson:

Absolut. Wenn ich Sie zum Buch Matthäus mitnehmen darf, Kapitel 18, das ist auf Seite 1330, hier stehen die Worte unseres Herrn – Vers 16 – die Worte unseres Herrn Jesus Christus. Er lautet im Sinne eines rechtlichen Rahmens: „Wenn er aber nicht hört, nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache aus dem Mund von zwei oder drei Zeugen festgestellt werde.“ […]

Mr. Stewart:
Sie haben sich auf Matthäus 18,16 bezogen. Wenn ich das richtig verstehe – sonst korrigieren Sie mich bitte – , ist das wiederum tatsächlich eine Bezugnahme auf 5. Mose 19,15. Mit anderen Worten, was Jesus hier machte, war ein Rückbezug auf den Aspekt des Mosaischen Gesetzes, der sich mit dem Beweis [einer Missetat] befasst.

Mr. Jackson:
Er zitierte aus dem Mosaischen Gesetz, wie er es oft tat, aber er gab ihm eine christliche Anwendung.

Mr. Stewart:
Aber das ist ein Element aus dem Mosaischen Gesetz, wie es in 5. Mose 19,15 steht; ist das richtig?

Mr. Jackson:
Richtig, ein Element, das sowohl im Alten wie im Neuen Testament steht.

Mr. Stewart:
Was mich interessiert, und vielleicht können Sie mir dabei helfen, ist, warum man das auf einen Fall von sexuellem Missbrauch anwendet, wenn das, worum es in der Referenz von Matthäus geht, offensichtlich nicht eine Frage von sexuellem Missbrauch ist? [Mr Jackson führt 2. Korinther 13,1 und 1. Timotheus 5,19 an und erläutert, um die geistige Reinheit der Versammlung zu bewahren, blieben die Beweisregeln immer gleich.]

Mr. Stewart:
Mr. Jackson, genau darauf will ich hinaus. Sie werden 5. Mose 22,23-27 kennen – und vielleicht können wir das aufschlagen? Das ist auf Seite 304 und lautet:

„Wenn jedoch der Mann das Mädchen, das verlobt war, auf dem Feld gefunden hat, und der Mann hat sie gepackt und hat bei ihr gelegen, so soll der Mann, der bei ihr gelegen hat, allein sterben, und dem Mädchen sollst du nichts tun. Das Mädchen hat keine Sünde, die den Tod verdient, denn wie wenn sich ein Mann gegen seinen Mitmenschen erhebt und ihn, ja eine Seele, tatsächlich ermordet, so ist es in diesem Fall. Denn auf dem Feld hat er sie gefunden. Das Mädchen, das verlobt war, schrie, aber da war niemand, der ihr zu Hilfe kam.“ (Verse 25-27)

Der Punkt bei dem letzten Beispiel ist, dass es keinen zweiten Zeugen gibt, weil die Frau sich auf dem Feld befindet; sie schrie, aber da war niemand, um ihr zu helfen. Sind Sie damit einverstanden?

Mr. Jackson:
Darf ich erklären, Mr Stewart, dass – sehen Sie, ich denke, dass schon einige Zeugen bezeugt haben, dass das Zwei-Zeugen-Erfordernis unter Umständen … Ich denke, es wurde ein Beispiel gegeben …

Mr. Stewart:
Ich komme noch darauf, Mr Jackson. Wir kommen schneller und leichter voran, wenn wir uns immer nur um jeweils einen Schritt kümmern. Der jetzige Schritt ist: Sind Sie einverstanden, dass in diesem Beispiel ein Fall beschrieben ist, wo außer der Frau selbst kein weiterer Zeuge anwesend war?

Mr. Jackson:
Da war kein anderer Zeuge außer der Frau selbst, aber dazu kamen die Umstände.

Mr. Stewart:
Ja. Nun, die Umstände waren, dass sie auf dem Feld vergewaltigt wurde?

Mr. Jackson:
Mmmh-hmmm. Ja, das waren die Umstände.

Mr. Stewart:
Obwohl es nur einen Zeugen gab, war es trotzdem ausreichend für den Beschluss, den Mann zu Tode zu steinigen.

Mr. Jackson:
Mmmh-hmm. Ja.

Mr. Stewart:
Und trifft es nicht zu, dass Jesus, wäre er über einen Fall von sexuellem Missbrauch befragt worden, sich auf diesen Teil von 5. Mose bezogen haben würde und gesagt hätte, man benötige keine zwei Zeugen?

Mr. Jackson:
Ich würde Jesus das ganz bestimmt gern fragen, und ich kann es im Moment nicht, ich hoffe aber in Zukunft. Aber das ist eine hypothetische Frage, wenn wir die Antwort wüssten, könnten wir das bestätigen, was Sie sagten.

[…]

… über den Gemeinschaftsentzug:

Mr. Stewart:
Mr. Jackson, Sie sagen, [Zeugen] haben die Wahl wegzugehen oder nicht. Für jemanden, der weggehen will, vielleicht weil er von jemandem in der Organisation missbraucht wurde und nicht das Gefühl hat, dass die Sache ordentlich und adäquat behandelt worden ist – für ihn ist es eine schwierige Wahl, oder? Denn er muss wählen zwischen –

Mr. Jackson:
Ich stimme zu, ja.

Mr. Stewart:
Und es kann für ihn eine grausame Wahl sein, oder?

Mr. Jackson:
Ich stimme zu, es ist eine schwierige Wahl.

Mr. Stewart:
Und es kann persönlichkeitszerstörend sein, denn man kann sein ganzes soziales Netzwerk und seine Familie verlieren?

Mr. Jackson:
Das kann der Fall sein, ja.

Mr. Stewart:
Würden Sie dann zustimmen, dass – wenn man Menschen vor diese Wahl stellt, durch dieses System des Gemeinschaftsentzugs, oder Meiden, wie man es manchmal nennt – dass dies entgegengesetzt zum Glauben der Zeugen Jehovas an die Freiheit der religiösen Wahl ist?

Mr. Jackson:
Nein, das akzeptiere ich nicht. Ich finde, Sie springen da zu einer Schlussfolgerung, aber ich verstehe, dass Sie diese Meinung haben.

[…]

… über Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer:

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionRichter McClellan:

Wissen Sie, Mr Jackson, ich fürchte, dass die Kommission ein Entschädigungsprogramm für [Missbrauchs-] Überlebende erwägt. Sind Sie sich dessen bewusst?

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionMr. Jackson:

Ich hörte, dass es erwähnt wurde, Euer Ehren, aber ich weiß nichts über Details.

Richter McClellan:
Einer der Vorschläge ist, ein nationales oder anderes Programm einzurichten, in dem sich alle Einrichtungen, in denen Menschen missbraucht wurden, zusammentun und für eine unabhängige Entscheidungsfindung sorgen, die eine gerechte Verteilung von Entschädigungen an die Opfer ermöglicht. Verstehen Sie?

Mr. Jackson:
Ich verstehe, Euer Ehren.

Richter McClellan:
Wären Zeugen Jehovas bereit, in einer gemeinsamen Einrichtungen mit anderen Institutionen, in denen Menschen missbraucht wurden, zu kooperieren?

Mr. Jackson:
Euer Ehren, die Antwort ist: Wir müssten die Details kennen. Aber die Möglichkeit, dass wir sicherstellen, dass Opfern Hilfe gegeben wird – natürlich, das ist eine Möglichkeit.

Richter McClellan:
Bedeutet das, dass Jehovas Zeugen sich nicht aus Prinzip weigern würden, sich mit anderen Institutionen einem koordinierten Entschädigungsprogramm anzuschließen?

Mr. Jackson:
Euer Ehren, wir müssten darauf achten, dass biblisch nichts dagegen spricht. Aber es kommt oft vor, dass wir im Hinblick auf finanzielle Angelegenheiten mit anderen handeln, also ist es per se nichts, was außerhalb des Möglichen liegt.

Bericht der Royal Commission

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionDer Bericht der Royal Commission über Fallstudie Nr. 29 (Jehovas Zeugen) wurde am 01.12.2015 auf der offiziellen Website der Kommission veröffentlicht.

Zum Umfang von sexuellem Kindesmissbrauch hat die Organisation der Zeugen Jehovas in Australien (Watchtower Australia) der Kommission folgende Daten zur Verfügung gestellt:

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Übersetzung:

„53 Seit 1950 hat Watchtower Australien Vorwürfe, Berichte oder Anklagen von sexuellen Kindesmissbrauch gegen 1.006 Mitglieder der Organisation der Zeugen Jehovas in Australien aufgezeichnet.“

„54 Diese aufgezeichneten Vorwürfe, Berichte oder Anklagen beziehen sich auf mindestens 1.800 vermutliche Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch.“

„56 … Die Daten belegen, dass 28 vermutliche Vergewaltiger als Älteste oder Dienstamtgehilfen ernannt wurden, nachdem sie des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigt worden waren.“

Schlussfolgerungen der Kommission

Interessant ist vor allem Teil 11 „Zusammenfassung der verfügbaren Erkenntnisse“ ab Seite 126. Er zeigt die bisher gebräuchliche Verfahrensweise, erläutert die Auswirkungen und empfiehlt Anpassungen und Verbesserungen. Wir übersetzen auszugsweise:

„Teil 11 Zusammenfassung der verfügbaren Erkenntnisse

Verfügbare Erkenntnisse über das Verhältnis von Zeugen Jehovas zu staatlichen Autoritäten

F1
Die Organisation der Zeugen Jehovas präsentiert ihren Mitgliedern widersprüchliche und mehrdeutige Lehren in Bezug auf ihr Verhältnis zu staatlichen Autoritäten und fördert damit ein Misstrauen gegenüber solchen Autoritäten.

Verfügbare Erkenntnisse über geschichtliche Kindesmissbrauch-Daten

F2
Seit 1950 hat die Organisation der Zeugen Jehovas in Australien Vorwürfe von sexuellem Kindesmissbrauch gegen 1.006 ihrer Mitglieder erhalten, die sich auf mindestens 1.800 Opfer beziehen, und hat in diesem Zeitraum nicht einen einzigen Vorwurf der Polizei oder anderen Autoritäten gemeldet, obwohl sogar 579 der Beschuldigten gestanden, sexuellen Kindesmissbrauch begangen zu haben.

F3
Die Organisation der Zeugen Jehovas in Australien erhält pro Monat etwa drei bis vier Meldungen von vermutlichem sexuellem Kindesmissbrauch.

Verfügbare Erkenntnisse über die Autorität der Leitenden Körperschaft

F39
Die Aussage von Mr Spinks, dass das Australische Zweigbüro die volle Autorität habe, Dokumente, Seminare, Briefe an Älteste und Briefe an Verkündiger ohne die Billigung oder Zustimmung der Leitenden Körperschaft zu erstellen, wird zurückgewiesen.

F40
Die Leitende Körperschaft besitzt Autorität in Hinblick auf alle Publikationen im Namen der Organisation der Zeugen Jehovas, und jeder Standpunkt oder jede Sichtweise, die derjenigen der Leitenden Körperschaft entgegengesetzt ist, wird nicht toleriert.

Verfügbare Erkenntnisse über das Untersuchungsverfahren

F41
Unter keinen Umständen sollte die Überlebende eines sexuellen Übergriffes ihre Anklage in Gegenwart der Person machen müssen, die sie angegriffen hat, und im Gegensatz zum heutigen Standpunkt sollten die Dokumente, Handbücher und Anweisungen der Organisation der Zeugen Jehovas dies deutlich machen.

F42
Die Bedingung, dass zwei oder mehr Augenzeugen desselben Vorfalls benötigt werden, wenn ein Geständnis des Beschuldigten fehlt [… d.h. die Zwei-Zeugen-Regel] …

a) bedeutet, dass im Hinblick auf sexuellen Kindesmissbrauch, der fast immer im Verborgenen geschieht, bei einem schuldigen Angeklagten sehr oft keine Schuld festgestellt wird

b) bewirkt, dass Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch sich unbeachtet und nicht unterstützt fühlen, wenn am Ende der Vorwurf von sexuellem Kindesmissbrauch nicht aufrechterhalten wird

c) ist eine Gefahr für Kinder in der Organisation der Zeugen Jehovas, denn ihre Folge ist, dass sehr oft nichts gegen einen Missbrauchstäter in der Organisation unternommen wird

d) wird von der Organisation der Zeugen Jehovas scheinbar nicht beim Vorwurf des Ehebruchs angewandt, was nahelegt, dass Ehebruch von der Organisation wichtiger genommen wird als sexueller Kindesmissbrauch

e) muss von der Organisation der Zeugen Jehovas überprüft werden, um sie abzuschaffen oder sie wenigstens umzuformulieren, um zu gewährleisten, dass sichere Entscheidungen, ob jemand des sexuellen Kindesmissbrauchs schuldig ist, leichter getroffen werden können.

F43
Die Bedingung, dass nur Älteste (d.h. Männer) an der Entscheidungsfindung im Untersuchungsverfahren beteiligt sind, ob jemand sexuellen Kindesmissbrauch begangen hat, …

a) ist ein grundlegender Mangel in diesem Verfahren, der die Beschlüsse schwächt, indem er Frauen ausschließt, und

b) muss von der Organisation der Zeugen Jehovas überprüft werden, um eine sinnvolle Rolle von Frauen zu gewährleisten.

Verfügbare Erkenntnisse über das Rechtskommittee-Verfahren

F46
Im derzeitig vorgeschriebenen Rechtskommittee-Verfahren wird die Klägerin eines sexuellen Kindesmissbrauchs daran gehindert, jemanden zur Unterstützung neben sich zu haben.

F48
Die derzeit vorgeschriebene Vorgehensweise, auf Anklagen von sexuellem Kindesmissbrauch innerhalb der Organisation der Zeugen Jehovas zu reagieren, ist großenteils auf die Rechte und den Komfort des Angeklagten ausgerichtet, mit wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse eines Missbrauchsopfers.

Verfügbare Erkenntnisse über Sanktionen – Zurechtweisung

F50
Da es die Verfahrensweise oder Praxis der Organisation der Zeugen Jehovas ist, Beschuldigungen von sexuellem Kindesmissbrauch nicht der Polizei zu melden (außer wenn es das Gesetz verlangt), und im Falle, dass ein bekannter Missbraucher bereut und aus diesem Grund nur zurechtgewiesen und nicht ausgeschlossen wird, bleibt er in der Versammlung und bleibt eine Gefahr für Kinder in der Versammlung.

F51
Das System, die Gründe einer Zurechtweisung nicht bekanntzugeben, bedeutet, dass Mitglieder der Versammlung nicht vor dem Risiko gewarnt werden, das solch ein Missetäter für Kinder in der Versammlung darstellt.

Verfügbare Erkenntnisse über Sanktionen – Gemeinschaftsentzug

F53
Da es die Verfahrensweise oder Praxis der Organisation der Zeugen Jehovas ist, Beschuldigungen von sexuellem Kindesmissbrauch nicht der Polizei zu melden (außer wenn es das Gesetz verlangt), wenn ein bekannter Missbraucher ausgeschlossen wird, bleibt er in der Gemeinde und bleibt ein Risiko für Kinder in der Gemeinde.

F54
Die Sanktion des Gemeinschaftsentzugs tut nichts zum Schutz von Kindern in der Gemeinde.

Verfügbare Erkenntnisse über Meldungen

F55
Vor dieser Studie hat die Organisation der Zeugen Jehovas in Australien Versammlungsälteste nicht auf ihre Pflichten zur Meldung begangener Straftaten an die Polizei unter § 316 des Crimes Act 1900 (NSW) hingewiesen.

F56
Dieser Bericht wird der Law Society of New South Wales [Anwaltsvereinigung] mitgeteilt mit Bezug auf das Verhalten von Mr Toole [Chef-Anwalt des Bethels Australien], der versäumt hat, Versammlungsälteste auf ihre Pflichten zur Meldung begangener Straftaten an die Polizei hinzuweisen.

Verfügbare Erkenntnisse über Mr Jacksons behauptetes Mitgefühl mit Überlebenden

F65
Mr Jacksons Versäumnis, weder die Aussage der überlebenden Zeuginnen zu lesen oder sich damit vertraut zu machen, noch die Aussage von Jehovas Zeugen zu lesen oder sich anderweitig damit vertraut zu machen, widerlegt sein behauptetes Mitgefühl mit den Überlebenden und seine behauptete Anerkennung für die Wichtigkeit ihrer Perspektive.

Verfügbare Erkenntnisse über Meiden [Kontaktverbot bei Ausschluss]

F69
Mitglieder der Organisation der Zeugen Jehovas, die nicht mehr den Regeln und der Disziplin der Organisation unterliegen wollen, haben keine Alternative, als die Organisation zu verlassen, was erfordert, dass sie sich von ihr trennen.

F70
Die Verfahrensweise der Organisation der Zeugen Jehovas, von ihren Anhängern zu verlangen, diejenigen aktiv zu meiden, die die Organisation verlassen …

a) macht es einem extrem schwierig, die Organisation zu verlassen

b) ist grausam für diejenigen, die gehen, und für ihre Freunde und Familie, die zurückbleiben

c) ist besonders grausam für diejenigen, die in der Organisation sexuellen Kindesmissbrauch erlitten haben und die gehen wollen, weil sie empfinden, dass ihre Klage nicht angemessen behandelt wurde

d) ist offensichtlich nicht mit der Bibel zu rechtfertigen, die zu ihrer Unterstützung zitiert wird

e) wurde angenommen und durchgesetzt zu dem Zweck, Menschen vom Verlassen der Organisation abzuhalten und so ihre Mitgliedschaft zu behalten, und

f) ist im Konflikt mit der von der Organisation erklärten Befürwortung der freien Religionswahl und mit dem Glauben, dass Jehova Gott ein mitfühlender Gott ist, der den Wert und die Würde aller menschlicher Wesen anerkennt.

Angus Stewart SC [Prosecutor]
25 September 2015″

Die deutschen Medien berichten über 1000 Kindesmissbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas

01.04.2016: Jehovas Zeugen geben zu pädophile Täter geschützt zu haben, durch die Vernichtung der Unterlagen über dokumentierten Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen!

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionSYDNEY – Zeugen Jehovas räumen Vertuschung von Missbrauch ein: Die Zeugen Jehovas in Australien haben die systematische Vernichtung von Dokumenten über den sexuellen Missbrauch Minderjähriger eingeräumt. Man habe vermeiden wollen, dass die Aufzeichnungen in „falsche Hände fallen“, sagte ein Leitungsverantwortlicher der Religionsgemeinschaft, Max Horley, laut australischen Medien am Montag vor dem staatlichen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Umgangs mit Missbrauchsfällen.

Seit 1950 seien den Zeugen Jehovas 1006 Fälle von Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Alle diese Fälle seien intern behandelt worden, statt sie bei der Polizei anzuzeigen, so Horley. Man sei sich nicht bewusst gewesen, dass es sich um ein „kriminelles Vergehen“ handle.

Schon zuvor waren in der Kommission Vorwürfe laut geworden, die Zeugen Jehovas hätten wiederholt übergriffige Verantwortungsträger in andere Positionen verschoben, um Missbrauch zu vertuschen. Eine Frau sagte laut Medien als Zeugin vor der Kommission, man habe sich bei den Zeugen Jehovas über sie lustig gemacht und ihr die Schuld gegeben, nachdem sie den Missbrauch gemeldet habe.

Die Untersuchungskommission war 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingesetzt worden. Im Dezember 2017 soll sie ihren Abschlussbericht vorlegen. (KNA)“

Quelle: morgenpost.de

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal Commission„Australien – Zeugen Jehovas vertuschten über Jahrzehnte sexuellen Missbrauch

Bei den Zeugen Jehovas in Australien gibt es einen großen Missbrauchsskandal. Das wurde durch die Arbeit einer Untersuchungskommision enthüllt. Offenbar wurden Fälle sexueller Gewalt an Kindern über Jahrzehnte hinweg nur intern untersucht, aber nie an die Polizei gemeldet. Die Zeugen Jehovas in Australien haben offenbar Kindesmissbrauch von mehr als 1000 Tätern jahrzehntelang vertuscht.

Die Fälle liegen weit zurück, sie haben sich teilweise in den Fünfzigerjahren ereignet. Allerdings gab es darüber Aufzeichungen und protokollierte Zeugenaussagen. Zur Rechenschaft gezogen wurden die Täter dennoch nicht.

Offenbar wurden in den Reihen der Zeugen Jehovas Missbrauchsfälle über Jahrzehnte hinweg systematisch vertuscht, wie unter anderem mehrere australische Medien und Radio Vatikan berichten. Das hat eine Untersuchungskomission jetzt enthüllt, die für die Aufarbeitung von Vergewaltigungsfällen in kirchlichen und weltlichen Organisationen in Australien zuständig ist.

Max Horley, ein wichtiger Funktionär der Zeugen in Australien, hat vor der Kommission in Sydney eingeräumt, dass Dokumente, die den Missbrauch belegen hätten können, vernichtet wurden. Der Grund: Sie sollten „nicht in falsche Hände geraten“.

Fälle wurden nur intern behandelt

Seit 1950 seien bei den Zeugen Jehovas 1.006 Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauch dokumentiert worden. Doch anstatt die mutmaßlichen Täter bei der Polizei anzuzeigen, seien alle Fälle nur intern behandelt worden. Wie ein australisches Newsportal schreibt, sind infolge der internen Untersuchungen sogar 400 Mitglieder der Zeugen Jehovas vorübergehend aus der Gemeinschaft ausgeschlossen worden. Doch Kommissionsmitglied Angus Stewart zufolge ist kein einziger Vorfall den Behörden gemeldet worden.

Schon zuvor, so schreibt es Radio Vatikan, seien Vorwürfe gegen die Zeugen Jehovas laut geworden. So seien nach Missbrauchsskandalen wiederholt hohe Funktionäre an andere Orte versetzt worden, um die Ereignisse zu vertuschen.

Zwei-Zeugen-Regel

Opfer erzählen auch, dass es bei den Zeugen Jehovas eine Regel gibt, der zufolge ein Übergriff immer von zwei Personen bezeugt werden muss – eine Bedingung, die sich im Fall von sexuellem Missbrauch fast nie erfüllen lässt. Eines der Opfer, eine 47-jährige Frau, die in den Akten nur mit dem Kürzel „BCB“ bezeichnet ist, hat vor der Kommission geschildert, wie sie bei einer internen Gegenüberstellung mit ihrem Peiniger konfrontiert wurde. „Ich musste über meinen Missbrauch sprechen, in einem Raum voller Männer, darunter war auch der Mann, der mich missbraucht hatte, das war sehr demütigend“.

Die Aussagen von etwa 60 Zeugen sollen jetzt in die Untersuchungskommission einfließen, die sich am Montag zum ersten Mal in einer öffentlichen Sitzung mit den Zeugen Jehovas beschäftigte. Gegründet wurde sie bereits im Jahr 2013 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard, nachdem bekannt wurde, dass in der katholischen Kirche der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen über Jahre hinweg systematisch totgeschwiegen wurde. Im Dezember 2017 soll die Kommission ihren Abschlussbericht vorlegen.“

Quelle: süddeutsche.de

Aussageverweigerung von Gerrit Lösch kostet der Wachtturm-Gesellschaft 13,5 Mio. US Dollar

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionIm Nachgang zu dem Prozess Jose Lopez gegen die Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas (WTG) in den USA gegen Ende 2014 ist kürzlich bekanntgeworden, dass die Höhe des Urteils entscheidend auf die Weigerung von Gerrit Lösch, als Zeuge vor Gericht zu erscheinen und auszusagen, zurückgeht. Was nach deutschem Recht als Versäumnisurteil gilt, entspricht in den USA weitgehend einem “default judgment”. Richterin Lewis, die in dem Verfahren den Vorsitz führte, entschied sich angesichts der fortgesetzten Weigerung der WTG für diesen Fall relevante Dokumente vorzulegen und der Aussageverweigerung von Gerrit Lösch dazu, die Wachtturmgesellschaft der Zeugen Jehovas zu einer außergewöhnlich hohen Geldstrafe von 13,5 Mio. USD zu verurteilen.

Der WTG war vom Kläger Lopez vorgeworfen worden, den an ihm in den 80er und 90er Jahren durch Gonzalo Campos begangenen sexuellen Missbrauch über die Ältesten der Versammlung in San Diego ermöglicht und geduldet zu haben.

Campos hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Jahr 2013 bei seiner Vernehmung in Mexiko eingeräumt und sich darauf berufen, dass die Ältesten seiner Versammlung ihm erlaubt oder ermöglicht hätten, mit Kindern weiterhin zu „studieren“, obwohl ihnen seine pädophile Neigung bekannt gewesen sei.

Bereits im Jahr 1986 hatte er den sexuellen Missbrauch von Lopez und den an einem weiteren Kind zuvor gegenüber den Ältesten „gebeichtet“. Ungeachtet dessen blieb sein Geständnis nicht nur folgenlos, nein, er machte auf der theokratischen Erfolgsleiter weitere Karriere und wurde im Jahr 1993 sogar selbst zum Ältesten ernannt.

Angesichts dieser Umstände und der für sie bedrückenden Beweislage sah die WTG offenbar keine andere Möglichkeit mehr als die, die Zusammenarbeit mit dem Gericht zu verweigern. Von besonderem Interesse ist, welche Begründung für das Nichterscheinen vor Gericht von dem Mitglied der höchsten Leitungsebene der Zeugenorganisation, Gerrit Lösch, abgegeben wurde.

Wie dem erst jetzt veröffentlichten dreiseitigen Schreiben von Lösch zu entnehmen ist, bestreitet dieser, mit „dem Wachtturm etwas zu tun zu haben“ und er deswegen auch nicht für diese Organisation Stellung nehmen könne. Er ging so weit zu behaupten, dass diese „zu keinem Zeitpunkt eine Autorität über ihn hatte oder noch hat“.

Wie kann man oder muss man diese Stellungnahme werten?

Es ist wohl zutreffend, dass Lösch als Einzelperson über keine Autorität verfügt, Entscheidungen für die Wachtturmgesellschaft in ihrer Gesamtheit zu treffen. Verschwiegen wird jedoch, dass er ein Teil des Entscheidungsgremiums der Organisation ist und war und von daher im Zusammenwirken mit den anderen Mitgliedern der leitenden Körperschaft sehr wohl Einfluss auf den Entscheidungsprozess hat. Seine Einlassung muss daher als ausweichend und unehrlich gewertet werden.

Jeder aufrichtige Zeuge würde schockiert sein, wenn er erfährt, mit welch fragwürdigen und sogar unwahren Behauptungen sich ein Mitglied der leitenden Körperschaft, des höchsten Gremiums seiner Glaubensgemeinschaft, davor drückt, eine Aussage vor Gericht zu machen, eine Aussage, die auch als Verteidigung der Organisation dienen könnte.

War es nicht Jesus Christus selbst der gesagt hat, dass “…man Euch den örtlichen Gerichten ausliefern wird und Ihr in Synagogen geschlagen und um (s)meinetwillen vor Statthalter und Könige gestellt werdet, ihnen zu einem Zeugnis“?

Und hier drückt sich ein hochrangiger Zeuge Jehovas davor, Zeugnis abzulegen? Mehr noch, er distanziert sich von der Gesellschaft, die sich als Gottes Vertreterin auf der Erde ansieht und streitet nahezu jede Beziehung zu ihr ab. Wie muss man dies verstehen?

Sehr wahrscheinlich ist es so, dass sich die leitende Körperschaft von der Wachtturmgesellschaft, die sie doch angeblich führt und kontrolliert, distanzieren will, um sich selbst der gerichtlichen Verantwortung für diesen Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern und weiteren Klagen zu entziehen.

Ob diese Strategie langfristig erfolgreich sein wird, darf bezweifelt werden. In dem vorliegenden Fall muss man wohl eher von einer Bauchlandung der in vermeintlich höheren Gefilden angesiedelten leitenden Körperschaft ausgehen.

Bericht vom achten Tag der Anhörung der australischen Royal Commission zum Thema „Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas“ und die blamierenden Aussagen der leitenden Körperschaft

Kindesmissbrauch - Missbrauchsfälle vor der Royal CommissionEs ist kein guter Tag, dieser achte Tag der Anhörung von Führungspersonal der Zeugen Jehovas vor der australischen Royal Commission, die dem Vorwurf nachgeht, bei der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas würde der Tatbestand des sexuellen Missbrauchs von Kindern intern unterdrückt und unter den Teppich gekehrt. So zumindest erscheint es auch nach den vorangegangenen Terminen, bei denen über-wiegend die religiösen Leiter, die sogenannten Ältesten, zu diesem gravierenden Vorwurf befragt wurden.

Geoffrey Jackson, Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, stellt sich der Anhörung. Er hat die Gelegenheit, zu den entscheidenden Fragen nach den Lehren der Gemeinschaft Stellung zu nehmen. So wie zu der Auffassung, dass einem Vorwurf eines Sexualdelikts nur nachgegangen werde kann, wenn es zwei Zeugen des Vorfalls gibt, was in der Praxis jedoch so gut wie nie der Fall ist und Beschuldigte deswegen straffrei bleiben und – in Australien zumindest – keine Anzeige bei den zuständigen Behörden erfolgt.

Den Feststellungen der Kommission zufolge hat es seit 1950 über 1006 Fälle von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas gegeben, von denen kein einziger bei den Behörden angezeigt worden ist. Geoffrey Jackson gibt sich optimistisch. Er sei glücklich, vor der Kommission Zeugnis ablegen zu können, beteuert er. Ob er das nach Ende der Befragung auch noch war, darf allerdings getrost bezweifelt werden. Der weitere Verlauf der Befragung stellt sich für ihn, den Repräsentanten, und damit für die Wachtturm-Gesellschaft nämlich als ein Fiasko dar. Ein Grund dafür könnte sein, dass Mr. Jackson sicher nicht gewohnt ist, dass ihm in seiner Führungsposition auf nahezu gottgleicher Ebene, wie es viele Zeugen empfinden, solche direkten Fragen gestellt werden. Daher hat er mit ausweichenden Antworten und seinem Bemühen, unbequeme Fragen zu ignorieren, heute keinen Erfolg hat. Schlimmer, er wird auf seinem Spezialgebiet mit seinen eigenen Waffen, seinen Bibelkenntnissen, geschlagen.

Worauf sich die Lehre der Zeugen Jehovas stütze, nach der zwei Zeugen einer Tat beigewohnt haben müssen, bevor ein Beschuldiger verurteilt werden könne, will die Kommission wissen. Jackson verweist auf die Schriftstelle 5. Mose 19,15. In Verbindung mit den Worten von Jesus Christus, wie sind in Matthäus 18,16 niedergelegt seien, ergebe sich eindeutig, dass es für jede Tat zwei Zeugen geben müsse, so Jackson.

Aber da hat er bei der Kommission kein Glück. Sie zeigt sich bestens vorbereitet. Wie er denn zu dem Sachverhalt stehe, wie er im gleichen Buch Mose im Kapitel 22:23-27 beschrieben werde, bei dem eine Frau vergewaltigt worden und der Täter trotz Abwesenheit eines weiteren Zeugen verurteilt worden sei. Daraus könne man doch folgern, dass es biblisch gesehen im Falle eines Sexualdelikts von der Zwei-Zeugen-Regel auch Abweichungen geben könne.

Das ist für Jackson eine neue Sichtweise. Der anfänglich so selbstsicher auftretende Zeuge kommt ins Schwimmen. So habe er die Angelegenheit noch nicht gesehen, räumt er anfänglich ein. Später will er in einer schriftlich nachgereichten Erklärung diese für ihn und seine Argumentation so katastrophale Wendung wieder korrigieren. Die genannte Schriftstelle hebe lediglich auf die Mitschuld des Opfers ab, wenn es nicht geschrien habe, woraus sich ein Einverständnis ableiten lasse und weniger auf die Schuldfrage. Aber diese ausweichende Erklärung verfängt nicht. Die Kommission reagiert empfindlich und bewertet seine neue Aussage als wenig hilfreich. Mehr noch, sie spricht ihm ab, dass man mit ihm vernünftig argumentieren könne.

Damit ist das Desaster der Anhörung für die Wachtturm-Gesellschaft aber noch keineswegs beendet. In einem anderen Punkt geht es nunmehr um die Frage, warum Frauen bei den Zeugen Jehovas von wichtigen Funktionen, wie der internen Gerichtsbarkeit beispielsweise, ausgeschlossen seien. Auf diesem Sektor fühlt sich Jackson sicher. Sehr energisch erklärt er, dass Frauen niemals als Älteste oder bei richterlichen Entscheidungen der Wachtturm-Gesellschaft eine Rolle spielen würden, weil es in der Bibel nie weibliche Richter gab. Die Bibel, so versichert er der Kommission, erwähne keine weiblichen Richter.

Ist das tatsächlich so? fragt einer der Juristen der Kommission. Wie verhalte es sich denn mit der Richterin Debora, die in Buch Richter 4,4-5 erwähnt wird. Diese Verse berichten von Debora, einer Prophetin, die auch als Richterin über Israel richtete und die Israeliten für ein Urteil sogar zu ihr hinaufzogen. Wie gesagt, es ist kein guter Tag für die Wachtturm-Gesellschaft. Eines ihrer leitenden Mitglieder blamiert sich vor den Mitgliedern der Untersuchungskommission ein weiteres Mal. Und das auf einem Gebiet, auf dem er sich doch als Fachmann den Laien überlegen zeigen müsste.

Jetzt geht es wieder um den sexuellen Missbrauch von Kindern in den Versammlungen. Befragt zu den Opfern gibt Jackson zu Protokoll, dass man sich sehr zuwendungsvoll und fürsorglich in den Versammlungen um die Betroffenen kümmere, was sich in der Praxis auch als erfolgreich erwiesen habe. Wie das bei ihm persönlich sei, will die Kommission zu seiner Überraschung von ihm wissen. Ob er sich beispielweise den Berichten von den schrecklichen Erfahrungen der Opfer zugewandt oder sich persönlich gekümmert habe.

Dazu habe er keine Zeit gehabt, antwortet Jackson ungerührt, da sein Vater gestorben sei, um den er sich gekümmert habe. Aber er habe großes Mitgefühl mit den Betroffenen und sorge sich sehr um diese, schiebt er nach. Peinlich für ihn nur, dass während der weiteren Befragung herauskommt, dass er trotzdem die Zeit hatte, sich jede einzelne Aussage den vorher erschienenen befragten Ältesten anzuhören, aber keine Gelegenheit fand, sich anzuhören, was die Opfer zu sagen hatten.

Das Bild der australischen Royal Commission über Geoffrey Jackson rundet sich ab.

In seiner Zusammenfassung befindet der Hohe Rat, dass …

  • Geoffrey Jackson “ausweichend und nicht hilfreich” war, wenn es um wichtige Verhaltensweisen ging, wie sich seine Organisation bei Kindesmissbrauch verhält,
  • sich seine Aussagen über Mitgefühl und Sorge für die Opfer von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas von seinen Taten deutlich unterscheiden und
  • die biblischen Argumente der Wachtturm-Gesellschaft über die Zwei-Zeugen-Regel und der männlichen Ältesten nur auf Schriftstellen beruhen, die aus dem Kontext gerissen wurden und andere Texte außer Acht lassen.

Auch in der anschließenden Diskussionsrunde kann Jackson den verlorenen Boden nicht wiedergutmachen. „The damage is done“, wie die Engländer sagen. Der Schaden ist da und die nachträglich vorgebrachten Erklärungen und Erläuterungen machen die Angelegenheit für die Wachtturm-Gesellschaft nur schlimmer.

Geheimhaltung und Vernichtung von Unterlagen

Kindesmissbrauch: Es wird seitens der Wachtturm-Organisation eine Geheimhaltung auch bei Straftaten und kriminalpolizeiliche Untersuchungen gefordert:

„Aufseher erhalten oft vertrauliche Informationen. Sie müssen sorgfältig darauf achten nie Unbefugten vertrauliche Informationen mitzuteilen.

… Verletzt ein Ältester die Verschwiegenheitspflicht, könnte dies für ihn und die Organisation rechtliche Folgen haben. Älteste könnten zum Beispiel ihr Zeugnisverweigerungsrecht verlieren. Dieses Recht bewahrt einen Ältesten unter bestimmten Umständen davor, mitteilen zu müssen, was er vertraulich mit einem Versammlungsangehörigen, dem Zweigbüro oder einem Anwalt besprochen hat.

… Niemand sollte irgendjemandem vertrauliche Informationen weitergeben, es sei denn, die theokratische Verfahrensweise sieht es so vor oder es gibt dazu eine Anweisung vom Zweigbüro. (Personen, die vertrauliche Informationen erhalten möchten, können unter anderem Kriminalbeamte, Anwälte, Polizisten, Strafverfolgungsbeamte, Regierungs- oder Behördenvertreter, … Das bezieht sich sowohl auf schriftliche Unterlagen als auch auf Wissen von Ältesten, das nicht schriftlich niedergelegt wurde.“ (Zitat aus Ältestenbrief zu rechtlichen Angelegenheiten 4/9/2012-X Ge)

Vernichtung von Unterlagen und Aufzeichnungen

„Dieser Brief ersetzt die Briefe an alle Ältestenschaften vom 24. Mai 2000 (Luxemburg, in Englisch, Französisch und Spanisch), 24. August 2000 (Luxemburg, in Deutsch und Italienisch), 24. September 2000 (Luxemburg, in Portugiesisch) sowie vom 1. November 2005 (Deutschland, Luxemburg und Österreich). Sie sollten aus der Versammlungsdauerablage der Briefe zu Verfahrensweisen herausgenommen und vernichtet werden. Niemand behält Originale oder Kopien dieser Briefe.“ (Zitat aus Ältestenbrief zu rechtlichen Angelegenheiten 4/9/2012-X Ge)

„Mit diesem Brief werden die Anweisungen in den Briefen an alle Ältestenschaften über Kindesmissbrauch vom 20. September 1995 (Schweiz: 1. August 1995), 7. November 1997 (Luxemburg: 15.Dezember 1997; Österreich: 8.August 1997; Schweiz: 14. März 1997), 20. Juli 1998 (Luxemburg: 20. Oktober 1998), 5. Juni 2006 (Luxemburg: 1. August 2006) und 24. Mai 2010 (Schweiz: 20. November 2010) aktualisiert. Sie sollten aus der Versammlungsdauerablage der Briefe zu Verfahrensweisen entfernt und vernichtet werden. Niemand sollte Originale oder Kopien dieser Briefe behalten.“ (Ältestenbrief zu Kindesmissbrauch 10/1/2012-X Ge)

„Es freut uns euch mitzuteilen, dass es ein neues Buch „Hütet die Herde Gottes“ … Es ersetzt das bisherige „Hütet“-Buch (ks10). Es enthält außer den Informationen im „Hütet“-Buch (ks10) weitgehend alle wesentlichen Anweisungen der bisherigen Briefe an alle Ältestenschaften weltweit. Die meisten zweigspezifischen Anweisungen findet ihr in der Ergänzung zu „Hütet die Herde Gottes“. Der Index der Briefe für Ältestenschaften (S-22) und die darin gelisteten Briefe werden gelöscht. Alle gedruckten oder elektronischen Kopien sollten vernichtet werden.“ (Ältestenbrief zur Freigabe des neuen Ältestenbuchs 2019 S-147-19.02-X Ge)

Alle persönlichen Notizen werden dann vernichtet.“ (Ältestenbuch sfl-X 2019 Kap. 22, Punkt 21)

Ältester bestätigt die Vernichtung von Unterlagen unter Eid

Dokumenten-Verantwortlicher fordert zur Unterlagenvernichtung auf

In einem organisations-internen Vortrag anläßlich eines Seminars für Älteste fordert der Verantwortliche für die Aufzeichnungspraxis in der Organisation der Zeugen Jehovas zur Vernichtung von Unterlagen auf. Dabei gehe es vorrangig um die Behandlung von Beschwerden im Zusammenhang von Vorwürfen wegen Kindesmissbrauch, wegen derer die Gesellschaft unter Beschuss geraten sei. (Deutsche Übersetzung eines Artikels in philly.com vom 9. Juli 2018)

Die Beurteilung der Royal Commission über Fallstudie Nr. 29 der Zeugen Jehovas

Wachtturm-Gesellschaft gegen Wahrheitenjetzt! - 250.000 Euro Strafe oder sechs Monate Haft

Der offizielle Abschlussbericht der Royal Commission Australien über Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas ist veröffentlicht. In der abschließenden Beurteilung auf Seite 77 heißt es auszugsweise:

Wir betrachten die Organisation der Zeugen Jehovas nicht als Organisation, die adäquat auf sexuellen Missbrauch von Kindern reagiert. Wir glauben aus folgenden Gründen nicht, dass Kinder angemessen vor dem Risiko des sexuellen Missbrauchs geschützt sind:

Die Organisation stützt sich auf veraltete Richtlinien und Praktiken, um auf angebliche sexuelle Misshandlungen von Kindern zu reagieren. Diese Richtlinien und Praktiken unterliegen nicht einer laufenden und kontinuierlichen Überprüfung. Die Strategien und Praktiken sind im Großen und Ganzen völlig unangemessen und ungeeignet zur Anwendung in Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Zurückhaltung der Organisation und die fortgesetzte Anwendung von Richtlinien wie die Zwei-Zeugen-Regel in Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zeigen einen ernsten Mangel an Verständnis für die Natur des sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Das interne Disziplinarsystem der Organisation darüber, wie Klagen über sexuellen Missbrauch von Kindern behandelt werden, ist nicht auf das Kind bzw. Opfer ausgerichtet und bietet dem Opfer wenig oder keine Wahl, wie seine Beschwerde behandelt wird.

Die allgemeine Praxis der Organisation, schwere Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern nicht der Polizei oder den Behörden anzuzeigen, insbesondere wenn das Opfer ein Kind ist, zeigt ein schwerwiegendes Versagen der Organisation, die Sicherheit und den Schutz der Kinder in der Organisation und in der Gemeinschaft zu gewährleisten.“

Download: childabuseroyalcommission.gov.au

Die Zusammenfassung der australischen Royal Commission über Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas

Die Royal Commission hat der australischen Regierung einen Abschlussbericht mit Empfehlungen vorgelegt, von dem sich für die Organisation der Zeugen Jehovas nach dem Stand der Untersuchungen nichts Gutes übrig lässt.

Daraus ergibt sich, dass …

  • Kindesmissbrauch in der Wachtturm-Gesellschaft, in der „Organisation Gottes“, in einer Vielzahl stattfindet,
  • die Organisation der Zeugen Jehovas durch die Zwei-Zeugen-Regelung Täter schützt,
  • Kinder, die von sexuellen Missbrauch betroffen sind, nicht angemessen geschützt werden, sowie der Fall nicht der Polizei oder anderen Behörden mitgeteilt werden,
  • Dokumentierte Unterlagen über Kindesmissbrauch systematisch vernichtet wurden,
  • die interne Disziplinarsystem der Organisation für Opfer nicht zumutbar ist,
  • seit 1950 die Watchtower Australien Vorwürfe, Berichte oder Anklagen von sexuellen Kindesmissbrauch gegen 1.006 Mitglieder der Organisation der Zeugen Jehovas in Australien aufgezeichnet hat,
  • diese aufgezeichneten Vorwürfe, Berichte oder Anklagen sich auf mindestens 1.800 vermutliche Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch beziehen,
  • die Daten belegen, dass 28 vermutliche Vergewaltiger als Älteste oder Dienstamtgehilfen ernannt wurden, nachdem sie des sexuellen Kindesmissbrauchs beschuldigt worden waren,
  • die Bibelkenntnis der leitenden Körperschaft, des „Mitteilungskanal Gottes“, vor Gericht blamierend gering ist und sie nicht den Geist YHWH haben (Matthäus 10:19, 20),
  • „Weltmenschen“ mehr aus der Bibel wissen, als die Führung der Zeugen Jehovas,
  • die leitende Körperschaft ihre Mitglieder bewusst täuscht und belügt, da zuvor öffentlich im Broadcasting versichert wurde, dass YHWH „seine Organisation“ vor pädophilen Täter schütze und Kindesmissbrauch nicht vorkomme, dies alles nur die Lügen von „bösen Abtrünnigen“ seien,
  • keiner Absprache zwischen der Führung, der leitenden Körperschaft, stattfindet, da einzelne Mitglieder des Führungsgremium unterschiedliche Aussagen treffen,
  • der Schöpfer keinen „treuen und verständigen Sklaven“ in der Form einer leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas erwählt hat, der solch einen Schmach auf den heiligen Gottesnamen bringt.
von |Januar 3rd, 2017|Kommentare deaktiviert für Kindesmissbrauch – Missbrauchsfälle vor der Royal Commission

Sexueller Missbrauch: Zeuge Jehovas verurteilt

Im Jahr 2005 hat ein Zeuge Jehovas aus Greifswald einen Jungen mehrfach sexuell missbraucht. Dafür wurde der heute 53-Jährige am Dienstag zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Seine Gemeinde soll von den Taten gewusst haben, schwieg aber jahrelang. Das Amtsgericht Greifswald hat den Mann wegen sexuellen Missbrauchs an einem Kind zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Damit folgte das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe ein vollumfängliches Geständnis abgelegt und es so dem Opfer erspart, vor Gericht aussagen zu müssen, so Richter Wittke. Er zeige erkennbare Reue und habe seit 2005 keine weiteren Straftaten begangen.

Der Greifswalder gestand, im Jahr 2005 an einem damals elfjährigen Jungen in zwei Fällen sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Mit dem Jungen habe ihn eine „väterliche Freundschaft“ verbunden, die „zu direkt, zu nah“ gewesen sei, sagte der Angeklagte. Er bereue diese Taten und gab an, sich bei der Familie entschuldigt zu haben.

Weitere Vorwürfe

Einem damals 14-jährigen Jungen soll er zudem Geld geboten haben, damit ihn dieser oral befriedigt. Der Angeklagte wurde von diesem Vorwurf freigesprochen, da es lediglich bei einem Versuch geblieben und dieser zum Zeitpunkt der Tat nicht strafbar war.

Die Ostsee-Zeitung hatte zuvor berichtet, dass der Mann sich während „religiöser Zeremonien im Greifswalder Königreichssaal der Zeugen Jehovas“ an den Jungen vergangen haben soll. Der Verteidiger des Angeklagten und Richter Daniel Wittke äußerten sich dazu überrascht. „Das kann ich nicht der Akte entnehmen“, so Wittke.

Wie der 53-Jährige aussagte, habe er nach den Vorfällen eine langjährige Therapie begonnen. Er sei in seiner Kindheit von seinem Vater und seinem Bruder missbraucht worden. Mit seinem Therapeuten habe er besprochen, sich von Kindern fernzuhalten. Er fühle sich nicht mehr zu Kindern hingezogen.

Zeugen Jehovas reagierten spät

Der Angeklagte war Mitglied bei den Zeugen Jehovas. Etwa ein Jahr nach den Missbrauchsfällen habe er sich an die „Ältesten“ gewandt und die Taten gestanden. Diese reagierten erst Jahre später und schlossen ihn 2012 aus der Gemeinde aus.

Die Kirche dürfe er noch besuchen, allerdings nicht mehr in Greifswald, um seinem Opfer nicht zu begegnen. Zudem sei es Teil seiner Strafe, dass die Gemeindemitglieder nicht mit ihm sprechen.

Quelle: nordkurier

Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas vor Gericht

Missbrauchsprozess vor dem Amtsgericht Greifswald: Ein heute 53 Jahre alter Mann aus der Hansestadt soll sich im Jahr 2005 während religiöser Zeremonien im Greifswalder Königreichssaal der Zeugen Jehovas an zwei Kindern, beides Jungen, vergangen haben. Einer der Jungen war zum Tatzeitpunkt zwölf Jahre alt, ihn soll der Angeklagte zweimal missbraucht haben. Der andere Junge war 2005 älter als 14 Jahre, aber noch nicht volljährig. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund, Martin Cloppenburg, bestätigte die Anklage. Der Prozess beginnt am Dienstag. Angesetzt ist ein Verhandlungstag.

Nach OZ-Informationen soll es neben diesem einen Fall noch weitaus mehr Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas gegeben haben. Die Rede ist von mindestens 20 Übergriffen. Allerdings haben sich bis auf die beiden jungen Männer, die heute Anfang und Mitte 20 sind, keines der Opfer zu einer Aussage und Anzeige durchringen können.

Kenner der Vorgänge bei den Zeugen Jehovas sprechen von Einschüchterung der Opfer oder möglicher Zeugen, sollten sie bei Gericht aussagen. „Kindesmissbrauch muss hart bestraft werden, denn in unserer Bibel steht, dass wir unsere Kinder schützen und auf sich achten müssen“, sagten Mitglieder der Religionsgemeinschaft gegenüber der OZ.

Quelle: OZ

Kindesmissbrauch bei Zeugen Jehovas vor Gericht

An die leitende Körperschaft

Wahrheiten jetzt! ist dankbar dafür, dass die Wachtturm-Gesellschaft der Website so viel Aufmerksamkeit gibt. Die Themen auf dieser Website müssen die Wachtturm-Gesellschaft so sehr stören, dass sie alles daran setzen den Betreiber in Gerichtsprozesse zu ziehen um ihm hohe Geldstrafen (bis zu 250.000€) oder ersatzweise 6 Monate Haft anzudrohen. Liebe leitende Körperschaft, D. H. Splane, A. Morris III., D. M. Sanderson, G. W. Jackson, M. S. Lett. S. F. Herd, G. Lösch und G. H. Pierce:

Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, nur die Lüge braucht Gesetzesschutz!

Erwartet Gott und Jesus das von euch? Hätte Jesus so gehandelt? Ihr sagt von euch selbst das ihr vom "Geist geleitet" seid. Ihr sagt selbst das ihr geistgesalbte Christen seid. Ihr sagt selbst das die Bibel über allem steht. Warum macht ihr euch dann selbst, durch Gerichtsprozesse lächerlich? Warum versucht ihr erneut zu richten? Warum wollt ihr nicht in die Fußstapfen Jesu treten, der so mild gesinnt war?

"Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?" (Johannes 18:10, 11)

Da ihr euch offensichtlich auf dem Weg der Finsternis befindet, wünscht euch Wahrheiten jetzt! sehr baldig, Jesus anzuerkennen und ihm nachzufolgen, um dem Willen des Vaters zu tun!