Jehovas Zeugen – Weiteres Anbetungszentrum wird in Lübbecke geschlossen

Lübbecke (Nordrhein-Westfalen). Seit 1954 gehört der »Königreichssaal« der Zeugen Jehovas zum Stadtbild rund um die Blücherstraße in Lübbecke. Doch nun hat das regionale Baukomitee der Zeugen Jehovas Deutschland entschieden, diesen Saal zu schließen.

Grund dafür ist das seit ein paar Jahren entwickelte Konzept der so genannten Anbetungszentren: Die Spendengelder sollen so effizienter genutzt werden, um moderne, zweckmäßige Säle zu errichten, die dann von durchschnittlich drei Gemeinden genutzt werden sollen. Das hat den Vorteil, dass weniger Zeit und Geld in die Instandhaltung und Renovierung von weniger genutzten und baufälligen Sälen, wie der in Lübbecke, investiert werden muss. Die Lübbecker Gemeinde teilt sich nun seit dem 1. Juli den Königreichssaal in Hille mit den Gemeinden Hille und Espelkamp.

Der erst kürzlich renovierte Saal in Hille verfügt über ausreichend Parkplätze sowie über die neusten Technik-, und Sicherheitsstandards. Diese Zusammenlegungen fanden in den letzten Jahren häufiger statt, zum Beispiel auch in Bad Oeynhausen, Löhne und Werste, und haben immer positive Ergebnisse erzielt.

Nun treffen sich die Gläubigen in Hille

Trotzdem ist es für einige langjährige Mitglieder, die den Saal 1954 mitaufgebaut und sich dort seitdem jede Woche zwei Mal mit ihren Glaubensbrüdern und Freunden getroffen haben, ein emotionaler Abschied. »Die Zeugen Jehovas in Lübbecke möchten sich daher ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit mit den Lübbecker Behörden sowie für das Verständnis der Anwohner für das erhöhte Verkehrsaufkommen und die erschwerte Parksituation bedanken«, sagt eine Sprecherin der Zeugen Jehovas.

Was mit dem Gebäude und dem Grundstück des Königreichssaals in der Blücherstraße passiert, sei derzeit noch nicht bekannt. Nun finden die Gottesdienste der Gemeinde Lübbecke in Hille Dienstagabend um 19 Uhr und Sonntagnachmittag um 16.30 Uhr statt.

Quelle: Westfalen-Blatt

Es ist erstaunlich, dass so viele Königreichssäle in Deutschland geschlossen werden – trotzdem erfolgt in der internen Statistik der Zeugen Jehovas eine Mehrung von Verkündigern. Wie ist es zu erklären, dass Versammlungen aufgelöst werden, aber diese nicht erkennbar in der Statistik von der Wachtturm-Organisation im Jahresbericht ersichtlich sind? Müssten diese Schließungen nicht innerhalb der Mitglieder-Zahlen erkenntlich sein? Sofern tatsächlich eine Mehrung von aktiven Zeugen Jehovas stattfinden würde, wo werden diese untergebracht, wenn jährlich Königreichssäle sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Welt zum Verkauf angeboten werden? (Siehe auch: Jehovas Zeugen – Halbjährig wurden 17 Versammlungen geschlossen)

Bestätigt sich immer mehr der unwiderrufliche Beweis, dass die Wachtturm-Organisation am „austrocknen“ ist, d.h. dass – wie Jehovas Zeugen selbst in ihren Publikationen sagen – „Babylon, die Große“, das „Weltreich der falschen Religion“ in der „Endzeit“ am Aussterben sein wird, und die Menschen erkennen, dass es sich um „falsche Religion“ gehandelt hat? Sollte nicht innerhalb der Organisation eine buchstäbliche Mehrung stattfinden und dass proportional zum gegenwärtigen „Ende des Systems“?

Fakt: Durch die weltweite Aufklärungsarbeit fällt die falsche Ideologie von Jehovas Zeugen immer mehr in sich zusammen. Die Menschen erwachen, erkennen die Wahrheit hinter der „Wahrheit“ und verlassen das System, dass sie jahrelang mit falschen Informationen geistig gespeist hat. Die Wahrheit kann nicht für immer verborgen bleiben, ebenso bedeutet dies im Umkehrschluss auch das Austrocknen der falschen Religion, die sich selbst anmaßend zum „Sprachrohr Jehovas“ gekürt hat.

Auch wenn behauptet wird, dass ein „Konzept“ hinter dem Verkauf stehe, damit Spendengelder effizienter genutzt seien, wissen wir, dass dies nichts weiter ist, als die eigentliche Wahrheit in seinem vollen Spektrum nicht aussprechen zu wollen: Die Zusammenlegung der Königreichssäle sind die Kausalität aus dem Mitgliederschwund, der immer weiter voranschreitet. Andernfalls müssen sich Jehovas Zeugen die Frage gefallen lassen: Hat der Heilige Geist, der laut Zeugen-Aussage die Organisation führt, selbst einen Fehler gemacht, und war nicht imstande, richtig für die Zukunft zu planen, sodass bereits vor Jahren Immobilien optimal gebaut und genutzt werden konnten, in den Gebieten, wo sie wirklich nötig wären?

Jehovas Zeugen – Geschworene verklagen die Wachtturm-Organisation aufgrund von Kindesmissbrauch zu 35 Millionen US-Dollar

HELENA, Mont. – Die Zeugen Jehovas müssen 35 Millionen US-Dollar an eine Frau zahlen, die sagt, die nationale Organisation der Kirche habe Montana-Älteste angewiesen, ihren sexuellen Missbrauch als Kind nicht durch ein Gemeindemitglied zu melden –  so entschied die Jury in ihrem Urteil.

Ein Richter muss die Strafe überprüfen, und die nationale Organisation der Zeugen Jehovas – Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft von New York – plant, Berufung einzulegen.

Dennoch sagten die Anwälte der 21-jährigen Frau, dass das Urteil vom Mittwoch eine Botschaft an die Kirche sendet, um [in Zukunft] den Missbrauch von Kindern an externe Behörden zu melden.

„Hoffentlich ist diese Botschaft laut genug, dass die Organisation ihre Vorgehensweise so ändern wird, dass sie die Sicherheit von Kindern priorisieren, damit andere Kinder in Zukunft nicht missbraucht werden“, sagte Anwalt Neil Smith am Donnerstag.

Das Büro für öffentliche Information im Welthauptquartier der Zeugen Jehovas reagierte auf das Urteil mit einer nicht unterschriebenen Erklärung.

„Jehovas Zeugen verabscheuen Kindesmissbrauch und bemühen sich, Kinder vor solchen Handlungen zu schützen. Der Wachtturm verfolgt eine Revision der Berufungsliste“, hieß es.

Der Fall Montana ist einer von Dutzenden, die in den letzten zehn Jahren landesweit eingereicht wurden, weil Zeugen Jehovas den sexuellen Missbrauch von Kindern vertuschten.

Der Fall, der die Entscheidung vom Mittwoch angestoßen hatte, betraf zwei Frauen, jetzt 32 und 21 Jahre alt, die behaupten, ein Familienmitglied habe sie und ein drittes Familienmitglied in Thompson Falls in den 1990er und 2000er Jahren sexuell missbraucht.

Die Frauen sagen, dass sie den Kirchenältesten den Missbrauch gemeldet haben, der die Angelegenheit intern nach Rücksprache mit der nationalen Organisation behandelt hat.

Die Ältesten vertrieben den Täter 2004 aus der Versammlung und setzten ihn dann im nächsten Jahr wieder ein, heißt es in der Klage, und der Missbrauch des Mädchens, das jetzt 21 Jahre alt ist, ging weiter.

In der Klage wurde behauptet, dass die örtlichen und nationalen Organisationen der Zeugen Jehovas fahrlässig gehandelt und gegen ein Gesetz von Montana verstoßen hätten, wonach sie Missbrauch an externe Behörden melden müssten.

„Ihr nationales Hauptquartier, Wachtturm genannt, kontrolliert, wann und ob jemand in ihrer Organisation Kindesmissbrauch meldet“, sagte Smith. „Der Wachtturm wies alle Beteiligten an, dass sie die Angelegenheit nicht den Behörden melden sollten.“

Anwälte der Zeugen Jehovas sagten vor Gericht, dass das Montana-Gesetz die Ältesten davon abhalte, „interne kirchliche Verfahren über die schwere Sünde eines Versammlungsmitglieds“ zu melden.

Die Kirche behauptete auch, dass die nationale Organisation nicht für die Handlungen von Ältesten verantwortlich und dass zu viel Zeit für die Frauen vergangen sei, um zu klagen.

Die Jury sprach der 21-jährigen Frau 4 Millionen Dollar für ihre Verletzungen, 30 Millionen Dollar Strafschadensersatz gegen die Wachtturm-Gesellschaft und 1 Million Dollar Strafschadensersatz gegen die Christliche Versammlung der Zeugen Jehovas zu.

Der Geldbetrag muss vom Prozessrichter überprüft sein und könnte reduziert werden. Ein Montana-Gesetz begrenzt Strafschadenersatz auf 3 Prozent des Nettovermögens eines Unternehmens oder 10 Millionen Dollar, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Eine rechtliche Anfechtung dieses Gesetzes ist vor dem Obersten Gerichtshof von Montana anhängig.

Die Jury wies Behauptungen zurück, dass die Kirche den Missbrauch der zweiten Frau durch das gleiche Gemeindemitglied hätte melden müssen. Die Juroren kamen zu dem Schluss, dass die Kirchenältesten 1998 nicht von der Misshandlung durch die 32-jährige Frau informiert worden und daher nicht verpflichtet waren, dies den Behörden zu melden.

Quelle: NBCNEWS

 

Update 01.10.2018: Vertrauliche Dokumente veröffentlicht

Neil Smith, Rechtsanwalt der Kanzlei Nix Patterson LLP, hat am 30. Oktober 2018 der Öffentlichkeit einige Dokumente im Fall Montana/Wachtturm-Gesellschaft auf Twitter zur Verfügung gestellt.

Bei den Dokumenten handelte es sich unter anderem, um einen Brief (19. März 2004) des Missbrauchsopfers an das Rechtskomitee ihrer Versammlung in Thompson Falls, der detailliert die sexuellen Übergriffe des Stiefvaters beschreibt. Sie schildert, dass die Übergriffe einige Wochen nach der Heirat ihrer Mutter mit ihrem Stiefvater begonnen hatten. Sie war zu dieser Zeit 11 Jahre alt. Ihr Bruder, der ebenfalls Opfer von sexuellen Übergriffen wurde, war 8 Jahre alt. Es handelte sich um massiven Missbrauch, der sich über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren erstreckte.

Die Frau beschreibt, dass sie versucht hat Hilfe bei ihrer Mutter zu suchen, die jedoch ihrer Tochter keinen Glauben schenkte und ihren Mann zu verteidigen versuchte. Das besonders traurige an diesem Brief ist der letzte Satz: „Ich möchte den Hirten Jehovas dafür danken, dass sie sich um seine Herde und um diese Situation gekümmert haben.“

von |September 27th, 2018|2018|2 Kommentare

Jehovas Zeugen – Ich war 16 Jahre bei den Zeugen Jehovas, jetzt habe ich eine Botschaft

Margit Ricarda Rolf war Mitglied bei den Zeugen Jehovas. In den 80er Jahren trat sie zusammen mit der Familie ein, 2001 gelang ihr der Ausstieg. Seit 2004 unterstützt sie Menschen, die ebenfalls bei der Sekte aussteigen wollen.

Was viele herunterspielen, wenn es um Sekten geht: Bei Gruppen wie den Zeugen Jehovas werden Kinderseelen zerstört. Das weiß ich nicht nur, weil ich mich um junge Aussteiger gekümmert habe, sondern auch, weil ich es selbst bei meinen eigenen Kindern erlebt habe.

Mit 34 Jahren habe ich mich auf Gespräche mit der Sekte eingelassen: Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie mich überzeugt hatten und wir – also mein Mann und ich wurden als Zeugen Jehovas getauft und nahmen unsere beiden Kindern mit in die Versammlung.

Wir haben während dieser Zeit noch zwei weitere Kinder bekommen. Wir dachten, dass es etwas Gutes sei, eine große Familie zu sein. Schließlich würden wir alle ins Paradies kommen, da wir auserwählt sind.

Erst der “Text des Tages”, dann die erste Mahlzeit

Nur für unsere Kinder war es kein Paradies. Es war schrecklich. Schon die Atmosphäre bei den Zeugen ist kinderfeindlich.

Ich erinnere mich an die schönen Sommertage, die meine Kinder drinnen verbracht haben. Sie mussten den Wachtturm vorstudieren, während andere Kinder draußen gespielt haben.

Auf den langwierigen Versammlungen mussten sie still sitzen und durften sich kaum bewegen. Kinder sollen vom Mutterleib an lernen, was in der Bibel steht.

Die Zeugen Jehovas haben unseren gesamten Alltag bestimmt.

Das hat schon nach dem Aufstehen begonnen. Meine Kinder mussten morgens als Erstes mit mir den Text des Tages besprechen, bevor sie überhaupt etwas essen durften.

Wegen der Zeugen Jehovas haben auch meine drei älteren Kinder kein Gymnasium besucht, Bildung ist nämlich bei der Sekte verpönt. Meine Kinder werfen mir das noch heute vor.

Aber es war für uns kaum möglich, sie frei zu erziehen:Glaubensschwestern oder Älteste haben sie während unseres Predigtdienstes ausgehorcht.

Sie wollten wissen, ob wir auch alle Vorschriften einhalten: “Spricht eure Mutter mit euch auch den Text des Tages durch?”; “Was unternehmt ihr so zusammen?”

Keine Sekunde länger wollte ich in dieser Sekte bleiben

Der erste Bruch kam, als meine älteste Tochter mit 17 Jahren ausgestiegen ist. Wir durften dann eigentlich keinen Kontakt mehr zu ihr haben, haben uns aber nicht daran gehalten.

Einige Zeit später bekam auch mein Sohn Probleme mit den Ältesten – das war für unsere Familie sehr belastend, wir wollten uns nicht gegen unsere Kinder entscheiden. Irgendwann hat es meinem Mann jedoch gereicht: Er hat beschlossen, nicht mehr zu den Versammlungen zu gehen.

Er war auch der Meinung, dass unsere jüngsten Kinder nicht mehr mitkommen müssen, wenn sie nicht wollen. Sie wollten nicht.

Ich war dann allein bei den Versammlungen und wurde ausgegrenzt. Ich wurde ignoriert, fallen gelassen. Das war sehr hart für mich. Denn es ist wirklich schwer, aus dieser Abhängigkeit, diesen Überzeugungen, die man hat, wieder herauszukommen.

Bis ich mich eines Tages bei einer Versammlung, in der uns in grellen Farben der Weltuntergang ausgemalt wurde, gefragt habe: Was mache ich hier noch? Das ist doch pure Angstmacherei!

Währenddessen hat mein Mann im Internet eine Seite von Aussteigern gefunden. Ich war sofort neugierig und habe Kontakt aufgenommen. Danach habe ich mich sehr kritisch mit den Zeugen Jehovas auseinandergesetzt.

Mir wurde klar, dass die Übersetzungen der Bibel bei den Zeugen oft falsch dargestellt wurden, um die Mitglieder klein zu halten und beispielsweise als Hausierer zu missbrauchen.

Keine Sekunde länger wollte ich fortan in dieser Sekte bleiben.

Die Zeugen Jehovas beschneiden das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung

Später habe ich mich dabei engagiert, Aussteigern zu helfen. Viele junge Menschen wollen raus, wenn sie in die Pubertät kommen.

Oft gibt es ein Elternteil, das nicht dazugehört und zu dem der Kontakt abgebrochen wurde. Was ich besonders schlimm finde: Schon da werden Kinder traumatisiert.

Bei den Zeugen Jehovas hören sie dann, dass der Vater oder die Mutter, die nicht Teil der Sekte sind, dem Satan gehören würden.

Wenn Kinder noch klein sind, glauben sie das – sie haben dann wahnsinnige Angst um ihre Eltern. Sie bekommen Panikattacken und nässen sich ein. So werden Seelen zerstört. Insbesondere die von Kindern.

Was ich durch meine Hilfe für Aussteiger und durch meine eigene Erfahrung mitbekommen habe: Kinder werden psychisch misshandelt, gegängelt und geprügelt.

Eine Sekte wie die Zeugen Jehovas beschneidet das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung.

Aber Kinder können sich nicht wehren. Deshalb brauchen sie eure Hilfe – wir müssen unbedingt die Kinderrechte stärken.

Wer aus einer Sekte aussteigen möchte und Hilfe braucht, kann sich gerne über meinen Blog an mich wenden.

Das Gespräch wurde von Lisa Mayerhofer aufgezeichnet.

Quelle: Focus | Margit Ricarda Rolf

Jehovas Zeugen – Finnland: Kultusministerium startet eine Untersuchung wegen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs

In Finnland hat das Kultusministerium gerade eine Untersuchung der Zeugen Jehovas gestartet, nachdem Ehemalige während eines TV-Auftritts beklagt haben, dass sie als Kinder missbraucht wurden und sie sich seitens der Organisation der Zeugen genötigt fühlten, die Verbrechen nicht an die Behörden zu melden. Die finnische Presse berichtete darüber und zitierte den Generalsekretär einer Menschenrechtsorganisation, der eine Überwachung religiöser Organisationen seitens der Behörden forderte. „Die Gesetze der Religionsfreiheit […] sind kein Anspruch auf Menschenrechtsverletzungen.“ [1]

Die Independent Inquiry into Child Abuse aus Großbritannien (vergleichbar mit der Royal Commission aus Australien) hatte zunächst eine Untersuchung der Zeugen Jehovas in UK abgelehnt. Wie der Guardian berichtete, hat die Untersuchungskommission bekannt gegeben, dass es eine beträchtliche Anzahl von Vorwürfen gegen die religiöse Sondergemeinschaft gegeben hat.

Der Guardian hat ebenfalls eine Seite eingerichtet, auf der Opfer des sexuellen Missbrauchs unter Zeugen Jehovas über ein Formular ihre Erlebnisse anonym schildern können [2]. Aufgrund der Besorgnis über die Meldungen, zieht die unabhängige Kommission eine Untersuchung der Zeugen Jehovas nun doch in Betracht [3]. Der Guardian berichtete sehr intensiv über die Untersuchungen der Zeugen Jehovas in Australien und Großbritannien (Charity Commission). Auch andere große Zeitungen, wie die Washington Post [4], Newsweek [5] und CBC [6] berichteten ausführlich.

In den Niederlanden gab es eine große Fernsehreportage über eine jahrzehntelange Vertuschung von Kindesmissbrauch seitens der Religionsgemeinschaft. Die Zeitungen griffen das Thema ebenfalls auf [7]. Der Fernsehsender war im Besitz mehrerer interner Briefe von Zeugen Jehovas, in denen der Umgang mit Kindesmissbrauch dokumentiert war. Ehemalige Gemeindeführer bestätigten die Praxis, die dort beschrieben wurde.

Wie die NLTimes berichtete [8] wurde in den Niederlanden eine gemeinnützige Organisation, ähnlich der Silentlambs, eingerichtet, in der Betroffene ihre Erfahrungen schildern konnten. Nach rund einem Monat sind bereits 80 Meldungen eingegangen.

Im Januar dieses Jahres hat die Organisation FaithLeaks Dokumente im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch unter Zeugen Jehovas veröffentlicht, die aufzeigten, wie die Wachtturm-Gesellschaft einen „Fall im Laufe des Jahres intern behandelte und sich fast ein Jahrzehnt lang als Therapeuten, Staatsanwälte, Jury und Richter aufspielten – und versuchten das Ganze in die Länge zu ziehen, um die Anschuldigungen von ‚weltlichen Gerichten‘ fernzuhalten.“ [9] Zeitungen wie Newsweek [10] und Dailymail [11] berichteten darüber.

In Kalifornien hat die Wachtturm-Gesellschaft gerade zwei Prozesse, die sich über 5 Jahre hinzogen, durch Vergleiche beigelegt, wie San Diego Reader [12] und die New York Times [13] berichteten. Die Wachtturm-Gesellschaft hat jahrelang nichts unternommen ihre Anhänger vor einem Sexualstraftäter zu schützen, was weitere Missbräuche nach sich zog.

2015 hat die Aufarbeitungskommission in Deutschland ihre Arbeit aufgenommen und wird dieses Jahr religiöse Institutionen in Bezug auf den Umgang mit Kindesmissbrauch untersuchen. Drei dieser Institutionen wurden im Zwischenbericht bereits erwähnt, darunter auch Zeugen Jehovas [14].

Man frage sich bei all den Meldungen, warum man so wenig in den deutschen Medien ließt? Australien, Niederlande, USA, Großbritannien, Irland [15], Portugal [16] – kaum ein Wort. Ja, die Zeugen Jehovas sind seit letztes Jahr deutschlandweit als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt worden. Beim Prozess in Berlin wurden die Aussagen von Ehemaligen so gut wie nicht gewertet [17].

Stattdessen wurden die Aussagen der Organisation selbst und von Außenstehenden berücksichtigt. Dabei muss man die Frage zulassen, ob eine Organisation, die sich Steuervorteile durch eine Anerkennung verschaffen möchte, vor Gericht angibt, dass sie Ehemalige ins soziale Abseits schieben, Familien voneinander trennt und die Zwei Zeugen Regel bei Kindesmissbrauch anwendet.

Welcher aktive Zeuge Jehovas würde demnach tatsächlich die Wahrheit vor Gericht sagen und gegen die Wachtturm-Gesellschaft aussagen, wenn dies unmittelbar ein Rechtskomitee mit Ausschluss zur Folge hätte, und damit auch die völlige Isolation zu Freunden und zur Familie?

Hier einmal die Denkweise, die die Wachtturm-Gesellschaft vertritt:

„Soll das aber heißen, wir müssten jedem, der uns etwas fragt, alle uns bekannten Informationen preisgeben? Nicht unbedingt. Am Verhalten Jesu wurde deutlich, dass manche Leute gar kein Recht auf eine direkte Antwort oder auf bestimmte Auskünfte haben.“ [18]

Zeugen Jehovas bilden in Deutschland eine der größten christlichen fundamentalistischen Gruppen. In Europa gibt es nur ein Land (Italien) in dem es mehr Anhänger gibt. Wer steht Samstagmorgen vor deiner Tür? Wer steht in Bahnhöfen mit Trolleys und Tablets rum, um Videos vorzuführen, die mitunter extrem homophob sind [19]? Dafür haben sie von der Deutsche Bahn Personenverkehr eine Genehmigung erhalten. Als Erklärung gibt man ab, dass wir Religionsfreiheit in Deutschland genießen und die Zeugen sich passiv verhalten würden [20].

Vielleicht ist es aber auch einfach nur Unwissenheit über eine destruktive Gemeinschaft. Wie sagte der Generalsekretär für Menschenrechte aus Finnland: „Die Gesetze der Religionsfreiheit […] sind kein Anspruch auf Menschenrechtsverletzungen“. Genauso müsste doch die Gesetze der Religionsfreiheit nicht mit anderen Teilen des Grundgesetzes zuwiderlaufen. Den Anhängern wird allerdings das Wahlrecht aberkannt; man wird ausgeschlossen, wenn man einer Bluttransfusion, selbst Angesichts des Todes, zustimmte und dies nicht bereut; der Kontaktabbruch zu Freunden und Familienmitgliedern, die die Gemeinschaft verließen, wird seitens der Organisation programmatisch durchgesetzt, ansonsten kann ebenfalls der Ausschluss oder Sanktionen drohen.

Die Zeitungen möchten natürlich eher über regionale Themen berichten, doch das System funktioniert weltweit auf die identische Art und Weise – auch in Deutschland. Ist es einfach nur Unwissenheit über eine Gruppe, die genau an diesem harmlosen Bild die letzten Jahrzehnte so hart gearbeitet hat, dass sich Medien in Deutschland zurückhalten? Die Erlebnisberichte die Wahrheitenjetzt! erreichen, von Menschen, die durch das System Zeugen Jehovas gebrochen sind, erschüttern stark. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn Zeitungen, ähnlich wie der The Guardian, eine Seite einrichten, auf der Betroffene anonym berichten können, um das Ausmaß zu begreifen.

Ja, ab und zu liest man auch in Deutschland kritisch über die Zeugen Jehovas. Das sind dann persönliche Interviews oder DPA-Meldungen, keine Recherchen über das System Zeugen Jehovas und Kindesmissbrauch. Das ist jedoch zwingend notwendig. Es bringt nichts, wenn Ehemalige nur auf ihren Blogs mit einer lächerlichen Reichweite darüber schreiben.

In Österreich hat ein Zeitungsbericht sogar dazu geführt, dass die Körperschaftsrechte aktuell von staatlicher Seite aus überprüft werden. Grund dafür sind schwere Vorwürfe gegen die Methoden der Organisation. [21]

Zur Klarstellung: All diese umfassenden Berichte, die niemand leugnen kann, sind nicht entstanden, weil Jehovas Zeugen das „wahre Volk“ Gottes auf Erden sind, und „Satan“ sie bekämpfen würde – so wie es immer die Schutzbehauptung von der Wachtturm-Gesellschaft ist. All diese Berichte sind entstanden weil extreme Misstände in dieser Organisation vorzuweisen sind, welches nichts weiter als ein religiöses, menschliches Konstrukt ist, so wie jede andere Sekte auch. In einer „wahren Organisation Gottes“, dass wirklich vom „Geist Gottes“ geleitet wird, wären derartige Zustände nicht vorhanden!

Aufklärung ist ein wichtiger Aspekt – wir sollten alle unseren Teil dazu beitragen, dass diese Wahrheit jeden Menschen zuteil wird.

Quelle: Oliver Wolschke

Nachweis:

[1] yle.fi
[2] theguardian.com
[3] theguardian.com
[4] washingtonpost.com
[5] newsweek.com
[6] cbc.ca
[7] rtlnieuws.nl
[8] nltimes.nl
[9] oliverwolschke.de
[10] newsweek.com
[11] dailymail.co.uk
[12] sandiegoreader.com
[13] nytimes.com
[14] aufarbeitungskommission.de
[15] businesspost.ie
[16] dn.pt
[17] sekten-info-essen.de
[18] wol.jw.org
[19] bento.de
[20] twitter.com
[21] facebook.com

Die Evolution der Religion

Die Evolution der Religion

Jeder Mensch wird innerhalb seines Lebens sich eines Tages mit der Frage auseinander setzen, woran man persönlich glaubt. Die Fragen was der Sinn des Lebens ist, oder ob es ein Leben nach dem Tod gibt, sind essenziell. Oftmals wird auf der Suche nach Antworten innerhalb der bestehenden Religionen nach Antworten gesucht. Diese sind vielseitig und individuell verschieden. Wenn es einen Gott gibt, der das Leben erschaffen hat, so hat er sicherlich seinem Handeln und Tun einen Sinn gegeben – dies ist eine zentral-logische Konsequenz, da auch unser Handeln mit Sinn und Zweck verbunden ist.

Während man sich demnach auf der Suche nach der „Wahrheit“ orientiert, wird man eines Tages konfrontiert mit der Frage, welche Weltanschauung die richtigen Antworten uns geben kann. Natürlich gibt es viele Menschen, die diese Suche eingestellt haben, und ihren Blick auf ihr einziges Leben konzentrieren, da keine zu 100% faktisch göttliche Quelle existiert, die nachweislich die korrekte Antwort liefert. Die Überzeugung einer Weltanschauung basiert letztlich immer nur an dem persönlichen Glauben. Sie basiert ebenfalls auf die Erziehung, persönliche Erfahrungen sowie Vorurteilen. Der Glaube oder die Religion an sich mag vorzeitige Antworten liefern, insbesondere durch die Metaphysik, sind im Entschluss jedoch niemals faktisch und immer anzweifelbar.

Religion aus der Sicht der Wissenschaft

Die Evolution der Religion Weltanschauungen Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionBetrachten wir die Religionen der Menschheit, sowie ihren Anfängen, können wir feststellen, dass es eine geistige Evolution der Religion gab. Ur-Völker glaubten an das, was sie sehen konnten. Beispielsweise galt über viele Jahrhunderte der Mond, die Sonne oder die Sterne als Gottheiten. Auch in der Naturreligion ging es eher weniger um die Frage nach dem Sinn, sondern was älter und souveräner war – beispielsweise die Anbetung von Bäumen, die bereits vor der Entstehung der Zivilisation existierten oder durch das Schnitzen von Götzen.

Durch das Angebot von vielen Weltanschauungen und Gottheiten, entstand ebenfalls der Monotheismus. Während man selbst an den „wahren Gott“ glaubte, mussten alle andere Götter demnach „falsche Götter“ oder Götzen sein. Ebenfalls finden wir Merkmale von Göttern oder von Gott gesandte Personen, die aus dem „Himmel“ zur Menschheit kamen, um die „Wahrheit“ zu lehren. Bei dem Tod dieses Gottes oder der Repräsentant des „einzig wahren Gottes“, wurden Hirten eingesetzt, die das Werk fortführen sollten, wie beispielsweise im Christentum durch die Apostel.

Jetzt wurde nicht nur etwas Sichtbares angebetet, die „Schöpfung“, sondern das Unsichtbare trat in den Vordergrund, sowie eine Gruppe von Menschen, die glauben, dieses Unsichtbare vor „Nicht-Gläubigen“ vertreten zu müssen als einzige und universale Wahrheit über das Leben, der Sinn des Lebens sowie, was nach dem Tod geschieht. Die Schöpfung eines unsichtbaren Gottes trat in Kraft, in der es den Tod nach sich ziehen muss, wenn der Glaube anderes verehrt, als den einen, nicht sichtbaren Gott selbst.

Der Sinn der Religion

Einige Menschen haben ihren Frieden darin gefunden, wenn sie sagen, dass sie nur an das glauben, was sie sehen können, oder an nichts höheres glauben, wie ein intelligentes Wesen, dass man als Schöpfer und Gott betrachten muss. In Betracht gezogen werden muss, ist, dass Religion und persönlicher Glaube sich unterscheiden. Die Religion ist ein massentaugliches Weltanschauungs-Modell, dass auf den ersten Blick schnelle und leichte Antworten verspricht auf essenzielle Fragen des Lebens. Während der persönliche Glaube Abweichungen bietet auf bestehende Modelle, oder gar selbst völlig neue kreiert.

Wissenschaftlich betrachtet müssen wir uns die Frage stellen, warum und inwieweit der Sinn der Religion bzw. des Glaubens Einzug erhielt in der Weltanschauung der Menschen.

Religionen bieten für die Masse, wie bereits geschildert, „schnelle Antworten“ auf bestehende Fragen. Auch wenn gewisse Antworten für einen metaphysischen Menschen heute belächelt werden kann, und die wissenschaftliche Sichtweise uns „beweisbare Modelle“ verspricht, galt sie in den Jahrtausenden als alles Maß der Dinge. Die Religion wuchs ebenfalls schnell, weil sie Teil der Kultur wurde. Durch Geburten und Erziehung wurde dieses bestehende Weltbild in der Region von der Masse angenommen. Nur die „Querdenker“, die sich nicht so sehr von dem Zeitgeist und dem kulturellen Umstand beeinflussen ließen, stellten ernsthafte Fragen in den Raum. Oftmals jedoch wurde Kritik im Keim erstickt, und bekam erst in der Zeit der Aufklärung ihre volle Kraft.

Das Wohlbewusstsein der Religion

Abgesehen von den Antworten die man erhielt, oder der „Zwang“ der Erziehung durch die Kultur, bietet die Religion oder der persönliche Glaube auch einen entschiedenen Vorteil. Sie darf als eine Art biologische als auch geistige Evolution betrachtet werden.

Die Entwicklung des Lebens besteht darin, die bestehende Art zu erhalten durch die Fortpflanzung, das Überleben des Stärkeren sich zu sichern, und das Leben, durch seinen Selbsterhaltungstrieb, so lange es geht zu bewahren. Die biologische Evolution besteht insbesondere auch darin, sich modifizieren zu können, je nach regionalen Umstand. Durch das Modifizieren und Anpassen an die Umgebung und den gegebenen Umständen, konnte die stärkere Spezies überleben, während die Schwächere ausstarb. „Survival of the Fittest“ bedeutet im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie das Überleben der am besten angepassten Individuen. „Fit“ oder „Fitness“ beschreibt im Darwinschen Sinne den Grad der Anpassung an die Umwelt – die adaptive Spezialisierung -, oder auch die Reproduktionsfähigkeit trotz geringer Spezialisierung, und nicht die körperliche Stärke und Durchsetzungsfähigkeit im Sinne einer direkten Konkurrenzverdrängung unter Einsatz von Gewalt. Dies bedeutet, dass nicht jene Art überlebt, die allem trotzt und andere Arten verdrängt, sondern diejenige, welche sich entweder der Umwelt anpasst oder es schafft, sich trotz widriger Umweltbedingungen kontinuierlich zu vermehren.

Die Natur bot daher dem Individuum die Möglichkeit, sich selbst und seine Art am Leben zu erhalten. Dennoch ist dieser Evolution einer Grenze unterworfen – der Tod. Ganz gleich, um welches Lebewesen es sich auf der Erde auch handelt, alles endet spätestens im natürlichen Tod. Dies führt unweigerlich dem Menschen zu der Frage, was passiert, wenn das Leben auf der Erde nicht mehr existiert. Die Religion oder der Glaube, ist bis heute noch eine Art Ausweg, um diese Frage so gut wie es geht zu beantworten, oder diese auszuweichen.

Das „Glück“ innerhalb der von Menschenhand gemachten Religion

Das, was die Biologie nicht halten konnte, kann über das „Geistige“ ausgewichen werden. Während man anerkennen muss, dass das materielle Leben eines Tages endet, bietet die Religion oder der Glaube ein Leben nach dem Tod an. Sei es der Himmel, das Paradies, das Jenseits, die Wiedergeburt oder anderes.

Jeder „echte Glaube“ ist immer verknüpft damit, dass man glaubt die Wahrheit zu kennen, und setzt den Glauben als Faktum dar. Die meisten „streng Gläubigen“ sind überzeugt, dass ihr Glaube auch entsprechende Früchte tragen wird, dass ihr Glaube „belohnt“ wird – insbesondere in dem Monotheismus.

Jeder Glaube beinhaltet demnach Hoffnung. Hoffnung ist eine entscheidende Quelle, um in seinem Glauben nicht geistigen „Schiffbruch“ zu erleiden. Hoffnung treibt die Menschen an, egal woran man auch glaubt.

Innerhalb einer gut-funktionierenden Biologie, strebt insbesondere der Mensch nach einem erfolgreichen, „glücklichen“ Leben. Die Menschen beschreiben Glück auf die verschiedenste Art und Weise, und wie man diese erreichen kann. Wissenschaftlich gesehen ist „Glück“ nichts weiteres, als individuelle Momente in einem Leben, in der es zu einem chemischen Prozess kommt. Welcher ist dies?

„Glück“ durch Serotonin und Dopamin

Die Evolution der Religion Sicht Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionSerotonin, auch 5-Hydroxytryptamin (5-HT) oder Enteramin, ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter. Es kommt unter anderem im Zentralnervensystem, Darmnervensystem, Herz-Kreislauf-System und im Blut vor. Der Name dieses biogenen Amins leitet sich von seiner Wirkung auf den Blutdruck ab: Serotonin ist eine Komponente des Serums, die den Tonus (Spannung) der Blutgefäße reguliert. Es wirkt außerdem auf die Magen-Darm-Tätigkeit und die Signalübertragung im Zentralnervensystem. Auch als „Wohlfühlhormon“ ist Serotonin bekannt, denn es wirkt nicht nur stimmungsaufhellend, sondern dämpft die Stressantwort des Körpers ab. Dabei wirkt es unter anderem entspannend, antidepressiv, schlaffördernd, schmerzhemmend und motivationsfördernd.

Auch Dopamin ist ein biogenes Amin aus der Gruppe der Katecholamine und ein wichtiger, überwiegend erregender Neurotransmitter. Es wird auch Prolaktostatin bzw. PIH (von Prolactin-Inhibiting Hormone) genannt. Im Volksmund gilt es als Glückshormon. Die psychotrope Bedeutung des Dopamins wird allerdings hauptsächlich im Bereich der Antriebssteigerung und Motivation vermutet.

Wie können wir „Glück“ wissenschaftlich, auf biologischer und chemischer Ebene, demnach formulieren? „Glück“ existiert in seiner reinen Form eigentlich nicht. Das Gefühl des „Glücks“ findet durch positiv-individuelle Momente im Leben statt. Im Hirn erfolgt ein erhöhtes Ausstoßen von Serotonin oder auch Dopamin, welches wir als „Glücksmoment“ empfinden. Wir geben diesen Moment ebenfalls noch eine emotionale, besondere Bedeutung und definieren es als „Glück“. Dieses Glück ist rein hormonbedingt, es ist eine Art „schöne Lüge unseres Gehirns“, dass uns den Moment als „besonders aufhellend“ vermittelt. Deswegen gibt es für „Glück“ keine „Zauberformel“, sondern es ist an individuellen Ereignissen gekoppelt, und kann daher kein Dauerzustand sein. „Glück“ ist wissenschaftlich betrachtet nur ein „Hormoncocktail“.

Die Rolle des „Glücks“ in der Religion

Sigmund Freud, österreichischer Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker, stellte fest und war sich deshalb sicher:

Das zusammenfassende Urteil der Wissenschaft über die religiöse Weltanschauung lautet: Während die einzelnen Religionen miteinander hadern, welche von ihnen im Besitz der Wahrheit sei, meinen wir, daß der Wahrheitsgehalt der Religion überhaupt vernachlässigt werden darf. Religion ist der Versuch, die Sinnenwelt, in der wir gestellt sind, mittels der Wunschwelt zu bewältigen […] Aber sie kann es nicht leisten. Ihre Lehren tragen das Gepräge der Zeiten, in denen sie entstanden sind, der unwissenden Kinderzeiten der Menschheit. […] Die Religiosität führt sich biologisch auf die langanhaltende Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit des kleinen Menschenkindes zurück, welches, wenn es später seine wirkliche Verlassenheit und Schwäche gegen die großen Mächte des Lebens erkannt hat, seine Lage ähnlich wie in der Kindheit empfindet und deren Trostlosigkeit durch die regressive Erneuerung der infantilen Schutzmächte zu verleugnen versucht. […] Es wird aber behauptet, daß jeder von uns sich in irgendeinem Punkt ähnlich wie der Paranoiker benimmt, eine ihm unleidliche Seite der Welt durch eine Wunschbildung korrigiert und diesen Wahn in die Realität einträgt. Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch eine wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.“

Die Natur des Menschen ist mit vielen Problemen in dieser Welt behaftet. Für viele dieser Probleme gibt es Lösungen, die angewendet werden können. Die Natur, und damit auch das Individuum, steht jedoch vor dem unausweichlichen Problem den wir als „Tod“ definieren. Da es – zumindest derzeit – nicht möglich ist, ewig mit unserem materiellen Körper zu leben, bietet so die Religion den entscheidenden Vorteil des Auswegs an mittels eines geistigen Körpers, der nach dem Tod weiterlebt. Die Religionen bieten dafür die verschiedensten Möglichkeiten an, wie dieses „Leben“ nach dem Tod auszusehen habe.

Das Glück hat in erster Linie nicht mit der Psychologie zu tun. Glück ist, wie bereits gesagt, ein chemischer Prozess in unserem Gehirn, dass einen entschiedenen Vorteil in der biologischen Evolution bietet. Treffen wir als Individuum jedoch auf unlösliche Probleme, gerät unsere Psyche aus dem Gleichgewicht. Unser Unterbewusstsein, dass nicht filtert sondern aufnimmt, kann sich der Tatsache des Sterbens nicht entziehen. Eine „defragmentierte Psyche“ ist demnach kontraproduktiv wenn es um eine effizientes und ein aktives, chemisches Verhältnis von „Glücks“-Botenstoffen in unserem Gehirn geht.

Hoffnung als Ausweg aus dem Unvermeidlichen

Jeder „echte Glaube“ sollte rein effektiv und sinnbetrachtet ohne „Zweifel“ existieren, ansonsten wäre die Wirkung des Glaubens hinfällig. Hierbei spräche man von einer kognitiven Dissonanz, die das psychische Gleichgewicht zerstört. Die Hoffnung innerhalb des Glaubens ist ein entschiedenes Puzzleteil, damit das unausweichliche Problem des „Todes“ sich nicht auf unseren Serotonin und Dopamin Haushalt im Gehirn negativ auswirkt. Die Folgen wären beispielsweise Depressionen. Diese „geistige Krankheit“ stehe dem natürlichen Erhaltungstrieb maßgeblich im Wege. Unser Geist würde gegen unsere natürliche Biologie, gegen unserem Selbsterhaltungstrieb ankämpfen.

Die geistige Evolution

Durch das „erhöhte Bewusstsein“ des Menschen gegenüber dem Tier – nach jetzigem Wissensstand -, kam ein unausweichliches Problem zustande, das kognitiv „gefühlt“ und nachempfunden werden konnte. So ist sich jeder Mensch ganz biologisch-natürlich bewusst, dass er sterben werde. Der Mensch ist demnach in der Lage, zukünftiges Denken über sein Wohl und sein Individuum anzustellen, und ist unausweichlichen Problemen und Fragen konfrontiert. Durch dieses Bewusstsein wäre allerdings auch die Entwicklung stehen geblieben, ja sogar die „Rasse“ Mensch zum Aussterben verurteilt gewesen. Durch das ständige Bewusstsein dem Tod „ausgeliefert“ zu sein, hätte der Mensch Sinn, etwaige Hoffnung verloren. Der Mensch sehe zwar die Zukunft, die noch kommen wird, macht dies jedoch unterbewusst zu einem Problem in der Gegenwart. Die Folge wäre ein „psychisches Ungleichgewicht“ gewesen, und damit auch der Abbau von Serotonin und Dopamin. Über die Jahrhunderte wäre nicht nur die „Rasse“ Mensch depressiv geworden, sondern hätte immer weniger bis kein Serotonin und Dopamin entwickeln können. Die Folge wäre gewesen, dass eine Zivilisation ohne natürlichem „Lebenserhaltungs-Trieb“ sich entwickelt hätte.

Die Religion und der Glaube – ein Ausweg aus dem „natürlichen“ Aussterben

Die Evolution der Religion Sicht Aussterben Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionReligion und Glaube bieten nicht nur Weltanschauungen und Modelle, die uns „schnelle Antworten“ liefern können, was mit uns nach dem Tod passiert. Sie hilft auch der „Nicht-Existenz“ auszuweichen. Durch Religion und dem persönlichen Glauben war es möglich, wieder einen echten Sinn im Leben zu sehen. So war es möglich, einer unausweichlichen Problematik „Lösung“ zu bieten.

Die kindlichen Fragen und Problemstellung, die uns bis zum Tod erhalten bleiben, können vollständig ausgewichen werden. Einer „natürlichen Auslese“ durch die Minderung des Selbsterhaltungstriebs wegen fehlender Serotonin und Dopamin Entwicklung im Hirn, werden durch die „schnellen Antworten“ die die Religionen, oder der persönliche Glaube, liefern, entgegen gewirkt.

Der evolutionäre Schritt, auf geistiger Ebene, der sich aber direkt auf die biologische Entwicklung auswirkt, bietet die universale Lösung für ein universales Problem mittels der Hoffnung. Durch die Hoffnung des Glaubens – die das Ur-Problem im Grunde nur verschiebt – ist der „nächste Schritt“ der Evolution in ein sorgen-freieres Leben ermöglicht. Die Psyche, das Unterbewusstsein, wird entlastet von einer Problematik, aus der sie sonst keinen Ausweg hätte finden können. Dadurch wiederum wird der chemische Prozess im Gehirn des Menschen gefördert, sodass Serotonin und Dopamin produziert und ausgeschüttet werden kann, und „gläubige Menschen“ einen echten Sinn wieder sehen können, sofern sie diesen nicht nur auf das Überleben und dem Fortpflanzen widmen, und sich damit zufrieden geben. Religion und Glaube, egal in welcher Form auch ausgeprägt, sind sich am „Ende“ immer gleich: Das Endziel des Glaubens besteht darin, den Tod in irgendeiner Form zu „besiegen“, sei es durch den Himmel, durch das Paradies, durch das Jenseits, durch die Wiedergeburt etc.

Religion wurde zu einer Waffe

Religion als „das Opium des Volkes“ ist eine Aussage von Karl Marx. Das Zitat stammt aus der um die Jahreswende 1843/44 verfassten Einleitung zu seiner Schrift „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“. Karl Marx schloss sich in seiner Religionskritik zunächst Ludwig Feuerbach an, wie er am 10. Mai 1842 in der Rheinischen Zeitung über die christlichen Landtagsabgeordneten aus dem Ritterstande schrieb:

Weil ferner die wirkliche Stellung dieser Herren im modernen Staate keineswegs dem Begriff entspricht, den sie von ihrer Stellung haben, weil sie in einer Welt leben, die jenseits der wirklichen liegt, weil also die Einbildungskraft ihr Herz und ihr Kopf ist, so greifen sie, in der Praxis unbefriedigt, notwendig zur Theorie, aber zur Theorie des Jenseits, zur Religion […] Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Societät. Dieser Staat, diese Societät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr encyklopädisches Compendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammerthales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Menschen, die nach Macht, Reichtum und Einfluss strebten, nutzten über die Jahrtausende die Religionen zum Schaden der Menschen aus. In den Jahrhunderten geriet die Religion in Kritik, weil sie zum Instrumentalisieren der Allgemeinheit gebraucht wurde. So entwickelte sich die Religion weiter, oder starb vielmehr in ihrer Macht aus, und der Mensch lernte immer mehr den „persönlichen Glauben“ kennen.

Die „natürliche“ Evolution des Glaubens, für die biologische Evolution des Menschen, sowie die Sicherung seines Fortbestands als Rasse, wurde immer mehr als Mittel und Waffe zur Unterdrückung. Religion wurde, neben Politik, Hauptwerkzeug zur Instrumentalisierung der Menschheit für persönliche Interesse der Mächtigen. Um dieser „Macht“ Ausdruck zu verleihen, sowie der Prädestinierung, wurden ebenfalls Begrifflichkeiten wie „Kanal Gottes“, „Sprecher Gottes“, „Rechte Hand Gottes“, oder auch „Heiliger Vater“ ins Leben gerufen. Die Menschen, die die Religion und den Glauben ausbeuten und missbrauchen, sehen sich so in ihrer Stellung rechtfertigt und fundamentiert.

Insbesondere wurde Religion „verschärft“ durch die Abspaltung der Hauptreligionen in Form von Sekten. Sektenhafte Strömungen führten stärkere Kontrollen über das Bewusstsein des Menschen ein. Diese „negativen Formen“ der geistigen Evolution wurden zu einer Plage der Menschheit – Religionen ist die Instrumentalisierung für Macht und Einfluss, der zu Krieg und Blutvergießen führte. Symbiose: Während sich die Führer die Masse zu Nutze machen, gewinnt der jeweilige Gläubige „schnelle Antworten“ um aus der miserablen Lage des Todes einen Ausweg zu erhalten.

Das Juden- und Christentum mit der „Schuld-Lehre“

Die Evolution der Religion Sünde Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionReligion und der persönliche Glaube sind eine Art Entlastung des Lebens, da durch die Hoffnung konditionelle Lebenseinstellung gefördert werden, die „schnelle Antworten“ auf eine nicht abzuwendende Lage bieten.

Durch die Lehre des Judentums, auch später des Christentums wurde der Sinn der Religion, eine entlastende Antwort bzw. Hoffnung zu geben, verschärft. Gemäß dem jüdischen und christlichen Glaubensgrundsatz, ist die Erklärung, warum Menschen sterben müssen, die Schuld die wir vor Gott haben. Schulden, die vererbt wurden, gegen diese wir aus biologischer Sicht nichts ändern können. Umgangen wird diese Schuld mit dem Glauben an den Messias, der einem die Schuld vor Gott nehmen kann, wenngleich wir laut Glaubensbekenntnis täglich sündigen – gewollt oder ungewollt.

Schuld bzw. Sünde ist ein Laster für die Seele. Schuld ist wie ein zerrender Anker, der auf das Unterbewusstsein jedes Menschen zerrt, der daran glaubt. Der Apostel Paulus, ein Nachfolger Jesu, schreibt:

Was wollen wir hierzu sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wüsste nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte (2. Mose 20,17): »Du sollst nicht begehren!« Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden jeder Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot. Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, ich aber starb. Und so fand sich’s, dass das Gebot mir den Tod brachte, das doch zum Leben gegeben war. Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und betrog mich und tötete mich durch das Gebot. So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig, gerecht und gut. Ist dann, was doch gut ist, mir zum Tod geworden? Das sei ferne! Sondern die Sünde, auf dass sie als Sünde sichtbar werde, hat mir durch das Gute den Tod gebracht, auf dass die Sünde über alle Maßen sündig werde durchs Gebot. Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an. Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.“ (Römer 7,7-25)

Gemäß den aufgeschriebenen Worten des Apostels Paulus, wirkte in diesem Gläubigen, ein „antrainiertes“ Gesetz, dass in den Gliedern eines Menschen weilt – die Sünde, die Verfehlung. Interessant ist festzustellen, dass ohne der „Belehrung“ bzw. Konditionierung des Glaubens, der Mensch von Natur aus nicht einmal wüsste, dass er ein Sünder ist. Natürlich stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob Sünde tatsächlich existiert, oder nur ein antrainiertes Denken beinhaltet. Schlimmer noch, denn wir finden den Hinweis, dass erst durch die Kenntnisnahme, dass der Mensch von Natur aus ein Sünder sei, die Verfehlung bzw. Sünde wächst. Durch das moralische Verbot, dass die Religion auferlegt, kommt es erst zum Begehren der Sünde oder einer „Fehltat“.

Wäre der Mensch ohne die „Last des Glaubens“, oder der antrainierten Denkstruktur, nicht weitaus glücklicher? Wie zerrend sind diese Gedanken für das Unterbewusstsein, dass auf diese Art und Weise überhaupt erst instrumentalisiert wird? Wie geht die Psyche damit um, wenn ihr immer wieder gesagt wird, man sei ein Sünder und sie sei fehlerhaft?

Durch die Religion und den Glauben entstanden auch moralische Denkmuster, in denen wir Taten in „Gut“ und „Böse“ einstufen. Dualistisches Denken wurde über die Jahrhunderte in das Gewissen des Menschen konditioniert. Eine mächtige Waffe für alle „Führenden“ in den Religionen, da sich so Menschen stets manipulieren und reglementieren lassen.

Ist alles Egoismus?

Angesichts der genannten Faktoren ist eine Kettenreaktion durch biologische als auch geistige Evolution ausgelöst – der Mensch entwickelt ein erhöhtes Bewusstsein, weiß das er sterblich ist, muss durch die Sterblichkeit einen Weg finden, durch dem er dem unausweichlichen Tod umgehen kann, lässt sich durch Religion versklaven, die ihm Möglichkeiten durch den Glauben liefern, dass man nach dem Tod weiter leben könne, nur um dann zu erkennen, dass er ein Sünder ist, dem vergeben werden kann, wenn er denn weiterhin an die Erlösung der konditionellen Schuld glaubt, um sich so tiefer und tiefer durch den Glauben versklaven zu lassen. Dies ist wissenschaftlich betrachtet tatsächlich ein „Teufelskreis“.

Diese geistige Evolution der Religion knüpft tatsächlich an den natürlichen und naturalen Lebenstrieb eines Menschen. Da dieser sich dem Tod nicht fügen kann und will, sind die Möglichkeiten, die ihn auf Glaubensbasis heraus helfen, derselbe Treibsand, der ihn tiefer in die Gefangenschaft führt, obwohl dieser auf evolutionärer Basis sich eigentlich weiter entwickeln und als Individuum betrachtet frei sein will.

So darf behauptet werden, dass jeder Glaube, jede Religion in den verschiedensten Formen ein egoistischer und natürlicher Trieb ist, die diesen „Durst“ versucht zu stillen. Das Glück, als auch der Egoismus ergeben zusammen ein Puzzleteil, dass einem Paradoxon gleicht. Während die Religion, insbesondere das Christentum, darauf basieren, aus „freiwilligen“ Stücken als auch Liebe mit einer höheren Macht in Kontakt zu treten, sind sämtliche Versprechungen, die damit einhergehen, das Belohnungssystem, welches den innerlichen Drang nach Leben befriedigt, welche auf eine biologische Evolution zurückzuführen ist.

Dieser Egoismus wird weiter darin bestärkt, dass insbesondere im Christentum die Rolle des Erlösers, und die symbolische zur Schaustellung des „Todes“ an einem Kreuz „metastasiert“ wird – ein vollkommener Tod ersetzt den Eigenen, und den aller anderen Individuen. Ein zugleich trauriger Akt aber auch „heilender Effekt“ für die eigene Psyche, die sich im Unterbewusstsein schleichend mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert sieht.

Für den Menschen war es demnach ein völlig notwendiger Schritt, nicht nur auf molekulare Ebene einer Evolution oder Entwicklung nachzugehen, sondern auch eine Geistige, die nur mit den Glauben und der damit verknüpften Hoffnung das Problem der Sterblichkeit auf kognitiver Ebene umgehen.

Atheismus – keine Chance auf ein glückliches Leben?

Angesichts der Fakten, könnte man sich die Frage stellen, warum auch der Atheismus zufriedene und glückliche Menschen hervorbringen kann. Müssten diese nicht alle die selben, psychischen Merkmale wie Depressionen aufweisen? Kann nur der Glaube an Gott und der Glaube an einem Leben nach dem Tod Glück und Zufriedenheit hervorbringen?

Wissenschaftlich betrachtet wurden durch Jahrtausende Evolution und Menschheitsgeschichte, dem Menschen ebenfalls die Fähigkeit gegeben, durch die Religionen metaphysische Fragen zu stellen. Durch ein Modell oder einer Weltanschauung fängt der Mensch ebenfalls an Fragen zu stellen. Selbst wenn wir durch die Religionen antworten bekommen, kommen neue Fragen auf, sofern ein Individuum kritisch bleibt, und sich mit einer „einfachen Antwort“ nicht zufrieden stellen lässt.

Die Evolution der Religion Gott Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionViele, die dem Atheismus folgen, wurden entweder so geboren, da eine Konditionierung durch das Elternhaus nicht stattgefunden hat, oder wurden durch negative Umstände in ihrem Leben geprägt, sodass sie sich ein „liebevollen Schöpfer“ nicht vorstellen können, der sich um alle sorgt. Der erste Gedanke beinhaltet, dass biologisch betrachtet die Fähigkeit des „Glaubens“ vorhanden ist, jedoch diese nicht „ausgebildet“ wurde. Es hat entweder kein „antrainiertes Denken“ auf diesem Gebiet stattgefunden, oder die Fähigkeiten und der Willen des Glaubens wurden durch „persönliche Erfahrungen“ zurückgebildet.

Sofern ein psychisch gesunder Mensch „mitten im Leben“ steht, in diesem Zufriedenheit empfindet, wäre es für ihn keine Alternative, einfach sterben zu wollen. Der Tod ist, wenn auch biologisch natürlich, über die Jahrtausende für die Menschen kognitiv unnatürlich geworden.

Das Leben, und wie wir es gestalten wollen, bietet uns eine Vielzahl an Möglichkeiten. Nicht selten kommt es vor, dass wir in unserer Arbeit, unseren Hobbys, Familienleben oder anderem vollstes aufgehen, und uns mit metaphysischen Fragen gar nicht auseinander setzen wollen. Der Atheismus beinhaltet die Akzeptanz des Lebens und des Sterbens. Durch die Akzeptanz signalisieren wir ebenfalls unserem Unterbewusstsein auch, dass ein „natürlicher Prozess“ nicht in Frage gestellt werden muss. Die Phase, über die wir natürlich lernen, mit dem Tod umzugehen, findet oftmals in der Zeit der Selbsterkennung und Erwachsenwerdens statt.

Sind gläubige Menschen, die die Hoffnung benötigen, emotionell betrachtet damit schwächere Menschen, weil sie den Tod nicht als natürliches Phänomen betrachten können, und durch den Glauben nach einem „Ausweg“ suchen? Die Betrachtungsweise ist entscheidend. Einerseits mag die „geistige Evolution“ einen entschiedenen Vorteil bieten, muss sich jedoch die Frage gefallen lassen, ob eine veränderte Wirklichkeit die Antwort auf den nächsten „evolutionären Schritt“ wirklich sein sollte, oder ob die Akzeptanz des Leben und Todes maßgeblich für den „besseren Fortschritt“ sind, betrachtet auf die Rasse Mensch.

Fundamentalistisch den eigenen Glauben als „Wahrheit“ zu deklarieren, oder zu glauben, dass der Glaube fundiertes Wissen sei, ist immer wieder gefährlich. Dieses Denken wurde und wird immer wieder von Menschen ausgenutzt, die den Glauben missbrauchen, und dadurch an Macht, Reichtum und Einfluss gelangen.

Doch faktisch betrachtet, kommen auch Atheisten immer wieder zu der Frage, insbesondere wenn sie am Rande des Todes stehen, ob es nicht doch ein Leben nach dem Tod gibt. Wir können, ob durch den Glauben, oder durch unsere alltägliche Gestaltung des Lebens, die „Todesfrage“ umgehen, doch angesichts dessen wird diese uns durch unser „erhöhtes Bewusstsein“ eines Tages thematisiert werden müssen – ob gewollt, oder ungewollt.

Der Lebenserhaltungstrieb wird uns auch dann einholen, ob gläubig und bestehend mit einer Hoffnung, oder nicht, wenn sich unser Leben dem Tod nähert. Dies ist absolut natürlich, da ein gesunder Egoismus durch diesen Trieb erst ermöglicht, dass sich das Leben weiterentwickelt und nicht ausstirbt. Ohne diesen Trieb wäre ein Leben unmöglich, da es keinerlei Grund gebe diesen zu wählen. Selbst wenn ein Leben mit „Glück“ empfunden werden kann, wäre jede Last, die man zu tragen hätte, unmöglich zu bewältigen, da der Tod der sofortige Ausweg aus diesem wäre. Es gäbe keinerlei Sinn fühlen als auch erleben zu wollen.

Ob Gläubiger oder Atheist, werden wir durch den natürlichen Selbsterhaltungstrieb am Leben bleiben wollen. Die Zeit, die wir in diesem Leben haben, lass sich mit Ereignissen ausfüllen, die Serotonin und Dopamin Ausstöße verursachen, und wir Momente, die gekoppelten an besonderen Ereignissen sind, als „Glück“ wahrnehmen lassen.

Interessanterweise ist der Ausschuss von Serotonin und Dopamin, natürliche „Glückshormone“, verbunden mit evolutionär „wichtigen Tätigkeiten“, wie beispielsweise Sex (Fortpflanzung), Sport (Überlebensfähigkeiten), oder auch beruflicher Erfolg (Lebensunterhalt und Lebenserhaltung). Mit Serotonin und Dopamin lässt sich nicht der Sinn des Lebens beantworten, doch zeigen diese Glückshormone, dass diese ausgeschüttet werden, wenn es um Tätigkeiten oder Ereignisse geht, die entweder unser Leben selbst, als Individuum, stärken und positiv beeinflussen, oder es dienlich ist für die eigene Arterhaltung der Rasse Mensch. Demnach geht Serotonin als auch Dopamin unweigerlich mit der biologischen Entwicklung des Menschen einher. Auch wenn die damaligen Kenntnisse nicht so fortgeschritten waren wie heute, um erklären zu können, was biologisch gesehen „Glück“ bedeutet, so haben diese Hormone maßgeblich dazu beigetragen, dass der Mensch sich in die „richtige Richtung“ entwickelt hat und haben ein natürlichen Schutz gegeben, um ein glückliches, und damit sinnvolles, Leben zu führen. Nicht nur der persönlichen Entwicklung, sondern vielmehr der Rassenentwicklung wurde so der entscheidende Kurs geliefert.

Ist die Suche nach Gott unsinnig?

Wenngleich auch biologisch betrachtet die Religionen als auch der Glaube zu einer „geistigen Evolution“ führten, bleibt die Frage dennoch bestehen, woher wir kommen, und was der Sinn des Lebens ist. Die Suche nach Gott ist ein entscheidendes Faktum um den Grund unserer Herkunft zu bestimmen. Das „erhöhte Bewusstsein“ des Menschen stellt unweigerlich immer wieder die Frage nach Grund und Zeit auf. Die zeitlichen Abläufe und Gründe zur Entstehung des Lebens sind auch ein entscheidender Faktor, um Antworten darauf zu erhalten, warum der Tod ein natürlicher Prozess ist, und ob dieser mit dem jetzigen Gottesbild der Menschen übereinstimmen kann. Es wäre möglich, dass die Menschen sich auf der Suche nach Antworten machen, weil insbesondere unser Unterbewusst, dass den Tod nicht akzeptieren kann, einen Weg sucht, das Problem, dass es selbst niemals lösen kann, aus seinem Bewusstsein zu schaffen oder gar die „Nicht-Existenz“ völlig zu besiegen.

Zusammenfassung

Die Evolution der Religion Steven Weinberg Evolution Wahrheiten jetzt! Die Evolution der ReligionDas „erhöhte Bewusstsein“ des Menschen wird unumgänglich auf die unüberwindbare Frage des Todes stoßen. Religionen und persönlicher Glaube boten über viele Jahrtausende hinweg, bis jetzt und in die Zukunft, die Möglichkeit, einen „kognitiven“ Ausweg aus dem Faktum Tod und der „Nicht-Existenz“ zu schaffen. Eine „fragmentierte“ Psyche sind Grundfundamente für ein natürlichen und chemischen Prozess mittels Hormonen wie Serotonin und Dopamin, um ein sinnvolles und „glückliches“ Leben zu führen, trotz des Wissens, dass der Tod das endgültige Ende unseres jetzigen, materiellen Leibes und Geistes bedeuten. Doch Religionen wurden immer wieder missbraucht und konditioniert. Die Religionen und der Glaube wurden zum notwendigen Schritt, eine „geistige Evolution“, die „Glücksversicherungen“ mittels der Umgestaltung der Wirklichkeit bieten kann. Doch die Religionen nahmen im Laufe der Zeit „strengere“ Züge an. Glaube wurde immer mehr mit Leistung verbunden. Einzelne Religionen wurden auch zum „Schuld-Zwang“ der Gläubigen, die diesem so konditionierte, dass er bis auf den Tod diesem Glauben angehören muss, damit Leben nach dem Tod in Aussicht gestellt werden kann. Damit beinhaltet jeglicher Glaube egoistische Wesenszüge.

Die Frage nach dem Leben über den Tod hinaus, ist eine aus „Kindesalter“ bekannten Problematik, die natürlich und auf die Kausalität des „höhere Bewusstseins“ des Menschen zurückzuführen ist.

Doch auch der Atheismus kann zu einem „glücklichen“ und befriedigenden Leben führen, sofern die individuellen Ziele im Leben gekoppelt an „besonderen Momenten“ werden, in der es zu hormonellen Ausstößen von „Glückshormonen“ kommt. Glück ist aus wissenschaftlicher Sicht ein rein chemischer Prozess. Die Auswirkungen dessen sind individuell unterschiedlich. Der Atheismus bedeutet auch eine natürliche Akzeptanz des Todes, und eine Realisierung des Glückes ohne einem höheren Wesen. Angesichts des Todes werden diese jedoch ebenfalls mit der Problematik des Todes zum Denken geführt, ob es nicht doch ein Leben nach dem Tod geben könne. Dies ist ein natürlicher, evolutionärer Trieb der Selbsterhaltung des Lebens.

Denn nicht Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, wie es in der Bibel heißt, sondern der Mensch schuf […] Gott nach seinem Bilde; Der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion.“ (Ludwig Feuerbach)

von |Juni 25th, 2017|Kommentare deaktiviert für Die Evolution der Religion

Pantheismus – ist es richtig den Schöpfer unpersonifiziert zu betrachten?

Pantheismus – ist es richtig den Schöpfer unpersonifiziert zu betrachten?

Der Pantheismus geht weit in die Antike der Vorsokratiker zurück, die eine naturwissenschaftliche Sichtweise in ihrer Weltanschauung mit göttlicher Seele oder Kraft miteinbezogen. Durch die wachsende Erkenntnisse in der Umwelt entstand die These, dass Gott keine Person ist, mit geistigem Körper, weshalb eine Personifizierung ausgeschlossen wird, sondern das „All-Eine“ ist, und damit alles umgibt, d.h. überall ist. Damit wurde die Gottesvorstellung darin manifestiert, dass diese Urquelle an Energie eins ist mit dem Kosmos und der Natur.

 

Einige sehen im Pantheismus eine Euphemie für den Atheismus und weisen diese Denkweise automatisch ab, ohne eine mehrebenanalytische Prüfung der Thematik vorgenommen zu haben. Ein unpersönlicher Gott ist deshalb für viele überhaupt kein Gott, sondern ein Wort, dass einfach nur missbraucht worden ist für eine naturwissenschaftliche Weltbetrachtung. Anfangs sah man das Göttliche als ein, in einem selbst, innewohnendes Universal-Vernunftprinzip welches in der Neuzeit als göttlicher Teil des ewigen Kosmos im Kontinuum betrachtet wird, dass sich in allem Sein offenbart.

 

Stützt die Bibel den Pantheismus – was spricht dagegen?

Da die Lehre des Pantheismus Gott mit den Kräften und Gesetzen im Universum gleichsetzt, gehen Bibelverse, die Gott personifizieren und Eigenschaften persönlich zuschreiben, mit dieser Lehre eindimensional betrachtet konträr. So können wir beispielsweise erfahren, dass es eine „feste Wohnstätte“ in der geistigen Welt gibt (1. Könige 8:43). Christus selbst begab sich vor die „Person Gottes“ (Hebräer 9:24). Der Jünger Stephanus und der Apostel Johannes hatten Visionen vom Himmel, in denen sie sowohl Gott als auch Jesus Christus sahen. (Apostelgeschichte 7:56; Offenbarung 5:1, 9). Christen wird versichert, dass sie Gott sehen und ihm gleich sein werden, was zeigt, dass YHWH eine Person sein muss, einen Leib hat und sich an einem bestimmten Ort aufhält (1. Johannes 3:2). Die Bibel verwendet Anthropomorphismen, das heißt, sie schreibt Gott menschliche Merkmale zu. So spricht sie zum Beispiel von Gottes Angesicht, seinen Augen und Ohren, seiner Nase und seinem Mund, seinen Armen und Füßen (5. Mose 4:15-20; Psalm 27:8; 1. Petrus 3:12; Psalm 18:15; Jesaja 1:20; 5. Mose 33:27; Jesaja 41:2). Diese bildhafte Sprache bedeutet natürlich nicht, dass Gottes geistiger Leib dieselben Glieder aufweist wie der menschliche Leib. Doch diese Ausdrücke sind uns insofern eine Hilfe, als Gott für uns dadurch mehr zu einer Realität wird und bis zu einem gewissen, menschlichen Grad vorstellbar ist.

 

Stützt die Bibel dennoch den Pantheismus – was spricht dafür? 

In Jesaja 40:25,26 können wir lesen: „Mit wem aber könnt ihr mich vergleichen, so dass ich zu seinesgleichen gemacht würde?“ sagt der Heilige. „Hebt eure Augen in die Höhe und seht. Wer hat diese Dinge erschaffen? Er ist es, der ihr Heer selbst der Zahl nach herausführt, der sie alle sogar mit Namen ruft. Wegen der Fülle dynamischer Kraft, da er an Macht auch kraftvoll ist, fehlt nicht eines [davon]“ (Jesaja 40:25, 26). Auch wenn an dieser Stelle Gott personifiziert wird, finden wir den Hinweis, dass er voll dynamischer Kraft ist, und es nicht an Kraft fehlt. Das hebräische Wort ʼōnímsteht für Energie bzw. „dynamische Kraft„. In Psalm 104:29, 30 wird der Gedanke vermitteln, dass Gottes Geist, oder Energie in allen Lebewesen ist. Ohne diese Kraft würde kein Leben existieren können, sondern es zerfällt alles zu Staub und kehrt zum Erdboden zurück, der Sternenstaub ist. Das hebräische Wort ruchám steht für „Geist“ oder auch „Atem Gottes“, „Hauch“, imperativ „Energie“ und wird in Bezug auf die Schöpfung, ihren Antrieb oder Kraft öfters gebraucht.

Das pantheistische Glaubensbekenntnis, oder vielmehr diese Naturwissenschaft, besagt, dass in allem Gott vorzufinden ist. Einige gehen aber über das Allsein Gottes zu splitten, indem sie einen bestimmten geistigen Ort, eine universale Urquelle aller anderen Energien im Universum manifestieren. Interessant ist, dass diese These bis zu einem gewissen Grad auch in der Bibel gestützt wird. So können wir lesen:

„Ich, ja ich, habe in meinem Herzen in Hinsicht auf die Menschensöhne gesagt, dass der [wahre] Gott sie auslesen wird, damit sie sehen können, dass sie an sich Tiere sind. Denn es gibt eine Zufälligkeit hinsichtlich der Menschensöhne und eine Zufälligkeit hinsichtlich des Tieres, und dieselbe Zufälligkeit trifft sie. Wie der eine stirbt, so stirbt der andere; und sie alle haben nur e i n e n Geist, so dass es keine Überlegenheit des Menschen gegenüber dem Tier gibt, denn alles ist Nichtigkeit. Alle gehen an e i n e n Ort. Sie alle sind aus dem Staub geworden, und sie alle kehren zum Staub zurück. Wer ist es, der den Geist der Menschensöhne kennt — ob er aufwärts steigt, und den Geist des Tieres — ob er niederwärts zur Erde steigt?“ (Prediger 3:18-21)

Wie Prediger uns deutlich vermittelt, gibt es keinen großen Unterschied im Sein des Menschen verglichen mit dem Tier. An sich ist – so Prediger – der Mensch ein höheres Tier, das die selbige Zufälligkeit trifft beim Tod. Alle gehen an einen Ort, indem der Körper zu Staub zerfällt. Geist, die Kraft oder Energie des Tieres wird eins mit dem irdischen Organismus. Das hebräische Wort werúach steht für „einen [gemeinsamen] Hauch“, also imperativ „selbige Energie“ von einer Quelle – Gott. Der Geist oder die Energie des Menschen würde, im Gegensatz zum Tier, symbolisch aufwärts steigen, zu der höheren Quelle zurückkehren, von der alles Leben seine Energie zum Leben bekommen hat, ein Teil der Urquelle oder Urenergie wieder werden. Überdies: Dies erklärt theologisch den Übergang von lebendiger Materie zu toter Materie, bzw. von toter zu lebendiger Materie – die Lücke, die Evolutionisten fehlt, wenn man das Leben rein wissenschaftlich betrachtet.

Interessant ist, dass Jesus Christus über Gott sagte, dass er Geist ist (Johannes 4:24a). Das griechische Wortpneuma steht für „Geist“ bzw. imperativ „Energie„. Da der Glaube etwas Geistiges ist, das durch die kognitive Fähigkeit im inneren des Menschen wirkt, bevorzugt man das Wort „Geist„. Deshalb sagte Christus: „…die ihn[Gott] anbeten, müssen [ihn] mit Geist und Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4:24b)

Viele setzten die Eigenschaften Gottes, mit Gott selbst gleich, da dieser kein materielles Geschöpf ist. So sagt auch die Bibel:

Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her gegen alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen geoffenbart, die die Wahrheit in ungerechter Weise unterdrücken, weil das, was man von Gott erkennen kann, unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbar gemacht. Denn seine unsichtbaren Eigenschaften werden seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen, da sie durch die gemachten Dinge wahrgenommen werden, ja seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit, so daß sie unentschuldbar sind.“ (Römer 1:18-20)

Auch wenn Zorn anthropomorph ist, so ist die Göttlichkeit des Allseins, bezogen auf die Eigenschaften in der Schöpfung, zu aller Zeit überall dort, wo Schöpfung stattgefunden hat. Da wo Leben ist, dort sind automatisch die Eigenschaften Gottes. Eigenschaften bauen auf Persönlichkeit auf, Persönlichkeit wiederum ist die Person, was sie ausmacht, weshalb für viele die Gottesvorstellung sich manifestiert hat, dass das Allsein Gottes mit Eigenschaften, mit Energie, gleichzusetzen ist.


Jesus Christus – die Personifizierung des Schöpfers in einem Gefäß

Sofern wir als Christ Teile des Pantheismus in unserem Glaubenshaus sowie deren Vorstellungen mit aufnehmen möchten, würde auch die Frage geklärt werden, warum Jesus Christus „eins“ mit seinem „Vater“ ist (Johannes 10:30). Christus wird als das „Bild des unsichtbaren Gottes“ beschrieben, wenn es über ihn heißt:

„Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung; denn durch ihn sind alle Dinge in den Himmeln und auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, erschaffen worden, es seien Throne oder Herrschaften oder Regierungen oder Gewalten. Alle Dinge sind durch ihn und für ihn erschaffen worden.“ (Kolosser 1:15, 16)

Ein Bild von uns selbst, sieht so aus wie wir selbst, auch wenn wir selbst nicht das Bild sein können, sondern das Individuum sind und bleiben. Betrachtet man diesen anthropomorphisierten Gedanken aus der Bibel genauer, könnte man spekulativ Schlussfolgern, dass die Energie, die keinen Körper hat, sich dadurch im geistigen Bereich manifestiert oder „materialisiert“ hat, dass es einen geistigen Körper erschuf, all seine Eigenschaften in den begrenzten Bereich des geistigen Körpers legte, und der vormenschliche Jesus Christus, im Himmel eine eigenständige Persönlichkeit bekam, eine individuelle Persönlichkeit, die identisch mit der Urkraft ist. So konnte der Herr zu Recht sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14:9).

In 2. Korinther 12:1-4 können wir die Gedanken lesen, dass Paulus – man betrachte die Redewendung in der dritten Person – in den „dritten Himmel“ gebracht wurde. Dies schien eine so große Ehre als Mensch gewesen zu sein, dass die Dinge, die er visionär sehen konnte, zu gewaltig gewesen sind, um sie äußern zu dürfen. Hypothetisch betrachtet könnte es sich um einen gesteigerten Himmel gehandelt haben, also eine dritte Welt, die weder materiell noch geistig ist. Während der erste Himmel die materielle Welt widerspiegelt, so konnte der zweite Himmel die geistige Welt meinen, in der alle geistigen Geschöpfe leben, die, wie der zweite Himmel selbst, einen Anfang haben. Der dritte Himmel könnte die universale Ebene gewesen sein, die über die geistige Welt steht, und wo nur die Urkraft, die Urenergie, der Schöpfer alle Dinge selbst, YHWH sich befindet. Erkennt man diese Betrachtung als theologische Wahrheit an, dann musste in einem geistigen Bereich, im zweiten Himmel, es eine Personifizierung Gottes geben, Jesus Christus als „Mundschenk“ oder „Wort“ YHWH’s (Johannes 1:1). Da die Engel Individuum sind, mit einem geistigen Leib (1. Korinther 15:44) musste ein „Bild Gottes“ oder vielmehr „Repräsentant Gottes„, der wie Gott selbst ist, ihn vertreten können vor den Engeln, bzw. geistigen Geschöpfen. So heißt es treffend von Christus: „Bewahrt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der, obwohl er in Gottesgestalt existierte, keine gewaltsame Besitzergreifung in Betracht zog, nämlich um Gott gleich zu sein.“ (Philipper 2:5, 6)

Warum setzte YHWH seine erste geistige Schöpfung, Jesus Christus, als sein Wortführer ein? Tat er es aus Liebe allein, oder wollte er diese Aufgabe jemanden übergeben, der wie die Engel selbst, einen geistigen Körper und damit auch Anfang hat? War die direkte Energie des Vaters, oder des Urquells, selbst für geistige Wesen zu mächtig, sodass nur Christus, in Gottesgestalt existierend, als Verbindung zwischen Gott und seiner anderen Schöpfung eingesetzt wurde?

 

Bibeltexte, die bei der Personifizierung Gottes keinen Sinn ergeben können

Die Bibel vermittelt die Vorstellung – und dies wäre pantheistisch auch nachvollziehbar – dass Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert (Psalm 90:2). Dieser war schon immer dar, ist der Ursprung von Allem, was erschaffen worden ist. Jede Personifizierung kann nur eine primitive Imitation, ein anthropomorphisiertes Abbild sein, da dieses auf Dimensionen, Grenzen und ggf. auch Zeit basiert. Logischerweise müssen wir dieses Konstrukt auf das Sein Gottes ebenfalls anwenden. An dieser Stelle können wir klar und deutlich sagen, dass die Dimension Zeit, mit der man die Personifizierung messen müsste, in der ewigen Schleife und ihrer nicht angefangener Kausalität verharrt. Was bedeutet dies? Jede Schöpfung hat ihren Anfang – ansonsten kann es keine Schöpfung sein. Damit leitet sich ebenfalls ab, wann die Ursache für die Schöpfung aktiv gewirkt hat. Errechnen wir beispielsweise das Alter der Erde, wissen wir ihren Anfang und damit auch den Zeitpunkt der Erschaffung. Erschaffung, Alter und Zeit bzw. Eintrittspunkt hängen zusammen und sind gemeinsam der Kausalität immer unterworfen!  Da laut der Bibel, und auch laut logischer kognitiver Denkweise, etwas da war, dass selbst nicht erschaffen wurde, sondern zeitlos ist bzw. schon ewig in der Vergangenheit gelebt hat, können wir, auch wenn alles auf Zeit aufbaut, nicht mit Zeit rechnen. Warum ist da so? Wenn wir mit der Ewigkeit rechnen möchten, müssten wir ewig zurück in die Vergangenheit gehen, um den Tag der ersten Schöpfung zu errechnen. Da die Ewigkeit jedoch nicht vergehen kann, hätte es niemals zu einer Schöpfung kommen dürfen. An dieser Stelle zeigt sich, dass pantheistische Vorstellungen der Personifizierung dahingehend etwas voraus hat, da eine unpersonifizierte Energie einen Anfang haben kann, und damit auch die Schöpfungen – wobei dies nicht die Fragen klären würde, woher diese Energie kam, wie sie ihren Anfang nahm. Oberflächlich betrachtet ist damit die Komponente Ewigkeit leichter nachzuvollziehen, wenn gleich dies uns auch zur Wahrheit führt, dass Ewigkeit nicht vergeht und damit kein Geschöpf existieren dürfte.

Wenn die Bibel von „Wohnstätte“ (1. Könige 8:43) oder „heiliger Tempel“ (Psalm 11:4) spricht, worin sich der Schöpfer und Quell alles anderen aufhält, stellt sich bei einem personifiziertem Gott mit geistigem Leib zurecht die Frage, woher sein Wohnsitz kam, oder warum dieser, wie Gott selbst, schon immer existiert hat. Bevor im irdischen Bereich ein Haus entsteht, muss es natürlich einen menschlichen Architekten geben, der dieses entwirft und ggf. erbaut. Das Haus ist auch nicht gleichgesetzt mit dem Menschen, sondern hat nur eine unterwürfig Funktion. Wäre es vernünftig, die Vermenschlichung in der Bibel als reale Tatsache zu betrachten, und zu glauben, dass der Ort, wo Gott sich aufhält, ebenfalls ebenbürtig mit Gott ist, da es auch schon immer existiert haben muss und ebenfalls die unendliche Energie Gottes standhält, damit eine gewisse Allmacht besitzt? Wo hat sich der Schöpfer aufgehalten, als es noch nicht seine persönliche Wohnstätte gab? Hier ist der Pantheismus der Vorstellung eines personifizierten Gottes weit voraus, da unendliche Energie keine Wohnstätte benötigt oder Grenzen hat.

Wie sieht es mit den Eigenschaften aus, die Gott zugeschrieben werden? Gottes Haupteigenschaften aus Liebe, Gerechtigkeit, Weisheit und Macht (1. Johannes 4:8; 5. Mose 32:4; Sprüche 2:6; Psalm 62:11; Jesaja 40:26, 29) haben keinen Nutzen, wenn es einen personifizierten Gott gibt, der seit Ewigkeit zu Ewigkeit alleine war! Wem gegenüber brauchte er Liebe? Für was oder wen sollte er gerecht sein? Wozu benötigte er Weisheit, wenn nichts existiert, außer man selbst? Wohin mit der Macht, und warum wurde gewartet, bis diese Macht in der ersten Schöpfung erst ausgelebt wurde? Was war mit der Ewigkeit zuvor, die nicht vergehen kann? Wozu benötigt ein Wesen Eigenschaften, wenn es alleine lebt, ohne Grenzen existiert? Überdies: Was ist der Sinn des Lebens seitens Gottes? Müsste ein personifizierter Gott nicht einen Sinn haben? Entstand dieser erst in der Aufgabe als Gott und Schöpfer und was war die Ewigkeit zuvor der Sinn? Auch hier müssen wir dem Pantheismus zugutehalten, dass er dem Anthropomorphisieren bzw. Anthropomorphismus unendlich weit voraus ist! Erst beim Personalisieren des Gottseins oder Allseins, entstehen diese Problematiken, diese entstehenden Fragen, auf die sich eine logische Antwort nicht finden lassen. Wir pressen etwas, dass wir nicht verstehen können, das weit über uns und unseren Realitäten und Dimensionen ist, in unsere Denkweise und Wahrnehmung, primitivieren etwas Unendliches und Unbegreifliches in das Endlich-Begreifliche!


Schlussfolgerung

Auch wenn die Bibel von Menschen geschrieben worden ist, und damit eine Fülle von anthropomorphen Sichtweisen vermittelt, damit personifizierte Gedankengut über die Gottesvorstellung, lässt sie an wenigen Stellen den Schluss zu, dass Gott Geist bzw. reine Energie ist. Diese Sichtweise, die die Bibel an den angeführten Stellen vermittelt, stützt den Pantheismus, und in Anbetracht einiger Wahrheiten, die man logisch heranführen kann, ist der Pantheismus einem personifizierten Gott voraus. Da die Gedanken aus der Bibel für die breite Masse geschrieben worden ist, leicht verständlich, damit alle es verstehen können, ist es naheliegend, warum es meistens Teil von Anthropomorphismus geworden ist. Wir müssen deutlich sagen, dass die kindhafte Sprache der Bibel nur ein sehr geringer Abklatsch ist bzw. sein kann – Gott muss unendlich mal mehr sein, und ist nicht in menschliche Worte und Denkstrukturen einzufangen und damit zu primitivieren! Wenn wir es jedoch tun, dann immer Mittels des Anthropomorphismus, was ebenfalls das gesamte Fundament der Bibel ist. In jedem Gedanken, in jedem Satz, in jedem Wort, ja selbst der kleinste Buchstabe, ist ein Teil vom Vermenschlichen des Seins Gottes sowie den übermenschlichen Vorstellungen und hinausgehenden Gedanken, Wesen und Realitäten bzw. Wahrheiten. Die Sprache der Bibel kann kein absolut vollständiges Bild der Wahrheit vermitteln!

Vergessen wir niemals: Die Wissenschaft versucht Thesen zu finden und Wissen zu schaffen, oftmals dadurch, dass der Mensch versteht, wie etwas wurde, oder geschieht, doch nur der persönliche Glaube kann Aufschluss darüber vermitteln, warum etwas wurde bzw. geschieht, und welchen Sinn dies erfüllt. Sicherlich könnte man deshalb den eigenen Glauben zum Teil mit der Metaphysik vergleichen. Für eine „reine“ Sicht von „Wahrheit“ müsste man verschiedene Sichtweisen kombinieren, die sich gegenseitig ergänzen. Theosophie, Anthropologie und Elemente aus anderen philosophischen Richtungen sowie allen Naturwissenschaften, die wissenschaftlich betrachtet uns Antworten auf das Wie geben, als auch die theologische Sicht, verbunden mit Metaphysik und eigenen Glaubensfragmenten, die uns Aufschluss geben können über Sinnesfragen bzw. dem Warum. Multiple Sichtweisen und Metaebenen, mehrebenanalytische Denkmuster lassen uns die Wahrheit begreiflicher machen, auch wenn wir zur Erkenntnis nehmen müssen, dass die Wahrheit immer stehts mehr sein wird, als die Worte die wir wählen, um sie beschreiben zu können. Vielleicht dachte auch Albert Einstein an ähnliche Gedanken, wie sie in diesem Artikel kurz aufgeführt wurden, wenn er unter anderem sagte: „Gott würfelt nicht!“ und „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.

von |Januar 3rd, 2017|Kommentare deaktiviert für Pantheismus – ist es richtig den Schöpfer unpersonifiziert zu betrachten?

Die Unwahrheit vor Gericht und in der Religion

Die Unwahrheit vor Gericht und in der Religion

Da ihr jetzt die Unwahrheit abgelegt habt, rede jeder von euch mit seinem Nächsten Wahrheit; Dies sind die Dinge, die ihr tun solltet: Redet die Wahrheit miteinander; Belügt einander nicht. Streift die alte Persönlichkeit mit ihren Handlungen ab; Was […] alle Lügner [betrifft], ihr Teil wird in dem See sein, der mit Feuer und Schwefel brennt. Das bedeutet den zweiten Tod.“ (Eph. 4:25; Kol. 3:9; Off. 21:8)

Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas von der „theokratischen Kriegsführung“

Diese Übersicht über das Problem religiös gerechtfertigten Lügens vor Gericht konzentriert sich auf die Zeugen Jehovas und ihre Lehre von der theokratischen Kriegsführung. Die Geschichte der Entwicklung dieser Lehre und die Probleme des Lügens in der Gesellschaft werden betrachtet. Es werden auch Beispiele für die Anwendung dieser Lehre vor Gericht und eine Übersicht aktiver und früherer Zeugen erörtert. Damit soll das Maß an Kenntnis dieser Lehre bei Durchschnittszeugen bestimmt werden. Es wird gefolgert: Je länger jemand ein Zeuge ist und je höher der erreichte Rang in der Wachtturm-Gesellschaft, um so wahrscheinlicher wird er diese Lehre kennen und anwenden.

Ehrlichkeit ist ein zentraler westlicher Wert und so wichtig, dass ganze 95% der Amerikaner mit der Erklärung übereinstimmen: „Ein wichtige Ziel in Schulen ist es, Ehrlichkeit und die Wichtigkeit, die Wahrheit zu sagen, zu vermitteln.“ (Johnson und Immerwahr, 1994, Seite 24). Ehrlichkeit ist auch entscheidend, dass Gerichtsverfahren richtig funktionieren, und einer der allgemeinsten Hinderungsgründe, die Wahrheit zu bestimmen, ist, wenn Zeugen vor Gericht lügen. Mit Richter Schwelbs (1989, Seite 3) Worten: „Wenn Zeugen erfolgreich lügen, wird die Binde über den Augen der Justitia nicht dem beabsichtigten guten Zweck dienen.“ Richter Schwelb sagte, ihm seien in seinen dreißig Jahren als Jurist „viele Hunderte Fälle von Meineid oder Täuschung“ begegnet (1989, Seite 3). Er fand, dass Lügen besonders häufig bei Familienstreitigkeiten vorkommt, und wenn die Täuschung nicht aufgedeckt wird, können Lügner mit ihren Erfindungen Erfolg haben.

Fälle, in denen aus anderen Beweggründen gelogen wird, sind komplizierter, so wenn Lügen, definiert als Verletzung des Eides, „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu sagen, aufgrund tiefer religiöser Überzeugungen auftritt. Selbst Lügen, das aufgedeckt wird, erfordert eine Bewertung einer Vielzahl von Punkten, ob zum Beispiel so genannte weiße Lügen, das Dehnen der Wahrheit, oder Übertreibungen einen Meinein begründen (Stewart, 1986, Seite 84). Lügen schließt auch das Benutzen von Wörtern ein, „um ein Gespräch zu verwirren“, um andere zum eigenen Vorteil zu „manipulieren“ (Wolk und Henley, 1970, Seiten 90-94, 232). Das Erfordernis der ganzen Wahrheit und nichts als der Wahrheit vor Gericht war historisch bestimmt, um das Problem eines Zeugen vor Gericht zu vermeiden, der zum Beispiel behauptet, er habe seinen Arbeitgeber ehrlich „nicht bestohlen“, wenn er dabei im Hinterkopf hat, er habe ihn gestern „nicht bestohlen“, vor Zuhörern aber den Eindruck erweckt, er habe nie gestohlen, weil das gestern ungesagt bleibt. Die ganze Wahrheit ist, dass er in der Vergangenheit seinen Arbeitgeber bestohlen hat (Bok, 1978).

Der Fall der Zeugen Jehovas

Bis vor kurzem waren die Zeugen Jehovas eine der am schnellsten wachsenden Religionen auf der Welt. Ihre herrschende Körperschaft, die Wachtturm-Gesellschaft, behauptet, dass heute fast 15,4 Millionen Menschen mit der Kirche verbunden sind (Wachtturm,. 1. Jan 2002, Seite 22), und gemäß ihrem Dun-und-Bradstreet-Bericht (einem nur von Dun und Bradstreet auf Anforderung erhältlichen Kreditbericht) betrug alleine 1992 ihr Einkommen in Amerika mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Gegründet 1879 von C. T. Russell, sind sie sehr gut wegen ihrer Rechtsstreitigkeiten wegen des Fahnegrußes und anderer behördlicher Erfordernisse bekannt.

Unter den der Wachtturm-Gesellschaft eigenen Lehren sind das Verbot von Bluttransfusionen und eine theokratische Kriegsführung genannte Lehre, die das „Lügen“ vor Gericht und sonst wo rechtfertigt. Es lassen sich nur drei Religionen ausmachen, die diese Lehre offen verkünden. Eine ist die Arische Bruderschaft, eine Gruppe der Vorherrschaft der weißen Rasse, die lehrt, es sei angebracht zu lügen, um seine Interessen zu fördern (W. Caughey, im persönlichen Gespräch, 3. Feb. 1991). Eine weitere ist die Vereinigungskirche, deren Kritiker behaupten, sie praktiziere eine ähnliche Lehre, die sie Himmlische Täuschung nennt (Levine, 1980; Elkins, 1980). Boettcher behauptet:

Einer der zentralen Glaubenssätze [der Vereinigungskirche] ist die Lehre von der Himmlischen Täuschung. Das Gute muss das Böse täuschen. Die Welt außerhalb Moons ist böse. Man muss lügen und so Moon helfen, an die Macht zu kommen. Dann kann es unter Moons Kontrolle gut werden. In der Bibel belog Jakob den Isaak. Gott belohnte Jakob, indem er ihn zum Vater der Nation Israel machte.“ (Boettcher, 1980, Seiten 343-344)

Die dritte ist die Wachtturm-Gesellschaft mit ihrer Lehre von der theokratischen Kriegsführung, nach der es angemessen ist, die Wahrheit „Leuten, die nicht berechtigt sind, sie zu hören“ vorzuenthalten, wenn das den Wachtturm-Interessen dient (Reed, 1992; Reed, 1997, Seite 129; siehe auch Franz, 1971, Seiten. 1060-1061, und Raines, 1996c). In Wachtturm-Worten müssen Zeugen „zur theokratischen Kriegsstrategie“ gegen alle möglichen Personen greifen, die eine „wolfsgleiche Einstellung“ haben, das heißt, Personen, die nicht die Wachtturm-Gesellschaft als Gottes Organisation und Haupt des Volkes Gottes akzeptieren. Alle anderen Religionen werden als böse und satanisch bezeichnet (Franz 1991; Watchtower, 1. May 1957, Seiten 285-286 und Seite 288 – dieser letzte Artikel wurde in Wachtturm-Nachdrucken zensiert).

Reed definiert die theokratische Kriegsstrategie als „Verbergen der Wahrheit vor Leuten, die nicht berechtigt sind, sie zu hören – d.h. als Lügen vor Außenstehenden, wenn es als notwendig angesehen wird“ (Reed, 1995, Seite 40). Er fügt hinzu, die Wachtturm-Gesellschaft definiere Lügen als „das Täuschen von Außenstehenden, um die Interessen der Organisation voran zu bringen. Unwahrheiten, die Gottes Feinden gegenüber geäußert werden, werden aufgrund des Kriegszustandes, der zwischen Gotte Kräften (den Zeugen Jehovas) und Satans Mächten (der übrigen Welt) besteht, nicht als Lügen betrachtet.“ Mit den Worten Kotwalls (1997, Seiten 1-2) lehrt die Wachtturm-Gesellschaft, „im Interesse ihrer Religion zu lügen und zu täuschen, wird von der Bibel gutgeheißen. Sie nennen solches Lügen theokratische Kriegsstrategie.“ Wilson sagt: Obwohl es eine Grundüberzeugung der Zeugen Jehovas ist, dass Lügner den ewigen Tod ohne Hoffnung auf eine Auferstehung empfangen werden, wird eine Ausnahme gemacht, falls es darum geht, zu lügen oder vorzugeben, man sei jemand, der man nicht ist, wenn der Zweck ein Nutzen für die Organisation ist. Ein Beispiel für diese Art von Täuschung habe ich persönlich erfahren, als eine Freundin, die eine Zeugin ist, mich und mehrere weitere Zeugen zu sich nach Hause einlud, als ein Zeugenmissionar sie besuchte, der einen Diavortrag über sein Wirken in Israel halten wollte … Um die Einrichtung und die anderen Zeugen, die dort lebten, zu schützen, wies die Gesellschaft diesen Missionar an, sich als exzentrischen Millionär auszugeben, der ein Reinheitsfetischist sei, und jedem Fragesteller zu sagen, dies sei sein eigenes Haus, das er gebaut habe. Diese Geschichte wurde erfunden, um den wahren Zweck des Gebäudes zu vertuschen – den einer Wachtturm-Fabrik mit Schlafzimmern und Spülbecken darin, um die Fabrikarbeiter zu beherbergen. Dieser Vorfall war ein weiteres Beispiel für theokratische Kriegsstrategie (Wilson, 2002, Seite 249).

Jehovas Zeugen lügen nicht immer direkt, sie lügen oft gemäß der Definition vor Gericht, sie sagen nicht „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, was heißt, dass das Gericht die ganze Geschichte einfordert, nicht Halbwahrheit oder Täuschung. Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile das Lügen, aber nur das Lügen, wie sie es definiert, nämlich „eine Falschaussage gegenüber einer Person ein, die berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen, mit der Absicht, sie oder jemand anders zu täuschen oder ihr bzw. dem anderen zu schaden“ (Franz, Band 2, deutsch 1992, Seite 236). Der Zweck des Eides ist, jemanden davon abzuhalten, der Wahrheit auszuweichen, indem er nur in einer engen Weise wahrhaftig ist. In einer bekannten Diskussion, die das Lügen gegenüber dem Laienpublikum definieren soll, erklärt Savant, wenn Zeugen vor Gericht gebeten werden, „die Wahrheit“ zu sagen, dann bedeute das, dass sie nicht lügen dürfen und auch, dass sie …

“ … „die ganze Wahrheit“ sagen [müssen] … Wenn beispielsweise ein Regent sagt, „in meinem Staat haben wir 17.000 Personen aus der Wohlfahrt in Arbeit gebracht“, und nicht hinzufügt, dass in seinem Staat zur selben Zeit 25.000 andere Leute arbeitslos wurden und in die Wohlfahrt kamen, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „die ganze Wahrheit“. Das heißt, die Nettowirkung war, dass 8.000 weitere Personen der Wohlfahrt anheim fielen, nicht 17.000 weniger … Drittens werden Zeugen gebeten, „nichts als die Wahrheit“ zu sagen. Das ist noch eine andere Vorstellung. Wenn jemand zum Beispiel in Beantwortung einer Frage die Wahrheit sagt und dann eine Lüge hinzufügt, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „nichts als die Wahrheit“. Und obwohl nichts von alledem wirklich unehrliche Leute aufhalten wird, liefert es und doch zumindest gute Munition, um sie wegen Meineides anzuklagen.“ (Savant, 1996, Seite 12)

Mit den Worten von Raines bedeutet theokratische Kriegsführung in der Praxis, den „Feind“ mit unwahren oder irreführenden Informationen zu „täuschen“ oder irrezuführen, um die Interessen des „Volkes Gottes“ und seiner „Organisation“ zu schützen und zu fördern (1996, Seite 20). Magnani fügte hinzu, dass die Wachtturm-Gesellschaft eine besondere Politik gegenüber Außenstehenden verfolgt. Wer ihre Lehren anzweifelt, wird als „Gegner“ angesehen und in besonderer Weise behandelt. Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt tatsächlich die Zeugen Jehovas, bestimmte Tatsachen zu vertuschen oder in Bezug auf sie zu LÜGEN. Diese Taktik nennt sich THEOKRATISCHE KRIEGSSTRATEGIE. (1979, Seite 1, Hervorhebung vom Autor).

Die Wachturm-Gesellschaft versucht, ihre Haltung zu erklären, indem sie hinzufügt:

Bösartiges Lügen wird zwar in der Bibel deutlich verurteilt, aber das bedeutet nicht, dass man verpflichtet ist, jemandem wahrheitsgemäß irgendwelche Informationen zu geben, die zu erhalten er kein Recht hat. Jesus Christus gab den Rat: „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie sie nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen“ (Mat 7:6). Deshalb hielt sich Jesus bei gewissen Gelegenheiten zurück, eine vollständige Auskunft zu geben oder gewisse Fragen direkt zu beantworten, wenn er dadurch unnötigen Schaden angerichtet hätte (Mat 15:1-6; 21:23-27; Joh 7:3-10). Zweifellos muss die Art und Weise, wie Abraham, Isaak, Rahab und Elisa handelten, als sie Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, irreführten oder ihnen gewisse Tatsachen verschwiegen, ebenso beurteilt werden (1Mo 12:10-19; Kap. 20; 26:1-10; Jos 2:1-6; Jak 2:25; 2Kö 6:11-23).“ (Franz, 1971, Seite 245).

Reed erklärt wie folgt, wie diese Lehre tatsächlich angewandt wird:

Wenn ein Zeuge an einer Tür klopft, ein kurzes Verkaufsgespräch führt und ein kleines Buch für einen Dollar verkauft, mag das am Ort geltende Gesetz von ihm fordern, Umsatzsteuer zu kassieren. (Ein Kreditbericht über die Wachtturm-Gesellschaft in New York, Inc. enthüllte für das Jahr 1991 eine Verkaufszahl von 1,25 Milliarden Dollar für die Körperschaft, von etwas über 1 Milliarde Dollar im Jahre 1990). Um dieser Verpflichtung zu entgehen, weist die Organisation die Zeugen an, zu sagen, sie hätten die Bücher nicht verkauft, sondern abgegeben. Sie hätten den Dollar nicht als Bezahlung erhalten; vielmehr hätten sie das Geld als nicht damit im Zusammenhang stehende Spende zufällig erhalten. Eine weitere illegale Tätigkeit, die durch verhüllende Erklärungen verdeckt wird, bezieht sich auf die Verletzung der Jugendschutzgesetze und das Ignorieren von gerichtlichen Anordnungen in Bezug auf ärztliche Behandlung. Wenn sie solche drastischen Schritte unternehmen, um eine Bluttransfusion für kranke oder verletzte Kinder zu verhindern, bezeichnen die Zeugen Jehovas diese Aktionen gewöhnlich als Einhalten der Lauterkeit oder Gott an die erste Stelle setzen … Verhüllende Erklärungen [mit] verdunkelnden Wörtern … um Informationen vor Außenstehenden zu verbergen, die nicht mit der Sekte vertraut sind. Die Zeugen nehmen zu solchen Listen Zuflucht, wenn Anweisungen der Organisation von ihnen fordern, Steuergesetze zu verletzen, die Einberufung zur Armee abzulehnen, Jugendschutzgesetzen auszuweichen usw. Verfälschungen dieser Dinge werden nicht als Lügen angesehen, sondern als theokratische Kriegsstrategie“ (1997, Seiten 22, 28).

Noch eine weitere Bewertung dieser Lehre durch einen langjährigen, früher einmal hochrangigen Zeugen:

Sie [die Wachtturm-Gesellschaft] lehrt verbissen, dass es in Ordnung sei, „die Wahrheit vor seinen Feinden zu verbergen“, da man sich in einem „theokratischen Krieg“ befinde, der als Erlaubnis zum Lügen genommen wird. Und wer sind ihre Feinde? Alle außer ihnen selbst … Lügen ist in ihrer Literatur als zulässig bezeichnet worden, besonders gegenüber den „Feinden“ (und das ist jeder außer der elitären leitenden Körperschaft). Es hängt davon ab, wen man anlügt. Man gibt ihnen das Beispiel des Abraham, der in einer lebensbedrohlichen Situation den Status seiner Frau falsch darstellte und sie als seine Schwester statt als seine Frau bezeichnete. Also, argumentieren sie, ist es für uns ein Geringes, die „anderen Schafe“ zu belügen, ihnen zu sagen, sie seien „Christen“ und könnten predigen, der heilige Geist beschütze sie, usw.? Was macht das schon wirklich aus?“ (Ford, 1996, Seiten 7, 84)

Die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, „Gottes Feinde“ zu belügen sei kein wirkliches Lügen, sondern theokratische „Kriegsstrategie“, und Gottes Wort gebietet: „Jeder von euch rede mit seinem Nächsten Wahrheit“ (Eph. 4:25). Dieses Gebot bedeutet jedoch nicht, dass wir jedem, der uns fragt, alles erzählen sollten, was er wissen will. Wir müssen dem die Wahrheit sagen, der berechtigt ist, sie zu wissen, aber wenn jemand nicht berechtigt ist, mögen wir ausweichend antworten. (Watchtower, 1. Juni 1960, Seiten 351-352)

Der Watchtower fügt sodann hinzu, „wir mögen nicht eine Unwahrheit sagen“, aber auch das bezieht sich wieder auf ihre Definition von Unwahrheit. Dieser Watchtower (1960, Seite 352) erklärt auch, wenn ein Wachtturm-Anhänger vor Gericht in den Zeugenstand gehe und schwöre, „die Wahrheit zu sagen, dann muss er, wenn er überhaupt etwas sagt, die Wahrheit äußern.“ Diese „Wahrheit“ ist jedoch das, was das Gericht als Wahrheit definiert, es ist allerdings überschattet davon, dass im Mittelpunkt steht, „die Wahrheit“ vor Gottes Feinden zu „verbergen“. Andere Artikel und die tatsächliche Praxis der Zeugen zeigen beide, dass dieser letzte Rat nicht streng befolgt wird. Zum Beispiel fügt der Watchtower vom 1. Mai 1957 hinzu:

Lügen sind Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen erzählt werden und anderen Schaden zufügen. Satan erzählte Eva eine Lüge, die ihr und der Menschenrasse großen Schaden zufügte. Ananias und Sapphira erzählten Lügen aus selbstsüchtigen Gründen. Aber das Verbergen der Wahrheit vor einem Feind, der nicht berechtigt ist, sie zu kennen, fügt diesem Feind keinen Schaden zu, besonders wenn er diese Informationen benutzen will, um andere Unschuldige zu schädigen … Es ist also in Zeiten geistigen Krieges angebracht, den Feind irrezuführen, indem man die Wahrheit verbirgt. Es geschieht aus selbstlosen Gründen; es fügt niemandem Schaden zu; im Gegenteil, es bewirkt viel Gutes.“ (Seiten 284-285).

Wie William Blake einmal sagte: „Eine mit böser Absicht erzählte Lüge schlägt alle Lügen, die man erfinden kann.“ Die Lehre wird am besten zusammengefasst in Die Maßnahme, einem Spiel von Bertolt Brecht: Wer immer für den Kommunismus kämpft, der muss bereit sein, zu kämpfen oder nicht zu kämpfen, die Wahrheit zu sagen oder nicht die Wahrheit zu sagen, Dienste zu leisten oder sich zu weigern, das zu tun, erkannt zu werden oder sich zu verstellen. Wer für den Kommunismus kämpft, hat nur eine einzige Tugend, nämlich die, dass er für den Kommunismus kämpft (Zitiert in Perutz, 1989, Seite 139).

Wilson gibt ein Beispiel an, wie diese Lehre heute angewandt wird: Die Ältesten baten diesen jungen Mann, unsere Tochter anzurufen und irgendeinen Grund zu erfinden, damit sie herüber ins Haus kommt. Unter dem Vorwand der „theokra­tischen Kriegsführung“ war das Lügen annehmbar, wenn es dem Bedürfnis der Organi­sation diente. Folglich war der Wahrheitsgehalt des Grundes, den er ihr angab, damit sie zustimmte, ihn in dem Haus zu treffen, unbedeutend. Er täuschte Hilflosigkeit über einen Aspekt, sich um die Dinge im Haus zu kümmern, vor und bat sie, sich dort mit ihm zu einer bestimmten Zeit zu treffen, so dass sie ihn helfen könnte. In dem Vertrauen, dass er sie nie verraten würde, stimmte sie zu (2000, p. 118).

Dass die Wachtturm-Gesellschaft ihre Anhänger ausdrücklich lehrt, zu lügen, wie dieses Wort im Deutschen normalerweise gebraucht wird, wird veranschaulicht durch ihre Erörterung, wie Abraham Sarah sagte, die solle „die Tatsache verbergen“, dass sie seine Frau war (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 78). Der Watchtower merkt an, Jahre später, als Abraham in dem Philisterland Gerar war, habe er die Lüge über Sarah wiederholt und dreist behauptet, seine Frau sei „meine Schwester“. Die Wachtturm-Gesellschaft kommt zu dem Schluss, dies sei keine Lüge, weil Abraham Sarah aus einem lobenswerten Grund als seine Schwester ausgab, nämlich …

… um eine gewalttätige Auseinandersetzung über seine Frau zu verhindern. Sarah erkannte Abraham als ihren Herrn an und war mit der Vereinbarung einverstanden und bereit, die Folgen zu tragen … Sie war bereit, ihren Teil dazu beizutragen, das Leben des Propheten Jehovas zu bewahren … Doch Kritiker … sehen Abraham als Lügner an, als Ausflüchte machenden, schwächlichen Feigling.“  (1. Februar 1956, Seite 79)

Ironischerweise war dieses Beispiel, das die Wachtturm-Gesellschaft verwendet, um das Lügen zu recht­fertigen, eben wegen des Lügens ein Schuss, der nach hinten losging. Der Pharao, der dachte, Sarah sei Abrahams unverheiratete Schwester, nahm sie zur Frau und verursachte so eine Plage über „Pharao und sein Haus“. Als der Pharao herausfand, dass Abraham gelogen hatte und ihm seine Frau zurückgab, protestierte er gegen Abraham und erklärte, was geschehen sei, hätte verhindert werden können, wenn Abraham nur die Wahrheit gesagt hätte (1. Mose 12:10-20). Anstatt also ein Beispiel zu sein, das das Lügen rechtfertigt, verurteilt diese Bibelstelle das Lügen, indem sie zeigt, das es nach hinten losgehen kann. Abraham log auch gegenüber Abimelech in Bezug auf seine Frau und löste damit fast eine Katastrophe aus (1. Mose 20). Die neueste Erörterung erschien in Awake! vom 8. Februar 2000, wo es unter der Überschrift „Vorsichtig wie Schlangen“ heißt:

Ehrlich zu sein bedeutet natürlich nicht, dass wir verpflichtet sind, jemandem, der uns danach fragt, alle Informationen preiszugeben. „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie [sich] nicht etwa … umwenden und euch zerreißen“, warnte Jesus in Matthäus 7:6. So mögen zum Beispiel Personen mit bösen Absichten kein Recht haben, bestimmte Dinge zu wissen. Christen verstehen, dass sie in einer feindlichen Welt leben. Daher wies Jesus seine Jünger an, „vorsichtig wie Schlangen“ und doch „unschuldig wie Tauben“ zu sein (Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus enthüllte nicht immer die volle Wahrheit, besonders wenn das Enthüllen aller Tatsachen ihm und den Jüngern unnötigen Schaden hätte bringen können. Und doch log er auch dann nicht. Statt dessen sagte er nichts oder lenkte das Gespräch in eine andere Richtung. – Matthäus 15:1-6; 21:23-27; John 7:3-10“ (8. Februar 2000, Seite 21, Übersetzung aus dem Englischen).

Die Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile das direkte Lügen und befürworte nur, die Wahrheit zu verbergen. Aber wenn sie den Fall Abraham als ein Beispiel benutzt, ihm in Situationen nachzueifern, wo dies die Wachtturm-Gesellschaft schützen kann, dann zeigt sie damit an, dass sie in der Tat direktes Lügen befürwortet.

Reed bemerkt zu dieser Lehre:

Wenn die Wachtturm-Gesellschaft Zeugenkinder anweist, bei einer Aussage vor Gericht das Gegenteil von dem zu sagen, was zu glauben sie gelehrt wurden, dann fordert sie von ihnen, eine Art von Doppelsprech zu verwenden, das die meisten Menschen als Lügen ansehen würden. Und wenn ihr Gewissen den Kindern auch nicht sagt, dass sie Lügner sind, dann müssen sie auch Doppeldenk benutzen, die geistige Verrenkung, die George Orwell in seinem Roman beschreibt … wo die Menschen durch eine totalitäre Gesellschaft gezwungen werden, sich völlig der Wahrheit bewusst zu sein und doch sorgfältig konstruierte Lügen zu verbreiten.“ (1996, Seiten 230-231)

Noch ein weiteres Beispiel zeigt, dass mit der Anwendung der Lehre offenes Lügen verbunden ist:

Während ich diese Nachforschungen anstellte … traf ich eine Frau, die mir eine Narbe auf ihrem Oberarm zeigte, von der sie sagte, sie rühre von einer Verätzung mit einer Säure her. Sie erklärte, das Bestechen eines Arztes, damit er auf dem Arm eines Kindes eine Narbe verursache, die die Narbe nachahmte, die eine Pockenimpfung hinterlässt, und dann eine Impfbescheinigung ausstelle [in der bescheinigt wird, dass das Kind geimpft wurde], damit das Kind zur Schule gehen könne, war in den Jahren, in denen die Gesellschaft das Impfen verboten hatte, übliche Praxis unter den Zeugen. Man kann sich nur vorstellen, wie viele Zeugen oder ihre Kinder aufgrund dieser Praxis der theokra­tischen Kriegsführung, Impfungen zu vermeiden, an Pocken starben“ (Wilson, 2002, Seite 180).

Eine ausführliche Diskussion der Lehre, und wie sie angewandt wird, findet sich in der Zeugenaussage im Fall Gouvitsa gegen Gouvitsa, in dem der vereidigte Sachverständige auf die Frage „Was ist die theokratische Kriegsstrategie bei den Zeugen Jehovas?“ sagte:

Die theokratische Kriegsstrategie ist unter den Zeugen Jehovas weit verbreitet. Es gibt sie auf unterschiedlichen Niveaus … Zuerst muss man die Definition von Lüge verstehen. Und weil das so wichtig ist, möchte ich es gerne vorlesen … In ihrem Lexikon „Aid to Bible Understanding“ heißt es: „Lügen beinhaltet im Allgemeinen, jemandem, der berech­tigt ist, die Wahrheit zu kennen, etwas Verkehrtes zu sagen.

… Ich betone das Wort „berechtigt“ deshalb so sehr, weil die Zeugen … die Welt als mit zwei Arten von Menschen bevölkert ansehen … die Schafe und die Böcke … die Zeugen Jehovas und die Nichtchristen als den Rest der Welt … Gottes Volk und Satans Volk … Die einzigen Menschen, die zu 100% immer berechtigt sind, die Wahrheit zu kennen, sind die Zeugen Jehovas. Die Menschen, die dem Worte Gottes widerstehen, so sagen die Zeugen Jehovas, sind diejenigen in der Christenheit …Sie sind im Widerstand, folglich sind sie auch nicht immer berechtigt, die Wahrheit zu kennen … Wir haben bei unserer Arbeit Menschen angetroffen und von vielen Fällen gehört; woran ich mich gerade erinnere, das ist ein Mann, der ein Pamphlet geschrieben hatte, in dem er die Wachtturm-Organisation als Sekte bloßstellte. Und er traf sich mit einem Zeugen Jehovas. Und irgendwie kamen sie gerade über dieses Pamphlet ins Gespräch … Und der Zeuge Jehovas machte das Pamphlet nieder, es ei völlig falsch, und er behauptete nicht nur, den Schreiber des Pamphletes zu kennen, sondern auch, dass der Schreiber unmora­lisch und von den Zeugen Jehovas hinausgeworfen sei, ein Abtrünniger sei usw., und dem Inhalt des Pamphletes könne man nicht trauen.

 

Dann erzählte dieser Mann dem Zeugen Jehovas, dass er selbst der Schreiber des Pamphletes sei … Das ist ein Beispiel für die so genannte theokratische Kriegsstrategie.  Mit anderen Worten, der Zeuge Jehovas [meinte] … es sei wichtig, den Inhalt herunter­zumachen, damit die Organisation besser aussehe. Theokratische Kriegsstrategie ist grundsätzlich eine Methode, die in sehr vielen unterschiedlichen Weisen angewandt wird. Nicht nur direktes Lügen, sondern manchmal ein Ausweichen vor der WAhrheit, manchmal ein Erzählen von Halbwahrheiten … die Organisation benutzt sie [die theokratische Kriegsstrategie] nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber den Zeugen Jehovas“ (Joy Hutton Gouvitsa Arnold, Kläger, gegen Gus Konstantine Gouvitsa, Zeugenaussage Duane Magnani, Seiten 109-113).

Die Geschichte und die Entwicklung der Lehre

Der früheste gedruckte Bezug auf die Lehre von der theokratischen Kriegsstrategie in offiziellen Wachtturm-Veröffentlichungen datiert aus einem Buch von 1936, Riches (Rutherford, 1936):

Eine Lüge ist jemandes falsche Aussage gegenüber einem anderen, der berechtigt ist, die Wahrheit zu hören und zu kennen, eine Falschaussage, die dazu neigt, dem anderen Schaden zuzufügen. Eine Falschaussage, um jemanden zu täuschen und ihm Schaden zuzufügen, ist eine vorsätzliche und böswillige Lüge.“ (Rutherford, 1936, Seite 177)

Raines kommt zu dem Schluss, das obige Zitat deute an, dass einige nicht „berechtigt“ sind …

… die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage mache, ohne die Absicht zu haben, ihm zu „schaden“, dann sei das keine Lüge, sondern was Goodrich als „Rahab-Technik“ bezeichne. Warum hat Rutherford sonst nicht nur gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es so, und so hat die Gesellschaft seit­her Lügen gegenüber  „theokratischer Kriegsstrategie“ definiert“ (Raines, 1996, Seite 20).

Ein frühes Beispiel für den Gebrauch theokratischer Kriegsführung eines Zeugen gegenüber einem anderen, das sich Anfang der 1940er Jahre ereignete, betraf Roy Goodrich, einen früheren Wissen­schaftslehrer und langjährigem Versammlungsaufseher. Goodrich schickte an einen M. A. Howlett in der Wachtturm-Weltzentrale einen Brief, in dem er sich besorgt darüber äußerte, dass die Wachtturm-Gesellschaft die E.R.A.-Maschine benutze, um Krankheiten zu behandeln. E.R.A. ist eine „oszillo­klastische Maschine“, von Dr. Abrams erfunden, einem berüchtigten Quacksalber, der Historikern, die sich mit der Wissenschaft der Quacksalberei befassen, gut bekannt ist (Warner, 1941). Goodrich war besorgt, weil er schloss, die E.R.A.-Technik habe mit Dämonismus zu tun. Aus diesem Grund schrieb er Howlett, um festzustellen, ob die Gerüchte, die er über die E.R.A.-Maschine gehört hatte, dass sie immer noch im Bethel (der Wachtturm-Zentrale) benutzt werde, zutreffend seien.

Howlett antwortete Goodrich wie folgt: „Du bist offensichtlich über meine Verbindung zu E.R.A. falsch informiert. Ich weiß nichts davon und habe sie nie benutzt. So eine Maschine gibt es nicht im Bethel” (Goodrich, 1944). Goodrich wusste, dass Howletts Behauptung falsch war, weil er Wissen aus erster Hand besaß, dass ein gewisser Chester Nicholson mit der E.R.A.-Maschine von Howlett „behandelt“ worden war. Goodrich wusste auch, dass die E.R.A. seit 1922 von einem „Dr.“ Work im Bethel benutzt wurde. Da Howlett überdies vor 1922 begonnen hatte, im Bethel zu arbeiten, wusste Goodrich, dass Howletts Behauptung, nicht einmal etwas „von der ERA gehört“ zu haben, absurd war, weil Howlett Arzt im Bethel war. Folglich „glaubte Goodrich daher, dass Howlett ihn anlog““ (Raines, 1996, Seite 20).

In Beantwortung des Briefes von Howlett schrieb Goodrich einen ausführlichen Brief an das Wachtturm-Direktorium und an den Wachtturm-Präsidenten Nathan Knorr. Goodrich, der damals als Zeuge in gutem Ruf stand, schrieb besonders darüber, was er für eine Falschanwendung der theokratischen Kriegsstrate­gie durch Howlett hielt (in den 1940er Jahren wurde sie Rahab-Technik genannt, nach Rahab, die log, um die Spione zu schützen). Raines merkt an, diese Technik beinhalte, jemand „mit falschen Informationen irrezuführen“, eine Erwiderung, die „die meisten Menschen als Lügen“ bezeichnen würden (Raines, 1996, Seite 20). Goodrich war verblüfft, weil, wie er gegenüber Howlett erklärte, der einzige Sinn, den die Worte [Howletts] vermittelten, den grundlegenden Tatsachen widerspräche, die ich kannte. Ich muss jedoch glauben, dass du hehre Beweggründe hast, wenn du so schreibst – den Wunsch, Jehovas Namen zu ehren. Du hast dich an Rahabs Gutheißung und die Aussagen oben auf Seite 177 in RICHES erinnert und ohne Zweifel offenkundig eine klare und logische Rechtfertigung im Sinn [zu lügen]. (Goodrich, 1944, p. 1)

Was Goodrich am Herzen lag, war, dass die Lehre das Lügen nur denen gegenüber rechtfertige, die nicht berechtigt seien, die Wahrheit zu kennen, und Goodrich glaubte, als Zeuge Jehovas und langjähriger vorsitzführender Aufseher habe er das Recht, die Wahrheit in dieser Angelegenheit zu kennen. Raines merkt an, dass die Lehre von der theokratischen Kriegsführung …

… bedeutet, dass einige nicht „berechtigt“ sind die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage mache, ohne die Absicht zu haben, ihm zu „schaden“, dann sei das keine Lüge, sondern … „Rahab-Technik“. Warum hat Rutherford sonst nicht nur gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es so, und so hat die Gesellschaft seit­her Lügen gegenüber  „theokratischer Kriegsstrategie“ definiert.“ (Rai­nes, 1996, Seite 20)

Goodrich erwiderte nachsichtig und kam zu dem Schluss, dass Howlett tatsächlich die Rahab-Technik beabsichtigte … In aller Freundlichkeit also, Bruder Howlett, ist die unausweichliche Logik  deines Briefes an mich, dass es sich um eine der beiden Möglichkeiten handeln muss: (1) Eine möglicherweise böswillige Lüge, oder (2) das Eingeständnis vor dem Herrn, dass du Dämonismus ausgeübt hast, und dich „herausredest“. (Goodrich, 1943, Seite 1)

Goodrichs Bemühung, die Wachtturm-Gesellschaft auf seine Sorge aufmerksam zu machen, führte schließlich zu seinem Ausschluss (erzwungener Rauswurf von der Wachtturm-Gesellschaft, der ihm den Kontakt mit fast allen Mitgliedern in gutem Ruf unmöglich machte). Interessanterweise kam der Watchtower zu demselben Schluss über E.R.A., für den Goodrich ausgeschlossen worden war (Raines, 1996, Seite 20). Einige Einzelheiten dieser heute berüchtigten Wachtturm-Lehre wurden in einer Unter­suchung von Frakes berichtet:

In seinem Sonntagmorgenvortrag „Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen“ … legte Franz bestimmte Passagen im Alten Testament so aus, als bewiesen sie, dass Jehova das An­lügen der eigenen Feinde gutheiße, wenn es um die Bewahrung seiner selbst gehe; dass also solch ein Lügen so lange nicht verurteilt wird, wie es sich gegen Außenstehende richtet. Daraufhin dankte ihm der Vorsitzende als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft für das „neue Licht“, das er gebracht hatte.“ (1955, Seite 819)

Mit Sherrills Worten bedeutete diese neue Lehre, dass „Lügen zur theokratischen Kriegsstrategie gehört.  Ein Zeuge Jehovas kann jemanden belügen, wenn dieser nicht berechtigt ist, die Wahrheit zu kennen“ (1995, p. 56). Die Wachtturm-Lehre, dass man „nur denen die Wahrheit sagen sollte, die ein Recht haben, sie zu kennen“, bedeutet, dass Wachtturm-„Gegner“ (diesen Begriff benutzt die Wachtturm-Gesellschaft für sachkundige Kritiker; siehe Reed, 1997, Seite 101) und Kritiker kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen.

Als Soldat Christi [befindet sich ein Zeuge] … im theokratischen Krieg und muss vermehrte Vorsicht üben, wenn er mit Gottes Feinden zu tun hat. Daher zeigt die Bibel, dass es für den Zweck, die Interessen Gottes zu schützen, angebracht ist, die Wahrheit vor den Feinden Gottes zu verbergen … Dies fällt unter den Begriff „Kriegsstrategie“ … und ist in Übereinstimmung mit Jesu Rat, dass man unter Wölfen „vorsichtig wie Schlangen“ sein sollte. Sollten die Umstände von einem Christen fordern, in den Zeugen­stand zu treten und zu schwören, die Wahrheit zu sagen, dann … wird ein reifer Christ das Wohl seiner Brüder über sein eigenes stellen und sich an Jesu Worte erinnern: „Niemand hat größere Liebe als die, dass einer [seine Seele] zugunsten seiner Freunde hingebe.“ – Matt. 10:16; Joh. 15:13. (Watchtower, 1. Juni 1960, Seite 352; siehe auch 1. Februar 1956, Seite 78)

Alle Kritiker und Gegner der Wachtturm-Gesellschaft werden als „Wölfe“ betrachtet, die der Wachtturm-Gesellschaft, deren Anhänger „Schafe“ genannt werden, den Krieg erklärt haben. Überdies ist es „angemessen, dass die harmlosen ‚Schafe’ im Interesse des Werkes Gottes gegenüber den Wölfen zur theokratischen Kriegsstrategie greifen“ (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 86).

Der Fall Elsa Abt (siehe Watchtower, 1. Mai 1957, Seite 285) ist ein gutes Beispiel, wie die Wachtturm-Gesellschaft mehr als das Verbergen der Wahrheit lehrt, nämlich offenes Lügen. Als sie, so der Bericht im Watchtower, von der Polizei nach dem Verbleib eines Vervielfältigungsapparates und der “Identität dessen, der die Führung im Predigtwerk im Untergrund ausübe”, gefragt wurde, antwortete sie entgegen der Wahrheit und „gab vor, nichts zu wissen“. Ihr offenes Lügen hier wird als gutes Beispiel dargestellt, dem die Zeugen nacheifern sollten. In einem ganzen, “Gerechtfertigtes Lügen” überschriebenen Kapitel kommt  Thomas zu dem Schluss, das es den Zeugen …

“ … von der Gesellschaft gestattet ist … im Interesse ihrer Religion zu lügen. Die Zeugen Jehovas nennen das natürlich nicht Lügen … [die Wachtturm-Führung hat] hat eine neue Bezeichnung für diese Art von Täuschung erfunden, sie sagen dazu „theokratische Kriegsstrategie“ üben“ (Thomas, 1972, Seite 95).

Dann zitiert Thomas den Watchtower (1. Mai 1951), der, so behauptet er, „deutlich zeige, dass Zeugen Jehovas in der Tat lügen, wann immer es zu ihren Absichten passt.“ Dieser Artikel spricht über eine Zeugin, die, während sie bekehrend von Haus zu Haus ging, auf einen Wachtturm-Gegner traf:

“ … Sie wusste sofort, was zu erwarten war, und zog sich im nächsten Gang die rote Bluse aus und eine grüne an. Gesagt, getan, als sie auf der Straße erschien, fragte sie ein kommunistischer Funktionär, ob sie eine Frau mit einer roten Bluse gesehen habe. Nein, erwiderte sie, und ging weiter. Hat sie gelogen? Nein. Sie war keine Lügnerin. Sie hat vielmehr zur theokratischen Kriegsstrategie gegriffen und um des Dienstes willen die Wahrheit durch ihr Handeln und Sagen verborgen.“ (Seite 285)

Thomas kommt zu dem Schluss, in diesem Fall habe die Zeugin „gelogen, um ihre eigene Haut zu ret­ten“, und der dreiste Versuch der Wachtturm-Gesellschaft, diesen Vorfall als Entschuldigung zu benutzen, dass nun alle Zeugen Jehovas im Interesse ihrer Religion täuschen und lügen dürfen [sollte verurteilt werden]. Anstatt dass es der Wachtturm-Gesellschaft um ihres­gleichen, die log, weil sie selbst die Zeugin Jehovas in der roten Bluse war, leid tut, gratuliert sie ihr auch noch für weises Handeln! (1972, Seite 95).

Als Erklärung, wer ein angemessenes Ziel für die theokratische Kriegsführung ist, sagt der Watchtower (15. April 1957 Seite 256) ausdrücklich, dies sei jeder Feind der „Organisation Gottes“ (gemeint ist die Wachtturm-Gesellschaft) und alle, die „hassen, was sie lehrt“ und „und andere davon abhalten wollen, etwas (über den Wachtturm) zu erfahren“ … man muss die ‚Wölfe’ davon abhalten, Bemühungen zu behindern, schafähnlichen Menschen, die nach Erkenntnis der Wahrheit und Gerechtigkeit hungern, zu Hilfe zu kommen. Wenn sie auf ‚Wölfe’ treffen, werden Christen die [Kriegs]strategie benutzen und weise wie Schlangen und doch unschuldig wie Tauben sein.“ Mit anderen Worten, es ist gerechtfertigt, wenn ein Zeuge gegen jeden zur theokratischen Kriegsstrategie greift, der dem Wachtturm-Werk ins Gehege gerät, darunter auch Wachtturm-Kritiker, die selbst Zeugen sind, wie das obige Beispiel Goodrichs zeigt.

Dass die Wachtturm-Gesellschaft offen lehrt, dass Lügen als Täuschung angemessen ist, um ihre Interessen zu verteidigen, zeigt der folgende Wortwechsel zwischen Wachtturm-Anwältin Carolyn Wah und Duane Magnani, der im Fall Marcus Reyes vereidigt war (Fall 6939-C. Abilene, TX. Im Bezirksgericht von Taylor County, TX, 326. Gerichtshof):

Magnani: … [Die Zeugen lehren, dass sie sich] in einem theokratischen Krieg befinden und vermehrte Vorsicht walten lassen müssen, wenn sie mit Gottes Feinden zu tun haben. So zeigt die Schrift, dass es für den Zweck, die Interessen Gottes zu schützen, angemessen ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen.

Wah:  Danke. Wäre diese Vorstellung anders als bei einem Soldaten, der eine Regierung unterstützt und von der gegnerischen Armee gefangen genommen wurde?

Magnani: Ja.

Wah: Wie das?

Magnani: Nun, in dieser Situation, wenn wir darüber reden, die Wahrheit zu verbergen … im Sinne eines theokratischen oder geistigen Krieges glauben die Zeugen Jehovas, dass alle Nichtzeugen zum Lager Satans gehören und alle Zeugen Jehovas zu Gottes Lager …

Wah: Sie sagen also, in einem Krieg, zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg, hätte ein von amerikanischen Soldaten gefangener deutscher Soldat kein Problem, den anderen an­zulügen?

Magnani: Das hängt von den Umständen ab. Der Hauptbeweggrund im Leben der Zeugen Jehovas ist der, darzustellen, was immer die Wachtturm-Organisation wünscht, dass sie es darstellen. Hat die Organisation etwas gesagt, über das ein Gegner, d.h. ein Nichtzeuge, sprechen möchte, dann ist es nach unserer Erfahrung und den uns vorliegenden Dokumenten die Pflicht des Zeugen Jehovas, im Prinzip zu vertuschen, zu lügen [oder] die Tatsachen zu verdrehen … damit die Gesellschaft ein gutes Bild abgibt … (R.T. Seite 47).

Nach einer Untersuchung der Wachtturm-Vorschriften und -praktiken kam der Rechtsanwalt Thad Nugent zu dem Schluss, die Wachtturm-Gesellschaft empfehle die Abgabe einer Zeugenaussage unter Eid, von der bekannt ist, dass sie unwahr ist … Nach den gesetzlichen Definitionen ist das Meineid, [und] … es ist sehr deutlich, dass [die Wachtturm-Gesellschaft] die „Zeugen Jehovas, die sich in Sorgerechtsfälle verwickelt finden, anweist, wie sie es vermeiden, sich in eine Situation hineinzumanövrieren, [in der] … sie sagen müssen, was sie im Hinblick auf ihre Kinder wirklich praktizieren, wie ihre Kinder leben, welche Einschränkungen diesen Kindern für ihre psychologische, seelische und soziale Entwicklung auferlegt werden, [und diese Schlussfolgerung ist] wirklich eindeutig!“ (Witness, Inc., 1994, mitgeschnittenes Interview mit T. Nugent).

In einem Fall, der offensichtlich nicht atypisch ist, informierte der Wachtturm-Anwalt angeblich eine Zeugin, die versuchte, das Sorgerecht zu erhalten, das Gericht „könnte wegen ihrer Religion gegenüber den Zeugen Jehovas voreingenommen sein. Daher kann jedes Beispiel für eine Misshandlung, an die Sie sich erinnern können, für Ihren Fall hilfreich sein.“ Nachdem die Zeugin erklärte, sie könne sich an keine erinnern, gab ihr der Wachtturm-Anwalt angeblich mit folgenden Worten Nachhilfeunterricht, das Gericht irrezuführen: „Wenn Sie nicht [an ein Beispiel für eine Misshandlung denken können], dann wird es für Sie schwerer, den Fall zu gewinnen. Denken Sie fest nach, und ich bin sicher, Sie können auf einen Vorfall kommen, wo Sie sich zumindest vor Ihrem Mann fürchteten.“ Der Anwalt ermunterte angeblich zum Lügen, indem er der Zeugin erklärte, dass der Ausgang des Verfahrens für ihre Kinder das ewige Leben bedeute, und betonte, wenn das Sorgerecht ihrem Mann, einem Gegner, übertragen werde, hieße das, dass sie in Harmagedon vernichtet würden. Er argumentierte wie folgt:

Möchten Sie, dass Ihre Kinder in Harmagedon einen entsetzlichen Tod erleiden? Möchten Sie nicht mit ihnen zusammen in der neuen Welt sein? Ihr Leben liegt in Ihren Händen, und sie müssen tun, was Sie können, um sicherzustellen, dass Sie das Sorgerecht erhalten. Wenn ein verwirrter Mann mit Schaum vor dem Mund an Ihre Tür käme und nach Ihrer Mutter fragte, würden Sie ihm offen erzählen, dass Ihr Mutter oben, die Treppe hinauf, ist, und Ihm erlauben, dass er mit Gewalt eintritt und nach oben geht und ihr Schaden zufügt? Nein, natürlich nicht; Sie würden alles mögliche sagen, um ihn irrezuführen. Schließlich hat er kein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Ebenso hat in dieser Situation das Gericht nicht das Recht, die Wahrheit zu kennen.“ (Aus der Abschrift eines Gesprächsmitschnittes mit einer ehemaligen Zeugin Jehovas, die Quelle ist aufgrund der Vertraulichkeit gegenüber der Klientin nicht näher bezeichnet. Der Autor war bei diesem Fall Berater.)

In einem anderen Fall, in dem der Autor Berater war, behauptete die Zeugin, ihr Mann „sage nur mit dem Mund“, dass er ihr Schaden zufügen wolle; dennoch wurde er vor Gericht wegen körperlicher Miss­handlung angeklagt, ganz im Gegensatz zu ihren früheren Behauptungen. Durch die Benutzung solcher Taktiken mögen Wachtturm-Anwälte ihre Klienten überreden, vor Gericht die theokratische Kriegs­strategie zu benutzen. Die Wachtturm-Gesellschaft greift auch nicht selten zu skrupellosen Angriffen ad hominem, sie legt völlig falsche Bewiese gegen Leute vor, die bei dieser Art von Fällen aussagen.

Ein früheres Beispiel für den Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie durch die Wachtturm-Gesell­schaft wurde von einem Wachtturm-Vertreter in Schweden, einem Johan Henrick Eneroth, geliefert, der erklärt, während des Zweiten Weltkrieges sei es „nötig geworden, theokratische Kiregsstrategie zu benutzen, um den gewünschten Kontakt mit besetzten Ländern aufrecht zu erhalten.“ Dann erklärte er, er habe die Regierung täuschen und seine Absicht falsch darstellen müssen, um ein Visum zu erhalten. Insbesondere behauptete Eneroth fälschlich, er sei „Großhändler von Eingeweiden“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dann benutzte er wiederum theokratische Kriegsstrategie, um Wachtturm-Literatur nach Norwegen zu schmuggeln, indem er Lebensmittelpakete schickte, besonders Eier, wobei „jedes einzelne Ei in mehrere Blätter [der Zeitschrift] Wachtturm gewickelt war.” Er fügt hinzu: „Als das schließlich von den Deutschen entdeckt wurde, fanden wir einen anderen Weg“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dieser andere Weg bestand aus dem Packen von Zeitschriften Der Wachtturm in Lebensmittel, die dann zum Militärflughafen Aalborg in Dänemark gebracht wurden, damit sie „mit Hitlers eigenen Flugzeugen nach Norwegen geflogen würden!“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 95). Dann berichtet der Autor von mehreren weiteren Methoden, die er benutzte, um verbotene Literatur in andere Länder zu schmuggeln.

Ein weiterer Fall aus den Niederlanden wurde von Robert A. Winkler berichtet. Als ihm ein Verhör angedroht wurde, „wusste er, dass das den Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie um des Königreichswerkes und meiner christlichen Brüder willen bedeutete“ (Watchtower, 15. März 1967, Seiten 188-189). Diese Aussage zeigt, wie eng die Lehre von der theokratischen Kriegsführung mit der Wachtturm-Theologie verbunden ist.

Die Wichtigkeit der theokratischen Kriegsführung wurde in einem weiteren Wachtturm-Artikel wiederholt (15. Mai 1988, Seite 20), wo erzählt wird, dass Winkler theokratische Kriegsstrategie benutzte, um seine Mitzeugen zu schützen, und dass Zeugen diese Technik gelegentlich benutzen müssen, um die Wachtturm-Organisation zu verteidigen. Der Ausdruck, theokratische Kriegsführung „um des Königreichs­werkes und meiner christlichen Brüder willen“ meint hier das Zurückhalten der Wahrheit, um die Wachtturm-Organisation und ihre Aktivitäten zu schützen. Die Lehre deckt nicht nur das Lügen ab, sondern auch Täuschung. Der Watchtower drückte das so aus:

Um die unmittelbare Bedrohung abzuwenden, war Hesekia einverstanden, Sanherib Tribut zu zahlen, und er riss sogar die metallbelegten Türen und Türpfosten aus Jehovas Tempel, um den Tribut zahlen zu können (2. Kö. 18: 13-16). Ohne Zweifel war dies ein Teil der theokratischen Kriegsstrategie Hesekias, ein Zug, um Zeit zu gewinnen und ihn in eine bessere Lage zu versetzen, mit dem Feind zu kämpfen. Gleichermaßen gibt es heute Gelegenheiten, wo sich Jehovas Zeugen vorsichtig bewegen müssen, um ihr von Gott verliehenes Recht auf die wahre Anbetung zu bewahren“ (15. März 1968, Seite 170).

Der Artikel lehrt, dass die Zeugen das weltliche Gesetz verletzen können – entweder indem sie Schlupf­löcher im Gesetz finden oder es umgehen. Die Wachtturm-Gesellschaft neigt dazu, dies in den Mittel­punkt zu rücken, anstatt innerhalb der Gesetze zu wirken, um zu ändern, was sie als unrechte Gesetze ansieht, wie es die meisten Kirchen tun.

Anwendungen der theokratischen Kriegsführung durch die Wachtturm-Führung

Ein gutes Beispiel für Lügen auf höchster Wachtturm-Ebene ereignete sich dem Vernehmen nach in Europa als Folge eines Einbruchs im Wachtturm-Zweigbüro in Holbæk in Dänemark am 23. Juli 1993. Der Fall steht in Beziehung zu einer dänischen Vorschrift namens Registertilsyn, die am 14. September 1992 verkündete, dass die Wachtturm-Praxis, bestimmte vertrauliche Informationen über ihre Mitglieder aufzubewahren, eine Verletzung des dänischen Gesetzes darstellt. Auf diese Vorschrift hin erklärte sich die Wachtturm-Gesellschaft einverstanden, alle persönlichen und vertraulichen Informationen über Straf­maßnahmen bis November 1992 zu vernichten. Kurze Zeit vor Ende dieser Frist erklärte das Wachtturm-Zweigbüro, es habe die Anordnung des registertilsyn ausgeführt (Henricksen, 1993, Seite 2).

Ob das dänische Gesetz, das dem amerikanischen Privacy Act ähnelt, ein gerechtes Gesetz ist, steht auf einem anderen Blatt. Uns geht es hier um die Wahrhaftigkeit der Wachtturm-Erklärung, dass die relevanten Akten vernichtet wurden. Das Zweigbüro muss sich insbesondere an das Vorschriftenbuch Branch Office Procedure halten, das die offizielle Wachtturm-Politik umreißt. Der Band lehrt die theokra­tische Kriegsstrategie und merkt an, dass die Zweigführung ihr Urteilsvermögen gebrauchen solle, um zu bestimmen, ob es im besten Interesse der Wachtturm-Gesellschaft ist, ehrlich zu sein. Es heißt „manchmal ist es das Beste, bestimmte Dinge nicht zu sagen, auch wenn sie wahr sind“ (Henricksen, 1993, Seite 3). Der Einbruch brachte Dokumente zum Vorschein, die enthüllten, dass die Wachtturm-Gesellschaft die Vorschrift in diesem Falle angewandt und offen gelogen hatte, was das Vernichten der Dokumente angeht. In Henricksens Worten:

Die Tatsache, dass die Zeugen Jehovas, wenn nötig, auch lügen – auch um Dinge zu vertuschen, die ihnen peinlich sind –, ist durch diesen „Aktenfall“ mehrfach gezeigt worden. Gelegentlich bestritt die Organisation, dass solche Akten existierten, als die Zeitungen sie als gestohlen meldeten. Jorgen Larsen and Erik Jorgensen (beide vom Zweigbüro in Holbæk) haben in Zeitungen und im Nachrichtenprogramm des dänischen Kanal 2 gelogen. Sie bestritten mehrere Tatsachen, die später öffentlich bekannt wurden“ (1993, Seite 3).

Eine andere Unehrlichkeit in diesem Fall ist unter anderem die Wachtturm-Behauptung, eine Akte werde nur fünf Jahre lang aufgehoben, nachdem jemand nach seinem Gemeinschaftsentzug wieder aufgenom­men wurde. Die Kopenhagener Zeitung Politikenenthüllte ein Dokument, das zeigte, dass „mehrere registrierte Fälle älter als vierzig Jahre alt und mit dem Stempel ‚Darf nicht vernichtet werden’ versehen waren, darunter Fälle, wo ausgeschlossene Zeugen wieder aufgenommen worden waren“ (Henricksen, 1993, pp. 3-4). Die Wachtturm-Gesellschaft behauptete weiterhin, die Zahl der Fälle in jeder örtlichen Datei sei auf zwischen 0 und „vielleicht“ 7 bis 10 begrenzt. Henricksen kam in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass die örtlichen Dateien im Durchschnitt weit mehr Fälle enthalten.

Viele weitere Fälle von Lügen sind gut belegt, aber das oben Stehende ist ein neuerer Fall, der sich nicht auf eine kirchliche Lehre, sondern ein weltliches Gesetz bezieht, und offensichtlich ein Beispiel für direktes Lügen gegenüber Regierungsstellen in Verletzung eines Gesetzes. In diesem gut belegten Fall kann nicht behauptet werden,  es sei ein Missverständnis oder schlechte Verständigung.

Magnani behauptet auch, die Wachtturm-Gesellschaft benutze diese Lehre gegenüber den eigenen Mitgliedern. Er gibt folgendes Beispiel:

Wenn Neugierige die Wachtturm-Geschichte untersuchen, finden sie zahlreiche Tat­sachen, die die heutige Gesellschaft zu vertuschen versucht. Zum Beispiel ist es Wacht­turm-Führern sehr peinlich, dass der Gründer der Gesellschaft, Charles Taze Russell, viele Jahre lang von den Anhängern fast schon angebetet wurde. Da die Wachtturm-Gesellschaft glaubt, Russell habe viel Falsches gelehrt, gehen sie bis zum Äußersten, seine Geschichte zu vertuschen.“ (R.T. Seite 47 Marcus Reyes. Fall 6936-C, Abilene, TX).

Magnani gibt folgendes Beispiel an: Sie streiten ab, je eine Biografie des Lebens Russells geschrieben zu haben. Im Geschichtsbuch der Wachtturm-Gesellschaft, Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, Seite 63, lesen wir diese Frage:

… Doch ist es wahr, dass Ihr NIEMALS eine Biografie von Pastor Russell veröffentlicht habt? Die Antwort:  DAS STIMMT. Jehovas Zeugen bewundern die Eigenschaften, die er als Mensch besaß; sollten wir aber Pastor Russell Ruhm und Ehre zollen, so würden wir damit sagen, dass es seine Arbeit, sein Erfolg gewesen wäre. Das ist ein gutes Beispiel für den Wachtturmeigenen Gebrauch der theokratischen Kriegsstrategie, NICHT NUR GEGENÜBER DER ÖFFENTLICHKEIT, SONDERN AUCH DEN ZEUGEN JEHOVAS SELBST GEGENÜBER. Denn wenn wir den Bericht nachprüfen, finden wir, dass die Wachtturm-Gesell­schaft IN DER TAT EINE BIOGRAFIE ÜBER PASTOR RUSSELL veröffentlichte – in drei aufeinander folgenden Jahren: 1925, 1926 und 1927!“ (R.T. Seite 47 Marcus Reyes, Fall 6936-C, Abilene).

Das Lügen vor Gericht

Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine lange Geschichte in der Verwendung der theokratischen Kriegs­strategie vor Gericht – vom ersten Präsidenten, C.T. Russell, in seiner Scheidungsaussage und sonstwo, bis zu Fred Franz, dem vorigen Wachtturm-Präsidenten. Ein heute ein halbes Jahrhundert altes Beispiel für weniger als Wahrheit ist der folgende Wortwechsel zwischen Franz und dem Staatsanwalt:

Staatsanwalt: Haben Sie sich mit Hebräisch vertraut gemacht?

Franz: Ja …

Staatsanwalt: So dass Sie einen umfangreichen sprachlichen Apparat zu Ihrer Verfügung haben?

Franz: Ja, zum Gebrauch in meinem biblischen Werk.

Staatsanwalt: Ich meine, Sie sind in der Lage, die Bibel in Hebräisch, Griechisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch und Französisch zu lesen und zu verfolgen.

Franz: Ja …

Staatsanwalt: Können Sie selbst das hier ins Hebräische übersetzen?

Franz: Was?

Staatsanwalt: Den vierten Vers aus Kapitel zwei des 1. Buches Mose?

Franz: Nein.

(Kreuzverhör von Fred Franz. Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham, Clyde, Scottish Court of Sessions, Mittwoch, 24. November 1954, Seite7, §§ A-B. und Seite 102, § F.)

Ein weiteres Beispiel ist die Zeugenaussage von Hayden C. Covington, ehemals Vizepräsident und füh­render Wachtturm-Anwalt, der erklärte, die Zeugen müssten „falsche Prophetie“ als richtig annehmen.

Staatsanwalt: Es wurde falsche Prophetie verbreitet?

Antwort: Ich stimme zu.

Staatsanwalt: Sie musste von den Zeugen Jehovas akzeptiert werden?

Antwort: Das ist korrekt.

Staatsanwalt: Wenn ein Glied der Zeugen Jehovas zu dem eigenen Schluss kam, die Prophetie sei falsch, und das auch sagte, wurde er dann üblicherweise ausgeschlossen?

Antwort: Ja … Unsere Absicht ist es, Einheit zu haben.

Staatsanwalt: Einheit um jeden Preis?

Antwort: Einheit um jeden Preis …

Staatsanwalt: Einheit aufgrund zwangsweisen Annehmens falscher Prophetie?

Antwort: Das räume ich ein.

Staatsanwalt: Und derjenige, der seine Ansicht äußerte, dass sie … falsch sei, und der dann ausgeschlossen wurde, würde gegen den Bund verstoßen, wenn er getauft war?

Antwort: Das ist richtig.

Staatsanwalt: Und wäre, wie Sie gestern ausdrücklich sagten, des Todes würdig? …

Antwort: Ich antworte unbedingt mit ja. Ohne Zögern.

Staatsanwalt: Bezeichnen Sie das als Religion?

Antwort: Das ist es sicher.

Staatsanwalt: Nennen Sie das Christentum?

Antwort: Ganz bestimmt.

(Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham Clyde Scottish Court of Sessions, November, 1954, Seiten 347-348, Kreuzverhör von Fred Franz; siehe auch ganze Aussage für weitere Beispiele).

Das Buch Preparing for Child Custody Cases

Die juristischen Kämpfe der Wachtturm-Gesellschaft sind „so häufig geworden, [dass] sie ihren Anhän­gern ein Pamphlet mit dem Titel Preparing for Child Custody Cases anbietet” (Montgomery, 1992, Seite 14), gedacht für Zeugen, die vor Sorgerechtsauseinandersetzungen stehen. Das Buch, das offen Täu­schung befürwortet und Zeugen den Rat gibt, die Gerichte zu täuschen, war …

“ … gedacht für den internen Gebrauch, um den Mitgliedern zu helfen, sich auf Sorge­rechtsgespräche bei Scheidungsverhandlungen vorzubereiten, [und] es ermutigt Zeugen­kinder, unter Eid eine verdrehte Ansicht über die Möglichkeiten darzustellen, die ein Zeugenkind hat, seinen Platz in der größeren Welt einzunehmen. Ein Beispiel dafür ist die Bemerkung in dieser Publikation, Zeugenkinder könnten Journalisten werden (ein Beruf, der einen Collegabschluss erfordert), wenn vom Collegebesuch bestenfalls abge­raten wird, und er schlimmstenfalls von den Zeugen als Fahrzeug verurteilt wird, durch das Zeugenkinder den Glauben verlieren und unmoralischem Umgang ausgesetzt sein können“ (Duron, 1991, Seite 18).

In einer Zeugenaussage vor Gericht heißt es:

Wachtturm-Anwältin Wah sagte auch unter Eid aus, sie habe etwa um 1986 der Gesell­schaft beim Schreiben des Buches Preparing for Child Custody Cases geholfen, und räumte ein, das Buch sei aufgrund zunehmender Sorge über Artikel entstanden, die in der sozialwissenschaftlichen und psychologischen Literatur von Wachtturm-Kritikern ver­öffentlicht wurden und den Interessen der Gesellschaft abträglich seien.“ (Hetrick gegen Hetrick,  Blair Court, Plädoyers Nr. 2240 CP 1991 Seite 259, Aussage Wah).

Jetzt müssen die Versammlungsältesten in allen Sorgerechts- und anderen Fällen, bei denen es um einzelne Zeugen und die Religion geht, Verbindung mit der Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft aufnehmen (Vertrauliche Wachtturm-Briefe aus den Jahren 1989, 1991). Nicht selten, selbst wenn der Zeuge einen weltlichen Anwalt nimmt, liefert die Wachtturm-Gesellschaft ausgedehnte kostenfreie juris­tische Dienste und Hilfestellungen durch juristisches Wachtturm-Personal (siehe Wachtturm-Gesellschaft, Unser Königreichsdienst, Aug. 1992, Band 35, Nr. 8, Seite 7 und Feb 1996, Seite 3). Weil sich mehrere Vollzeitanwälte der Wachtturm-Gesellschaft auf die Verteidigung von Zeugen in Sorgerechtsfällen kon­zentrieren, haben sie auf diesem Gebiet ein enormes Maß an Erfahrung und Sachkenntnis entwickelt und wissen, wie man mit Gerichten zum eigenen Vorteil umgehen muss.

Walker (1990) kommt in seiner Untersuchung des Sorgerechtsbuches und der mit diesem Thema in Verbindung stehenden Wachtturm-Briefe zu dem Schluss, dass die Wachtturm-Gesellschaft den Zeugen rät, in einem derartigen Maße vor Gericht ein eindeutig unwahres Bild zu zeichnen, dass sie in bestimmten Situationen „vor Gericht das genaue Gegenteil von dem sagen sollen, was sie normalerweise im Königreichssaal sagen würden (Seite 7). Ein Beispiel sind die Wachtturm-Broschüre Die Schule und Jehovas Zeugenund offizielle Lehren, in denen jahrelang offen die Beteiligung von Zeugenkindern am organisierten Sport und allen außerschulischen Aktivitäten, Hobbys und akademischer Bildung verurteilt wurde, weil diese Zeit prinzipiell der Verfolgung von Wachtturm-Interessen dienen sollte. Die Wachtturm-Gesellschaft weist die Zeugen allerdings an, vor Gericht das genaue Gegenteil von dem anzudeuten, was sie tatsächlich glauben (Walker, 1990, Seite 23). Im Fall Tanya A. Stevens gegen Max P. Stevens (Bezirksgericht des 5. Gerichtshofes des Staates Idaho, in Blaine, Fall Nr. CV-96-2858 Urteil 10-17-96 für Max Stevens, Beklagter) entschied der Richter:

Es ist dem besten Interesse oder dem Wohl der Kinder abträglich, sie zu lehren, dass ihr Vater, ein Nichtzeuge, nicht das Recht auf die ganze Wahrheit hat, oder dass es richtig ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen (insbesondere vor Gericht). Weder Tanya noch jemand anders oder eine Partei dürfen das.“ (Seite  42)

Richter Bouska aus Kansas City kam nach einer Durchsicht der Wachtturm-Broschüre als Teil eines Falles vor seinem Gericht zu dem Schluss, dass die Broschüre „dazu bestimmt war und die Zeugen ermuntert, einige ihrer wirklichen Glaubenssätze zu verbergen und das Gericht darüber irrezuführen, was ihre Überzeugungen und Praktiken in Bezug auf ihre Kinder tatsächlich sind.“ Er schloss auch, dass die Wachtturm-Gesellschaft lehrt, es sei „nichts Verkehrtes an der Religion, wie ich sie verstehe, wenn sie je­manden, der kein Zeuge Jehovas ist, irreführt oder sogar anlügt“ (Witness, Inc., 1994). Kurz gesagt, die Wachtturm-Gesellschaft „ermuntert ihre Anhänger, sich ihre Aussage aus den Fingern zu saugen“ (zitiert in Montgomery, 1992, Seite 14). Die Bedeutung, wie Raines bemerkt, ist, dass:

Richter Sorge- und Besuchsrechte dem Eltern- oder Großelternteil, der kein Zeuge ist, zugestanden haben, wenn die schädliche und einschränkende Natur, d.h. die „sektie­rerischen“ Verhaltensweisen und Methoden der Gruppe frei vor Gericht besprochen und dokumentiert werden. Das schließt den Gebrauch der theokratischen Kriegsführung von Zeugen Jehovas vor Gericht ein. In ihrer Broschüre Preparing for Child Custody Cases tritt die Gesellschaft eindeutig dafür ein, dass die Zeugen vor Gericht einen Meineid leis­ten, indem sie dem Gericht falsche und irreführende Informationen über die Überzeugun­gen und Praktiken der Zeugen geben. Das ist leicht zu belegen … sehr zum Ärger der Wachtturm-Gesellschaft. Deshalb ist die Wachtturm-Gesellschaft gezwungen, ihre Hal­tungen zu ändern. Gerichte haben kein vorteilhaftes Bild von Gruppen, die das Wachs­tumspotential bei Kindern einschränken, indem sie eine akademische Ausbildung, Sport und außerschulische Clubs und Organisationen verbieten oder davon abraten“ (Raines, 1996, Seite 30).

Die Zeugen rechtfertigen dieses Täuschen vor Gericht mit der oben besprochenen Lehre von der theo­kratischen Kriegsführung, nach der das Lügen (oder in den Worten der Wachtturm-Gesellschaft: das Zurückhalten der Wahrheit) richtig ist, wenn dadurch die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft verteidigt werden. Zu dieser Rechtfertigung gehören auch Bemühungen, frühere Lehren abzustreiten, eine Taktik, die einige Auswirkung auf die gegenwärtige Lehre hat. Zum Beispiel mag die Wachtturm-Gesellschaft gewisse frühere Ansichten hintanstellen, so, dass nur die Zeugen Jehovas Gott gefallen und die Gabe ewigen Lebens verdienen können, und dass alle Regierungen, Religionen und Unternehmen außer ihren eigenen von Satan kontrolliert werden.

Wenn gefragt, ob andere Religionen Harmagedon überdauern werden, schlägt die Wachtturm-Gesell­schaft folgende Antwort vor: „Diese Entscheidung trifft Jehova, nicht wir.“ Sie versucht zwar, mögliche Bekehrte und andere nicht verärgern, tatsächlich aber lehrt die Wachtturm-Gesellschaft, dass nur getaufte Wachtturm-Anhänger in gutem Ruf Harmagedon überleben werden. (Bergman, 1999). Das offizielle Wachtturm-Buch Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben lehrt ganz klar, dass nur eine Religion die wahre ist, alle anderen Religionen sind falsch, und alle Personen in falschen Religionen werden bald vernichtet:

Gebrauchte Jehova zu irgendeiner Zeit mehr als eine Organisation? In Noahs Tagen hatten nur Noah und diejenigen, die bei ihm in der Arche waren, Gottes Schutz und überlebten die Sintflut (1. Petrus 3:20). Auch im 1. Jahrhundert gab es nicht zwei oder mehrere Christenorganisationen. Gott handelte nur mit einer. Da waren nur „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Epheser 4:5). Und so sagte Jesus Christus voraus, dass es auch in unseren Tagen nur einen Quell geistiger Belehrung für Gottes Volk gebe …  Denke nicht, es gebe verschiedene Wege, die du gehen könntest, um in Gottes neuem System Leben zu erlangen. Es gibt nur einen. Es gab nur eine Arche, die die Sintflut überstand, nicht mehrere. Und es wird nur eine Organisation — die sichtbare Organisation Gottes — geben, die die schnell herannahende „große Drangsal“ überleben wird. Es ist einfach nicht wahr, dass alle Religionen an das gleiche Ziel führen … Wenn du mit ewigem Leben gesegnet werden möchtest, musst du zu Jehovas Organisation gehören und seinen Willen tun“ (Wachtturm-Gesellschaft, 1982, Seiten 193, 255-256).

In einer ausgezeichneten Zusammenfassung der Broschüre Preparing for Child Custody bemerkt das ehemalige Mitglied der leitenden Körperschaft Raymond Franz, die 60-Seitige Broschüre sei ein Leit­faden für Zeugen, die vor Gericht aussagen. Die Broschüre …

“ … greift schwierige Fragen auf, die die gegnerische Seite möglicherweise stellt, und bietet Musterantworten an… Wachtturm zum Thema Ehrlichkeit … Sind wir wirklich wahrheitsliebend, oder sind wir bereit, die Wahrheit ein klein wenig zu verdrehen, um einer unbequemen Lage zu entgehen oder etwas zu erlangen, was wir haben möchten … Zum Vergleich dazu einige der Antworten, die in der Anleitung der Gesellschaft vorgeschlagen werden. Unter „WIE SICH  ELTERN, DIE ZEUGEN SIND, IN EINEM KREUZVERHÖR VERHALTEN SOLLTEN“ finden wir diese Frage und den Antwortvorschlag … Werden alle Katholiken (oder andere) vernichtet?… [Und die vorgeschlagene Antwort auf Seite 12 ist]:  Diese Entscheidung trifft Jehova, nicht wir.  Das hört  sich gut an, so als wäre es frei von jeder dogmatischen oder richtenden Einstellung. Doch der Zeuge, der so antwortet, weiß, dass die Schriften seiner Organisation eindeutig lehren, dass nur diejenigen die „große Drangsal“ überleben, die zu „Jehovas Organisation“ gehören, und dass alle, die nicht zu dieser Organisation kommen, die Vernichtung zu erwarten haben.“ (Franz, 1991, Seite 256)

Dann bewertet Franz den Abschnitt „VERNEHMUNG VON ÄLTESTEN DER ORTSVERSAMMLUNG UND ANTWORTEN“, in dem die Broschüre in Klammern die „richtigen“ Antworten auf übliche Fragen gibt:

Welche Haltung nimmt die Kirche [damit ist die Religion der Zeugen Jehovas gemeint] gegenüber Menschen aus anderen Religionen ein? (Jesus lehrte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, das schließt alle ein; wir achten das Recht anderer auf Anbetung nach ihrer Wahl.) … Lehrt die Kirche, dass junge Menschen nur etwas über die Religion der Zeugen Jehovas erfahren sollten? (Nein. Beachte die folgende objektive Betrachtung anderer Religionen in unseren Publikationen.).“  (Franz, 1991, Seite 256)

Franz merkt zu diesem Abschnitt des Büchleins an, die Wachtturm-Gesellschaft lasse eine erhebliche Toleranz in Bezug auf Religionen erkennen, aber …

“ … Auch diese Antworten zeigen eine beträchtliche Toleranz und sogar ein sehr weltoffenes Denken. Und doch weiß der Älteste, der so antwortet, wiederum, dass seine Religion lehrt, die „Menschen aus anderen Religionen“ befänden sich allesamt in „Babylon der Großen“, dem Weltreich der falschen Religion, das in der Bibel als „große Hure“ bezeichnet wird; dass die Anbetung, für die sie sich entschieden haben, als unchristlich angesehen wird und dass sie Vernichtung zu erwarten haben, wenn sie in ihr bleiben. Er weiß auch, dass man den Zeugen den dringenden Rat gibt, keine gesellschaftlichen Beziehungen mit diesen „Menschen aus anderen Religionen“ zu haben, da dies einen „verderblichen“ Einfluss habe, und dass der einzige Umgang, der gutgeheißen wird, der ist, wenn man ihnen „Zeugnis gibt“ und hofft, dass sie ihre Religion wechseln. Er weiß, dass alle Artikel, die in der Broschüre genannt werden, die negativen Seiten der besprochenen „anderen Religionen“ betonen, und dass die Organisation davon abrät, Literatur zu lesen, die direkt von anderen Religionen stammt. Nur das, was sie selbst über diese Religionen veröffentlicht, wird als ungefährlicher Lesestoff angesehen.“ (Franz, 1991, Seiten 256-257).

Zusammenfassend kommt Franz zu dem Schluss, Leute, denen man diesen Rat gibt …

“ … wissen sicher, dass man sie auffordert, eine Haltung an den Tag zu legen, die sich sehr von der unterscheidet, die man ihnen in Wachtturm-Schriften aufzwingt. Wenn sie die Wahrheit reden, ohne sie ‚ein klein wenig zu verdrehen‘, braucht man ihnen nicht zu sagen, sie sollten etwas anderes als bei einem Kreiskongress – oder sonstwo – sagen.“ (Franz, 1991, Seite 257).

Dieser Autor beweist, dass die Zeugen und ihre Anwälte regel- und routinemäßig dem Rat der Broschüre folgen und das Gericht im Zeugenstand täuschen. MacGregor, der bei vielen Sorgerechtsfällen von Zeugen Jehovas Sachverständiger war, schließt:

Ihr Lebensgefährte (oder Exgefährte), der ein Zeuge Jehovas ist, versucht verzweifelt, das Sorgerecht für die Kinder zu bekommen. Seien Sie auf das Schlimmste vorbereitet. Viele standen vor falschen Anschuldigungen, gegen die man sich schwer verteidigen kann. Sie wollen beweisen, dass Sie als Elternteil „ungeeignet“ sind. Sie werden starke Leumundszeugen brauchen, die Sie mit Ihren eigenen Kindern beobachtet haben … Sie haben ihre eigenen juristischen Fachleute zur Verfügung, und Ihr Lebensgefährte und die Kinder werden Nachhilfeunterricht erhalten, was sie vor Gericht sagen sollen. Wenn Sie oder Ihr Anwalt nicht vorbereitet sind, werden Sie Ihre Kinder verlieren! … Sie werden ohne Zögern lügen, auch unter Eid. Sie haben eine Lehre, die sich „Ge­rechtfertigtes Lügen“ nennt, dass man nämlich nur denen die Wahrheit sagen muss, „die ein Recht darauf haben“. Gerichte, Justizsystem, Familienfürsorge, die Ex-Lebens­gefährten usw. verdienen nicht, die Wahrheit zu erfahren, weil sie der Organisation „Jehovas“ Widerstand leisten oder ihr nicht angehören. Nach dem Denken der Zeugen Jehovas gehören sie alle Satan an, und es ist in Ordnung, ihn oder sein Volk zu belügen, um „Jehova“ und seine irdische Organisation [die Wachtturm-Gesellschaft] zu schützen … Den Kindern wird alles mögliche gesagt, um ihnen Angst zu machen, sich mit Ihnen, der sie „böse“ sind, einzulassen. Man wird mit ihnen einstudieren, was sie über Sie vor Gericht sagen sollen. Selbst wenn die Gerichte verbieten, dass die Kinder während der Besuchszeiten religiöse Dinge lernen, werden die Kinder angewiesen, Sie zu „hassen“, weil Sie ein Gegner … der Organisation Gottes sind(MacGregor, 1994, Seite 4).“

Hier ein Beispiel für die Anwendung dieser Lehre vor Gericht; eine Nichtzeugin unterstützt ihre Freundin:

Ich wusste, dass die Wachtturm-Gesellschaft sehr sorgfältig kontrollierte, was in Ge­richtssälen gesagt wurde … Ich hatte die von ihnen zusammengestellte Broschüre über Sorgerechtsfälle gesehen. Aber erst, als ich im vergangenen Juli zwei Wochen lang, jeden Tag, in einem Sorgerechtsfall im Gericht verbrachte, erkannte ich das Ausmaß, in dem die Zeugen Jehovas ihre Taktik der theokratischen Kriegsführung anwenden … Ich kam herein, um der Familie eine moralische Stütze zu sein und um im Prozess mit­zuschreiben, so dass die Familie sich später darauf beziehen könnte … Ich konnte nicht glauben, was meine Finger tippen mussten, so verblüffend dreist waren ihre Lügen. Da die Zeugen Jehovas glauben, dass jeder, der ein Feind „Jehovas“ ist, „kein Recht hat, die Wahrheit zu erfahren“, und das sind im Grunde genommen alle, die keine Zeugen Jehovas sind, alle Regierungen und Regierungsvertreter wie Richter, fuhren sie fort, vor diesem Richter unter Eid zu lügen, Lügen und Halbwahrheiten zu erzählen! … Zwei geschlagene Wochen lang … Personen, die gegen die Zeugen Jehovas vor Gericht gehen, sollten NICHTS annehmen – insbesondere nicht, dass sie fair oder offen sind. Sie glauben, dass sie sich in einem Krieg befinden, und dass „Gottes Feinde“ anzulügen das ist, was er [Gott] von ihnen will, und Gottes Feinde – in diesem wie allen anderen Fällen – sind alle, die keine Zeugen Jehovas sind.“ (Anonym, Brief veröffentlicht in Comments from the Friends, 1999, Seite 9)

Zeugen dürfen zum Beispiel unter Eid aussagen, dass sie kein Problem damit haben, den Kindern zu erlauben, Feiertage zu begehen, mit „“weltlichen Kindern“ zu spielen, am Schulsport teilzunehmen, aufs College zu gehen oder eine Bluttransfusion zu erhalten, fallses das Leben des Kindes bedeutet; sie dürfen dann auch fälschlich behaupten, die sei kein Vergehen, das zu einem Gemeinschaftsentzug führt (Bergman, 1994). Einige erklären, sie würden wenigstens ihrem Exgefährten erlauben, die Entscheidung zu treffen (das würde dann praktisch bedeuten, dass das Kind die Bluttransfusion erhalten darf), selbst wenn das den Wachtturm-Vorschriften widerspricht, an die man sich auf die Gefahr eines Rauswurfs hin halten muss:

Wird ein Christ aufgefordert, sich mit etwas einverstanden zu erklären, was eine Verlet­zung des Gesetzes Gottes — eines höheren Gesetzes — darstellen würde, so wäre das göttliche Gesetz vorrangig; es hätte Priorität … [Und würde ein Gericht] … einem Christen ein Bluttransfusion aufzwingen … sollten Christen denselben Standpunkt einnehmen wie der Apostel Petrus: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29) … [und wären] absolut entschlossen, Gott zu gehorchen, auch wenn ihnen die Regierung eine gegenteilige Anweisung erteilte (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31).

Die Gesellschaft betont das Maß, in dem diese Wachtturm-Vorschrift erzwungen wird, indem das Beispiel eines 12-Jährigen Mädchens vorgeführt wird. Dieses Mädchen …

“ … ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass sie sich mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft gegen eine gerichtlich angeordnete Bluttransfusion zur Wehr setzen würde, dass sie schreien und kämpfen und die Kanüle aus dem Arm herausreißen und versuchen würde, die Blutkonserve über ihrem Bett unbrauchbar zu machen. Sie war fest ent­schlossen, [der Wachtturm-Auslegung des] göttlichen Gesetzes zu gehorchen.“ (Wacht­turm, 15. Juni 1991, Seite 31)

Ein Problem für die Wachtturm-Gesellschaft ist, dass es keine Bibelstelle gibt, die eindeutig und direkt die medizinische Verwendung von Blut oder irgendwelche anderen Organtransplantationen verurteilt, viele Schriftstellen aber seine Verwendung gutheißen, um Leben zu retten (Bergman, 1999). Selbst die Gesellschaft hat früher Bluttransfusionen erlaubt – erst 1961, fast ein Jahrhundert nach Gründung der Gesellschaft, wurde sie zu einem Vergehen, das einen Gemeinschaftsentzug nach sich zieht (Watch­tower, 15. Januar 1961, Seiten 63-64). Der Durchschnittszeuge akzeptiert diese Lehränderung wegen der Lehre über das „neue Licht“, das heißt, er glaubt, Gottes Wille werde fortschreitend durch die Wachtturm-Gesellschaft offenbart. Zur Notwendigkeit, Transfusionen zu vermeiden, gehört auch, dass man sich nicht in eine Position begibt, wo eine Transfusion stattfinden könnte. Und wenn eine von einem Gericht an­geordnete Transfusion wahrscheinlich ist, muss ein Zeuge …

… äußerst energisch bemüht [sein], Gottes Gesetz über das Blut nicht zu übertreten. [Und wenn] er von der Obrigkeit als Gesetzesbrecher betrachtet oder strafrechtlich verfolgt wird … könnte der Christ die Sache so ansehen, als leide er um der Gerechtigkeit willen.“ (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31).

Wie Duron anmerkt, werden die Zeugen angewiesen, eher zu sterben, als sich einer Transfusion zu unterziehen:

Die Zeugen erklären selten in knappen Worten, dass sie nicht zögern würden, ihre min­derjährigen Kinder eher sterben zu lassen, als dem Kind zu erlauben, eine Bluttrans­fusion zu erhalten (1991, Seite. 18).

Die Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid aus, sie habe Erwachsene in zwei Situationen vertreten:

… einmal waren sie bei Bewusstsein und urteilsfähig, und es wurde ein Gerichts­beschluss erreicht, der die Ärzte ermächtigte, ihnen eine Transfusion zu geben. Meine Meinung dazu ist, dass ein solcher Beschluss auf ungesetzliche Weise erreicht wurde und der Christ, als Erwachsener, dagegen kämpfen würde – auch körperlich … Ich denke, die beste Analogie dazu wäre eine Vergewaltigung. Als Erwachsener durch einen Gerichtsbeschluss vergewaltigt zu werden – ein solcher Gerichtsbeschluss würde das nicht rechtfertigen. Aber die Situation wäre ganz anders, wenn ich ein minderjähriges Kind unter einem solchen Gerichtsbeschluss hätte, das wäre dann eine andere Situation im Sinne von Selbstverteidigung …“ (Hetrick gegen Hetrick, Court of Common pleas of Blair County, PA,  Nr. 2240 CP, 1991, Seite 234, Aussage Wah).

Wenn eine Bluttransfusion ebenso schwerwiegend ist wie eine Vergewaltigung, wie Wah behauptet, dann würde man kaum jemanden sein Kind „vergewaltigen“ lassen!

Eine weitere betrügerische Argumentationslinie, zu der die Wachtturm-Gesellschaft nicht selten greift, ist, zu sagen, ihre Ablehnung einer Bluttransfusion sei vernünftig. Es gebe ja das AIDS-Risiko, und auf lange Sicht gesehen sei die Entscheidung medizinisch weise. Sie führt oft Fälle von Personen an, die sich durch eine Bluttransfusion AIDS zuzogen, aber normalerweise verdreht sie die Beweise grob und ver­sucht vorsätzlich, ihren Anhängern Angst zu machen. Amerikanische Blutbänke begannen im März 1985, das Blut auf AIDS hin zu screenen, und seither wurden bei „über 120 Millionen Bluttransfusionen … anscheinend nur 21 Leute mit HIV infiziert“, und die Beziehung zwischen HIV und AIDS wird noch nicht verstanden (Nixon, 1993, Seite 3). Die Wahrscheinlichkeit, sich in den USA bei einer einzigen Blut­transfusion HIV zuzuziehen, wird heute grob als eins zu einer Viertelmillion angesehen, und neue Test­verfahren haben „das Risiko, sich bei einer Transfusion mit dem Hepatitis B-Virus anzustecken, drama­tisch gesenkt“ (Carlson, 1996; Rutherford und Kaplan, 1995). Das Sicherheitsniveau liegt in den USA heute so hoch, dass autologe Transfusionen anstatt allogener (mit Spenderblut) kaum noch empfohlen werden (Rutherford und Kaplan, 1995).

Wendet der Durchschnittzeuge die Lehre an?

Viele historische Untersuchungen über die Zeugenbewegung verzeichnen Beispiele von gewöhnlichen Zeugen, die die theokratische Kriegsführung anwenden. Damit jemand in Kanada der Zugehörigkeit zu einer illegalen Organisation überführt werden kann, braucht es urkundliche Bewiese wie eine Mitglieds­karte oder ein Geständnis. Kaplan (1988, Seite 70) fand, dass Jehovas Zeugen in Kanada „sich generell weigerten, die Zugehörigkeit [zur Wachtturm-Gesellschaft] zuzugeben“, nachdem diese verboten worden war. Dennoch wurden „fast alle Zeugen Jehovas, die beschuldigt wurden, auch überführt“ (Kaplan, 1988, Seite 72).

Jehovas Zeugen, die dabei erwischt wurden, wie sie ihre Literatur verbreiteten, versuchten oft zu behaup­ten, sie „hatten Pakete mit den Traktaten auf ihrer Türschwelle gefunden und entwickelten solches Interesse an dem Inhalt, dass sie sich gedrängt fühlten, den Stoff mit anderen zu teilen“ (Kaplan, 1988, Seite 75). Dieser Erklärung wurde wahrscheinlich nicht leicht geglaubt. Um Jehovas Zeugen zur Strecke zu bringen, wurden überdies oft Einzelne verhört, von denen man annahm, dass es Zeugen waren, darunter Personen, die mit einigen ihrer Ideen sympathisierten. In vielen Fällen wurde den Behauptungen von Personen, sie seien keine Zeugen, nicht geglaubt, teilweise deshalb, weil so viele Zeugen Jehovas logen, was ihre Mitgliedschaft anging, dass die Gerichten anfingen, die Aussagen aller Personen, von denen man glaubte, es seien Zeugen, mit Skepsis zu betrachten.

Die weit verbreitete Praxis, zu lügen, um die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft zu schützen, hat heute ähnlich unglückliche Nachwirkungen – zu sehen gewöhnlich an Gerichtsfällen, besonders Sorge­rechtsfällen oder bei unnatürlichem Tod im Zusammenhang mit Bluttransfusionen. Zeugen oder ihre An­wälte haben oft vor Gericht erklärt, Jehovas Zeugen hießen es nicht gut, ihre Kinder wegen Ablehnung einer Bluttransfusion sterben zu lassen (R. Reed, persönliches Gespräch [Reed war ein hochrangiger Zeuge und ist heute Anwalt], 3. März 1999).

Kotwall (1997, Seite 1) behauptet, dass „viele Zeugen Jehovas … nicht wissen, dass die Wachtturm-Gesellschaft … sie zum Lügen ermuntert.“ Um abzuschätzen, wie viele Zeugen diese Lehre kennen und wissen, wie sie angewandt wird, hat der Autor 92 Amerikaner und 39 Italiener, die meisten davon Ex-Zeugen, die freiwillig den Fragebogen ausfüllten, befragt. Die Antworten beider Gruppen waren so ähnlich, dass sie zusammengefasst wurden. Die Befragten erfuhren aus verschiedenen Anzeigen in Zeitschriften und im Internet von der Befragung. Unter den drei Seiten mit Fragen befanden sich mehrere Fragen  zur „theokratischen Kriegsstrategie“.

Es ergaben sich folgende Resultate: Die nächste Frage – „Wie würden sie die theokratische Kriegsstrategie am besten beschreiben?“ – wurde wie folgt beantwortet (Die Gesamtzahl beträgt nicht 131, es waren Mehrfachantworten möglich):

AntwortDienstamtgeh.Älteste
MitgliedPionierÄltesteAufseher
A. Nie gehört37730
B. Vage gehört19230
C. Recht vertraut11371
D. Sehr vertraut7572
E. Sehr vertraut und manchmal angewandt2142
F. Sehr vertraut und oft angewandt0163

Die Daten zeigen, dass die Mehrzahl der Zeugen die Lehre kennt. Sie zeigen auch eine eindeutige Be­ziehung zwischen dem Maß der Aktivität in der Wachtturm-Gesellschaft und dem Wissen über die Lehre. Alle früheren Kreisaufseher kannten sie, und über die Hälfte gaben zu, sie anzuwenden. Obwohl 37 Personen (28% des Samples) behaupteten, nie von der Lehre gehört zu haben, wählten nur 3 Personen (2%) die falsche Definition Antwort „A“.

AntwortDienstamtgeh.Kreisaufs
MitgliedPionierÄltesteAufseher
A. Die Gerichtsdefinition von Wahrheit, „man muss die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen“, muss streng befolgt werden.3100
B. Wir müssen die Vorschrift nicht befolgen, d.h. man kann die Wahrheit vor Personen zurückhalten, die kein Recht haben, sie zukennen.3810144
C. Um die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft und von Gottes Organisation zu schützen, ist es angemessen zu sagen, was die Welt als lässliche Sünden ansehen würde.3810114
D. Man muss die Worte so gebrauchen, dass man Gottes Organisation verteidigt – auch wenn das in weltlichen Begriffen Lügen heißt238104

Eine Untersuchung der Fragebogen derjenigen, die behaupteten, sie würden die Lehre nicht kennen, zeigt, dass sie weitaus weniger aktiv in der Wachtturm-Gesellschaft waren – einige waren bestenfalls dem Namen nach Zeugen, die die Zusammenkünfte oft nur besuchten, weil die Familie Druck auf sie ausübte. Fromme Zeugen, die Verwaltungsämter innehatten, kannten mit einer Ausnahme die Lehre und ihre Bedeutung sehr gut (Älteste und Kreisaufseher). Die meisten (98%) wussten von der Praxis oder konnten sie definieren, aber einige Zeugen erkannten sie nicht unter dem richtigen Begriff. Einige haben sich die Lehre vielleicht immer noch unter der alten Bezeichnung „Rahab-Technik“ vorgestellt. Einige mögen den Begriff nicht gekannt haben, weil das Wort „theokratisch“ weniger oft als früher gebraucht wird, aber immer noch bekannt ist. Ein Beispiel ist das offizielle Gesangbuch Singt Jehova Loblieder (1984), das bei allen Zusammenkünften verwendet wird und 13 Lieder unter „Theokratische Kriegs­führung“ aufführt.

Das religiöse Grundprinzip hinter dem Lügen in der Wachtturm-Gesellschaft

Die Wachtturm-Gesellschaft verwendet außer den bereits besprochenen mehrere weitere Bibelstellen, um das Lügen zu rechtfertigen. Wie Thomas kommentiert, versucht die Wachtturm-Gesellschaft, das Lügen zu rechtfertigen, indem sie anmerkt, dass …

“ … in der Bibel Rahab, die Hure, den König von Jeriche anlog, um die israelitischen Spione zu schützen. Die Zeugen Jehovas argumentieren, als Jericho zerstört wurde, sei Rahab verschont worden, weil sie log, um die Spione zu schützen. Die Bibel offenbart jedoch, dass Rahab verschont wurde, weil sie Israels Gott als den wahren Gott anerkannte (Josua 2:11). Gott verschonte Rahabs Leben nicht, weil sie log, sondern obwohl sie log. Die Wachtturm-Gesellschaft weist des weiteren darauf hin, dass Abra­ham, Isaak und David gelegentlich auch die Wahrheit verbargen. Aber das beweist allenfalls, dass selbst die besten Männer ihre Fehler hatten. Sicher kann man nicht die Fehler irgendeines Menschen (egal wie groß er vielleicht war) als Entschuldigung für Fehlverhalten benutzen. Das Gebot des Neuen Testamentes ist eindeutig: „Deshalb, da ihr jetzt die Unwahrheit abgelegt habt, REDE EIN JEDER VON EUCH MIT SEINEM NÄCHSTEN WAHRHEIT“ (Eph. 4:25). Jehovas Zeugen – sie geben es selbst zu – reden  mit ihrem Nächsten nicht Wahrheit, wenn das in ihrem Interesse liegt. Wenn sie es als vorteilhaft ansehen, belügen die Zeugen Jehovas ihren Nächsten vorsätzlich!“ (Hervor­hebung im Original, Thomas, 1972, Seite 96)

Über die Rahab-Strategie, das Lügen zu rechtfertigen, kam Robbins zu dem Schluss:

Die Bibel lobt Rahab nicht für ihr Lügen; das ist eine unzulässige Schlussfolgerung … Es wäre merkwürdig, wenn die Bibel, die das Lügen wiederholt verurteilt, jemanden für sein Lügen loben sollte. Wenn das so ist … warum … dann schließen, Gott lobe Rahab alleine für ihr Lügen? Ihre Prostitution war ebenso wichtig bei der Rettung der jüdischen Spione, und zu schließen, die Bibel heiße deshalb die Prostitution gut, wäre ebenso unzulässig … Und doch legen [einige] den Gedanken nahe, Rahab und [andere] … seien ange­messene Präzedenzfälle, zu lügen, wenn es notwendig ist.“ (1994, Seiten 1-4)

Die Einstellung, das Lügen sei gerechtfertigt, wenn es nur Personen irreführt, die „kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen“, wurde von keiner christlichen Kirche als formelle Lehre verbreitet, und Thomas kommt zu dem Schluss, dass viele christliche Märtyrer dann ihr Leben hätten retten können …

… wenn sie nur die so genannte „theokratische Kriegsstrategie“ der Zeugen Jehovas angewandt hätten. Bei vielen von ihnen hing ihr Leben nur von der Antwort auf diese eine Frage ab: „Bist du ein Christ?“ Wenn sie mit „Ja“ zu antworten wagten, warteten schreckliche Qualen auf sie. Alles was sie in vielen Fällen zu tun hatten, war, abzu­streiten, sie seien Christen, und ihr Leben wurde verschont. Aber diese großen Treuen des christlichen Glaubens … ließen sich nicht zu Wachtturm-Tricksereien herab, um dem „Brandeisen des Tyrannen oder der blutverschmierten Mähne des Löwen“ zu entgehen Sie verloren ihr irdisches Leben für die Sache Christi, erhielten aber ewiges Leben und unvergängliche Ehre. Dies ist unser christliches Erbe, und wir haben jedes Recht, darauf stolz zu sein.“ (Thomas, 1972, Seiten 97-98)

In Wirklichkeit ist die Haltung der Wachtturm-Gesellschaft auch inkonsequent. Ein gutes Beispiel er­eignete sich während des Zweiten Weltkrieges und betraf Zeugen in nationalsozialistischen Konzentra­tionslagern. Um aus einigen Lagern freizukommen, mussten die Zeugen nur ein Papier unterschreiben, in dem sie ihre Treue zur Wachtturm-Gesellschaft widerriefen – doch die Gesellschaft wies sie an, dies nicht zu tun, und lehrte sogar noch, die Wachtturm-Gesellschaft zu verleugnen, um sich selbst zu schützen, würde ihre Hoffnung auf ewiges Leben zunichte machen. Man wies sie an, nur zu lügen, um die Wacht­turm-Gesellschaft zu schützen, nicht sich selbst (Buber, 1946). Wie jedoch zu erwarten ist, erstreckt sich das Lügen der Zeugen auf andere Gebiete. Thomas berichtet von einer Erfahrung, die angeblich passierte, als er einem Zeugen eines seiner Traktate anbot, das Wachtturm-Überzeugungen kritisierte:

Dieser Zeuge Jehovas kannte mich nicht persönlich, aber er sagte, er kenne den Ver­fasser des Traktates persönlich. (Er log!) In der Überzeugung, ich sei jemand anders, be­gann er, den Schreiber zu diffamieren. Er sagte, dieser „Hochachtungsvoll“ sei von der Wachtturm-Gesellschaft im Osten rausgeschmissen worden, weil er ihr Geld gestohlen habe. (Ich bin nie Zeuge Jehovas gewesen.) Dann begann er höhnisch, mich als Idioten zu beschimpfen, und behauptete, ich müsse doch wirklich blöd sein, wenn der Traktat­schreiber mich dieses Pamphlet aushändigen lassen dürfe. Als dieser Zeuge Jehovas seinem Ärger über den Schreiber Luft machte …, zeigt ich ihm meinen Führerschein, der bewies, dass ich der fragliche Traktatschreiber war. Ich forderte von diesem lügenden Zeugen Jehovas eine Entschuldigung … Das Wachtturm-Evangelium hatte das Denken dieses Mannes so verdreht, dass er nicht einmal mehr rot vor Scham werden, ge­schweige denn, sich entschuldigen konnte. Dies ist ein Beispiel für die theokratische Kriegsstrategie der Zeugen Jehovas – vorsätzliches Lügen im Interesse ihrer Religion. Dieser Zeuge Jehovas dachte, wenn er Lügen über den Autor der Anti-Zeugen-Jehovas-Traktate verbreitete, könnte er Christen davon abbringen, sie zu verteilen. Bestimmt war diesem Zeugen Jehovas bewusst, dass er log, aber das interessierte ihn nicht! Hatte ihn die Wachtturm-Gesellschaft denn nicht gelehrt, dass es bibelgemäß für Zeugen Jehovas sei, im Interesse ihrer Religion zu täuschen und zu lügen? … Es ist bekannt, dass es die Devise böser und skrupelloser Menschen ist, dass der Zweck die Mittel heiligt. Offen­sichtlich hatte der Zeuge Jehovas diese Devise übernommen.“ (Thomas, 1972, Seiten 96-97)

Natürlich ist es schwer, zu entscheiden, ob jemand bewusst die theokratische Kriegsstrategie anwendet oder nur locker mit den Tatsachen umgeht, um einer peinlichen Situation zu entgehen. Die Situation, die Thomas berichtet, mag von beidem etwas enthalten (Raines, 1998, p. 30).

Welcher Schaden letztendlich durch Lügen angerichtet wird

Die Wachtturm-Lehre von der theokratischen Kriegsstrategie, dass es angemessen ist, die Wahrheit vor Personen zurückzuhalten, die sie benutzen könnten, der Wachtturm-Gesellschaft zu schaden, soll ihren Interessen dienlich sein (Bergman, 1994). Offensichtlich ist sie, mit zwei mir bekannten Ausnahmen, die einzige religiöse Gruppe, die als Teil ihrer offiziellen Doktrin lehrt, dass es angemessen ist, zu lügen (so wie ein Gericht Lügen definiert). Auf kurze Sicht mag diese Lehre vorteilhaft sein, auf lange Sicht wird sie den Wachtturm-Interessen aber weitaus mehr schaden als nützen.

Wahrscheinlich ist die Hauptwirkung der Lehre vom theokratischen Krieg der psychologische Schaden, der angerichtet wird, wenn den Zeugen bewusst wird, wie die Wachtturm-Gesellschaft schon in der Vergangenheit getäuscht hat (Bergman, 1996). Dies kam eindeutig in den Interviews mit den 92 Ameri­kanern und 39 Italienern zum Ausdruck, die für die eben zitier

von |Januar 3rd, 2017|Kommentare deaktiviert für Die Unwahrheit vor Gericht und in der Religion

RESOLUTION

Resolution

Hiermit bekenne ich mich, dass der Zeitgeist, menschliche Gesetze, gottlose Philosophien mit leerem Trug und trügerische Wahrheitsdenkansätze, der satanische Einfluss der Welt, erkennend in verschiedenen Facetten, sowie die Macht der Gewohnheit, Rassenherkunft, deren Geschichte und die damit verbunden patriotischen Gefühle, Bräuche, Sitten und Traditionen, mein Denken nicht beeinflussen; Ich bin frei von ihnen und lasse mich niemals von ihnen leiten und zum Handeln bewegen, zum Bedauern und Unverständnis der meisten Menschen sowie denjenigen, die sich, fälschlicherweise, Christi Nachfolger und Gottes Vertreter auf Erden nennen, denn sie sind davon versklavt, Tag für Tag! Meines Vaters Wort ist Maßstab allein und über jedes menschliche Wort, Gesetz und Denken! Ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, es ist immer, allezeit bestehend und wird nur von Gott allein aufgehoben werden können!

Darum ist alles was ich tue, mein Leben, Denken und Handeln, dienend der einen wahren und einzigen Sache, der Einen in der echten Sinn besteht auf ewig und es sich immer lohnt dafür zu leben und zu sterben – alles zur Verherrlichung Gottes des Allmächtigen zu tun, während ich meinen Blick auf den Vermittler und Vervollkommner meines Glaubens gerichtet halte, Christus Jesus unseres Herrn!

Des Weiteren bekenne ich mich zu YHWH, den einzig wahren und lebendigen Gott! Ich diene ihm ununterbrochen, unerschütterlich und neige mein Haupt aus Ehrfurcht vor Christus Blut nieder, das vergossene Blut, des einziggezeugten Sohnes Gottes, auf deren Grundlage ich meine Sünden bereut und mich zum Zeichen meiner Hingabe taufen lassen habe, als ein Anbeter YHWH’s immer zu erkennen gebe und das durch Geist geleitete Volk Gottes verbunden bleibe!

Dem hinzufügend entferne ich mich von jeder egoistischen Denk- und Handlungsweise in der der Mensch im Mittelpunkt seines Lebens steht anstelle vom Schöpfer und somit Lebendgebers, all das erkennend im alleinigen Streben nach Erlösung, Zufriedenheit, ewigem Leben und Glück, die wahrer Antrieb der meisten Menschen ist, verhüllt hinter den aufrichtigen Eigenschaften wie Liebe, Glaube, Hoffnung, Freundschaft, hinter unserem Sein sowie allem Seienden, hinter all dem, was den Menschen und diese Welt kontinuierlich antreibt. Dem jetzigen Erkenntnisstand erkennend, weiter nach wahrer Wahrheit zu suchen und gegebenenfalls diesen vom Ansatz an zu verändern auch wenn das eine vollständige Neustrukturierung von Dogmen sowie, bis dahin gedachten, unerschütterlichen Glaubensbekenntnissen bedeuten würde und worauf sich diese alle Jahre meines bereits vergangenem Lebens immer gestützt haben. Somit diene ich auch nicht mehr länger einem Zeitraum oder Zeitpunkt, vielmehr aus Liebe denn Liebe ist zeitlos!

All das geschehe somit aus einem Streben, Ziel und endgültigen Mittelpunkt heraus, indem ich alle meine Wünsche hinter Gottes setze und somit immer das Königreich an der ersten Stelle meines Lebens steht: Wenn ich lebe, lebe ich für YHWH! Wenn ich sterbe, sterbe ich für YHWH! Demnach, alles was ich tue, ob leben oder sterben, ich gehören meinem Gott, YHWH, allein und bin sein Eigentum, bedingungslos!

Dem Allmächtigen sei, durch Christus, Ehre und Macht und Herrlichkeit immerdar! Amen! Und nochmals sage ich es: Amen! Heilig, heilig, heilig ist YHWH der wahre Gott, der Heerscharen, auf unabsehbare Zeit! So sei es fortan, fortwirkend und in aller Ewigkeit! Amen!

Vaters Segen und Geist zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes immerdar! Maranatha!

Illustris

Christlicher Glaube und biblische Überzeugung

YHWH ist der Anfang von allem Leben, er hat schon immer existiert. Deswegen ist YHWH der wahre Gott und Vater von allen Lebewesen. (Hebräer 3,4; Matthäus 23,9; Matthäus 11,27; Johannes 14,7-9; 1 Johannes 4,8; Matthäus 23,8; Genesis 1,27)

Christus, der als fleischgewordener Gott und vollkommener Mensch Yeshuah auf die Welt gekommen ist, ist der einziggezeugte Sohn YHWH’s und Schöpfer dieses Weltalls. Der Vater hat durch die vormenschliche Existenz Yeshuahs alles erschaffen. Christus selbst wurde durch seinen Tod zur Vergebung der Sünden zum Ewigvater aller Nachkommen des Adams; er ist der Herr über alle Christen und der älteste Bruder der gesamten Menschheit. (Kolosser 1,15-18; Römer 8,17; Johannes 1,1-3; Johannes 1,18; Jesaja 9,5-6)

Der Geist YHWH’s ist der Lebensspender des Fleisches. Der heilige Geist lebt in der Form als „Odem des Lebens“ in allen Lebewesen und durch ihn haben wir eine direkte Verbindung zum Schöpfer. (1. Korinther 3,16-17; 1. Petrus 1,23; Matthäus 6,6-8; Matthäus 10,29-31; Prediger 12,7)

Gottes vollkommener Plan war es von Anfang an, Menschen in sein himmlisches Königreich als seine „Geistsöhne“ aufzunehmen, nachdem sie ihren irdischen Lauf vollendet und sich auf der Erde bewährt haben zu Königen und Mitregenten des Christus. Die Sünde von Adam und Eva hat diesen Vorsatz nicht verändert. (Epheser 1,3-5; 1. Korinther 15,22; 1. Korinther 15,45-49; Römer 8,19-23; Offenbarung 1,5-6)

Der Geist Gottes bestätigte Christus mit YHWH eins zu sein, so wie er Yeshuahs Nachfolger ebenfalls zu „Kindern Gottes“ macht, und ihnen festes Wissen und eine unmissverständliche Zusage gibt, dass in Sinn und Herz eingeschrieben ist. (Römer 8,16-17; Johannes 16,12-13; Römer 8,14)

Das Himmelreich auf der Erde ist bereits die geistige Bruderschaft jedes Christen, der anerkennt, dass er ein Kind des Gottes ist. (Lukas 17,20-21; Johannes 18,36; Kolosser 1,13-14; Philipper 3,20-21)

YHWH möchte, dass alle seine irdischen Kinder den Weg in das Himmelreich begehen, nachdem sie ihre Zeit auf der Erde vollendet haben. (Matthäus 6,19-21; 2. Korinther 5,1-5; Philipper 3,14-15; Philipper 3,20-21; Kolosser 1,3-6; Kolosser 3,1-2; 1. Petrus 1,3-5)

Das universale Gesetz des Königreich Gottes ist: Menschen müssen YHWH mit Ihrem ganzen Herzen, Ihrem ganzen Sinn und Ihrer ganzen Kraft lieben, sowie Ihren Nächsten wie sich selbst. (Matthäus 22,36-40)

Alle, die in die Bruderschaft des Himmelreiches auf der Erde eingehen, sollen Botschafter sein, die an Christi statt predigen und eine versöhnende Menschheit durch die Lehre YHWH’s zur Wahrheit führen; nur so können sie den himmlischen Aufstieg zum Vater beginnen. (2. Korinther 5,18-20; Matthäus 28,19-20; 1. Korinther 15,20-28; 1. Korinther 2,9; 1. Timotheus 6,17-19)

Was Yeshuah, der Sohn Gottes, auf Erden lehrte und was von jedem Christen erwartet wird

Die Herausforderung für jeden Christen ist, durch den heiligen Geist und ein gründliches Bibelstudium herauszufinden, was der Wille Gottes wirklich ist, und was Yeshuah darüber lehrte. Christen sind dazu verpflichtet, diese gute Botschaft allen Menschen bekannt werden zu lassen, und dabei immer zu berücksichtigen, dass es sich wirklich um die echte, unverfälschte und nicht manipulierte Botschaft Gottes handelt. Im Laufe der Geschichte wurde diese von vielen Menschen durch falsche Prophetie abgewandelt. Was lehrte der Sohn Gottes seinen Nachfolgern?

1. Yeshuah lehrte, dass für die Menschheit wirklich die Zeit jetzt gekommen ist, in das Himmelreich einzugehen.

Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!(Matthäus 4,17)

Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.(