Jehovas Zeugen – Kindesmissbrauch: Der Fall „Candace Conti“

Die Zeugen Jehovas leben in der strengen Doktrin, die von der Wachtturm-Gesellschaft vorgegeben wird. Das interne Disziplinar-Verfahren fordert eine „Zwei-Zeugen-Regelung“ bei Missbrauchsvorwürfen. Durch Ausschluss und Isolation wurden in der Vergangenheit das Leben von ehemaligen Zeugen Jehovas, sowie aktiven Mitgliedern, nachweislich zerstört. Der Fall „Candace Conti“ dokumentiert die perfide Ächtungs-Politik. Vorschläge für den Schutz für Minderjährige und Kinder, um sie vor dem Fall des Kindesmissbrauchs zu schützen, werden von der Führung abgelehnt. Dieser 35 Millionen US-Dollar schwere Fall ging um die Welt und wird auf lange Zeit durch vorhandene Beweiskraft bestätigen, dass die Wachtturm-Organisation und deren Führungsspitze, die leitende Körperschaft, maßgeblich durch interne Praktiken es versäumt, Kinder vor Missbrauch zu bewahren.

von |September 15th, 2019|2019|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Ausstieg vor laufender Kamera

Kein Sex vor der Ehe, keine Geburtstage, kein Weihnachten – Könntest du dir das vorstellen? So sieht die Lebensrealität der Zeugen Jehovas aus, einer umstrittenen christlichen Glaubensgemeinschaft, die in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 165.000 Mitglieder hat – und von vielen als Sekte eingestuft wird. Besonders bekannt sind die Zeugen Jehovas für ihre extrem strengen Regeln. Bluttransfusionen sind zum Beispiel nicht erlaubt, selbst, wenn sie lebensnotwendig wären. Und wer sich dazu entscheidet, die Glaubensgemeinschaft zu verlassen, wird deshalb von Freunden und selbst Familienmitgliedern ausgestoßen.

Wie sich das anfühlt, erzählt der 26-jährige Jonathan in der neuen Folge “follow me.reports”. Jonathan wurde in die Zeugen Jehovas hineingeboren und war bis zu unserem Dreh offiziell auch noch Mitglied der Gemeinschaft. Seit längerer Zeit schon spielt er mit dem Gedanken, die Zeugen Jehovas zu verlassen – jetzt hat er sich dazu entschieden, diesen schwierigen Schritt zu gehen und damit auch die harten Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Aminata begleitet ihn dabei und will herausfinden: Wie sieht der Alltag eines Zeugen Jehovas aus? Und was hat Jonathan letztlich dazu motiviert, sich von der Gruppe zu distanzieren? Auch eure Fragen hat Aminata natürlich wie immer mit dabei!

Zusammen mit Aminata schreibt Jonathan einen Brief an die Gemeinschaft in seiner Heimatstadt, in dem er die Gründe für seinen Austritt aufzählt. Er erzählt ihr dabei, wie er schon vor zwei Jahren anfing, die Glaubenssätze der Zeugen Jehovas in Frage zu stellen. Unterstützung oder Verständnis aus der Gemeinschaft bekam er damals nicht. Als er aufgrund von schweren Depressionen in eine psychologische Klinik eingewiesen wird, kommt ihn niemand von seinen angeblichen Freunden aus der Glaubensgemeinschaft besuchen. Durch ein Forum für Aussteiger, fasst er schließlich den Entschluss: Er will die Zeugen Jehovas verlassen! Ob sich Jonathan dazu überwinden kann, den Brief auch einzuwerfen und welche Pläne er für die Zeit nach seinem Austritt hat? Das findet ihr in der Folge heraus.

von |September 4th, 2019|2019|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Opferorganisation klagt an

Zeugen Jehovas – ehemalige Mitglieder der Glaubensgemeinschaft haben Anzeige erstattet. Sie würden ihre Mitglieder unter Druck setzen. Der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) wurde vor Gericht „erschlichen“, unter Vorbehalt der gesamten Wahrheit über die Glaubensgemeinschaft. Desweiteren wird der Umgang mit Blut kritisiert, die lebenswichtig seien. Auch die umstrittene „Zwei-Zeugen-Regelung“ und pädophile Täter nicht bei den Behörden zu melden, spräche gegen ihren Status mit allen staatlichen Vorteilen. Mit der Anzeige verfolgen die ehemaligen Zeugen Jehovas ein bestimmtes Ziel.

Jehovas Zeugen – „Als sei ich von einer anderen Welt“

Sektenanhänger, die den Ausstieg aus ihrer Gemeinschaft wagen und schaffen, sind oft stigmatisiert oder gar traumatisiert. Nach dem Leidensweg in der Sekte folgt der Leidensweg des Ausstiegs. Deshalb fehlt den meisten die Kraft, sich gegen die Sekte zu wehren. In jüngster Zeit wagen es aber immer mehr Aussteiger der Zeugen Jehovas, ihre schmerzlichen Erfahrungen publik zu machen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und aufzuklären. Die Zahl der kritischen Publikationen ist in den letzten Jahren gestiegen.

Neu ist aber, dass es nun auch jüngere Personen die Kraft aufbringen, den Zeugen die Stirn zu bieten. Den Mut dazu aufgebracht hat auch die 23 Jahre alte Sophie Jones aus Leipzig. Sie schildert ihren Weg und den Ausstieg in mehreren bemerkenswerten Videos und Artikeln, die grosse Beachtung finden. Im Interview mit watson beschreibt sie ihre Motivation, sich zu outen und Aufklärungsarbeit zu betreiben.

War die Entfremdung von den Zeugen Jehovas ein langsamer Prozess oder hat ein einschneidendes Erlebnis die Einsicht bewirkt, dass Sie in einer sektenhaften Glaubensgemeinschaft leben?
Nachdem ich im Alter von 17 bei den Zeugen Jehovas getauft worden war, auferlegten mir die Ältesten, also das Führungsgremium, ein Kontaktverbot zu meinem Vater, der früher schon ausgeschlossen worden war. Ich verstand es nicht. Diese schmerzliche Erfahrung öffnete mir nach und nach die Augen.

Wie lang dauerte der Prozess von den ersten Zweifeln bis zur Überzeugung, dass Sie sich aus den Zwängen der Zeugen Jehovas befreien müssen? 
Ich hatte schon immer Zweifel, aber als Kind oder Jugendliche werden diese im Keim erstickt. Es fehlt noch die Kraft, sich aufzulehnen. Wenn man älter wird, kann man alles besser einordnen und sucht automatisch Kontakte zu Menschen ausserhalb der Gemeinschaft. Dann merkte ich langsam, dass vieles falsch dargestellt wurde und ich einem Irrglauben zum Opfer gefallen bin.

Wie haben Ihre Eltern und die Ältesten reagiert, als Sie realisierten, dass Sie der Glaubensgemeinschaft den Rücken gekehrt haben? 
Die Ältesten suchten den Kontakt und wollten Gespräche mit mir führen, was ich vehement abgelehnt habe. Als es meine Mutter erfahren hatte, wollte sie sofort mit mir darüber diskutieren. Da ich noch nie ein enges Verhältnis zu ihr hatte und ausgezogen war, fiel es mir nicht schwer, auch diese Gespräche abzublocken.

Sind Sie beim Loslösungsprozess von Selbstzweifeln geplagt worden, haben Sie Ängste entwickelt, Jehova zu verraten? 
Es gibt immer Momente, in denen man sich nicht sicher ist, ob das, was man tut, die richtige Entscheidung ist. Man verliert das bisherige Leben komplett: Familie, Freunde und den Glauben an alle Heilsversprechen. Am Anfang bricht alles über einem zusammen.

«Es war furchtbar. Alles war neu und unbekannt, ich hatte ständig Schuldgefühle und Angst, beobachtet zu werden. Ich habe mich abnormal gefühlt, als wäre ich von einer anderen Welt.»

Wann haben Sie das erste Mal gespürt, dass der Ausstieg ein Akt der Befreiung ist? 
Als ich den ersten Zeugen Jehovas in meinem Umfeld gesagt habe, dass ich nicht mehr in die Zusammenkünfte komme.

Haben Sie sich rasch in der Aussenwelt zurechtgefunden oder war die Integration in der «satanischen Gesellschaft» ein schmerzhafter Prozess? 
Es war furchtbar. Alles war neu und unbekannt, ich hatte ständig Schuldgefühle und Angst, beobachtet zu werden. Ich habe mich abnormal gefühlt, als wäre ich von einer anderen Welt. Es hat sehr lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein.

Hatten Sie das Bedürfnis, sich nach dem Ausstieg auszutoben und alles auszuprobieren, was bei den Zeugen Jehovas verboten oder verpönt war?
Ein bisschen schon. Die ganzen «bösen Dinge» zu tun war sehr aufregend. Ich verspürte diesen Kick, etwas Verbotenes zu tun. Trotzdem waren auch immer Hemmungen und Schuldgefühle da, die mich etwas gebremst haben. Ich musste einen gesunden Mittelweg finden.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Ausstieg durch Videos öffentlich zu machen? 
Auch nach meinem Ausstieg habe ich mich jahrelang geschämt, für das, was ich war und was ich erlebt habe. Aber ich bin jetzt ein völlig neuer Mensch, und die Vergangenheit ist Teil meines Lebens. Ich möchte mithelfen, den Menschen die Augen zu öffnen. Gleichzeitig hoffe ich, viele Zeugen zu ermuntern, selbst auszusteigen.

Haben Ihre Angehörigen und die Zeugen Jehovas schon auf die Videos reagiert, die Sie veröffentlicht haben? 
Bis jetzt noch nicht, aber ich bin gespannt darauf, was noch kommen wird.

Haben Sie es je bereut, sich zu outen? 
Nein.

Haben Sie schon Rückmeldungen von Zeugen bekommen? Hat schon einer oder eine aufgrund Ihres Videos den Ausstieg gewagt? 
Ich habe einige Nachrichten erhalten von Ex-Zeugen, die vor kurzem ausgestiegen sind. Aber auch von Personen, die sich gerade im Ausstieg befinden. Es bestärkt mich zu sehen, wie ich mit meinen Erfahrungen anderen Mut machen kann. Allein durch meine Videos wird vermutlich keiner aussteigen, aber es freut mich, wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann.

Quelle: watson.ch | Hugo Stamm

von |September 17th, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Vernichtung aller Dokumente über Kindesmissbrauch weil „Satan kommt!“

Laut einem Video, das von einer anonymen Quelle durchsickert und nun vom Philadelphia Inquirer veröffentlicht wurde, gibt es Beweise für einen Mitarbeiter der Zeugen Jehovas, der Älteste auffordert, Informationen zu zerstören, die sie möglicherweise in Skandale um den sexuellen Missbrauch von Kindern bringen könnten.

Die Rede wurde während eines Seminars 2017 in Großbritannien an die Ältesten gehalten.

Shawn Bartlett, der Aufseher der Zeugenverwaltung, erklärte, dass handschriftliche Notizen und Entwürfe von internen Dokumenten vernichtet werden müssten, weil sie der Organisation, die acht Millionen Anhänger weltweit und mehr als ein Dutzend Gemeinden in Philadelphia hat, rechtlichen Schaden zufügen könnten.

[…]

„Nun, wir wissen, dass sich die Szene dieser Welt verändert, und wir wissen, dass Satan uns folgt und er legal gegen uns vorgehen wird. Wir können sehen, wie sich die Dinge entwickeln. So hat die Organisation gesagt: „Wir sind in der Vergangenheit aufgrund der Aufzeichnungen, die wir haben, in Schwierigkeiten geraten.““

Satan kommt niemandem nach. Es sind ehemalige Zeugen, die die Anklage als Whistleblower angeführt haben. Und die Schwierigkeiten ergeben sich nicht aus den Aufzeichnungen, sondern aus den Ideen selbst. Es ist so, als würde man die Existenz eines blutigen Handschuhs dafür verantwortlich machen, dass man nicht mit Mord davonkommt – man konzentriert sich auf das falsche Problem.

Die Zeugen sind in den letzten Jahren unter Beschuss geraten wegen Missbrauchsvorwürfen. Sammelklagen im Wert von mehreren zehn Millionen Dollar wurden sowohl in Quebec als auch in Ontario eingereicht und bestanden darauf, dass die Politik der Gruppe Führer schützte, die Kinder missbrauchten.

Zum Beispiel fördert die Wachtturm-Gesellschaft das, was als „Zwei-Zeugen-Regel“ bekannt ist. Kirchenälteste sollten den Missbrauch eines Opfers nicht ernst nehmen, es sei denn, es wurde von einer anderen Person bezeugt … obwohl die einzige andere Person der Täter selbst sein könnte. Eine australische Kommission sagte auch, dass viele der Täter nicht in irgendeiner Weise diszipliniert wurden. In einigen Fällen durften sie sogar in der Organisation bleiben, was ihnen die Möglichkeit gab, erneut zuzuschlagen.

All dies führte zusätzlich zu einer Geldstrafe von 2.000.000 Dollar, die ein kalifornischer Richter gegen die religiöse Gruppe erhebt, weil sie keine Dokumente mit Hunderten von mutmaßlichen Kinderschändern in der Organisation abgegeben hat.

Es ist unklar, ob dieses Video als Beweismaterial für irgendwelche strafrechtlichen Ermittlungen verwendet werden könnte, aber es scheint offensichtlich, dass die Zeugen mehr Angst davor haben, ihre eigene Esel-Elite zu beschützen, als die Kinder in ihrer Obhut.

Jehovas Zeugen – Wenn Kindesmissbrauch vertuscht wird

Zeugen Jehovas sind weltweit angeklagt, dass sie Tausende von pädophile Straftätern durch die interne „Zwei-Zeugen-Regelung“ schützen. Dem einzelnen Zeugen Jehovas wird immer wieder versichert, dass die Organisation die Kinder schütze, und dies alles nur die „Angriffe Satans“ seien durch seine Helfer, den sogenannten „Abtrünnigen“. Entspricht dies der gesamten Wahrheit? Sehen Sie selbst, wie falsch die Aussagen der leitenden Körperschaft sind, verbunden mit der wirklichen Realität und den aufgedeckten Missetaten.

Jehovas Zeugen – #Pillowgate: Instruktionen für Bethelmitarbeiter über Porneia aufgetaucht

Am 25. Januar 2018 hat Lloyd Evans auf seinem YouTube-Kanal den Trailer für ein Video online gestellt, das Instruktionen für Bethel-Mitarbeiter enthält. Kurz darauf kursierte auf Twitter und anderen Netzwerken der Hashtag #pillowgateHintergrund ist eine Aussage von Gary Breaux, Helfer der Leitenden Körperschaft, der das Reiben an einem Kissen zwischen den Beinen, ohne dabei zum Höhepunkt zu gelangen, bereits als Masturbation beschrieb.

Zeugen Jehovas haben eine sehr spezielle Beziehung zur Sexualität. In den Versammlungen und Publikationen widmet man sich sehr oft der Sinneslust und versucht, bereits Kindern beizubringen, dass Masturbation Gott nicht gefällt und Sex nur innerhalb einer Ehegemeinschaft erlaubt ist. Es verwundert daher nicht, dass Ehen bei Zeugen Jehovas sehr früh geschlossen werden – anders ist es auch kaum auszuhalten.

1976 veröffentlichte die Wachtturm-Gesellschaft das Buch Mache deine Jugend zu einem Erfolg. Das Kapitel 5 behandelte die Themen Masturbation und Homosexualität. Dort hieß es:

„Sollte man […] der Ansicht sein, daß Masturbation zu einer natürlichen, normalen Betätigung des Körpers wird, weil sie eine allgemein verbreitete Gewohnheit ist? Lügen und Stehlen ist heute auch üblich. Würde man aber behaupten, dies werde dadurch zu etwas Natürlichem und Normalen?“ (Mache deine Jugend zu einem Erfolg, 1976, S. 36)

Selbstbefriedigung wird seitens der WTG mit Lügen und Stehlen gleichgestellt. Doch man geht noch einen Schritt weiter:

„Die meisten Ärzte sind der Ansicht, gelegentliche Masturbation schade dem Körper nicht. […] Ärzte und Psychotherapeuten sind allerdings unvollkommene Menschen, die Irrtümern unterworfen sind und deren Ansichten sich ändern. Es gibt aber einen Ratgeber, an den sich junge Leute wenden können und der beständig und frei von Irrtümern oder Fehlurteilen ist – Gottes Wort. Und wenn wir nicht nur ein längeres Leben, sondern ewiges Leben in der Gunst Gottes wünschen, sollten wir seine Weisheit und seinen Rat suchen.“ (Mache deine Jugend zu einem Erfolg, 1976, S. 36)

Aus meiner Sicht wird an dieser Stelle beim Jugendlichen Angst erzeugt: das ewige Leben steht auf dem Spiel. Ein Jugendlicher könnte meinen, dass er in Gottes Krieg – Harmagedon – vernichtet wird, wenn er seine Neigungen nicht unterdrückt. Die WTG schreibt außerdem, dass Ärzte nicht unbedingt die besten Ratgeber sind, da sie sich irren können. Fünf Absätze später outet sich die WTG selbst als Ratgeber und stellt dabei eine Behauptung auf, die meiner Meinung nach das Sexualleben von jungen Menschen enorm negativ beeinflussen kann:

„Gibt man dem Geschlechtstrieb einfach aus Schwäche nach, indem man sich selbst befriedigt, so gibt das einem bestimmt keine Kraft, wenn man vor einer Situation steht, in der man versucht wird, Hurerei – oder sogar Homosexualität – zu begehen. Im Gegenteil, es fördert verkehrtes Denken und verkehrte Wünsche. Masturbation kann sogar zur Homosexualität hinführen.“ (Mache deine Jugend zu einem Erfolg, 1976, S. 39)

Masturbation kann, nach Aussage der WTG, zur Homosexualität führen.

Der aktuelle Ratgeber für Jugendliche ist betitelt Fragen junger Leute. Das Kapitel 25 behandelt das Thema Selbstbefriedigung: Wie kann ich damit aufhören? Gleich zu Beginn ist die Rede von Luiz, der erzählt:

„Ich war 8, als ich mich zum ersten Mal selbst befriedigte. Später habe ich dann erfahren, wie Gott darüber denkt. Immer wenn ich dem Drang nachgegeben hatte, fühlte ich mich schrecklich. „Wie kann Gott jemanden wie mich lieben?“, fragte ich mich.“ (Quelle: Selbstbefriedigung: Wie kann ich damit aufhören?)

Natürlich fühlt sich der Junge schrecklich, wenn er merkt, dass er gegen etwas ankämpfen muss, dass seinem natürlichen Empfinden widerspricht. Das schlechte Gewissen hat ihn erst ergriffen, als man ihm erklärte, dass Gott dies angeblich nicht gutheißen würde. Einzig und allein der Interpretation älterer Männer ist es meiner Meinung nach geschuldet, dass Kinder und Jugendliche, während sie heranwachsen, mit Schuldgefühlen beladen werden.

Wie sehr sich die Wachtturm-Gesellschaft in die intimste Privatsphäre ihrer Anhänger einmischt, zeigen zwei Videos, die nun auftauchten und speziell für neue Mitarbeiter in den Zweigstellen von Zeugen Jehovas gedacht sind. Im ersten Moment könnte man meinen, dass es sich um Satire handelt, aber die WTG meint es mit den nachfolgenden Inhalten völlig ernst, wenn sie eine Art Verhaltenskodex aufstellt, und ihren Mitarbeitern Regeln und Hinweise in Bezug auf Kleidung, Sex und Masturbation mit an die Hand gibt.

Regelwerk zum Vermeiden von Selbstbefriedigung

Gleich vorweg möchte ich erwähnen, dass in der Bibel kein einziges Mal von Selbstbefriedigung oder Masturbation die Rede ist. Selbst in den Büchern von 3. und 5. Mose, in denen sexuelle Praktiken in unerträglichen Einzelheiten dargelegt werden, wird die Praxis der Selbstbefriedigung nicht erwähnt. Nichtsdestotrotz verurteilt die WTG seit vielen Jahren Masturbation als unreine Gewohnheit.

Gary Breaux, Helfer der Leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas und Mitglied des Dienstkomitees.

Im Video, dass sich speziell an Männer richtet, präsentiert Gary Breaux, Helfer der Leitenden Körperschaft, eine lange Liste von verschiedenen Szenarien und erklärt in einer Art „Frage-und-Antwort-Spiel“, ob es sich bereits um Masturbation handelt oder nicht.

Zum Beispiel, fragt er:

„Muss eine Person ihre Hände benutzen, um zu masturbieren? Nehmen wir an, dass ein Bruder eine Unterhose trägt, die so eng anliegt, dass sein Penis sich daran reibt, während er sich bewegt. Er wird erregt und ejakuliert sogar. Masturbiert er?“

Die Antwort lautet:

„Ja, tut wer, weil er bewusst seine Genitalien stimuliert, auch wenn er seine Hände nicht benutzt.“

Gary Breaux gibt anschließend folgendes zu bedenken:

„Muss es einen Orgasmus geben, damit es als Masturbation betrachtet werden kann? Angenommen, ein Bruder fängt an, seine Genitalien an einem Kissen zu reiben. Er bekommt eine Erektion, hört aber auf, bevor er einen Orgasmus bekommt. Masturbiert er?“

Bevor ich zur Antwort komme, möchte ich die Frage in den Raum werfen, wie die WTG auf diese Szenarien gekommen ist? Warum ausgerechnet Kissen? Wer hat sie auf die Idee mit der Unterhose gebracht? Auch wenn es vielleicht im ersten Momentan lustig klingen mag, so kann ich mir vorstellen, dass das Gewissen einiger Mitarbeiter sie so sehr plagte, dass sie sich jemanden anvertrauten. Im Anschluss müssen sich erwachsene Männer gemeinsam in einen Raum eingesperrt und die Vorfälle besprochen haben, um zu entscheiden, ob Gott diese Handlungen verurteilt oder es sich um eine Grauzone handelt. Wie auch immer, die Antwort zur Kissenfrage lautet:

„Ja, denn er stimuliert sich bewusst selbst, ob er einen Orgasmus hat oder nicht.“

Nun geht Gary Breaux näher auf das Unterbewusstsein ein:

„Wie sieht es mit einem nächtlichen Samenerguss aus, vielleicht sogar nach einem erotischen Traum. Ist das Masturbation?“

Die Antwort mag überraschen:

„Nein, Jehova hat dies zu einem Teil des Fortpflanzungssystems des Mannes erdacht, und das geschieht ohne jegliche bewusste Stimulation.“

Ich kann mir vorstellen, wie der Zuschauer des Videos innerlich aufatmet. Doch nicht so schnell:

„[…] aber wenn dir das passiert, wäre es gut zu prüfen, ob du dich vor dem Schlafengehen mit sexuellen Gedanken beschäftigt hast. Hast du in einer Position geschlafen, die dich stimuliert, z.B. mit einer Decke oder einem Kissen, das fest zwischen den Beinen gehalten wird? Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, wird es dir helfen, nicht in unreine Praktiken zu verfallen.“

Es ist also möglich in einer unreinen Position zu schlafen. Selbst dafür gibt es anscheinend Regeln. Breaux warnt im Anschluss davor, dass ein Christ nicht heilig sein kann, während er „unter dem Einfluss der Selbstbefriedigung“ steht. Das ist schon eine ziemlich deutliche Ansage, die ich in den offiziellen Publikationen der WTG so noch nicht gelesen habe.

Von der Selbstbefriedigung kommen wir nun zu den (neuen) Hinweisen, was aus Sicht der WTG alles zur Pornéia bzw. Hurerei gehört.

Pornéia neu definiert

Lange Zeit verstand die WTG unter Hurerei, jeglichen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe. Wer Hurerei beging, wurde, wenn keine Reue nach Einschätzung der Ältesten vorlag, aus der Gemeinschaft verbannt und gemieden. Im Video wird Hurerei wie folgt definiert:

„Sexuelle Beziehungen zwischen Personen, die nicht miteinander verheiratet sind. Es umfasst Handlungen wie Oralsex, Analsex und Masturbation einer anderen Person. Es handelt sich immer um eine bewusste Manipulation der Genitalien und mindestens einer weiteren Person oder eines Tieres.“

Soweit, die für einen Zeugen Jehovas bekannte Auslegung des Begriffes Hurerei. Garry Breaux geht im Video nun näher auf die „Manipulation der Genitalien“ ein:

„Handelt es sich bei der Manipulation der Genitalien immer um den Gebrauch der Hände? Nicht unbedingt. Nehmen wir an, ein Bruder bezahlt eine Stripperin für einen Lapdance, der sich über mehrere Minuten erstreckt, und sie reibt ihre bedeckten Genitalien an seinem Bein, während er voll bekleidet ist. Er wird erregt, aber er ejakuliert nicht.“

Die wenigsten Zeugen werden mit einem Lapdance ihre Erfahrung gemacht haben, aber spätestens jetzt, könnten sie vielleicht auf den Geschmack gekommen sein.

„Handelte es sich um Porneiéa? Seine Genitalien werden nicht manipuliert und er berührt die Genitalien der Frau nicht mit seinen Händen, aber er begeht Hurerei, indem er ihr erlaubt, sein Bein zu benutzen, um ihre eigenen Genitalien zu stimulieren.“

Heißt das, solange kein direkter Kontakt zur Stripperin entsteht, ist alles in Ordnung? Ich frage mich, wie lange und intensiv die Leitende Körperschaftoder deren Helfer diskutierten, bis sie sich einigten, und zu dem Schluss kamen, dass der Bruder Hurerei begeht, wenn er „ihr erlaubt, sein Bein zu benutzen, um ihre eigenen Genitalien zu stimulieren“.

Im Video wird nun erklärt, dass man sich auch ohne direkten Hautkontakt der Hurerei „schuldig“ machen kann:

„Kann es sich um Hurerei handeln, auch wenn es zu keinem direkten Hautkontakt gekommen ist? Nehmen wir an, ein Bruder legt sich auf seine Freundin, während beide bekleidet sind, und sie imitieren dabei den Geschlechtsverkehr. Begehen sie Hurerei?“

Ein Tipp: wer bereits so weit gegangen ist, sollte es bis Ende durchziehen:

„Sie haben zwar ihre Kleidung an, aber die Genitalien von beiden werden stimuliert, so dass sie Hurerei begangen haben, unabhängig davon, ob ein Höhepunkt erreicht wird oder nicht.“

Laut WTG, ist dies sündiger als zwei Menschen, die sich nackt ausziehen und gemeinsam masturbieren.

Wer immer noch mit dem Kopf schüttelt und sich fragt, wie es sein kann, dass die WTG so detailliert auf die einzelnen Szenarien eingeht, dem empfehle ich das Buch Der Gewissenskonflikt von Raymond Franz. Er beschreibt, wie die Leitende Körperschaft Entscheidungen bis ins Schlafzimmer einzelner Anhänger getroffen hat, und seiner Aussage nach, sogar die Sexualpraktiken verheirateter Paare vorgab. Anscheinend werden sie überhäuft von Anfragen, ab wann Hurerei vorliegt und wann nicht. Und theoretisch handelt es sich bereits um Hurerei, wenn ein Paar miteinander tanzt und sich dabei gelegentlich die Leiste mit dem Hinterteil trifft (ich wahre die Con­te­nance), oder das eigene Bein die Geschlechtsteile des Gegenübers streift und man dadurch erregt wird.

Das folgende Szenario übertrifft die vorherigen bei Weitem, und man möchte meinen, dass die Antwort auf der Hand liegt:

„Zwei Brüder masturbieren voreinander, aber ohne sich zu berühren. Handelt es sich um Hurerei?“

Die Antwort:

„Nein, da weder die eine noch die andere Person berührt wird. Es ist jedoch eine grobe Missachtung der Gesetze Jehovas und eine schwere Sünde, die von den Ältesten behandelt werden muss.“

Ein Paar, dass komplett angezogen, ihre Leisten aneinander reibt ohne zum Höhepunkt zu gelangen, begeht bereits Hurerei und könnte unter Umständen ihr soziales Umfeld verlieren. Zwei Männer, mitunter homosexuell, schaukeln sich völlig nackt gegenseitig zum Höhepunkt und ihnen droht maximal ein Gespräch mit den Ältesten ohne nennenswerte Konsequenzen.

Wir sind noch nicht am Ende, aber mittlerweile ist klar, dass diese Videos ein Niveau, pharisäischen Wahnsinns erreicht haben, der sämtliche Richtlinien der WTG in den Schatten stellt.

Homosexuelle – eine Bedrohung

Gary Breaux legt im Video besonderen Fokus auf enge Kleidung.

„[…] enge Kleidung [sollte] vermieden werden, da man dies mit Homosexualität in Verbindung bringen könnte. Über welche Art von Kleidung reden wir? Einige Outfits sind entworfen worden, um das Aussehen eines Mannes zu feminisieren, wie es Homosexuelle versuchen, besonders wenn sie Gesäß und Genitalien unterstreichen.“

In den letzten Jahren wurden Zeugen Jehovas wiederholt darauf hingewiesen „enge Hosen“ zu meiden. Besonders die Ansprachen von Tony Morris, Mitglied der Leitenden Körperschaft, über „enge Hosen“, die er als Teil einer homosexuellen Verschwörung betrachtet, sind berüchtigt.

Die zwei Jungs auf der rechten Seite, tragen aus Sicht der WTG zu enge Hosen. Quelle: https://www.jw.org/de/publikationen/zeitschriften/wachtturm-studienausgabe-januar-2017/wenn-bescheidenheit-auf-probe-gestellt-wird/

Breaux führt im Video auf unerträgliche Weise weiter aus, warum enge Hosen böse sind:

„[…] es macht es schwieriger, den Unterschied zwischen einem homosexuellen und einem heterosexuellen Mann zu erkennen, wodurch sich Homosexuelle einschleichen.“

Besonders nach Außen vertritt die WTG die Einstellung, dass sie „nur“ die Handlungen Homosexueller nicht gutheißen würden, aber ansonsten nichts gegen sie als Menschen haben. Solche Äußerungen, wie im zugrunde liegenden Video, lassen jedoch das Gegenteil erkennen. Die WTG geht sogar noch einen Schritt weiter:

„Manchmal kann es vorkommen, dass du mit gleichgeschlechtlichen Wünschen zu kämpfen hast oder dies bei anderen beobachtest. Das bedeutet nicht, dass du oder sie homosexuell sind, aber du solltest auf der Hut sein.“

Gary Breaux wird noch etwas konkreter:

„Stell dir folgende Situation vor: Eine Gruppe von Single-Brüdern isst gemeinsam zu Abend und nach dem die meisten von ihnen zu Bett gegangen sind, bleiben zwei von ihnen im Zimmer zurück und trinken gemeinsam Alkohol. Plötzlich fragte der eine den anderen, ob er schon mal mit einer Erektion aufgewacht ist. Sie befassen sich plötzlich mit sexuellen Dingen. Flirten sie? Ihr Gespräch kann in ihnen sexuelle Begierden wecken, obwohl sie gleichgeschlechtlich sind. Dies könnte leicht die Neugierde über den Körper des anderen wecken. Täusche dich bitte nicht, wenn du denkst, dass dir das nie passieren könnte. Behalte im Sinn, dass Alkohol die Hemmungen senkt und Gedanken hervorkommen lassen kann, die du normalerweise unterdrücken würdest.“

Anstatt die Tatsache zu akzeptieren, dass manche Menschen einfach nur schwul sind, und dass es in Ordnung ist, schwul zu sein, sucht die WTG verzweifelt nach einem Sündenbock, in diesem Fall den Alkohol, der „reine und saubere“ Heterosexuelle, in homosexuelle Sünder verwandelt.

Im Vortrag von Breaux werden noch viel mehr dieser Szenarien skizziert und mit Details ausgeschmückt, wobei er jedes Mal betont, dass „normale“ heterosexuelle Männer in Gefahr geraten können, wenn sie beispielsweise ein Handtuch etwas zu tief tragen oder einem lauernden Homosexuellen den Rücken zukehren.

Breaux bezeichnet Homosexualität als „pervertierte Praxis“ und führt weiter aus:

„Satan führt Krieg, um das Denken der Menschen in Bezug auf Homosexualität zu verunreinigen. Jehova hat seine Einstellung nicht geändert. Einige Israeliten erlaubten es den Nationen um sie herum, sie mit homosexuellen Wünschen und Praktiken zu verunreinigen. Wenn du Römer 1 Vers 24 betrachtest, kannst du erkennen, wie Jehovas darauf reagiert hat.“

Die WTG betrachtet Homosexualität als „Verunreinigung“. Breaux bezieht sich zudem auf eine Schriftstelle, die in Übereinstimmung mit der Lehre der WTG aussagt, dass Homosexualität eine Sünde ist, die den Tod nach sich zieht.

Gary Breaux schließt das Thema dann mit den Worten ab:

„Homosexualität ist unheilig und widerwärtig für Jehova, und er wird dies unter seinen ergebenen Dienern nicht tolerieren. Bewegt dich deine Liebe zu Jehova dazu, die gleiche Sichtweise zu vertreten?“

Dass die WTG eine Abneigung gegen Homosexualität hat, zeigte sie bereits öffentlichkeitswirksam mit ihrem KindervideoEin Mann, eine Frau. Meiner Meinung nach, gehen sie mit diesem Video noch ein ganzes Stück weiter und tragen ihre Ansichten ziemlich unverblümt vor – vielleicht weil sie sich in Sicherheit wogen, dass die Videos nie nach Außen gelangen.

Die weibliche Sexualität – nur eine Kopie

In gewisser Weise ist das Video, das sich an Frauen richtet, nur eine Kopie des Videos für Männer. Es wird präsentiert von Ralph Walls, ebenfalls Helfer der Leitenden Körperschaft, und er deckt viele Themen ab, die auch von Breaux behandelt werden. Aber es gibt Unterschiede, von denen einige sehr aufschlussreich sind.

Ralph Walls, ebenfalls Helfer der Leitenden Körperschaft und Mitglied des Personalkomitees.

Im Video für die „Schwestern“ wird der Schwerpunkt viel stärker auf Kleidung und Pflege gelegt. Frauen ist es untersagt kurze Röcke oder Kleider zu tragen, die über dem Knie liegen, Oberteile mir tiefen Ausschnitten oder generell alles, was als „eng“ oder „freizügig“ angesehen wird.

Walls macht immer wieder Aussagen, die auf das Gleiche hinauslaufen, dass Frauen im Grunde genommen Objekte der Versuchung für Männer sind und damit verpflichtet sind sich zu bedecken. Er spricht immer wieder davon, dass eine „sexy“ Erscheinung inakzeptabel und unfair gegenüber den unschuldigen Brüdern sei, die sie anschauen müssen, und zitiert sogar einen männlichen Zeugen, der über „weltlich“ gekleidete Frauen spricht:

„Ich persönlich finde es ziemlich schwer, immer anständige Gedanken bei jüngeren Frauen zu haben, wenn ich sehe, wie sie sich kleiden.“

Anscheinend tragen Männer gemäß der WTG nicht die Verantwortung für ihre Gedanken. Das überträgt man lieber auf die Kleiderwahl der Frauen. Demnach sollten Frauen eher ihre Garderobe kontrollieren, als Männer ihre Gedanken.

Im Gegensatz zu dem Video für Männer, wird Masturbation nur kurz angerissen. Walls bezeichnet die Masturbation bei Frauen sogar als „Selbstmissbrauch“. Auch die gleichgeschlechtlichen Themen werden nur flüchtig erwähnt. Dies ist besonders deshalb interessant, weil Breaux in seinem Vortrag an die Männer, sehr umfassend und detailliert auf dieses Thema eingeht. Entweder kann sich die WTG nicht vorstellen, dass Frauen miteinander Sex haben oder dass es nicht wert ist dieses Thema zu betrachten.

Letztendlich wird dadurch, meiner Ansicht nach, das Verständnis der WTGüber Sexualität deutlich: es wird alles aus der Sicht des Mannes betrachtet, und die weibliche Sexualität wird nur insoweit diskutiert oder fokussiert, wie sie sich auf Männer auswirkt. Es überrascht daher nicht, dass Zeugen Jehovas eine patriarchalisch, hierarchisch organisierte Institution sind, die von Männern geleitet wird. Dies beweist auch die Tatsache, dass der Vortrag, der sich an Frauen richtet, von einem Mann gehalten wird.

Eine Frau allein unter Männern

Jehovas Zeugen Pillowgate Instruktionen für Bethelmitarbeiter aufgetaucht Frau unter Männern #Pillowgate Wahrheiten jetzt! Jehovas Zeugen - #Pillowgate: Instruktionen für Bethelmitarbeiter über Porneia aufgetaucht

All dies führt uns zu einem der schrecklichsten Momente in diesem Video. Nach dem Vortrag, der Frauen darin belehrt, wie sie sich in sexueller Hinsicht, Männern gegenüber verhalten sollten, fährt Walls fort:

„Was solltest du tun, wenn du bemerkst, dass du Hilfe benötigst? Bitte wende dich an eine reife Schwester oder an die Ältesten. Gemäß Jakobus 5,14-15 sind diese Männer von Jehova eingesetzt worden, um uns aufzurichten.“

Frauen werden von der WTG dazu angehalten, sich einem männlichen Ältesten zu öffnen, wenn sie gegen eine der Regeln und Vorschriften verstoßen, um dann dem Ältesten intime sexuelle Informationen prei zu geben, damit der Älteste ihr einen Rat erteilen kann. Dies geschieht fast immer in einer geschlossenen Umgebung mit mindestens zwei Ältesten. Es sollte eigentlich klar sein, wie unangemessen dies ist. Tatsächlich gibt es Erfahrungen von ehemaligen Zeuginnen, die berichten, dass Älteste auf erniedrigende Weise immer mehr Details der „Sünde“ forderten. Hierbei sei auf die Royal Commission hingewiesen, in deren Untersuchungen festgestellt wurde, dass die Praxis der Ältesten, die eine Frau im Zusammenhang mit einem Missbrauch verhört haben, zutiefst inakzeptabel war.

Zwar spricht Walls über die Möglichkeit, sich einer Frau anzuvertrauen, doch dies bedeutet nicht, dass die „Sünde“ ohne männliche Beteiligung behandelt werden kann. Wenn sich eine Frau einer „reifen Schwester“ bezüglich intimer sexueller Gewohnheiten anvertraut, dann ist diese „reife Schwester“ verpflichtet, den Ältesten Bericht zu erstatten, wenn sich die Frau eine Verfehlung, im Sinne der WTG, geleistet hat. Und diese Ältesten sind dann verpflichtet, nach dem sexuellen „Fehlverhalten“ zu fragen, wenn ihrer Meinung nach, die Informationen für den „Fall“ relevant sind.

Das traurige daran ist, dass die Frau mitunter so indoktriniert worden ist, dass sie glaubt, dass es Jehovas Wille sei, sich den älteren Männern anzuvertrauen und sie sonst Gefahr läuft in Harmagedon vernichtet zu werden.

Darüber hinaus

Beide Videos erwähnen zusätzlich die Praxis des „Flirtens“ und geben Richtlinien vor, die das Verhalten mit dem anderen Geschlecht regeln. Laut diesen Videos bedeutet das bloße Kompliment für die Frisur, dass er oder sie beabsichtigt, den Gegenüber zu „umwerben“. Diese Regeln sind so absurd, dass sie die Interaktionen zwischen Mann und Frau innerhalb der Organisation, in ein Minenfeld von „sündigen Anzeichen“ verwandelt.

Bedauerlicherweise könnte man noch weit mehr an diesen Videos kritisieren. Doch es zeigt deutlich, dass die WTG ein sehr verzerrtes Bild über die Sexualität vertritt. Sie betreiben Mikromanagement, in dem sie diffizil in die intime Privatsphäre ihrer Mitglieder eingreift und dies sogar bis hin zur inakzeptablen Schlafposition. Dieses Verhalten gleicht aus meiner Sicht den Pharisäern, die in den Evangelien beschrieben sind und von denen es heißt: „Sie schnüren schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern […]“. Die WTG erklärt diese Worte wie folgt:

„Mit den Lasten meint Jesus die mündlichen Überlieferungen sowie die Gesetzesauslegung der Pharisäer. Da die Gesetzesexperten darauf bestehen, dass sich alle daran halten, machen sie den Menschen das Leben schwer.“ (Quelle: Zu Gast bei einem Pharisäer)

Auch die Gesetzesauslegung der WTG erschwert den Menschen innerhalb der Organisation das Miteinander und die normale Sicht auf den eigenen Körper. Man kann nur hoffen, dass diese Richtlinien sich nicht auf die Anhänger außerhalb der Zentralen ausweiten, und Kinder sowie Jugendliche nicht noch mehr in ihrer sexuellen Entfaltung gestört werden.

Die Inhalte der Videos zu lesen ist eine Sache, noch verrückter wird es, wenn man Gary Breaux und Ralph Walls dabei zusieht, wie sie sich ihren Weg durch das Drehbuch bahnen, voller sexueller Bilder und detailreichen, unsinnigen Sexregeln, die im ernsthaften Tonfall vorgetragen werden. Lloyd Evans, der die Videos veröffentlicht hat, füllt die Videos mit amüsanten Kommentaren und macht die unglaublichen Medienmomente der WTG etwas erträglicher.

Ein Teil des Textes stammt von jwsurvey.org, verfasst von Daniel Walker. Die originalen und ungeschnittenen Videos sind ebenfalls auf jwsurvey.org einsehbar.

von |Januar 29th, 2018|2018|1 Kommentar

Jehovas Zeugen – Vom Mut zur Veränderung

Zeugen Jehovas und ihre Aussteiger: Wie zufrieden sind wir mit unserem Leben? Welche Träume wollten wir uns eigentlich schon lange erfüllen? – Und warum haben wir es noch nicht gewagt? Fehlt der Mut zur Veränderung? Für viele von uns bleiben dies nur Überlegungen. Aber einige erfüllen sich ihre Träume, springen ins kalte Wasser und brechen auf in ein ganz neues Leben. Oft entgegen großer Widerstände, finanzieller Hürden, Angst und Gegenwind. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt – so weiß es der Volksmund.

Was aber, wenn ich ein Wagnis eingehe und damit scheitere? War dann alles umsonst, eine Fehlentscheidung, eine begangene Dummheit? Oder kann auch diese Erfahrung etwas Sinnvolles, Wegweisendes bedeuten?

Wann lohnt es sich, ein Wagnis einzugehen? Und was brauchen wir dafür?

Konja Simon Rohde lebte 33 Jahre lang in einer Parallelwelt. In die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas hineingeboren, wurde er nach ihren strengen Regeln erzogen. Doch im Lauf der Jahre mehrten sich die Zweifel und auch gesundheitliche Probleme kamen hinzu. „Ich musste etwas passieren lassen, damit sich etwas ändert.“ Er entschloss sich, die Zeugen Jehovas zu verlassen – auch wenn das den Bruch mit Familie und Freunden bedeutete. Sein Vater war Katholik, hatte sogar katholische Theologie studiert, bis er zu den Zeugen Jehovas konvertierte. Simon berichtet über den Suizid seines Bruders, Gewalt in der Familie, erste Zweifel in der Organisation bzgl. Kindesmissbrauch und der „Zwei-Zeugen-Regelung“, sowie den psychischen Folgen.

Jehovas Zeugen – Russland: US-Trojaner der Grund für den Verbot

Zeugen Jehovas: In Russland sind landesweit Königreichssäle geschlossen bzw. beschlagnahmt worden. Es wird befürchtet, dass 395 regionale Abteilungen der Zeugen Jehovas auf gerichtlichem Wege geschlossen werden. Warum geht Russland mit seinen Zeugen Jehovas so empfindlich ins Gericht und was bedeutet dies für die Religionsfreiheit? Kla.TV geht der Frage nach, inwiefern Aktionen unter falscher Flagge dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen könnten.

von |November 19th, 2017|2017|2 Kommentare

Jehovas Zeugen – Zwei-Zeugen-Regelung offiziell auf JW Broadcasting genannt

In der aktuellen Folge von JW Broadcasting bestätigt die Wachtturm-Gesellschaft die Zwei-Zeugen-Regelung – obwohl dies immer geleugnet wurde.

Zunächst nehmen sie darauf Bezug, dass „Abtrünnige“ dieses Thema immer wieder aufgreifen und die Medien es verbreiten – stimmt.

Doch dann bestätigen sie die Regel mit der Bibel (5. Mose 19:5) und sagen wortwörtlich: „Es ist Eindeutig […] Es gibt keine rechtlichen Schritte, wenn es nur einen Zeugen gibt. Wir werden unsere biblische Position nie ändern!“

„Abtrünnige“ würden damit argumentieren, heißt es, dass Zeugen Jehovas nicht mehr die Steinigung praktizieren, warum dann die Zwei-Zeugen-Regel? Das ist nicht richtig! „Abtrünnige“ argumentieren genauso wie Herr Stewart von der Royal Commission: warum die Zwei-Zeugen-Regel in einem Fall von Kindesmissbrauch angewandt wird, während in 5. Mose 22:23-27 von einer Vergewaltigung zu lesen ist, bei der der Täter bestraft wurde, ohne das ein zweiter Zeuge die Tat bestätigt hat.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Thema Kindesmissbrauch, um einen speziellen Fall, in der die Wachtturm-Gesellschaft versucht durch die Zwei-Zeugen-Regelung pädophile Straftäter zu schützen.

Sollte man nicht meinen dürfen, dass bei dem Kindeswohl alles getan werden sollte, um jegliches Unrecht aufzudecken und Täter ihrer Strafe zuzuführen? Die Organisation von Jehovas Zeugen, speziell die leitende Körperschaft, scheint dies anders zu sehen.

Die Zwei-Zeugen-Regelung ist das „Paradies“ für pädophile Triebtäter. Dieses niemals ändern zu wollen, spricht sicherlich Bände, wenn es um die geistige Verfassung der Organisation geht, und die geistige Verfassung der Verantwortlichen dieser menschlichen Regelung.

Um dem entgegenzuwirken, verfolgt die Wachtturm-Organisation eine äußerst fragwürdige Strategie: Ein Zeuge Jehovas, der es wagt „die Organisation“ zu kritisieren und auf Missstände hinweist oder die Gemeinschaft verlässt, wird seit 1952, auf Anordnung der geistigen Führung, gehasst, gemieden, diskriminiert und geächtet.

Nur einige wenige Auszüge aus der Literatur und den Publikationen von Jehovas Zeugen:

Wir müssen [den Ausgeschlossenen] im wahrsten Sinne hassen, das heißt, ihm mit äußerster Abneigung begegnen, ihn als abstoßend, ekelhaft, schmutzig, verachtungswürdig ansehen.(Der Wachtturm, 1. Oktober 1952, Seite 599)

Um zu hassen, was böse ist, muss ein Christ [den Ausgeschlossenen] hassen.“ (Der Wachtturm, 15. Juli 1961, Seite 420)

[…] Weißt du aber auch, wie man hasst? (Was für eine Frage! Solltest du es noch nicht wissen, die WTG wird es dir beibringen.) Diese harten Worte bringen den gottgefälligen Hass zum Ausdruck, den auch du empfinden musst, wenn du Gott gefallen möchtest. Hass ruft in uns Abscheu hervor. Etwas, was man hasst, ist einem zuwider, man ekelt sich davor, man kann es nicht ausstehen.(Der Wachtturm, 15. Januar 1975, Seite 442)

Wer also mit seinen Zweifeln so weit geht, daß er abtrünnig wird, schwingt sich zum Richter auf. Er denkt, er wisse es besser als seine Mitchristen und auch besser als der „treue und verständige Sklave“, durch den er das meiste, wenn nicht sogar alles, gelernt hat, was er über Jehova Gott und seine Vorsätze weiß.“ (Der Wachtturm, 1. November 1980, Seite 19)

Ein aufrichtiger Zeuge Jehovas, dem es nur um die biblische Wahrheit geht, muss demnach von der Wachtturm-Gesellschaft damit rechnen, dass er gehasst, gemieden, diskriminiert und geächtet wird.

Fragen wir uns: Warum hält die leitende Körperschaft an der „Zwei-Zeugen-Regelung“ fest, wenn diese es unmöglich macht, dass Kinder und Eltern einen Missbrauch in der Organisation nachweisen können? Warum reagiert die Wachtturm-Gesellschaft nicht mit Verständnis und Fürsorge – was bei diesem Thema angebracht wäre – sondern mit Hass und Vergeltung? Ist es wirklich eine Eigenschaft des heiligen Geistes, unter den „wahren Christen“ Hass zu mehren, damit aufrichtige Christen gemieden, diskriminiert und geächtet werden? Warum picken sich Jehovas Zeugen nur die „Rosinen“ der Bibeltexte heraus, betrachten dabei jedoch nicht den gesamten Kontext – ist dies Gottes Wille, oder ging nicht auch so der Teufel vor, um Jesus Christus zum Fall zu bringen? Würde Satan, der als „Lichtbringer“ und „Engel des Lichts“ bekannt ist, nicht genau so vorgehen, wie es die leitende Körperschaft tut, und wie sie es allen anderen Zeugen Jehovas empfiehlt?

Quelle: tv.JWOrg (Ab 53:00 min.)

von |November 7th, 2017|2017|0 Kommentare

Ex-Mitglied der Zeugen Jehovas exklusiv im RT Deutsch Interview: Fakten und Hintergründe

RT Deutsch traf in Hamburg die ehemalige Zeugin Jehovas, Margit Ricarda Rolf. Sie war 16 Jahre lang ein aktives Mitglied der Organisation und ist seit 2004 in der Aussteiger-Szene aktiv. Sie übt Kritik an der kontroversen Religionsgemeinschaft und zeigt auf, dass die Regeln und Bedingungen der Zeugen Jehovas prädestiniert sind ganze Familien zu zerbrechen. Außerdem unterstreicht sie die enorme Diskrepanz zwischen den Individualrechten der einzelnen Mitglieder und der allgemeinen Handlungsfreiheit der Organisation. In ihrer Aufklärungsarbeit unterstützt sie andere bei der Bewältigung des Lebenstraumas.

von |September 15th, 2017|2017|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Wie es ist, die Zeugen Jehovas zu verlassen

Was wissen wir über die Zeugen Jehovas? Sie feiern keine Geburtstage oder Weihnachten, Bluttransfusionen sind böse. Ihr Leben besteht aus beten, missionieren und sehr vielen Verboten. Oliver Wolschke erzählt über seinen Austritt aus der umstrittenen Glaubensgemeinschaft und berichtet über die Hintergründe und Motive.

Jehovas Zeugen – Die Folgen des Ausstiegs

Der ehemalige Zeuge Jehovas und Buchautor Konja Simon Rohde spricht über seine Erlebnisse und Erfahrungen der umstrittenen Glaubensgemeinschaft. Dabei geht es insbesondere über die Ächtung der eigenen Familienangehörigen, dem Suizid seines Bruders, die Indoktrinierung innerhalb der Gemeinschaft, die Langzeitfolgen wie psychosomatische Störungen sowie dem erfolgreichen Leben danach.

Der Wahrheit auf der Spur

Mariette Scheidegger wurde in eine Zeugen Jehovas-Familie hineingeboren. Der Weg hinaus war geprägt von großen inneren Kämpfen. In dem 12minütigen Porträt erzählt sie ihre Geschichte.

DER WAHRHEIT AUF DER SPUR (TRUTH BE TOLD) ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge über das Aufwachsen in der Religion der Zeugen Jehovas. Der Titel spielt auf die Tendenz der Zeugen Jehovas an, ihren Glauben als die einzige „Wahrheit“ anzusehen. In einer Reihe an informellen Interviews berichten ehemalige Zeugen Jehovas über ihre Lebenserfahrungen in der Organisation, etwa über den Einfluss der Religion auf ihre Kindheit und ihre Familie, auf ihre Schulbildung, ihre Jugend und ihre Haltung zu Beziehungen und Ehe.

An die leitende Körperschaft

Wahrheiten jetzt! ist dankbar dafür, dass die Wachtturm-Gesellschaft der Website so viel Aufmerksamkeit gibt. Die Themen auf dieser Website müssen die Wachtturm-Gesellschaft so sehr stören, dass sie alles daran setzen den Betreiber in Gerichtsprozesse zu ziehen um ihm hohe Geldstrafen (bis zu 250.000€) oder ersatzweise 6 Monate Haft anzudrohen. Liebe leitende Körperschaft, D. H. Splane, A. Morris III., D. M. Sanderson, G. W. Jackson, M. S. Lett. S. F. Herd, G. Lösch und G. H. Pierce:

Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, nur die Lüge braucht Gesetzesschutz!

Erwartet Gott und Jesus das von euch? Hätte Jesus so gehandelt? Ihr sagt von euch selbst das ihr vom "Geist geleitet" seid. Ihr sagt selbst das ihr geistgesalbte Christen seid. Ihr sagt selbst das die Bibel über allem steht. Warum macht ihr euch dann selbst, durch Gerichtsprozesse lächerlich? Warum versucht ihr erneut zu richten? Warum wollt ihr nicht in die Fußstapfen Jesu treten, der so mild gesinnt war?

"Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?" (Johannes 18:10, 11)

Da ihr euch offensichtlich auf dem Weg der Finsternis befindet, wünscht euch Wahrheiten jetzt! sehr baldig, Jesus anzuerkennen und ihm nachzufolgen, um dem Willen des Vaters zu tun!