Jehovas Zeugen – Razzia wegen Kindesmissbrauch

Zeugen Jehovas: Kindesmissbrauch in den 6 Uhr Nachrichten – Polizei und Vertreter der Justiz durchsuchten das Zweigbüro, zwei Königreichssäle und vier Wohnungen der Zeugen Jehovas in den Niederlanden. Es werden derzeit 9 Fällen von Missbrauch untersucht, in den Zeugen Jehovas verwickelt sind. Es ist kein einziger Fall bekannt, in dem die Justiz zu einem vergleichbaren Vorgehen in einer religiösen Gemeinde oder Kirche gezwungen war. Der Niederländische Justizminister unterstützt das Vorgehen ausdrücklich. Wie reagieren Jehovas Zeugen darauf? Wie immer mit den gleichen leeren Worthülsen.

von |Dezember 17th, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Sexueller Missbrauch von Kindern

Zeugen Jehovas: Opfer sexuellen Missbrauchs innerhalb der Religionsgemeinschaft haben sich an die Report-Mainz-Redaktion gewandt. Sie berichten darüber, dass sie als Kinder missbraucht wurden und dass die Gemeinschaft dies zu vertuschen versucht hat. Wer redet, bekommt Druck und wird aus der Gemeinde ausgeschlossen, so das Fazit.

von |November 30th, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Geschworene verklagen die Wachtturm-Organisation aufgrund von Kindesmissbrauch zu 35 Millionen US-Dollar

HELENA, Mont. – Die Zeugen Jehovas müssen 35 Millionen US-Dollar an eine Frau zahlen, die sagt, die nationale Organisation der Kirche habe Montana-Älteste angewiesen, ihren sexuellen Missbrauch als Kind nicht durch ein Gemeindemitglied zu melden –  so entschied die Jury in ihrem Urteil.

Ein Richter muss die Strafe überprüfen, und die nationale Organisation der Zeugen Jehovas – Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft von New York – plant, Berufung einzulegen.

Dennoch sagten die Anwälte der 21-jährigen Frau, dass das Urteil vom Mittwoch eine Botschaft an die Kirche sendet, um [in Zukunft] den Missbrauch von Kindern an externe Behörden zu melden.

„Hoffentlich ist diese Botschaft laut genug, dass die Organisation ihre Vorgehensweise so ändern wird, dass sie die Sicherheit von Kindern priorisieren, damit andere Kinder in Zukunft nicht missbraucht werden“, sagte Anwalt Neil Smith am Donnerstag.

Das Büro für öffentliche Information im Welthauptquartier der Zeugen Jehovas reagierte auf das Urteil mit einer nicht unterschriebenen Erklärung.

„Jehovas Zeugen verabscheuen Kindesmissbrauch und bemühen sich, Kinder vor solchen Handlungen zu schützen. Der Wachtturm verfolgt eine Revision der Berufungsliste“, hieß es.

Der Fall Montana ist einer von Dutzenden, die in den letzten zehn Jahren landesweit eingereicht wurden, weil Zeugen Jehovas den sexuellen Missbrauch von Kindern vertuschten.

Der Fall, der die Entscheidung vom Mittwoch angestoßen hatte, betraf zwei Frauen, jetzt 32 und 21 Jahre alt, die behaupten, ein Familienmitglied habe sie und ein drittes Familienmitglied in Thompson Falls in den 1990er und 2000er Jahren sexuell missbraucht.

Die Frauen sagen, dass sie den Kirchenältesten den Missbrauch gemeldet haben, der die Angelegenheit intern nach Rücksprache mit der nationalen Organisation behandelt hat.

Die Ältesten vertrieben den Täter 2004 aus der Versammlung und setzten ihn dann im nächsten Jahr wieder ein, heißt es in der Klage, und der Missbrauch des Mädchens, das jetzt 21 Jahre alt ist, ging weiter.

In der Klage wurde behauptet, dass die örtlichen und nationalen Organisationen der Zeugen Jehovas fahrlässig gehandelt und gegen ein Gesetz von Montana verstoßen hätten, wonach sie Missbrauch an externe Behörden melden müssten.

„Ihr nationales Hauptquartier, Wachtturm genannt, kontrolliert, wann und ob jemand in ihrer Organisation Kindesmissbrauch meldet“, sagte Smith. „Der Wachtturm wies alle Beteiligten an, dass sie die Angelegenheit nicht den Behörden melden sollten.“

Anwälte der Zeugen Jehovas sagten vor Gericht, dass das Montana-Gesetz die Ältesten davon abhalte, „interne kirchliche Verfahren über die schwere Sünde eines Versammlungsmitglieds“ zu melden.

Die Kirche behauptete auch, dass die nationale Organisation nicht für die Handlungen von Ältesten verantwortlich und dass zu viel Zeit für die Frauen vergangen sei, um zu klagen.

Die Jury sprach der 21-jährigen Frau 4 Millionen Dollar für ihre Verletzungen, 30 Millionen Dollar Strafschadensersatz gegen die Wachtturm-Gesellschaft und 1 Million Dollar Strafschadensersatz gegen die Christliche Versammlung der Zeugen Jehovas zu.

Der Geldbetrag muss vom Prozessrichter überprüft sein und könnte reduziert werden. Ein Montana-Gesetz begrenzt Strafschadenersatz auf 3 Prozent des Nettovermögens eines Unternehmens oder 10 Millionen Dollar, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Eine rechtliche Anfechtung dieses Gesetzes ist vor dem Obersten Gerichtshof von Montana anhängig.

Die Jury wies Behauptungen zurück, dass die Kirche den Missbrauch der zweiten Frau durch das gleiche Gemeindemitglied hätte melden müssen. Die Juroren kamen zu dem Schluss, dass die Kirchenältesten 1998 nicht von der Misshandlung durch die 32-jährige Frau informiert worden und daher nicht verpflichtet waren, dies den Behörden zu melden.

Quelle: NBCNEWS

 

Update 01.10.2018: Vertrauliche Dokumente veröffentlicht

Neil Smith, Rechtsanwalt der Kanzlei Nix Patterson LLP, hat am 30. Oktober 2018 der Öffentlichkeit einige Dokumente im Fall Montana/Wachtturm-Gesellschaft auf Twitter zur Verfügung gestellt.

Bei den Dokumenten handelte es sich unter anderem, um einen Brief (19. März 2004) des Missbrauchsopfers an das Rechtskomitee ihrer Versammlung in Thompson Falls, der detailliert die sexuellen Übergriffe des Stiefvaters beschreibt. Sie schildert, dass die Übergriffe einige Wochen nach der Heirat ihrer Mutter mit ihrem Stiefvater begonnen hatten. Sie war zu dieser Zeit 11 Jahre alt. Ihr Bruder, der ebenfalls Opfer von sexuellen Übergriffen wurde, war 8 Jahre alt. Es handelte sich um massiven Missbrauch, der sich über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren erstreckte.

Die Frau beschreibt, dass sie versucht hat Hilfe bei ihrer Mutter zu suchen, die jedoch ihrer Tochter keinen Glauben schenkte und ihren Mann zu verteidigen versuchte. Das besonders traurige an diesem Brief ist der letzte Satz: „Ich möchte den Hirten Jehovas dafür danken, dass sie sich um seine Herde und um diese Situation gekümmert haben.“

von |September 27th, 2018|2018|2 Kommentare

Jehovas Zeugen – Über 300 Versammlungen wurden in Deutschland geschlossen

Jedes Jahr veröffentlichen Jehovas Zeugen in ihrem „Amtsblatt“ neuste Statistiken über die gegenwärtige Lage der Versammlungen. Darin enthalten die Neugründung, die Schließung sowie Verschmelzung einzelner Versammlungen. Eine genaue Analyse der von Jehovas Zeugen veröffentlichten Statistiken belegt: Über 300 Versammlungen wurden in den letzten Jahren geschlossen!

Das Amtsblatt 3/2018 ergibt:

Schließung

  • Crottendorf und Annaberg-Buchholz-West zu Annaberg-Buchholz-West
  • Bremen-Türkisch und Bremen-Findorff zu Bremen-Findorff
  • KasselKroatisch/Serbisch und Kassel-Nord zu Kassel-Nord
  • Saarbrücken-Türkisch und Saarbrücken-Güdingen zu Saarbrücken-Güdingen
  • Reichertshofen und Wolnzach-Süd zu Wolnzach-Süd
  • Bautzen-Süd und Bautzen-Nord zu Bautzen
  • Chemnitz-Süd und Chemnitz-Ost zu Chemnitz-Ost
  • Mainz-Griechisch und Rüsselsheim-Griechisch zu Rüsselsheim-Griechisch

Es werden wieder 16 Versammlungen zu 8 Versammlungen verschmolzen!

Gründung

  • Dortmund-Rumänisch
  • Ingolstadt-Spanisch
  • Lahr-Portugiesisch
  • München-Bulgarisch
  • Karlsruhe-Rumänisch

Neugründung von 5 Versammlungen, welche alle nicht deutschsprachig sind.
Vorteil: Der Entfall von 8 Versammlungen wird durch Neugründung von 5 in der Statistik auf 3 reduziert!

Die Verkündigerzahl bleibt jedoch gleich. Es ist ein potemkinsches Dorf. Leider prüft niemand im Kontext der KdöR die Mitgliederzahlen, eines der wichtigen Merkmale die auch heute noch Probleme für den KdöR-Status bedeuten könnten.

Jahresüberblick der geschlossenen Versammlungen:

  • 2006 – 4 Versammlungen
  • 2007 – 26 Versammlungen
  • 2008 – 22 Versammlungen
  • 2009 – 18 Versammlungen
  • 2010 – 28 Versammlungen
  • 2011 – 26 Versammlungen
  • 2012 – 14 Versammlungen
  • 2013 – 62 Versammlungen
  • 2014 – 62 Versammlungen
  • 2015 – 70 Versammlungen
  • 2016 – 120 Versammlungen
  • 2017 – 104 Versammlungen
  • 2018 – 44 Versammlungen

Summe: 600 von Zusammenlegungen betroffene Versammlungen, 300 Versammlungen sind demnach seit 2006 verschwunden – durchschnittlich 25 im Jahr.

Quelle: Jehovas Zeugen

von |September 23rd, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – „Als sei ich von einer anderen Welt“

Sektenanhänger, die den Ausstieg aus ihrer Gemeinschaft wagen und schaffen, sind oft stigmatisiert oder gar traumatisiert. Nach dem Leidensweg in der Sekte folgt der Leidensweg des Ausstiegs. Deshalb fehlt den meisten die Kraft, sich gegen die Sekte zu wehren. In jüngster Zeit wagen es aber immer mehr Aussteiger der Zeugen Jehovas, ihre schmerzlichen Erfahrungen publik zu machen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und aufzuklären. Die Zahl der kritischen Publikationen ist in den letzten Jahren gestiegen.

Neu ist aber, dass es nun auch jüngere Personen die Kraft aufbringen, den Zeugen die Stirn zu bieten. Den Mut dazu aufgebracht hat auch die 23 Jahre alte Sophie Jones aus Leipzig. Sie schildert ihren Weg und den Ausstieg in mehreren bemerkenswerten Videos und Artikeln, die grosse Beachtung finden. Im Interview mit watson beschreibt sie ihre Motivation, sich zu outen und Aufklärungsarbeit zu betreiben.

War die Entfremdung von den Zeugen Jehovas ein langsamer Prozess oder hat ein einschneidendes Erlebnis die Einsicht bewirkt, dass Sie in einer sektenhaften Glaubensgemeinschaft leben?
Nachdem ich im Alter von 17 bei den Zeugen Jehovas getauft worden war, auferlegten mir die Ältesten, also das Führungsgremium, ein Kontaktverbot zu meinem Vater, der früher schon ausgeschlossen worden war. Ich verstand es nicht. Diese schmerzliche Erfahrung öffnete mir nach und nach die Augen.

Wie lang dauerte der Prozess von den ersten Zweifeln bis zur Überzeugung, dass Sie sich aus den Zwängen der Zeugen Jehovas befreien müssen? 
Ich hatte schon immer Zweifel, aber als Kind oder Jugendliche werden diese im Keim erstickt. Es fehlt noch die Kraft, sich aufzulehnen. Wenn man älter wird, kann man alles besser einordnen und sucht automatisch Kontakte zu Menschen ausserhalb der Gemeinschaft. Dann merkte ich langsam, dass vieles falsch dargestellt wurde und ich einem Irrglauben zum Opfer gefallen bin.

Wie haben Ihre Eltern und die Ältesten reagiert, als Sie realisierten, dass Sie der Glaubensgemeinschaft den Rücken gekehrt haben? 
Die Ältesten suchten den Kontakt und wollten Gespräche mit mir führen, was ich vehement abgelehnt habe. Als es meine Mutter erfahren hatte, wollte sie sofort mit mir darüber diskutieren. Da ich noch nie ein enges Verhältnis zu ihr hatte und ausgezogen war, fiel es mir nicht schwer, auch diese Gespräche abzublocken.

Sind Sie beim Loslösungsprozess von Selbstzweifeln geplagt worden, haben Sie Ängste entwickelt, Jehova zu verraten? 
Es gibt immer Momente, in denen man sich nicht sicher ist, ob das, was man tut, die richtige Entscheidung ist. Man verliert das bisherige Leben komplett: Familie, Freunde und den Glauben an alle Heilsversprechen. Am Anfang bricht alles über einem zusammen.

«Es war furchtbar. Alles war neu und unbekannt, ich hatte ständig Schuldgefühle und Angst, beobachtet zu werden. Ich habe mich abnormal gefühlt, als wäre ich von einer anderen Welt.»

Wann haben Sie das erste Mal gespürt, dass der Ausstieg ein Akt der Befreiung ist? 
Als ich den ersten Zeugen Jehovas in meinem Umfeld gesagt habe, dass ich nicht mehr in die Zusammenkünfte komme.

Haben Sie sich rasch in der Aussenwelt zurechtgefunden oder war die Integration in der «satanischen Gesellschaft» ein schmerzhafter Prozess? 
Es war furchtbar. Alles war neu und unbekannt, ich hatte ständig Schuldgefühle und Angst, beobachtet zu werden. Ich habe mich abnormal gefühlt, als wäre ich von einer anderen Welt. Es hat sehr lange gedauert, bis ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein.

Hatten Sie das Bedürfnis, sich nach dem Ausstieg auszutoben und alles auszuprobieren, was bei den Zeugen Jehovas verboten oder verpönt war?
Ein bisschen schon. Die ganzen «bösen Dinge» zu tun war sehr aufregend. Ich verspürte diesen Kick, etwas Verbotenes zu tun. Trotzdem waren auch immer Hemmungen und Schuldgefühle da, die mich etwas gebremst haben. Ich musste einen gesunden Mittelweg finden.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihren Ausstieg durch Videos öffentlich zu machen? 
Auch nach meinem Ausstieg habe ich mich jahrelang geschämt, für das, was ich war und was ich erlebt habe. Aber ich bin jetzt ein völlig neuer Mensch, und die Vergangenheit ist Teil meines Lebens. Ich möchte mithelfen, den Menschen die Augen zu öffnen. Gleichzeitig hoffe ich, viele Zeugen zu ermuntern, selbst auszusteigen.

Haben Ihre Angehörigen und die Zeugen Jehovas schon auf die Videos reagiert, die Sie veröffentlicht haben? 
Bis jetzt noch nicht, aber ich bin gespannt darauf, was noch kommen wird.

Haben Sie es je bereut, sich zu outen? 
Nein.

Haben Sie schon Rückmeldungen von Zeugen bekommen? Hat schon einer oder eine aufgrund Ihres Videos den Ausstieg gewagt? 
Ich habe einige Nachrichten erhalten von Ex-Zeugen, die vor kurzem ausgestiegen sind. Aber auch von Personen, die sich gerade im Ausstieg befinden. Es bestärkt mich zu sehen, wie ich mit meinen Erfahrungen anderen Mut machen kann. Allein durch meine Videos wird vermutlich keiner aussteigen, aber es freut mich, wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann.

Quelle: watson.ch | Hugo Stamm

von |September 17th, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – „Meine Eltern hätten mich sterben lassen“

Viele Jahre war unsere Gastautorin Mitglied der Zeugen Jehovas. Für NEON berichtet sie vom Alltag in der Glaubensgemeinschaft und dem Moment, in dem sie entschied, den Austritt zu wagen.

Ein ziemlich braves Mädchen, so mit langem Rock und hochgeschlossener Bluse, was da an deine Tür klopft und mit dir über das Paradies reden möchte – die Kleine war ich. Denn ich wuchs bei den Zeugen Jehovas auf.

Eigentlich war ich ein normales Kind. Aber wer genauer hinsah, merkte, dass etwas nicht ganz stimmte. Kaum Freizeit mit Klassenkameraden, keine Kinobesuche, keine Rapper oder Rockbands. Stattdessen war ich anders gekleidet, zurückgezogen und unsicher.

Bibelverse konnte ich auswendig und wenn andere Geburtstag oder Weihnachten feierten, betete ich zu Gott und der Tag verlief wie jeder andere.

„Der liebe Gott ist stolz auf dich“

Wenn man klein ist, geht das noch. Ich kannte nichts anderes, bin so aufgewachsen und deshalb dachte ich lange Zeit, die anderen seien komisch und unnormal. Bis ich dann irgendwann gemerkt habe: Ich bin der Außenseiter. Und je älter man wird, umso klarer war der Unterschied.

Mobbing von Schulkameraden? Ist doch nicht schlimm, immerhin erträgt man es für Gott! „Der liebe Gott ist stolz auf dich und sieht das alles“, wurde mir gesagt. Na, danke.

Eine Zeit lang redete ich mir das erfolgreich ein, weinte nachts ins Kopfkissen und bat Gott, das Leid zu beenden. Nichts passierte. Ich hatte zwar „Freunde“ in der Versammlung, das waren aber auch die einzigen. Meine Freizeit war gefüllt mit Predigtdienst und Bibellesen. Wenn ich Zeit mit anderen Teenagern verbringen wollte, die nur leider nicht in der „Wahrheit“ (also Ungläubige) waren, hieß es, sie wären schlechter Umgang für mich. Und gleich danach ein Bibeltext:“Schlechter Umgang verdirbt nützliche Gewohnheiten.“

Sieht Gott wirklich alles?

Da waren sie wieder: Schuldgefühle. Gott will nicht, dass du dich mit Menschen triffst, die nicht an ihn glauben, hieß es immer. Aber ich wollte Freunde haben! Auch normal sein. Einmal eingeladen werden, ins Kino oder auf eine Party und „Ja“ sagen können! Aber das hatte sich bald erledigt: Mit der Zeit wurde ich kaum noch eingeladen und musste mir auch keine Ausreden mehr überlegen.

Dennoch meldete sich die Schuld weiter. Ich sollte dazu stehen, was ich glaubte und es nicht verleugnen. „Jehova wird so enttäuscht sein. Und er sieht ALLES!“ war ein typischer Satz meiner Mutter.

Der Gedanke, dass Gott alles sieht, machte mich wahnsinnig. Als würde er nur darauf warten, dass ich sündige und angekrochen komme, um ihn um Vergebung anzubetteln. Um zu sehen, ob ich einen Ballerfilm gucke, Bier trinke, einen zu kurzen Rock trage, rumknutsche, rauche, fluche, lüge, was auch immer: Er sieht mich!

Aber auch von der anderen Seite kam Druck, der genau so schlimm war: „Warum feierst du keinen Geburtstag? Wo gehst du Donnerstagabend immer hin? Warum darfst du nicht mit uns zu der Party? Was hast du schon wieder für komische Sachen an? Waaaas, du kennst nicht diese neue krasse Band?“

Meine Mitschüler wollten es natürlich genau wissen. Und als sie sich dann über die Zeugen informiert hatten, wurden die Fragen schwieriger: „Du darfst keine Bluttransfusion bekommen, wenn du einen Unfall hattest? Du darfst keinen Sex vor der Ehe haben? Warum hast du zu deinem Vater keinen Kontakt mehr?“

Zeugen Jehovas dürfen keinen Kontakt zu Ausgeschlossenen haben

Auf diese Fragen hatte ich leider selbst keine Antwort. Ich war unglücklich. Mir war klar, dass ich diese ganzen Lehren nicht glauben konnte und nicht danach leben wollte. Ich wusste, dass im Falle eines medizinischen Notfalls meine Eltern für mich entschieden hätten: Kein Blut, auch wenn es den Tod bedeutet. Sie hätten mich im Namen Gottes sterben lassen. Und das Schlimmste: Ich wurde jahrelang so manipuliert, dass ich dem Ganzen noch mit Freuden zugestimmt hätte.

Lange hat es in mir gebrodelt. Mit 17 habe ich mich dennoch taufen lassen. Von da an war mir der Kontakt zu meinem Vater strengstens verboten, denn er war ein Ausgeschlossener. Und Zeugen Jehovas dürfen keinen Kontakt zu Ausgeschlossenen haben, auch wenn es die eigene Familie ist. Das habe ich nicht verkraftet. Ich war hin- und hergerissen, wütend und tieftraurig. Ich konnte einfach nicht glauben, dass ein „Gott der Liebe“ Familien geschaffen hat – und sie dann auseinander reißt.

Ich habe mein Leben zurück

Ungefähr ein Jahr später habe ich mich gelöst und mir ein völlig neues Leben aufgebaut. Ich habe alles hinter mir gelassen, bin umgezogen und habe einen neuen Menschen kreiert: MICH. So wie ich sein will, wie ich glücklich bin.

Jetzt bin ich 23 und lebe so frei und zufrieden wie nie zuvor. Ich muss es niemandem mehr recht machen, gehe meinen eigenen Weg und habe so viele wertvolle Menschen kennengelernt, die mich lieben, ohne Bedingungen zu stellen und immer da sind.

Es war nicht immer leicht, durchzuhalten und mich in einer Welt zurechtzufinden, die mir so oft fremd vorkam. Aber wenn man das Risiko eingeht, etwas hinter sich zu lassen, was einem nicht gut tut, kann man das Wichtigste gewinnen: sein Leben.

Ihre Erfahrungen bei den Zeugen Jehovas teilt Sophie Jones auch auf ihrem Youtube-Kanal. Außerdem hilft sie gemeinsam mit dem Verein JW Opfer Hilfe e.V. Menschen, die den Ausstieg wagen wollen.

Quelle: Stern.de

von |September 12th, 2018|2018|0 Kommentare

Jehovas Zeugen – Patent auf „Wachtturm“ und „Erwachet“: Ein Unternehmer sichert sich Marken der Zeugen Jehovas

Für die Zeitschriften „Wachtturm“ und „Erwachet“ liegt das Markenrecht bei einem bayerischen Unternehmer – die Zeugen Jehovas sind empört.

Ein Unternehmer aus Bayern hat sich die Marken „Wachtturm“ und „Erwachet“ beim Deutschen Patent- und Markenamt gesichert. Die Namen der beiden Zeugen-Jehovas-Magazine. Als Grund gibt Thomas Resch aus Hauzenberg laut Bild vom Dienstag aufdringliche Jehovas-Mitglieder an seiner Haustür an, ein Vorfall aus dem Sommer 2017.

Wie das Springer-Blatt am Dienstag unter der Headline „Böses Erwachen auf dem Patentamt: Unternehmer trickst Zeugen Jehovas aus“ berichtet, bietet der 47-jährige Unternehmer die von ihm gesicherten Marken nun zum Verkauf an. Die Boulevardzeitung bildet dazu Resch mit den beiden Urkunden des Patent- und Markenamts vom Juni 2017 ab.

Naturgemäß reagieren die Zeugen Jehovas aufgeregt; der Bild sagt ein Sprecher, das Patentamt hätte dem Antrag nicht stattgeben dürfen. Und:

„Wir fordern Herrn Resch dazu auf, die rechtswidrig und böswillig erlangten Marken unverzüglich abzugeben.“

Der Unternehmer fühlt sich indes im Recht, wartet der Zeitung zufolge auf ein „gutes Angebot“ der Glaubensgemeinschaft, um sich gesprächsbereit zu zeigen.

Der „Wachtturm“ und „Erwachet“ sind die wichtigsten Zeitschriften der Zeugen Jehovas. Laut Bild könnte die Auflage der beiden Blätter bei 2,8 Millionen Exemplaren liegen – und damit weit über jener deutscher Nachrichtenmagazine.

Quelle: WUV | Petra Schwegler

von |August 28th, 2018|2018|1 Kommentar

Jehovas Zeugen – Der Wachtturm-Opfer-Gedenktag

Weltweite Untersuchungen, wie die der Australian Royal Commission (ARC) zeigen, dass der interne Umgang mit Kindesmissbrauch mehr als schockierend ist. Die ARC kam zu dem Ergebnis, dass von über 1800 Kindern, welche von 1006 mutmaßlichen Tätern missbraucht wurden, nur bei 579 Tätern eine interne Ermittlung stattfand. Kein einziger dieser Fälle wurde seitens der Organisation der Zeugen Jehovas den Behörden übergeben.

Warum der 26. Juli?

Die religiöse Bewegung wurde durch eine Person vereinnahmt, welche alle Grundlagen und Menschlichkeit des Vorgängers beseitigte. Diese Bewegung, welche einstmals als Bibelforscher bekannt war, wurde am 26.07.1931 umbenannt, und ist nun als „Zeugen Jehovas“ bekannt.

Wem wird gedacht?

Der Wachturm-Opfer-Gedenktag soll an alle Opfer einer toxischen und gelegentlich tödlichen Praxis erinnern und auf das Leid Einzelner aufmerksam machen, deren Leid oft unbemerkt bleibt.

Über 8 Millionen Menschen weltweit denken, dass sie durch die vollkommene Isolation aller Personen, welche ihre Weltsicht nicht mehr teilen, diesen helfen zu ihrer Gemeinde zurückzukehren und dadurch eine Möglichkeit auf Erlösung erhalten. Unabhängig ob es die eigenen Eltern, Kinder, Enkel oder einfach nur Freunde betrifft, gilt diese Praxis. Lehnt man diese Regel ab, so ist man ebenso von der Ächtung bedroht. Keiner dieser Menschen hat eine Möglichkeit, die Gemeinde in Würde zu verlassen und eine Entscheidung, welche oft in jungen Jahren getroffen wurde, zu revidieren.

Gelebte Praxis bei Zeugen Jehovas: Die Mutter von Sonja verweigert das Gespräch mit ihrer ausgeschlossenen Tochter. – Kongressvideo 2016

Gelebte Praxis bei Zeugen Jehovas: Die Mutter von Sonja verweigert das Gespräch mit ihrer ausgeschlossenen Tochter.
– Kongressvideo 2016

Religiöse Neuorientierung, Homosexualität, Rauchen, Sex vor der Ehe, das Akzeptieren einer lebensrettenden Bluttransfusion und vieles mehr, führen eine Ächtung herbei. Dies führt zu zerbrochenen Familien, Suiziden, Depressionen, dem Verlust der eigenen Biografie und zu vielem mehr.

Opfer dieser Praxis bzw. deren Angehörige, legen an diesem Tag Blumen und andere Dinge in stillen Gedenken an den Gemeindegebäuden nieder, verteilen Flyer wie diesen und machen in sozialen Medien aufmerksam, um an den Schmerz zu erinnern, den diese Praxis hervorruft. Auch erinnern sie damit an Menschen, welche aus Verzweiflung Suizid begangen haben, durch ein Blutverbot ihr Leben einbüßten und erinnern sich auch an Menschen, welche einst Teil ihres Lebens waren, welche jedoch gezwungen sind, jeden Kontakt zu ihnen abzubrechen.

Éloïse Dupuis, 26, starb am 12. Oktober 2016 nach der Geburt ihres Sohnes. Sie lehnte eine Bluttranfusion aus Glaubensgründen ab. © Cassandra Zélézen/Facebook

Éloïse Dupuis, 26, starb am 12. Oktober 2016 nach der Geburt ihres Sohnes. Sie lehnte eine Bluttranfusion aus Glaubensgründen ab. © Cassandra Zélézen/Facebook

Auch wird den Opfern von Kindesmissbrauch gedacht. Diese Opfer mussten und müssen in der Regel vor einer internen Gerichtsbarkeit aussagen. Dabei sitzen diese in einer geheimen Verhandlung drei Männern gegenüber. Diese drei Männer haben keinerlei psychologische Schulung. Gibt es keine zwei Zeugen – was bei Missbrauch grundsätzlich unsinnig ist – so wird diese Tat intern nicht verfolgt.

© Kwennie Cheng

© Kwennie Cheng

Flyer Wachtturm-Opfer-Gedenktag

Am 26. Juli 2018 ist Wachtturm-Opfer-Gedenktag. Personen, die Opfer der Wachtturm-Doktrin wurden sowie deren Angehörige legen an diesem Tag Blumen und andere Dinge in stillen Gedenken an den Gemeindegebäuden nieder, verteilen Flyer wie diesen und machen in sozialen Medien auf die zerstörerischen Praktiken der Organisation aufmerksam. Jeder kann und sollte sich daran beteiligen!

 

Quelle: oliverwolschke.de | Sebastian

Jehovas Zeugen – Ich war 16 Jahre bei den Zeugen Jehovas, jetzt habe ich eine Botschaft

Margit Ricarda Rolf war Mitglied bei den Zeugen Jehovas. In den 80er Jahren trat sie zusammen mit der Familie ein, 2001 gelang ihr der Ausstieg. Seit 2004 unterstützt sie Menschen, die ebenfalls bei der Sekte aussteigen wollen.

Was viele herunterspielen, wenn es um Sekten geht: Bei Gruppen wie den Zeugen Jehovas werden Kinderseelen zerstört. Das weiß ich nicht nur, weil ich mich um junge Aussteiger gekümmert habe, sondern auch, weil ich es selbst bei meinen eigenen Kindern erlebt habe.

Mit 34 Jahren habe ich mich auf Gespräche mit der Sekte eingelassen: Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie mich überzeugt hatten und wir – also mein Mann und ich wurden als Zeugen Jehovas getauft und nahmen unsere beiden Kindern mit in die Versammlung.

Wir haben während dieser Zeit noch zwei weitere Kinder bekommen. Wir dachten, dass es etwas Gutes sei, eine große Familie zu sein. Schließlich würden wir alle ins Paradies kommen, da wir auserwählt sind.

Erst der “Text des Tages”, dann die erste Mahlzeit

Nur für unsere Kinder war es kein Paradies. Es war schrecklich. Schon die Atmosphäre bei den Zeugen ist kinderfeindlich.

Ich erinnere mich an die schönen Sommertage, die meine Kinder drinnen verbracht haben. Sie mussten den Wachtturm vorstudieren, während andere Kinder draußen gespielt haben.

Auf den langwierigen Versammlungen mussten sie still sitzen und durften sich kaum bewegen. Kinder sollen vom Mutterleib an lernen, was in der Bibel steht.

Die Zeugen Jehovas haben unseren gesamten Alltag bestimmt.

Das hat schon nach dem Aufstehen begonnen. Meine Kinder mussten morgens als Erstes mit mir den Text des Tages besprechen, bevor sie überhaupt etwas essen durften.

Wegen der Zeugen Jehovas haben auch meine drei älteren Kinder kein Gymnasium besucht, Bildung ist nämlich bei der Sekte verpönt. Meine Kinder werfen mir das noch heute vor.

Aber es war für uns kaum möglich, sie frei zu erziehen:Glaubensschwestern oder Älteste haben sie während unseres Predigtdienstes ausgehorcht.

Sie wollten wissen, ob wir auch alle Vorschriften einhalten: “Spricht eure Mutter mit euch auch den Text des Tages durch?”; “Was unternehmt ihr so zusammen?”

Keine Sekunde länger wollte ich in dieser Sekte bleiben

Der erste Bruch kam, als meine älteste Tochter mit 17 Jahren ausgestiegen ist. Wir durften dann eigentlich keinen Kontakt mehr zu ihr haben, haben uns aber nicht daran gehalten.

Einige Zeit später bekam auch mein Sohn Probleme mit den Ältesten – das war für unsere Familie sehr belastend, wir wollten uns nicht gegen unsere Kinder entscheiden. Irgendwann hat es meinem Mann jedoch gereicht: Er hat beschlossen, nicht mehr zu den Versammlungen zu gehen.

Er war auch der Meinung, dass unsere jüngsten Kinder nicht mehr mitkommen müssen, wenn sie nicht wollen. Sie wollten nicht.

Ich war dann allein bei den Versammlungen und wurde ausgegrenzt. Ich wurde ignoriert, fallen gelassen. Das war sehr hart für mich. Denn es ist wirklich schwer, aus dieser Abhängigkeit, diesen Überzeugungen, die man hat, wieder herauszukommen.

Bis ich mich eines Tages bei einer Versammlung, in der uns in grellen Farben der Weltuntergang ausgemalt wurde, gefragt habe: Was mache ich hier noch? Das ist doch pure Angstmacherei!

Währenddessen hat mein Mann im Internet eine Seite von Aussteigern gefunden. Ich war sofort neugierig und habe Kontakt aufgenommen. Danach habe ich mich sehr kritisch mit den Zeugen Jehovas auseinandergesetzt.

Mir wurde klar, dass die Übersetzungen der Bibel bei den Zeugen oft falsch dargestellt wurden, um die Mitglieder klein zu halten und beispielsweise als Hausierer zu missbrauchen.

Keine Sekunde länger wollte ich fortan in dieser Sekte bleiben.

Die Zeugen Jehovas beschneiden das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung

Später habe ich mich dabei engagiert, Aussteigern zu helfen. Viele junge Menschen wollen raus, wenn sie in die Pubertät kommen.

Oft gibt es ein Elternteil, das nicht dazugehört und zu dem der Kontakt abgebrochen wurde. Was ich besonders schlimm finde: Schon da werden Kinder traumatisiert.

Bei den Zeugen Jehovas hören sie dann, dass der Vater oder die Mutter, die nicht Teil der Sekte sind, dem Satan gehören würden.

Wenn Kinder noch klein sind, glauben sie das – sie haben dann wahnsinnige Angst um ihre Eltern. Sie bekommen Panikattacken und nässen sich ein. So werden Seelen zerstört. Insbesondere die von Kindern.

Was ich durch meine Hilfe für Aussteiger und durch meine eigene Erfahrung mitbekommen habe: Kinder werden psychisch misshandelt, gegängelt und geprügelt.

Eine Sekte wie die Zeugen Jehovas beschneidet das Recht auf körperliche Unversehrtheit und freie Entfaltung.

Aber Kinder können sich nicht wehren. Deshalb brauchen sie eure Hilfe – wir müssen unbedingt die Kinderrechte stärken.

Wer aus einer Sekte aussteigen möchte und Hilfe braucht, kann sich gerne über meinen Blog an mich wenden.

Das Gespräch wurde von Lisa Mayerhofer aufgezeichnet.

Quelle: Focus | Margit Ricarda Rolf

Jehovas Zeugen – Vernichtung aller Dokumente über Kindesmissbrauch weil „Satan kommt!“

Laut einem Video, das von einer anonymen Quelle durchsickert und nun vom Philadelphia Inquirer veröffentlicht wurde, gibt es Beweise für einen Mitarbeiter der Zeugen Jehovas, der Älteste auffordert, Informationen zu zerstören, die sie möglicherweise in Skandale um den sexuellen Missbrauch von Kindern bringen könnten.

Die Rede wurde während eines Seminars 2017 in Großbritannien an die Ältesten gehalten.

Shawn Bartlett, der Aufseher der Zeugenverwaltung, erklärte, dass handschriftliche Notizen und Entwürfe von internen Dokumenten vernichtet werden müssten, weil sie der Organisation, die acht Millionen Anhänger weltweit und mehr als ein Dutzend Gemeinden in Philadelphia hat, rechtlichen Schaden zufügen könnten.

[…]

„Nun, wir wissen, dass sich die Szene dieser Welt verändert, und wir wissen, dass Satan uns folgt und er legal gegen uns vorgehen wird. Wir können sehen, wie sich die Dinge entwickeln. So hat die Organisation gesagt: „Wir sind in der Vergangenheit aufgrund der Aufzeichnungen, die wir haben, in Schwierigkeiten geraten.““

Satan kommt niemandem nach. Es sind ehemalige Zeugen, die die Anklage als Whistleblower angeführt haben. Und die Schwierigkeiten ergeben sich nicht aus den Aufzeichnungen, sondern aus den Ideen selbst. Es ist so, als würde man die Existenz eines blutigen Handschuhs dafür verantwortlich machen, dass man nicht mit Mord davonkommt – man konzentriert sich auf das falsche Problem.

Die Zeugen sind in den letzten Jahren unter Beschuss geraten wegen Missbrauchsvorwürfen. Sammelklagen im Wert von mehreren zehn Millionen Dollar wurden sowohl in Quebec als auch in Ontario eingereicht und bestanden darauf, dass die Politik der Gruppe Führer schützte, die Kinder missbrauchten.

Zum Beispiel fördert die Wachtturm-Gesellschaft das, was als „Zwei-Zeugen-Regel“ bekannt ist. Kirchenälteste sollten den Missbrauch eines Opfers nicht ernst nehmen, es sei denn, es wurde von einer anderen Person bezeugt … obwohl die einzige andere Person der Täter selbst sein könnte. Eine australische Kommission sagte auch, dass viele der Täter nicht in irgendeiner Weise diszipliniert wurden. In einigen Fällen durften sie sogar in der Organisation bleiben, was ihnen die Möglichkeit gab, erneut zuzuschlagen.

All dies führte zusätzlich zu einer Geldstrafe von 2.000.000 Dollar, die ein kalifornischer Richter gegen die religiöse Gruppe erhebt, weil sie keine Dokumente mit Hunderten von mutmaßlichen Kinderschändern in der Organisation abgegeben hat.

Es ist unklar, ob dieses Video als Beweismaterial für irgendwelche strafrechtlichen Ermittlungen verwendet werden könnte, aber es scheint offensichtlich, dass die Zeugen mehr Angst davor haben, ihre eigene Esel-Elite zu beschützen, als die Kinder in ihrer Obhut.

Jehovas Zeugen – Europäischer Gerichtshof entscheidet dass Zeugen Jehovas EU-Datenschutzrichtlinie einhalten müssen

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat am 10. Juli 2018 entschieden, dass Zeugen Jehovas sich an die EU-Datenschutzrichtlinien halten müssen. Dies betrifft vor allem die Missionierung an den Türen und damit einhergehend das Anfertigen von Notizen, was eine Form der Datenverarbeitung darstellt. Die Religionsgemeinschaft sei, gemeinsam mit ihren als Verkündiger tätigen Mitgliedern für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten verantwortlich, heißt es im Urteil.

Im September 2013 entschied die Datenschutzkommission aus Finnland, dass die Zeugen Jehovas personenbezogene Daten von Hausbesuchen nur erheben und verarbeiten dürfen, wenn sie sich an die rechtlichen Bestimmungen halten. Die Zeugen Jehovas klagten gegen diese Auflage, der Fall wurde an den EuGH weitergereicht.

Zeugen Jehovas argumentieren, sie machten zwar Notizen zu Namen, Anschriften und Datum des jeweiligen Besuchs, teilweise auch zum Inhalt der geführten Gespräche. Jedoch soll es sich dabei um rein persönliche Notizen der Mitglieder handeln. Die Gemeinschaft als solche erstelle weder eine Datei im Sinne des Datenschutzgesetzes noch greife sie darauf zu.

Hierzu möchte ich auf einen Artikel des Kölner Express hinweisen, der kürzlich über eine groß angelegte Offensive der Zeugen schrieb. Anwohner berichteten, dass Zeugen Jehovas zuhauf im Kölner Süden ausschwärmten und an den Türen klingelten. Die Wohnungsinhaber beobachteten durch die Türspione, wie die Zeugen etwas auf Zetteln notierten.

Ein Sprecher der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Zeugen Jehovas bestätigte auf EXPRESS-Anfrage, dass es eine groß angelegte Predigt-Aktion im Raum Köln gegeben hat. Warum dabei Namen notiert worden sind, konnte er sich allerdings nicht erklären. Dies sei keine Anordnung der Religionsgemeinschaft, hieß es.
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Während der Sprecher der Zeugen Jehovas sich nicht erklären konnte, warum man Namen notierte – immerhin war das neue Datenschutzgesetz bereits in Kraft getreten – führten Zeugen Jehovas vor dem EuGH einen Rechtsstreit, weil sie indirekt gerne weiterhin Namen notieren wollen.

Für einen Zeugen Jehovas ist völlig klar, dass die Missionierung, ohne personenbezogene Daten zu notieren, nur schwer durchführbar ist – speziell was Rückbesuche betrifft. Zeugen Jehovas lassen sich in der Regel ein persönliches Gebiet aushändigen, dass idealerweise innerhalb eines halben Jahres durchgearbeitet werden sollte. Ein Gebiet umfasst meist einen Straßenblock mit ungefähr 80 bis 160 Wohnungen. Ein Gebiet gilt als durchgearbeitet, wenn man jede Person angetroffen hat. Daher versucht man zu unterschiedlichen Zeiten im Gebiet die Wohnungsinhaber anzutreffen. Hat eine Person kein Interesse, wird dies in den Notizen vermerkt, um nicht wieder vorzusprechen.

Gleiches gilt für Personen, die Interesse gezeigt haben, also eine Publikation entgegengenommen oder sich ein Video angeschaut haben. Auch der Hinweis des Wohnungsinhabers, man hätte gerade keine Zeit, versteht der Zeuge meist als Aufforderung erneut vorbeizuschauen. Dies ist ohne Notizen nur schwer durchführbar, daher müsste der Wohnungsinhaber um Erlaubnis gebeten werden, dass man sich für einen Rückbesuch seine Daten notiert.

Auf Twitter lese ich immer wieder von Personen, die dem Namen nach ausländischer Herkunft sind und das Gefühl hatten, dass Zeugen Jehovas gezielt nur sie persönlich aufsuchen wollten. Sie wurden meist auch in der von den Zeugen vermuteten Muttersprache angesprochen. Für mich als Ehemaligen verwundert dies nicht, da es hier seitens der Organisation sogar einen eigenen Vordruck gibt (Formular S-43). Dieser wird verwendet, um Personen, die nicht im eigenen Gebiet wohnen oder eine Fremdsprache sprechen und dem Anschein nach Interesse haben, die bestmögliche Betreuung zukommen zu lassen. Dieses Formular wird, nach den Angaben der Organisation, „dem Sekretär [über]geben. Er wird die Information innerhalb von ein, zwei Tagen an die entsprechende Versammlung weiterleiten oder an das Zweigbüro […] Es ist wichtig, dass Älteste regelmäßig auf der Website nachsehen. Erfahren sie so, dass jemand besucht werden möchte, ist schnell zu handeln.“ Zu meiner Zeit wurde auch gezielt nach ausländisch klingenden Namen gesucht – der sogenannte „Suchdienst“ -, um diese dann an die jeweilige fremdsprachige Gruppe von Zeugen Jehovas über das genannte Formular zu übermitteln.

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Die WTG hat vor dem EuGH versucht zu begründen, dass es sich um rein persönliche Notizen der Mitglieder handle und die Gemeinschaft als solche erstelle weder eine Datei im Sinne des Datenschutzgesetzes noch greife sie darauf zu. Ein Zeuge Jehovas weiß dagegen sehr genau, dass die Missionierung und die Art und Weise wie man dabei vorgeht, von der WTG empfohlen und vorgegeben wird. Die Notizen werden unter den Mitgliedern auch herumgereicht, beispielsweise wenn in Gruppen innerhalb der Gebiete missioniert wird.

Daher stellte das Gericht fest:

Insbesondere ist diese Tätigkeit keine ausschließlich persönliche oder familiäre Tätigkeit, für die diese Vorschriften nicht gelten. Der Umstand, dass die Verkündigungstätigkeit von Tür zu Tür durch das in Art. 10 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der EU verankerte Grundrecht auf Gewissens- und Religionsfreiheit geschützt ist, verleiht ihr keinen ausschließlich persönlichen oder familiären Charakter, da sie über die private Sphäre eines als Verkündiger tätigen Mitglieds einer Religionsgemeinschaft hinausgeht.
Gerichtshof der Europäischen Union, Pressemitteilung Nr. 103/18

Dass es sich bei der Missionierung nicht um eine private Angelegenheit handelt, ist bereits daran zu erkennen, dass die Missionierung ein Erfordernis für die Taufe eines Zeugen Jehovas darstellt. Auch wird über diese Tätigkeit monatlich an die Organisation berichtet, wozu Vordrucke verwendet werden, die ebenfalls von der WTG bereitgestellt werden.

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Der Versuch seitens der WTG, sich am Datenschutzgesetz vorbei zu mogeln, ist aus Sicht der Organisation verständlich, da die Missionierung sich zukünftig deutlich schwieriger durchführen lässt. Hierbei sich aber von den eigenen Anhängern zu distanzieren, in dem man die „Kaltaquise“ lediglich als private und persönliche Ausübung ihres Glaubens hinstellt, ist schon sehr bedenklich, gerade wenn man mit der inneren Struktur der Zeugen Jehovas vertraut ist. Diese Taktik fällt für mich unter den Begriff der „Theokratischen Kriegsführung“ und wurde meiner Meinung nach bereits beim Verfahren zur Anerkennung des Körperschaftsstatus (KdöR) angewandt. Es beruhigt, dass die Richter des EuGH sich in diesem Fall nicht davon beeindrucken ließen und die Vorgehensweise der Zeugen Jehovas erkannt und anscheinend zwischen den Zeilen gelesen haben.

Eine Ausnahme sollte der Christ jedoch stets im Sinn behalten. Als Soldat Christi nimmt er an einem theokratischen Kriegszug teil, und den Feinden Gottes gegenüber muß er größere Vorsicht walten lassen. Die Bibel zeigt deshalb, daß es zum Schutz der Interessen der Sache Gottes angebracht ist, die Wahrheit vor Feinden Gottes zu verdecken.
Wachtturm, 1. August 1960, S. 479-480

Zum Urteil: curia.europa.eu

Quelle: Oliver Wolschke

Jehovas Zeugen – 23 Jahre bei den Zeugen Jehovas: Ich habe viele Höllen durchlebt

Seine ganze Kindheit und Jugend gehörte der jetzt 41-jährige Mann aus St.Gallen den Zeugen Jehovas an. Mit 23 Jahren brach er radikal. Fast zwei Jahrzehnte später sagt er: «Erst jetzt lebe ich ein selbstbestimmtes Leben.» Protokoll eines Ausbruchs aus den Fängen einer Sekte.

Die Kindheit: Missionieren von Haus zu Haus

«Ein kleiner Bub war ich, siebenjährig und zog an meinen schulfreien Nachmittagen mit einem Erwachsenen von Haus zu Haus. Wir klingelten an den Türen, sprachen mit den Menschen über den nahenden Weltuntergang Harmagedon und das anschließende ewige Leben im Paradies, für alle, die sich der Lehre der Zeugen Jehovas unterwerfen. Ich habe diese Predigtdienste gehasst. Besonders den Straßendienst wo man mit dem Wachtturm – der Broschüre der Zeugen – an einer Straßenecke steht. Jedes Mal, wenn ein Klassenkamerad vorbeigegangen ist, habe ich mich geschämt. Bis zu zwölf Stunden im Monat war ich damals unterwegs im Namen der Zeugen Jehovas, um verlorene Seelen zu retten. Es war schlimm, dieses Hausieren, doch was wir erzählt haben, das habe ich mit tiefer Überzeugung geglaubt.

Die Familie: Den Kontakt zur Mutter verwehrt

Mein Vater und meine Stiefmutter lebten mit mir und meinem Zwillingsbruder und meinem älteren Bruder in Wuppertal, Deutschland. Der Kontakt zu meiner leiblichen Mutter wurde mir verwehrt. Sie verschwand aus meinem Leben, als ich etwa fünf war. Bis heute habe ich kaum Kontakt zu ihr. Ich weiss, dass sie mit den Zeugen Jehovas gebrochen hatte und in Alkoholismus und Arbeitslosigkeit abrutschte. Wirklichen Kontakt zu anderen Menschen ausserhalb der Zeugen Jehovas hatte ich nicht.

Ich besuchte zwar die öffentliche Schule, doch es war uns nicht erlaubt, engere Kontakte zu pflegen; keine Geburtstagsfeiern, keine Partys, keine Disco und keine Beziehungen mit Mädchen, denn Sex vor der Ehe ist tabu. Schliesslich konnte man den Nichtzeugen, den Weltmenschen, wie wir sie nannten, nicht trauen. Es waren in unseren Augen allesamt Menschen, die in Harmagedon vernichtet werden würden. Nur uns Zeugen war das ewige Leben sicher. Nur für dieses lebten wir.

Die Predigtdienstschule: Selber denken nicht erwünscht

In der Predigtdienstschule – der Gottesdienst der Zeugen am Freitag und am Sonntag – lernte ich, kaum konnte ich schreiben, kleine Fünfminuten-Vorträge über ein biblisches Thema zu halten. Das gehörte genauso dazu, wie das wöchentliche Treffen mit Buchstudium in einer Privatwohnung. Dort arbeiteten wir Bücher durch mit Fragestellungen zum biblischen Leben. Die Antworten waren allesamt schon feinsäuberlich notiert. Selber denken und hinterfragen war ausdrücklich nicht erwünscht.

Das schwarze Schaf: In einem Kellerzimmer

Der ältere Bruder war eine Enttäuschung für meine Eltern. Er hat sich von den Zeugen abgewendet, trank Alkohol und hörte Heavy Metal-Musik. Schon früh führte er ein abgesondertes Leben ohne Kontakt zur Familie in einem Zimmer im Keller. Dieses Zimmer war für uns tabu. Unser Bruder auch. Ich hatte keinen Kontakt zu ihm. Manchmal, wenn niemand zu Hause war, schlich ich mich in das Zimmer im Keller und sah mich um. Unser ältester Bruder war viel bei unserer Großmutter. Sie hat viel geweint und hatte keine Chance, zu meinem dogmatischen Vater durchzudringen. Mein ältester Bruder bewegte sich zeitweise in der rechtsradikalen Szene.

Die Lehre: Beruf spielt keine Rolle

Nach der Schule begann ich eine Lehre als Chemikant. Ich habe diesen Beruf gehasst. Aber ich war überzeugt, dass das Ende nahe ist, und es gar keine Rolle spielt, was für einen Beruf ich lerne.

Die Ehe: Nur gestritten, ohne Liebe

Das nächste Kapitel, das nie hätte sein dürfen: Mit 21 Jahren habe ich geheiratet. Wir waren nicht reif dafür. Wir sind uns körperlich näher gekommen, das war strikt verboten vor der Ehe. Ich glaubte, dass Gott alles sieht, sogar meine Gedanken lesen kann. Wir mussten es beichten und – heirateten. Zur gleichen Zeit, als ich Heiratspläne hegte, verliebte sich mein Zwillingsbruder in ein Mädchen ausserhalb der Zeugen und wurde ausgeschlossen aus der engen Gemeinschaft. Er war mein wichtigster Mensch für mich und ich durfte ihn nicht an meine Hochzeitsfeier einladen. Ausgestiegene Zeugen sind das Schlimmste für die Versammlung, denn sie haben sich bewusst von der einzigen Wahrheit abgewendet. In ihren Augen sind sie noch schlimmer als Mörder oder Vergewaltiger. Mein Hochzeitstag war die Hölle, mein schlimmster Tag. Auch die Ehe geriet zur Katastrophe. Wir haben nur gestritten, waren nicht reif genug, haben uns nicht geliebt. Die Verbindung hielt zwei Jahre.

Der Bruch: Schuldig und verdammt

Mein Zwillingsbruder, der mittlerweile fern von den Zeugen Jehovas im deutschen Passau lebte, suchte in dieser Zeit immer wieder den Kontakt zu mir, bis ich ihn dann besuchte. Zusammen mit ihm ging ich erstmals im Alter von 23 Jahren an eine Gothic-Party und verliebte mich unsterblich in ein Mädchen. Sie war der Grund, weshalb ich mit den Zeugen Jehovas, mit meinem ganzen alten Leben brach. Ich kündigte meine Stelle, liess mich scheiden, brach den Kontakt zu meinem Elternhaus komplett ab. Es war nicht die Überzeugung, dass die Zeugen falsch lagen mit ihrer Weltanschauung. Im Gegenteil, ich habe mich schuldig und verdammt gefühlt. Ich war mir sicher, dass ich jetzt verloren bin. Ich konnte mich nicht mehr ansehen, war der Überzeugung, dass Gott mich hasst, malte mein Gesicht weiss, die Lippen schwarz an, trank mich jeden Abend mit Absinth und Whiskey weg und wurde Satanist – wenn Gott mich hasst, muss mich der Teufel lieben.

Gleichzeitig hatte ich einen riesigen Freiheitsdrang und beschäftigte mich exzessiv mit Magie, Okkultismus und Satanismus. Ich wollte alles wissen und dieses riesige schwarze Loch in mir irgendwie füllen. Die Beziehung zur neuen Liebe, eine Frau mit Borderline-Syndrom, hielt dreieinhalb Jahre. Und dann lernte ich Carl Friedrich Frey – genannt Akron – in St.Gallen kennen. Er ist der Grund, weshalb ich hier in St.Gallen lebe. 17 Jahre lang hatte ich ein Schüler-Lehrer-Verhältnis zu ihm. Er hat mir geholfen, für mich selber zu denken und zu hinterfragen, er half mir, mein altes Weltbild in einem langen Prozess zu zerstören und an meine eigene Freiheit zu glauben. Es war eine Schlüsselbegegnung in meinem Leben. Nach seinem Tod im letzten Jahr hat er mir sein Amulett, das er ständig trug, vererbt.

Das neue Leben: Endlich fähig, zu genießen

Die Beziehung zu meiner nächsten Freundin dauerte dann zehn Jahre. In dieser Zeit fing ich an zu gamen, ich lebte komplett in einer künstlichen Welt durch diese Spiele. Zudem beschäftigte ich mich ständig mit dem Tod. Bei den Zeugen herrscht die Überzeugung, dass nach Harmagedon das Leben erst richtig beginnt. Das jetzige Leben ist nur die Vorbereitung auf das ewige Leben im Paradies. Mit 30 Jahren fing ich nochmals eine Lehre als Mediamatiker an. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und würde sagen, dass ich seit zwei, drei Monaten bereit bin, das Leben endlich zu genießen, fähig bin, Neues auszuprobieren und endlich beziehungsfähig bin. Auch mein Zwillingsbruder hat nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Rehabilitationsklinik den richtigen Weg gefunden. Er hat das Abitur nachgeholt und studiert jetzt Philosophie, möchte doktorieren. Ich habe viele der Höllen erlebt, in denen Menschen stecken können. Ich kann mich deshalb sehr gut in Menschen hineinfühlen. Wahrscheinlich wird es in meinem Leben immer depressive Phasen geben, doch ich gebe diesen nicht mehr nach.»

InfoSekta: Am meisten Anfragen zu Jehovas Zeugen 

2400 Personen suchten im Jahr 2017 Hilfe bei der Fachstelle für Sektenfragen. Wie es im neusten Bericht von InfoSekta heißt, erhält die Fachstelle seit Jahren am meisten Anfragen zu den Zeugen Jehovas, zunehmend auch von verunsicherten Noch-Mitgliedern, Aussteigern und Ausgeschlossenen. Ein großes Thema ist der sexuelle Missbrauch von Kindern im geschlossenen System der Zeugen Jehovas. In mehreren Ländern laufen Gerichtsverfahren wegen sexueller Übergriffe gegen Mitglieder der christlich-fundamentalistischen Gemeinschaft. Ratlosigkeit angesichts der Verblendung der Betroffenen, Angst vor dem Auseinanderbrechen der Familie, schleichende Entfremdung bis hin zum Kontaktabbruch und Angst um das Wohl der Kinder, die unter sektenhaftem Einfluss stehen, sind die häufigsten Gründe für eine Anfrage bei InfoSekta. Infosekta ist eine konfessionell unabhängige Beratungsstelle für Fragen rund um sektenhafte Gruppen und verwandte Themen. Die Fachstelle besteht seit 1991. (chs)www.infosekta.ch

Quelle: luzernerzeitung.ch | Christa Kamm-Sager

Jehovas Zeugen – Lebensbericht: „In der Sekte hatte ich Angst vor Gott!“

Markus aus Zürich wuchs als Zeuge Jehovas auf. Im Gespräch erzählt er von seinem Alltag in der Sekte, dem Gefühl ständig unter Druck und Beobachtung zu stehen und seinem Ausstieg.

Vor zwei Jahren begann für den 26-jährigen Zürcher Markus ein neues Leben – er verließ die Zeugen Jehovas. Eine Glaubensgemeinschaft, die den Alltag all ihrer Mitglieder streng kontrolliere und bewusst lenke, wie wir erfahren. «Ich bin in dieser Sekte aufgewachsen und stand entsprechend unter ihrem Einfluss. Für mich war es normal, ich kannte es nicht anders», erinnert er sich.

Die Bibelstunden waren richtig öde

Trotzdem hat er schon früh bemerkt, dass seine Familie nicht so war, wie die seiner Mitschüler. «Wir haben zum Beispiel nie Geburtstag oder Weihnachten gefeiert. Die anderen Kinder haben oft gefragt, warum ich anders bin – ich wusste es aber selbst nicht.» Anstelle von Kindergeburtstagen gab es Zusammenkünfte im Versammlungszentrum der Zeugen, dem «Königreichssaal». Dreimal die Woche.

Hier wurden Bibelpassagen studiert, von den «Ältesten» Reden über das «richtige» Leben gehalten und neue Erkenntnisse aus dem «Wachtturm» – der sekteninternen Zeitschrift – weitergegeben. Immer und immer wieder. «Natürlich war das richtig öde für uns Kinder. Wir haben immer nur darauf gewartet, dass es endlich vorbei ist und wir miteinander spielen können.»

Die frohe Botschaft vom Weltuntergang

Freundschaften oder gar Beziehungen mit «Weltlichen», wie die Zeugen alle Nicht-Angehörigen nennen, sind zwar nicht explizit verboten aber offen verpönt. Der Kontakt soll auf ein nötiges Minimum beschränkt werden, um sich vor schlechten Einflüssen zu schützen. «Die Zeugen leben in einer eigenen Blase. Alles, was da nicht reinpasst, ist satanisch. Sie haben einfach diese starke Schwarz-Weiss-Denkweise.»

Allein beim Missionieren sei es sogar erwünscht, sich nach aussen zu öffnen. So musste auch Markus von Tür zu Tür gehen, um vollkommen fremden Menschen die frohe Botschaft zu verkünden. «Die frohe Botschaft ist, dass die Welt untergeht», grinst der Sachbearbeiter. «Beziehungsweise, dass sie untergeht und man gerettet werden kann, wenn man sich den Zeugen Jehovas anschliesst.»

Harry Potter und Selbstbefriedigung sind dämonisch

Erste Zweifel an der Lehre der Sekte kamen ihm schon in früher Jugend. «Harry Potter war dämonisch, genau wie viele Filme und Musiker, Sex vor der Ehe, Selbstbefriedigung sowieso. Sogar die falschen Klamotten oder Frisuren können schon ein Affront sein. Man steht ständig unter Druck, wird genau beobachtet», sagt der Aussteiger.

«Sobald jemand das Gefühl hat, dass du auch nur ansatzweise vom Weg abkommen könntest, wirst du mit Gott konfrontiert. Sie fragen dich, ob du ihn traurig machen willst. Das willst du natürlich nicht.» Der Psychoterror war subtil, aber allgegenwärtig. «Ich war immer beschämt, wollte nie etwas falsch machen. Hatte fast schon Angst vor Gott und betete immer um Vergebung.»

Schon bei kleinen Vergehen, wie das Tragen einer «unangemessenen» Hose, müsse man mit öffentlicher Bloßstellung und Standpauken rechnen. Auch der Verlust von Privilegien wie Missionsarbeit sei eine häufige Strafe für falschen Lebenswandel.

Ein hoher Preis für ein freies Leben

Obwohl er sich schon sehr lange unwohl gefühlt habe, war es nicht einfach, sich aus der Gemeinschaft zu lösen. Ihm war immer klar, dass ein Ausstieg bedeuten würde, sein gesamtes bisheriges Leben zurückzulassen und ganz neu zu beginnen. Soziale Kontakte zu Aussteigern – «Abtrünnigen» – sind den Zeugen Jehovas untersagt. Trotzdem hat Markus den Schritt gewagt. Er hat sich quasi über Nacht und ohne grosse Worte aus der Gemeinde zurückgezogen.

Zu seinen Eltern hat er heute noch Kontakt – entgegen dem Drängen aus den Reihen der Gemeinschaft sind sie nicht bereit, ihren Sohn zu verstoßen. Alle anderen Beziehungen, teils auch jahrelange gute Freundschaften, sind von einem Moment auf den anderen in die Brüche gegangen. «Manche Leute fehlen mir sehr. Es tut auch weh, wenn ich ihnen auf der Strasse begegne und sie gehen an mir vorbei, als würden sie mich nicht kennen.»

Seine Entscheidung für ein neues Leben bereue er aber ganz und gar nicht. «Meinen Glauben habe ich verloren. Dafür habe ich jetzt den Raum und die Freiheit, meine Persönlichkeit zu entfalten und endlich ich selbst zu sein.»

Quelle: tilllate.com | Benjamin Quirico

Jehovas Zeugen – Wenn Kindesmissbrauch vertuscht wird

Zeugen Jehovas sind weltweit angeklagt, dass sie Tausende von pädophile Straftätern durch die interne „Zwei-Zeugen-Regelung“ schützen. Dem einzelnen Zeugen Jehovas wird immer wieder versichert, dass die Organisation die Kinder schütze, und dies alles nur die „Angriffe Satans“ seien durch seine Helfer, den sogenannten „Abtrünnigen“. Entspricht dies der gesamten Wahrheit? Sehen Sie selbst, wie falsch die Aussagen der leitenden Körperschaft sind, verbunden mit der wirklichen Realität und den aufgedeckten Missetaten.

An die leitende Körperschaft

Wahrheiten jetzt! ist dankbar dafür, dass die Wachtturm-Gesellschaft der Website so viel Aufmerksamkeit gibt. Die Themen auf dieser Website müssen die Wachtturm-Gesellschaft so sehr stören, dass sie alles daran setzen den Betreiber in Gerichtsprozesse zu ziehen um ihm hohe Geldstrafen (bis zu 250.000€) oder ersatzweise 6 Monate Haft anzudrohen. Liebe leitende Körperschaft, D. H. Splane, A. Morris III., D. M. Sanderson, G. W. Jackson, M. S. Lett. S. F. Herd, G. Lösch und G. H. Pierce:

Die Wahrheit steht von alleine aufrecht, nur die Lüge braucht Gesetzesschutz!

Erwartet Gott und Jesus das von euch? Hätte Jesus so gehandelt? Ihr sagt von euch selbst das ihr vom "Geist geleitet" seid. Ihr sagt selbst das ihr geistgesalbte Christen seid. Ihr sagt selbst das die Bibel über allem steht. Warum macht ihr euch dann selbst, durch Gerichtsprozesse lächerlich? Warum versucht ihr erneut zu richten? Warum wollt ihr nicht in die Fußstapfen Jesu treten, der so mild gesinnt war?

"Nun hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat?" (Johannes 18:10, 11)

Da ihr euch offensichtlich auf dem Weg der Finsternis befindet, wünscht euch Wahrheiten jetzt! sehr baldig, Jesus anzuerkennen und ihm nachzufolgen, um dem Willen des Vaters zu tun!